Ereignisreich und emotional: Roger Waters in Berlin und Mannheim

Roger Waters 4.6.2018 Mannheim

Bericht und Fotos von Marcus Blume

Ein ereignisreiches, sehr emotionales aber auch anstrengendes Wochenende liegt hinter mir. Der Ursprüngliche Plan war, am Freitag ganz in Ruhe mit dem Auto von München nach Ostwestfalen zu fahren, ein paar Familienmitglieder aufzugabeln, um dann am Samstag recht früh nach Berlin aufzubrechen, um vor dem Konzert noch ein bisschen die Stadt zu erkunden. Meine letzten Berlin Besuche sind zwar noch gar nicht so lange her (zuletzt 2017 bei der U2 Joshua Tree Tour), aber weiter als bis zum Olympiastadion bin ich nie gekommen. Das ich wirklich im Zentrum war, liegt mittlerweile knapp 20 Jahre zurück. Da war der Reichstag noch eine Großbaustelle, das Regierungsviertel nicht existent und der Palast der Republik stand eingezäunt und völlig runtergekommen in der Gegend herum. Also stand für Samstag Sightseeing auf dem Programm. Aber dann kam die Zusatzshow dazwischen. Denn als sich mir die Möglichkeit bot, in der Reihe 3 direkt am Mittelgang mit freier Sicht auf Roger ein Ticket zu ergattern, dann auch noch 60€ unter dem regulärem Preis, konnte ich einfach nicht mehr widerstehen. Also ging es am Freitag nicht nach Ostwestfalen, sondern direkt mit dem Auto nach Berlin. Nach 6 Stunden Fahrt, davon 1 Stunde mitten durch die Stadt, bin ich völlig fertig bei 34 Grad aus dem Auto gerollt.

Nach einer kurzen Stärkung und mit Einsetzen des Regens habe ich mich bereits um kurz nach 18 Uhr in die Halle begeben. Dort war es lausig kalt. Vermutlich habe ich mir da die Mandelentzündung zugezogen, die mich seit gestern quält. Nun gut, also im Innenraum angekommen, habe ich mir in aller Ruhe die Bühne, die ganze Technik und was es sonst noch so zu sehen gab, angeschaut. Und in Natura war der Sitzplatz noch viel besser als angenommen. Durch den Mittelgang und durch die Reihe 3 ein Stück zurück von der Bühne, hatte ich einen ungestörten Blick und gefühlt waren es nur 10 Schritte bis zu Rogers Platz. Wie immer pünktlich, ging es um 20 Uhr los und 20 Minuten später rollten die ersten Töne von „Breathe“ durch die Halle. Der Klang war überwältigend und bereits nach ein paar Minuten war ich völlig eingetaucht in die Musik und hatte nur noch Augen für Roger und die übrigen Bandmitglieder, die in meinem Blickfeld agierten. Wie die Stimmung insgesamt war, ehrlich gesagt habe ich davon nichts mitbekommen. Und die visuellen Effekte waren mir durch meine Toronto Konzerte bereits bestens bekannt und wurden an dem Tag völlig zur Nebensache. Ich war „gefangen“ in meiner Pink Floyd Welt.

A Fleeting Glimpse

Zwischendurch hatte ich 2-3 mal das Gefühl, Roger würde mich anschauen. Aber zu dem Zeitpunkt war ich mir sicher, das ist Quatsch. Warum sollte er ein oder zwei, vielleicht auch mehr Zuschauer in all den vielen Shows genauer in Augenschein nehmen. Bei der Menge an Konzerten und den vielen Gesichtern und Menschen die er zu sehen bekommt. Doch dann kam der magische Moment. Irgendwie ist es mir gelungen, bei „Comfortably Numb“ an den Konzertgraben zu gelangen. Langsam aber sicher rückte Roger, abgeschirmt von seinen Sicherheitsleuten, immer näher. Schnell noch ein Foto und dann für den großen Moment bereit gemacht. Als ich ihm meine Hand hinstreckte, schrak er kurz zusammen und ich war überrascht, wie leicht und auch ängstlich seine Berührung war. Sein Bodyguard trieb ihn weiter aber nach 2 Schritten drehte er sich plötzlich noch einmal zu mir um und rief mir 2 Sätze zu und schaute mir dabei direkt in die Augen. Da war ich mir sicher, er hat mich während der Show tatsächlich registriert. Völlig perplex habe ich nach der Verabschiedung der Band die Halle verlassen und konnte diese Begegnung der 3. Art nicht wieder vergessen. Die ganze Fahrt über nach Ostwestfalen, schließlich musste ich noch wie ursprünglich geplant, die Familienmitglieder aufsammeln, konnte ich über nichts anderes mehr nachdenken. Und ich weiß, die 2 Sätze die Roger mir zugerufen hat und die Geste die er dabei gemacht hat, werde ich nie vergessen.

Nach 3 Stunden Schlaf ging es dann wieder mit der Familie im Schlepptau zurück nach Berlin. Völlig übermüdet und nach 4 Stunden Autofahrt war ich froh, endlich ein paar entspannte Stunden ohne wirkliches Programm beim Bummeln und Sightseeing zu haben. Schnell noch einen kurzen Blick auf Werners Seite. Und an dieser Stelle muss ich noch einmal erwähnen, wie Großartig Pulse & Spirit ist. Danke an Werner für all die Mühe und Zeit die er in seine Seite investiert, für die unglaubliche Aktualität aber auch Danke an all die User. Denn der kurze Hinweis von Ole „Wie wir gerade von einem Autogrammjäger erfahren haben residiert Roger im Hotel de Rome. Um 16.00 Uhr fährt er zur Halle, 15.45 Uhr kommt er raus und gibt Autogramme“ sollte noch ein Nachspiel haben.

Eigentlich bin ich kein Autogrammjäger und daher ist die Info eher an mir abgeprallt. Ich kann mir etwas Besseres mit meiner Zeit vorstellen, als stundenlang wartend vor einem Hotel zu stehen. So bummle ich also durch Berlin, schaue nach links, schaue nach rechts und wieder zurück nach links. Plötzlich stutze ich, ist da am Ende des Platzes nicht das besagte Hotel? Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt mir, 15:30 Uhr. Wie war das noch, um 15:45 Uhr kommt Roger aus dem Hotel und gibt Autogramme. Jetzt wäre es blöd, diese Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen. Also auf zum Haupteingang. Einige Menschen lungerten bereits um das Hotel herum. Der Tipp konnte tatsächlich stimmen. Also ebenfalls rumgelungert. Immer mehr Menschen gesellten sich dazu, mittlerweile auch deutlich als Pink Floyd Fans, Autogrammjäger oder eBay Spekulanten auszumachen. Ausgerüstet mit Fotos, Plattenhüllen oder CD’s. Und was hatte ich, nichts außer leere Hände. Schnell ein bisschen im Rucksack gewühlt und da war es, das leicht vergilbte und mit Eselsohren versehene DIN A5 Blatt. Als dann der Bodyguard vom Vorabend auftauchte und erklärte, wie alles von Statten gehen sollte, stieg meine Hoffnung auf ein Autogramm und eine 2. Begegnung mit Roger in nicht einmal 24 Stunden. Aber wie würde er auf den Zettel reagieren? Endlich war ich an der Reihe. Der Sicherheitsmensch fragte mich, was ich denn zu signieren hätte. Ich dann, sorry, leider nur den kleinen Zettel. Ob das schlimm sei, dann würde ich wieder gehen. Roger blickte mich an, griff sich den Zettel, unterschrieb, sprach noch zwei drei Worte zu mir und ich konnte mein Glück nicht fassen. Doch wie komme ich nun noch an ein schönes Foto. Die Menschentraube auf dem Platz wurde immer größer. Da sah ich die offene Tür durch die Roger in seine Limousine steigen sollte. Schnell auf die andere Seite gestellt und so stand ich ihm beim Einsteigen direkt gegenüber. Das Sightseeing und Bummeln war ab dem Moment für  mich gelaufen. Wohin nur mit all diesen Emotionen? So wurde der zweite Konzertabend in Berlin für mich extrem emotional und ergreifend.

In and out Mannheim

Stunden später zurück in Ostwestfalen, nach einer Mütze voll Schlaf und einem Sonntag der aus Verarbeiten all der Geschehnisse bestand, ging es am Montag noch nach Mannheim. Mittlerweile sind aus starken Halsschmerzen eine Mandelentzündung geworden und meine Stimme klingt in etwa so wie die von Roger, der dringend eine längere Pause bräuchte. Nicht nur seine Stimme klingt sehr mitgenommen, auch körperlich sah er in Mannheim sehr angeschlagen aus.

Mein Fazit nach dieser Konzertreise: Es ist schön, dass Roger körperlich und geistig noch so fit ist und sich diese Tour gibt. Für mich ein unvergessliches Erlebnis. Danke an Pink Floyd für all die geschaffenen Werke und Danke an Roger Waters, der mich nach diesem Wochenende noch tiefer mit Pink Floyd hat verschmelzen lassen! Ich freue mich schon auf mein persönliches Abschiedskonzert seiner Us+Them Europatour bei mir zu Hause in München…

 

9 Antworten

  1. Werner Werner sagt:

    Vielen Dank für deinen Bericht Marcus! Einzigartige Erlebnisse! Zweimal Waters aus nächster Nähe! Er hat den Richtigen ausgewählt! Kann kein Zufall gewesen sein!

    Das Autogramm würde ich mit dem „Meddle“ Hintergrund einrahmen lassen! Sieht klasse aus!

  2. Thomas sagt:

    Sehr schöner und emotionaler Bericht, Marcus. Danke dafür. Und schließe mich dem Dank an Werner an für seine unermüdliche Arbeit.

    • Werner Werner sagt:

      Danke Thomas für die Anerkennung!
      Ohne einer gehörigen Portion Liebe zu Pink Floyd und dem gesamten Kosmos, der mit dieser Band mit einhergeht, würde ich diesen Antrieb nicht besitzen! Emotion ist eine starke Kraft!
      Das Pulse & Spirit so ein Floyd’sches Kleinod im weltweiten Internet geworden ist verdanke ich auch seinen Besuchern (und seinen lieben Helfern im Maschinenraum)! Wir sehen uns in Zürich!

  3. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Danke für den schönen Bericht, Marcus, wow, das waren bestimmt ergreifende Momente! Ich hatte am Samstag in Berlin, als er nach CN kuru vor mir stand, auch das Gefühl, er hat etwas Angst vor mir (kein Wunder bei meiner imposanten Erscheinung!) und der kurzen Berührung, aber gesprochen hat er nichts! Wow, was waren denn die zwei Sätze (im O-Ton), die er zu Dir sagte?
    Auch ganz toll, dass Du in dem Zusammenhang der Konzerterlebnisse ein Autogramm von Roger bekommen hast! Prima! Mir ging es auch einmal so, ich hatte nichts rein gar nichts zum Draufunterschreiben dabei, als ich mal zufällig in einer Kneipe Freddy Mercury traf, da musste dann ein einfacher Zettel (mit Bierwerbung drauf) von der Bedienung des Lokals herhalten, haha 🙂 Nächstes Konzert ist bei mir auch in meiner Heimat München, nächste Woche, vielleicht sieht man sich! Cheers.

    • GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

      Quark, Falscher Fehler! Das war Freitag nicht Samstag! Vor lauter Berührungen bringe ich schon die Tage durcheinander 🙂 Die Message mit dem Hotel hatte ich auch im Forum gesehen, aber zu knapp, ich war ca. 1 Stunde davon entfernt.

  4. Wolfgang sagt:

    Danke Marcus für deinen Bericht. Freue mich schon auf das Konzert nächtse Woche in München. So lange habe ich darauf gewartet und jetzt ist es nicht einmal mehr 1 Woche bis ich dabei sein kann. Das ist schon bewegend.

  5. Johannson sagt:

    Schöner emotionaler Bericht, bin schwer beeindruckt und neidisch ( im guten Sinne). Die ‚‘Hotelinfo‘ hatte ich zu spät gelesen, wie dem auch sei, wahrscheinlich hätte ich vor Aufregung warmen Kartoffelbrei in der Büx gehabt…
    Danke!

  6. Jogu sagt:

    Danke für den herrlichen Report

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