Roger Waters versus Münchner Oberbürgermeister

Roger Waters 16.5.2018 Wien Stadthalle

„Es ist ein kleiner Schritt vom Verbieten eines Rockkonzerts zum Verbrennen von Büchern“, sagte Roger Waters während seiner Rede in der Münchner Olympiahalle. Er war von der Superstimmung des Publikums in der Olympiahalle äußerst positiv überrascht. Seine Erwartungen seien nicht mehr allzu groß gewesen nachdem er von der Pressemitteilung des Oberbürgermeisters Dieter Reiter erfahren hatte, der sein Konzert am liebsten abgesagt hätte!

Roger Waters: Dank der Liebe, die mir hier entgegengebracht wurde, bin ich hoffnungsvoller als bei meiner Ankunft in München.

„Umso wichtiger ist es mir, im Vorfeld des Konzerts unmissverständlich klarzustellen, dass die antisemitische Stimmungsmache Roger Waters‘ in München weder willkommen ist noch unwidersprochen bleibt.“, dass schrieb Herr Reiter am Ende seiner Mitteilung, die einen Tag vor dem Auftritt auf der Webseite der Stadt München erschien. Hier der Link: Zum Auftritt von Roger Waters in der Olympiahalle.

Waters reicht es. Er will das die Presseerklärung des Oberbürgermeisters von der Internetseite der bayrischen Landeshauptstadt entfernt wird und hat den Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz damit beauftragt.

Presseinformation: Roger Waters Roger Waters wehrt sich gegen Antisemitismus-Vorwurf durch Münchener Oberbürgermeister Reiter

Ich danke Arne, Oliver und Jan für die Hinweise!

42 Antworten

  1. Ralf sagt:

    Sehr bedenklich wie sich Politiker so offensichtlich, durch wen auch immer, instrumentalisieren lassen.
    Auch ein OB von München müsste doch die rein Israel-politische Kritik von einem pauschalisierten religiösen Juden-Hetzen unterscheiden können, wenn er sich denn wirklich mit Roger Waters Aktivitäten und Aussagen beschäftigt hätte.
    Dieses Statement der Stadt München stößt bei mir genauso auf Unverständnis wie die Präsentationsboykotte von WDR und Konsorten.
    Wer steuert und entscheidet sowas?

  2. Oskar Oskar sagt:

    Recht hat er, der Roger!

  3. Johannson sagt:

    Nun gut (besser schlecht), die Stadt wird die Frist nicht einhalten.
    Unterlassung? Das wäre eine interessante Option. Sie würde einer wissenschaftlichen Klärung dieser Thematik (Judaismus, Antisemitismus, Semiten), im guten Sinne einen Schritt nach vorne bedeuten.

  4. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Are there any paranoids in the audience tonight? Yes, my first major! But he wasn’t even there! Ohmannomann. Wie erschrenkend doch, dass sich der vermeintlich „mächtige“ Herr Reiter, der es besser wissen müsste, ein Urteil aus welcher Quelle auch immer bildet, ohne vorher das Gespräch mit Roger zu suchen. Feige? Nein: Dumm! Charade you are!

    Wir alle wissen, Roger kann exakt erklären, um was es ihm geht – und wer bei seiner Show war, hat es erlebt. Ich wurde von Bekannten und Nachbarn auf den SZ-Artikel angesprochen „Das ist doch der, wo Du zu den ganzen Konzerten gehst?“…Ja… Und ich erkläre behutsam, Roger setzt sich für Menschenrechte unabhängig von Herkunft oder Religion ein. Und er erhebt auch die Stimme für die „andere Seite“, für die, die keine so große Lobby haben, wie es beispielsweise Israel mit der gesamten westlichen Hemisphäre inne hat. Ich finde, es geht hier in erster Linie um Roger’s brachial-gewaltige Rhetorik, die leider mißverstanden wird!

    Roger hat die Antwort in München erneut in seiner verärgerten Art gegeben und mit Vergleichen zum NS-Regime für erhebliches Aufsehen gesorgt. Schade, mein Deutschland, dass Du mit knallharten Vergleichen, die endlich wachrütteln sollen, nicht wirklich klarkommst!

    Das Konzert war phäneomenal, phantastische Ausnahme-Stimmung in München, ein Sound, wie ich ihn noch nie in der Halle hörte, mehr dazu von meiner Seite bei Werners Bericht 🙂 Schönes Wochenende!

    • Leos sagt:

      Ich zitiere einen Betrag im BR, um zu verdeutlichen, was RW unter Menschenrechte versteht.
      „…aber auch in München nutzte er die Gelegenheit, um auf der Bühne für die umstrittene BDS-Kampagne zu werben. „Eine globale Bewegung von Menschen, die sich für Menschenrechte einsetzt“, nannte Waters BDS in seiner Rede vor der letzten Zugabe.
      Gerichtet ist BDS („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“) gegen Israel. Ziel der Aktivisten ist es, den israelischen Staat kulturell, wirtschaftlich und politisch zu isolieren. Den Grund dafür sehen BDS-Anhänger in der Palästina-Politik Israels. Kritiker sehen in BDS eine antisemitische Kampagne. Künstler, Sportler und Politiker rufen dazu auf, Kooperationen oder Auftritte in Israel abzusagen, Roger Waters ist einer der prominentesten BDS-Befürworter.“
      Und genau damit habe ich ein Problem, dass RW den Namen PinK Floyd für eine umstrittene Organisation missbraucht.
      Außerdem frage ich mich schon, was RWs Problem ist, wenn er gerichtlich gegen den OB Reiter vorgehen muss.
      RW ruft ja auch schon mal gern andere Musiker zum Boykottieren auf (natürlich gegen seinen Lieblingsstaat).

      • RF sagt:

        Hatte er sich in Berlin nicht gegen BDS geäußert, da sie ein Musikfestival in Berlin boykotiert haben, bei denen auch israelische Musiker auftreten sollten.
        Ich dachte verstanden zu haben, das er diesen Extremismus von BDS kritisiert.

        • Murph sagt:

          Aepfel und Birnen, wie immer beliebt im Zeitalter des Schlagzeilen-Journalismus, der Desinformation, und der Alternativen Fakten…

          Du verstehst aber schon, was der Unterschied zwischen einem Boykott-Aufruf und einer Ankuendigung eines willkuerlichen Verbots (wenn er nur koennte) durch einen Politiker ist?

          Und was waere eine nicht „umstrittene“ Organisation, bzw. wer definiert was als umstritten gilt? Die staatliche Gedankenpolizei oder einfach das Medium, welches am lautesten schreit? Es waere dann o.k., fuer „nicht umstrittene“ Organisationen einzutreten? Fragen ueber Fragen, die m.M. nach aufzeigen warum wir jemanden wie Roger Waters eines fernen Tages schmerzhaft vermissen werden. Personen wie er lenken die Aufmerksamkeit auf genau solche grundlegenden Fragen fuer die Gesellschaft, welche weit ueber das Nahost-Problem (welches schon gross genug ist…) hinausgehen. Was ich von seinem Aktivismus mitnehme, ist nicht dieser oder jener Standpunkt in einer spezifischen Frage. Nein, es ist die Kraft und der Wille, fuer die Freiheit der Gedanken einzustehen und nicht bei Gegenwind einzuknicken. Und sich bewusst zu sein, dass die Freiheit in unserer Gesellschaft nicht gottgegeben ist, sondern dass man dafuer jeden Tag bewusst kaempfen muss. Ansonsten geht es einem wie dem Frosch im Kochtopf.

          • Bernd Fiedler sagt:

            Jawohl… Murph!
            Genauso sehe ich das auch. Gott (wer auch immer) sei Dank haben wir noch Leute wie Roger. Doch sie werden knapper…
            Man mag ja von Roger halten, was man will, aber Biss hat er.
            Seinen Standpunkt muss man ja nicht 100%ig teilen, aber dass er überhaupt seine Stimme erhebt, und das schon eine ziemliche Zeit lang, ist schon lobenswert.
            Was kommt denn nach ihm? Wo sind sie alle hin von einst?
            Roger, bleib schön gesund…!

          • GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

            Apples And Oranges! Super geschildert, Murph! Danke. Danke. Danke.
            Und an der Stelle auch noch ein nachträgliches „Thank you very much indeed“ an das Münchner Publikum für die Euphorie und Liebe, die es Roger am Ende des Tages entgegenbrachte, das hat ihn merklich berührt und uns alle, die dem beiwohnten sehr gefreut. Cheers.

          • Murph sagt:

            Sorry, das sollte eine direkte Replik auf Leos sein und nicht auf RF.

  5. Holger sagt:

    Für mich ist das ein echter SKANDAL. Einer der sehr nachdenklich macht……………………..
    Wer steuert das Alles??? Welche Rolle spielen die „Freien Unabhängigen Medien“???
    Der Öffentlich Rechtliche Rundfunk oder ein nicht unbedeutender Oberbürgermeister einer der größten Städte Deutschlands???
    Ich jedenfalls empfand es in München, der ich selbst „in vorderster Front“ in der Halle war, und den Roger bei seinem Gang während CN tatsächlich berührte, einfach grossartig und ermutigend, wie frenetisch ihn die Fans, und zwar alle!!! gefeiert haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Ich ziehe tief gebeugt meinen Hut vor diesem einzigartigen Menschen, Mann, Musiker, Weltbürger und Mahner Roger Waters.
    Von seiner Art kann es niemals Genug gerade auch in dieser Branche geben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  6. Thorsten sagt:

    Hier die Stellungnahme von Roger Waters‘ Anwalt im Wortlaut im Presseportal:
    https://www.presseportal.de/pm/62754/3972236

  7. FrankGoebel sagt:

    Ich will Euch jetzt wirklich, wirklich nicht ärgern, aber wenn hier etwa der Holger fragt „Wer steuert das alles?“, kriegt das schon einen seltsamen Beigeschmack. Als Journalist muss ich mich fragen, warum etwa die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien hier in Anführungszeichen steht. Nur weil nicht alle Waters kritiklos gegenüber sind? Es stellen ihn ja auch nicht alle an die Wand! Das ist halt Pluralismus.

    Leute, gerade Roger wollte uns doch einst mit seiner Kunst davor warnen, nicht auf beeindruckende Shows und Massen-Hypnose hereinzufallen! Das scheint alles vergessen: Bei ihm und bei vielen Fans, die längst seine Bombast-Show mit einer überzeugenden Argumentation gleichsetzen.

    Und so erzeugt er offenbar bei Vielen den „space cadet glow“, das Erweckungserlebnis als moderner Messias. Holger jubelt sogar, er sei „tatsächlich berührt“ worden. Bei allem Fan-Dasein: Wäscht Du dich jetzt nicht mehr? Ich hoffe, schon 🙂

    Und wenn jemand „frenetisch“ und zwar von allen („!!!“) gefeiert wird, macht mich das eher misstrauisch, als dass es mich überzeugt.: Echt jetzt? Da waren 20.000 Leute und mehr in der Halle – und ALLE waren EINER Meinung…? Das wäre doch fast schon erschreckend, oder?

    Ich empfand das in Köln schon bedrückend, nicht Teil dieser, ja doch, Mehrheit zu sein, die sich offenbar sehr in ihrer moralischen Überlegenheit gefiel.

    Hat schon mal jemand versucht, mit einer Kippa auf ein Roger-Waters-Konzert zu gehen?

    Naja. Sorry, Roger. Aber: iResist.

    • karl sagt:

      Danke für diesen Beitrag !

    • aj sagt:

      Lieber Frank,
      mir fällt ein Stein vom Herzen, dass es hier doch noch freie Geister gibt, das hat echt gut getan zu lesen!

      Mir geht es genauso wie Dir, nur, dass ich mir Roger schon lange nicht mehr gebe, Comfortably Numb, hab ich aber inzwischen auch oft genug live gehört 😉
      Entlarvend übrigens seine Rhetorik, gegenüber Dieter Reiter! Würde er die deutsche Geschichte kennen, hätte er gewusst, dass Bücher von Reiters Parteigenossen verbrannt wurden und sie im KZ für ihre Überzeugung gestorben sind. Diese Leute hatten Rückgrat. Rogers Rückgrat besteht aus Dollarscheinen!
      Dass er in Köln, dreimal den Namen der Frau genannt haben soll, die die Petition gegen ihn initiiert hat, war für mich übrigens persönlich der letzte Tropfen… was wollte er damit beabsichtigen, dass die Menge die Frau lyncht!?
      Roger ist keinen Deut besser, als die Leute, die er angreift, er ist ein übler Hetzer….

      • Thorsten sagt:

        Mit dem Thema „Antisemitismus“ lässt sich halt gut Quote machen, wie die Beiträge und Konzertkritiken in diversen Medien (Süddeutsche, Rolling Stone, Augsburger Allgemeine oder taz, um nur ein paar zu nennen) beweisen. Die meisten Musik- und Feuilleton-Journalisten wollen sich anscheinend damit profilieren, auf Waters‘ politischen Statements rumzureite(r)n. Aber die sind nunmal ein wesentlicher Bestandteil der grandiosen Show, und ich vermute mal, dass sich viele Leute sie auch deswegen ansehen. Wer in ein Waters-Konzert geht, weiß doch, was ihn erwartet, außerdem ist er einer der wenigen Künstler, die in der Öffentlichkeit auch mal Klartext reden. Wer das nicht haben will oder ertragen kann, soll halt in den Musikantenstadl gehen!

      • Murph sagt:

        Die Buecher von Reiter’s Parteigenossen wurden verbrannt? Ich glaube ich hoere nicht recht. Herr Reiter war zu dieser Zeit gar nicht geboren, was soll also dieser unsinnige Vergleich? Weil vor 80 Jahren Buecher verbrannt wurden, darunter einige von Sozialdemokraten, duerfen keine Personen kritisiert werden, die 2018 SPD-Mitglied sind? Mit diesem Totschlag-Argument kann man ja alles zum Schweigen bringen.

        Und um zur Sache zur kommen: Nenne eine einzige Gegebenheit, die den schwerwiegenden Vorwurf „Antisemitismus“ begruendet (zur Klarstellung: Anti-Semitismus bedeutet, ich lehne Juden aus dem einfachen Grund ihrer Volks-Zugehoerigkeit ab).

    • Werner Werner sagt:

      Hat schon mal jemand versucht, mit einer Kippa auf ein Roger-Waters-Konzert zu gehen?

      Wieso denn nicht? Denkst du wirklich das es für jemanden mit Kippa gefährlich sein könnte ein Waters Konzert zu besuchen? Wegen dem hohen Anteil antisemitischer Waters Fans? Ach, komm hör auf!

      Man könnte meinen du hältst uns, die wir das Konzert genossen haben für irgendwelche rechte Schläger und oder geistig unterbelichtete Idioten! Die für Massen-Hypnose eines Messias empfänglich sind! Ich halte ich mich aus Religionen raus. Einem Kippaträger tue ich sicher nichts zu leide. Bin kein Journalist aber mein Job auf Intensiv sorgt für eine gute Erdung.

      • GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

        Uff, sehr gut! Sehr treffend! Ich wollte auch schon was dazu schreiben, war aber völlig sprachlos und noch am Kopfschütteln. Mir tut es ehrlich gesagt in der Seele weh, wenn jemand Roger so bezeichnet, das geht nicht. Sind das Fans, die so reden?
        Roger soll die deutsche Geschichte nicht kennen? Darf doch nicht wahr sein! Vater und Grossvater von Roger sind in den von Deutschland angestifteten beiden Welt-Kriegen gestorben!
        Als Roger letzte Woche vor dem Hotel in München persönlich vor mir stand, musste ich einen Augenblick genau daran denken. Auch mein Grossvater ist im Krieg gefallen! Danke Roger, dass Du in Deutschland spielst, bitte Roger, komm wieder nach München, auch wenn Du nun einen Grund mehr hättest, nein zu sagen.

      • Murph sagt:

        Danke Werner!
        Diese Aussage ist wirklich ein selten dummer Beitrag. Der Antisemitismus-Vorwurf alleine zeigt ja schon von Differenzierungsvermoegen bzw. Medienkompetenz nahe null, aber zu implizieren dass Juden bei einem RW Konzert unerwünscht sind ist eine neue Qualität der Absurdität.

      • Oskar Oskar sagt:

        Ich finde es ist weitaus gefährlicher mit einer Kippe aufs Konzert zu gehen, allein schon wegen dem Rauchverbot! Das gilt dann aber für alle Konzerte, nicht nur für den Herrn Waters.

  8. FrankGoebel sagt:

    Leute, bleibt freundlich zueinander! („Stay human“, wie Roger auf das Schwein schrieb!)

    Ich gehe weiter zu Roger Waters und höre weiter seine Platten – ich hoffe aber dringend, dass er etwas von seinem Trip runterkommt. Und Comfy kann ich nicht oft genug von ihm hören!!!

    Lieber Murph: Man muss sie nicht anerkennen – aber es gibt eine brauchbare Formel, um Antisemitismus und sachliche Kritik auseinander zu halten: den sogenannten 3D-Test, bitte einfach mal googlen.

    Meines Erachtens nach besteht Roger diesen Test übrigens. Er wäre dann KEIN Antisemit, trotzdem finde ich Tendenzen dahin, vor allem, weil er Israel ziemlich dämonisiert, aber nie ein Wort dazu verliert, warum Israel so bitter und hart wurde.

    Um es noch komplizierter zu machen: Roger macht sich eher etwas schuldig, das man „strukturellen Antisemitismus“ nennt: Der nennt nicht direkt „den Juden“, nutzt aber gängige Codes des Antisemitismus: Verschwörungdenken, Demokratiefeindlichkeit, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Kurz: „The world is run by pigs“ – „Fuck the pigs“.

    Roger, there must have been a door there in the wall when you came in!

    • Leos sagt:

      Du triffst den Nagel auf den Kopf. Ich wünschte es gäbe mehr RW -Anhänger mit der nötigen kritischen Distanz. „Resist“ auch manchmal RW.

    • Michael Behm sagt:

      „Um es noch komplizierter zu machen“ … Ja, was macht die Sache denn so kompliziert? Sicher auch schwammige Begriffe wie „struktureller Antisemitismus“ (da kann man viel unterbringen), „gängige Codes“, „antisemitische Tendenzen“, „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. (Hmh, bei soviel Aufzählungen, wie hieß es noch mal? Wie der Schelm denkt, so ist er? Oder wer bringt hier Antisemitismus und „pigs“ in einen Zusammenhang?)
      Jedenfalls, mit diesen weitgefassten Begriffen kann man jede unbequeme Diskussion sofort im Keim ersticken, zumal wir ja alle „jovial“ bleiben wollen. Der Künstler soll gefälligst unterhalten und sich nicht politisch auessern, das stört nur unsere heile Welt! Keine „Kontroversen“, bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!
      Und nichts für ungut, aber dein Kommentar mit der Kippa kann nicht missverstanden werden, da ist nichts fälschlich „ruebergekommen“. Aber auch so funktioniert Repression bzw. Gedankengleichschaltung: Möglichst stark auftreten, und wenn Widerrede kommt, einfach sagen „Das war ja nicht so gemeint!“. Man wird ja noch probieren dürfen.
      Nicht falsch verstehen, ich greife niemanden persönlich an, und bin froh dass es auch derart zivilisierte Diskussionen im Netz und auf dieser Seite gibt. Ich bin nur ein Freund klarer Formulierungen, wenn ich sehe wie schwammige Begriffe verwendet werden um Stimmung zu machen (bewusst oder unbewusst).

      • Johannson sagt:

        Hallo Michael,

        ich habe Frank nicht so verstanden, hernach Waters ein Antisemit sei.
        Sein besonderes Augenmerk lag auf dem Begriff ‚‘strukturell‘.

        Grüße

        • Murph sagt:

          Hallo Johannson,

          Also wenn man „strukturellen Antisemitimus“ verbreitet, ist man kein Antisemit? Der Logik kann ich nicht folgen. Und was ist das ueberhaupt konkret? Ich glaube schon zu wissen was gemeint ist. Aber hier wird meiner Meinung nach (bewusst oder unbewusst) so undeutlich (und falsch) formuliert, dass halt nur der „Antisemit“ haengenbleibt. Gemeint ist offenbar, dass bestimmte Vorurteile, Halbwahrheiten/Falschinformatioen, oder verallgemeinerte Charakterzuschreibungen verwendet werden, um einzelne Menschen oder Gruppen von Menschen schlecht zu machen. Wenn ich so etwas bewusst mache, dann betreibe ich (in diesem Fall) strukturellen Antisemitismus. Das ist jedoch nicht minder schlimm als die Abneigung direkt auszusprechen. Wenn ich nun einer Person vorwerfe, „strukturellen A.“ zu foerdern, dann behaupte ich etwas sehr Schlimmes.
          Was vielleicht gemeint ist, dass gewisse Behauptungen von anderen Personen falsch verstanden werden koennen, und damit Vorurteile verstaerkt werden. Das ist aber potentiell immer moeglich, und die einzige Alternative waere gar nichts mehr zu sagen, um nicht anzuecken und niemanden zu vergraemen. Deshalb kann man meiner Meinung nach nur von Fall zu Fall beurteilen, und man wird nie alle zufriedenstellen koennen. Natuerlich sollte man zuerst immer auf die Betroffenen hoeren, aber das ist in diesem Fall auch nicht einfach. Denn betroffen sind viele (alle Juden, wenn man von A. spricht), aber bekommen auch alle eine Stimme? Oder doch nur die, welche die besten Moeglichkeiten haben und nutzen (Regierung, Medien, Lobbying-Organisationen)?

          • Johannson sagt:

            […]Also wenn man „strukturellen Antisemitimus“ verbreitet, ist man kein Antisemit? Der Logik kann ich nicht folgen. Und was ist das ueberhaupt konkret?[…]
            Das ist richtig, zumindest nicht zwingend. Der Antisemitismus dient quasi als Blaupause/Argumentationsmuster.
            MMn. können und sollten die Gauner, Hochstapler, Lügner etc. dieser Welt namentlich genannt werden. Das ist das eine. Es ist jedoch etwas anderes zu glauben, damit wäre das Übel der Welt beseitigt (Fehlschluss) das sind „nur“ Variablen, danach steht schon der Nächste (Symptom) bereit und kommt um die Ecke.

            Ich denke nicht das Roger Antisemit ist, ich gehe nicht zu Konzerten von Zeitgenossen mit solch’ einem Weltbild.

            Grüße

  9. FrankGoebel sagt:

    Um Gottes Willen, nein, Werner: Ich bitte um Entschuldigung, wenn das auch nur ansatzweise so rüber kam.

    Auch ich habe das Konzert übrigens „trotz allem“ genossen und würde auch sofort wieder hingehen! Denn all diese Kontroversen schaffen es nicht ansatzweise, all den Zauber und die guten Einflüsse („Time“ kann einem Menschen das gute Leben retten!), die Pink Floyd auch in meinem Leben bedeuten, zu schmälern!

    Und während Lieder wie „Wish You Were Here“ den Humanismus ja schon im Titel tragen, beweist er bis heute, etwa mit „Deja Vu“, doch ganz klar, dass er eigentlich nicht spalten will.

    Allerdings wünschte ich mir auch, Roger würde, wenn er schon so kräftig austeilt, sich der dann folgenden Kritik etwas detaillierter stellen und nicht einfach nur sinngemäß sagen „Wer mir etwas vorwirft, ist ein Idiot, der mich böswillig missverstehen will.“

    Ich finde, man merkt ihm gerade ganz schön an, warum jemand wie der joviale David Gilmour oder der scheue Rick Wright es ziemlich schwer hatten, mit Rogers Furor klar zu kommen.

    Immer wieder: Danke für Deine tolle Arbeit hier – auch wenn dieses Forum hin und wieder auch die reinste „Intensiv“ ist!

  10. Hanno sagt:

    Nur eines: Es bringt gar nichts Waters ständige Tiraden gegen Israel schönzureden. Seine Vergleiche und seine Wortwahl gehen leider gerne in Richtung des Niveaus derer, die er so gerne angreift. Es ist unbestritten wohltuend, dass mit Waters jemand offen ausspricht, was Trump ist, aber ebenso unbestritten sollte man die antisemitischen Tendenzen in Waters Äußerungen als solche auch klar benennen. Und dazu dient auch gerade auch ein Forum wie dieses hier, solange man miteinander im Gespräch bleibt und gewisse Grenzen, persönlicher wie sprachlicher Art, nicht überschreitet. Communication people 🙂

    • Michael Behm sagt:

      Kannst du ein Beispiel fuer Water’s „antisemitische Tendenzen“ bringen?

      • Hanno sagt:

        Wer klar zwischen der israelischen Regierung und dem israelischen Volk trennt, und dann die Regierung kritisiert, ist natürlich kein Antisemit. Und ich sehe diese klare Trennlinie bei Waters ganz einfach nicht immer gegeben. Boykottaufrufe gegen das ganze Land, also wenn eben z.B. Radiohead nicht in Tel Aviv auftreten sollen, treffen eben nicht die Regierung, das sind meiner Meinung nach nur hilfreiche Vorlagen für Nethanjahus „Die Welt ist gegen uns“ Haltung. Ich habe ganz bewusst das Wort Tendenzen gebraucht, weil ich mit dir darin übereinstimme, dass Waters kein Antisemit ist, er aber durch seine gelegentlich angewandte Methode des Holzhammers in Gefahr gerät, dass man ihm antisemitische Tendenzen unterstellen kann. Und er macht sein Israelbashing schon so lange (und ja, es ist eben nicht immer ein israelische Regierung-Bashing), dass man ohne viel Küchenpsychologie Waters vorhalten muss, dass seine Kritik einseitig und gefährlich ist.
        Es ist selbstverständlich, dass ich Waters sein politisches Engagement grundsätzlich natürlich nicht übelnehme, ganz im Gegenteil, das nur fürs Protokoll.

        • GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

          Sakradi! Die ganze Diskussion ist absurd, „Antisemit“ bedeutet „Hasser von Juden und Judentum“ zu sein. Roger ist das nicht und ich sehe auch keinerlei „Tendenzen“ von ihm dahin und damit basta!

          Muss ich grad dran denken, auch ein irrsinniger Quatsch, als die Hardock-Band KISS 1980 mit dem Doppel-S Schritzug verdammt ähnlich dem Design der Waffen-SS in Deutschland für Fuore sorgte. Es gab ein Auftrittsverbot: Man unstellte ihnen, sie seien Nazis, dabei ist einer der Gründer, Bassist GENE SIMMONS selbst Jude aus Israel und seine Verwandten im Holocaust gestorben. Die Lösung war, dass die Band den Schriftzug änderte, um dann in Deutschland auftreten zu dürfen – das war mein erstes Konzert in der Münchner Olympiahalle, btw, Vorgruppe waren die noch grün hinter den Ohren IRON MAIDEN 🙂 Cheers.

          • Hanno sagt:

            Lets agree to disagree und ich bin, ich wiederhole es gerne, ja auch ganz bei dir zu sagen, dass Waters kein Antisemit ist!
            IRON MAIDEN Konzerte sollen richtig gute Laune machen, hatte leider noch nie das Vergnügen 🙁 Also dann Skål

        • Murph sagt:

          “ …er aber durch seine gelegentlich angewandte Methode des Holzhammers in Gefahr gerät, dass man ihm antisemitische Tendenzen unterstellen kann. “

          Das ist wieder sehr schwammig und allgemein. Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?

          „Und er macht sein Israelbashing schon so lange (und ja, es ist eben nicht immer ein israelische Regierung-Bashing)“

          Was genau ist „Israel-Bashing“ und kannst du ein Beispiel nennen, wo sich die Kritik nicht auf die Regierung bezieht sondern auf das israelische Volk (falls du das mit „Israelbashing“ meinst?

          • Hanno sagt:

            Mir geht es ganz konkret zum Beispiel darum, dass er wiederholt versucht andere Künstler von Israel-Konzerten abzuhalten, indem er sagt Konzerte in Israel zu spielen wäre gleichbedeutend mit der Toleranz oder sogar der Unterstützung der Apartheid-Politik der Netanjahu-Regierung gegenüber den Palästinensern. Mir geht es darum, dass er den Davidsstern in einer Weise verwendet (schon klar, ist künstlerisch eingebunden etc pp), dass sich nicht unbedingt nur die Netanjahu-Regierung angegriffen fühlt, sondern jeder gläubige Jude. Nochmal: Ich weiß, was Waters kritisiert, ich glaube verstanden zu haben, was er mit seiner Kritik erreichen will und in vielen Fällen – in Interviews etc pp – gibt er seine Meinung ja auch sehr differenziert wieder. Die oben genannten Beispiele finde ich aber problematisch. Ein letzter Kommentar: Das Wort Antisemitismus wird im Zusammenhang mit Waters vielleicht zu oft zu schnell gebraucht (und ja, ich beziehe mich selber in diese Kritik mit ein) – ich bleibe aber dabei, dass ich nachvollziehen kann, dass sich Juden von Waters ebenso schnell angegriffen fühlen. Wir müssen bereits sehr genau darauf achten, dass wir sprachlich genau differenzieren (ich war euch ja auch zu schwammig). Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Juden unglaublich grob sofort mit ihrer Regierung in einen Topf geworfen werden und sich für Netanjahu, den Staat Israel an sich rechtfertigen müssen. Da wird vonseiten der Kritisierenden auch wenig differenziert. Schlussfazit: Waters soll unbedingt weiter kritisieren, aber auf Aktionen wie gegen das Israel Philharmonic Orchestra in der New Yorker Carnegie Hall verzichten.

  11. Holger sagt:

    Muss da wohl einiges richtigstellen:
    Bin Baujahr ’57, ein Kind der DDR und seit ’73 Pink Floyd Fan.
    Angefangen 1990 (Potsd. Platz) besuchte ich seitdem viele Konzerte von Mr. Waters, Pink Floyd ’94 + 2005 im Hyde Park, sowie von Mr. Gilmour.
    Jedesmal ein Erlebnis der besonderen Art mit vielen schönen Erinnerungen.
    Ja, München war gerade deshalb für mich ein Highlight, weil Mr. Waters kurz und sehr zart meine Hand drückte, denn so nahe war ich ihm noch nie! Unsere Blicke trafen sich sogar kurz. Wer glaubt, dass das für einen Fan NICHTS BESONDERES ist, der tut mir leid!
    Hatte einen 500 Km langen Heimweg per Auto (wohne in der Nähe von Magdeburg) und musste notgedrungen Tanken. Dabei suchte ich auch ein bestimmtes Örtchen auf und wusch mir natürlich beide Hände. So wie sich das gehört. So viel dazu.
    Noch etwas anderes: Mich stört bei der ganzen Israel- und Antisemitismus Problematik , das man schon ein Antisemit, also generell Judenfeindlich ist, wenn man die Politik der Israelischen Regierung kritisiert.
    Und genau das macht Mr. Waters, zunehmend immer verbitterter, denn seit Jahren schon stellt er immer wieder klar, macht deutlich, das er NICHT das Israelische Volk kritisiert, sonder die REGIERENDEN.
    Das is ein großer Unterschied, aber anscheinend ist es Besser, es völlig zu ignorieren…………………

    • Michael Behm sagt:

      Das ist genau die seit Jahrzehnten erfolgreiche Strategie von vielen Regierungen, um sich an der Macht zu halten: Die Gleichsetzung des Volkes mit der Regierung, was ja auf der emotionalen Ebene perfekt einfach funktioniert („Sie sind gegen EUCH“, wobei „Euch“ nur fuer „uns“ steht). Hier in den USA schafft es ein Wahnsinniger, sich damit fest im Sattel zu halten, obwohl er „EUCH“ nach Strich und Faden und ohne viel Kaschierung aussackelt, wie man so schön in Österreich sagt. Aber wer am lautesten schreien kann, wird gehört. Geniales Konzept: ich nehme dir alles weg, dann jammerst du weil du nichts mehr hast, und ich bemitleide dich und mache andere bzw. den Außenfeind dafür verantwortlich bzw. verspreche dir dass nur ich dich beschützen kann.
      Aber es ist auch ganz einfach, nur die Folge der unregulierten „Market Forces“. Gestartet unter Reagan, und nun ist die Zivigesellschaft endgültig und erfolgreich ruiniert. Trump ist nur ein Symptom einer Gesellschaft, die auf allen Ebenen vom unregulierten Kapitalismus zersetzt ist.

  12. Werner Werner sagt:

    Ich würde Verunglimpfungen jeglicher Art unterlassen! Hier lesen möglicherweise Leute mit von denen ihr nicht ahnt das sie es tun! Wenn ich Kommentare lösche ist das auch zum Schutz!
    Arne, du hast vollkommen recht!

  13. Cornelius Knecht sagt:

    Vor einigen Wochen wurde hier eine Musikerin empfohlen. Ich weiß noch dass Geckofloyd völlig begeistert war. Jetzt habe ich verpennt, mir den Namen aufzuschreiben. Kann jemand sie noch einmal nennen? Wäre nett.
    Danke
    Grüße
    Cornelius

  14. Bernd Bernd sagt:

    Die Musikerin ist „Anna von Hauswolff“. Gefällt mir auch sehr gut. Danke nochmal an den Tippgeber!

  15. Cornelius Knecht sagt:

    Danke, habs mir jetzt notiert, Anna von Hauswolf

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