Roger Waters: Zürich Hallenstadion → Us & Them als Doppelpack

Roger Waters 2018 Zürich Hallenstadion

Bericht und Fotos von Richard Fischer

Nach ´84, ´07, und ´11 nun wieder bei Roger im Hallenstadion (28. & 29. Mai). Prächtiges Frühsommer-Wetter, genialer ÖPNV, extrem entspannter Einlass (kein lästiges Warten, lässige Kontrollen, freundliche Gesichter). Exakt ein Jahr nach den Konzerten in Louisville und St. Louis nun also mein drittes und viertes europäisches „Date“ nach Prag (28. April) und Wien. Die Show hat sich (ähnlich wie bei den Wall-Konzerten) in der Zwischenzeit sowohl optisch als auch akustisch weiter entwickelt und fokussiert. Alles erscheint nun noch präziser, noch weiter auf den Punkt gebracht. Zusätzliche Details sind dazu gekommen (oder erst jetzt aufgefallen). Ganz sicher neu sind (die sprichwörtlich) die Pause füllenden Kommentare die sein „Anliegen“ in den zwanzig, ruhigeren Minuten des Abends Demjenigen nahe bringen, der sich damit, wie auch immer geartet, auseinandersetzt. Das ist sicher Geschmacks- und nicht jedermanns -Sache. Aber wer einen RW-Event besucht und nicht komplett unvorbereitet ist, der weiß das (à take it or leave it). In der Rückschau über die letzten 34 Jahre und demnächst über 50 besuchten RW Konzerten wird eines klar: Die mit der Show systemimmanent beabsichtigte „Botschaft“ wird vor allem seit & inklusiv der 2010-2013 Wall-Tour nicht mehr hauptsächlich über die Musik und die Songtexte, sondern in zunehmendem Maße optisch und nun eben auch über das geschriebene und gesprochene Wort transportiert (Letztere sind in ihrer aktuellen Ausprägung bei der U&T-Tour eine weitere Steigerung). Von Altersmilde also keine Spur!! Sein Zorn, sein emotionales Engagement, ja seine Mission wird – mit nun Mitte Siebzig – geradezu plastisch greifbar, so plastisch wie Algie über und vielleicht auch in den Köpfen des Publikums schwebt.

Das gesamte Konzert ist vor allem aber auch ein technisch außergewöhnliches Kunststück. Mit extremem Aufwand und hoher Detailliebe werden die beiden Hälften, die wie aus einem Guss kommen, optisch und akustisch inszeniert. Da passt alles perfekt zusammen. Je öfter ich es sehe und höre (von sehr unterschiedlichen Sitzplatz-Positionen aus) umso mehr fängt es mich ein. Ich möchte keinen Song missen, alle sind an ihrem rechten Platz und das gilt vor allem auch für die vom neuen Album, die sich geschmeidig einfügen, grad‘ so, als ob sie schon irgendwie immer da gewesen wären. Der Sound an beiden Abenden war Kristall-klar, laut und buchstäblich durchdringend. Die Band ist zu einer hervorragenden Einheit geschweißt.

Es ist müßig Highlights zu benennen, eines ist für mich allerdings klar: „Pigs (Three Different Ones)“ geht nicht besser…

Die schier nicht enden wollende Flut der Bilder unterstützt auf fast schon penetrante Weise die Bedeutung der Melodien und der Texte der uns so sehr wohl-bekannten, immens vertrauten und stets im Ohr wider-hallenden Songs. Das fordert die Sinne und das Hirn gleichermaßen. Schließlich nimmt aber alles mit „Brain Damage“ und „Eclipse“ unter der stattlichen Pyramide ein versöhnliches, behütetes weil allzu vertrautes „erstes“ Ende.

Am Montag hat er nach längerer Ansprache und dann nach Widmung an seine Mutter „Mother“ gespielt, am Dienstag dann das finale Trio von ITTLWRW. Beides kommt mit sehr viel Emotion und Leidenschaft. Besonders bemerkenswert mag sein, daß Roger gegen Ende des CN Solos im „Orchestergraben“ (dort wo u.a. die Schienen für die Kameras liegen) verschwindet, die Securities höchst nervös machend die Hände derjenigen abklatscht, die seiner Ansage („You can stand up“) folgen konnten. Ich war an der Reihe, und nach einem doch überraschend kräftigen Klaps ist er zurück auf die Bühne zum final bow.

Nun geht es nach Berlin…“The show must go on“

Statistik:

Tournee: Us+Them
Spielstätte: Hallenstadion
Plätze: 10.000
Adresse: Wallisellenstrasse 45, 8050 Zürich
Tickets: CHF 251.90, CHF 226.90, CHF 166.90, CHF 141.90
Beginn: 20:20 Uhr | Einlass: 18:30 Uhr

Band:

Roger Waters: Vocals, Bass, Guitars
Joey Waronker: Drums, Percussion
Jonathan Wilson: Guitars, Bass, Vocals
Gus Seyffert: Guitar, Bass, Keyboards, Backing Vocals
Dave Kilminster: Guitars, Bass, Talkbox, Backing Vocals
Bo Koster: Hammond-Orgel, Piano, Keyboards
Jess Wolfe: Vocals, Percussion
Holly Laessig: Vocals, Percussion
Ian Ritchie: Saxophon, Bass
Jon Carin: Keyboards, Guitars, Backing Vocals

Setlist:

28.5.2018

Set 1:
01. Speak to Me (Intro)
02. Breathe
03. One Of These Days
04. Time
05. Breathe (Reprise)
06. The Great Gig in the Sky
07. Welcome To The Machine
08. Déjà Vu
09. The Last Refugee
10. Picture That
11. Wish You Were Here
12. The Happiest Days of Our Lives
13. Another Brick in the Wall (Part 2)
14. Another Brick in the Wall (Part 3)
Set 2:
15. Dogs
16. Pigs (Three Different Ones)
17. Money
18. Us and Them
19. Smell the Roses
20. Brain Damage
21. Eclipse
22. Mother
23. Comfortably Numb

29.5.2018

Set 1:
01. Speak to Me (Intro)
02. Breathe
03. One Of These Days
04. Time
05. Breathe (Reprise)
06. The Great Gig in the Sky
07. Welcome To The Machine
08. Déjà Vu
09. The Last Refugee
10. Picture That
11. Wish You Were Here
12. The Happiest Days of Our Lives
13. Another Brick in the Wall (Part 2)
14. Another Brick in the Wall (Part 3)
Set 2:
15. Dogs
16. Pigs (Three Different Ones)
17. Money
18. Us and Them
19. Smell the Roses
20. Brain Damage
21. Eclipse
22. Wait For Her
23. Oceans Apart
24. Part of Me Died
25. Comfortably Numb

8 Antworten

  1. AE sagt:

    Heute also die neuen Songs als Zugabe! Ich denke mal das wird in Berlin auch so sein. Die Solos von Animals sind einfach unglaublich. Leider werden wir das von Gilmour nicht mehr zu hören kriegen. Aber: ich habe Roger Waters die Hand geschüttelt, jetzt bleibt nur noch die REUNION. Ich sag nur Erdbeben. Go Nick go!

    • Werner Werner sagt:

      Wow, super! Die drei neuen Songs und dann noch Waters Handschlag! Da geht kaum noch was drüber!!

    • GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

      Ja, super, Du Glückspilz! Das war bestimmt magisch, Roger zu berühren! Dufte! Dann bereite ich mich schon mal seelisch auf WAIT FOR HER am Samstag vor! Das könnte ein Gänsehaut-Moment für mich werden, weil ich den Song sehr mag. Freue mich riesig drauf!
      How can we be sure? Wer weiss, vielleicht packt David auf der nächsten Tour doch noch die Animals aus, das wär tierisch! Who knows. Pigs might fly! Cheers.

      • Oliver sagt:

        Also ich habe so das Gefühl, dass Waters Wait for me beim Zusatzkonzert in Berlin spielen wird, und das wäre der erste Abend. Nur so’n Gefühl, aber in Lissabon war’s ja wohl auch so!

  2. Andreas sagt:

    Das erste Konzert in Zürich war schon Fantastisch, aber das zweite war nochmal eine Stufe besser. Als er angekündigt hat, dass er die drei neuen Lieder als Zugabe spielt war einfach magisch. Ich hatte nach Mailand schon das zweite mal Glück Roger Waters die Hand zu reichen. Den lieben Security‘s sei Dank 🙂

  3. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Danke Richard für den schönen Bericht und Fotos! Eine schöne Einstimmung auf die bevorstehenden Konzerte heute und morgen in Berlin! Wir haben uns bei der Album-Präsentation vor einem Jahr in München getroffen!
    Was mir spontan auffällt, der Schriftzug „menschlich bleiben“ auf dem Schwein sehe ich grad zum ersten Mal! Ich war auch in Wien, dort war das meine ich nicht drauf, oder hab ich das vor Begeisterung übersehen? Muss jetzt packen, Flieger geht um 12, Ina, ich komme… 😉 LG

  4. Werner Werner sagt:

    Vielen Dank Richard für den Bericht und die Bilder! Super das ihr euch am Ende berührt habt! Wenn Roger gewusst hätte, dass du schon Bei „Pros And Cons“ 1984 im Hallenstadion dabei warst, wer weiß vielleicht hätte er kurz verweilt bei dir!

  5. Ina Ina sagt:

    Toller Bericht! Vielen Dank für die Fotos und Emotionen!
    Nur noch 7 Stunden bis zu unserem Start zu „Us + Them“. Aufgeregt!
    Oliver gelandet und gleich werden wir die restlichen Stunden zum Klönen über Pink Floyd nutzen, Bierchen inklusive. Vielleicht treffen wir den Einen oder Anderen dieser Fanseite heute Abend!

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