Kulturhauptstadt Breslau präsentiert anderes Polen

Im Oktober 2015 ist die nationalkonservativen Partei PiS in Polen Wahlsieger geworden und das Land hat damit einen Rechtsruck vollzogen. Seitdem hat sich einiges getan im Gefüge des Staates, zensurähnliche Maßnahmen im Kulturbereich, die Schwächung des Verfassungsgerichtshofs und die heftige Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen haben Opposition und EU auf den Plan gerufen: Schon ist von einer Aushebelung der demokratischen Grundrechte die Rede.

Die neue Regierung tauscht im Schnellverfahren die Chefs der Fernseh- und Radioanstalten aus. Zu jeder vollen Stunde spielt das Erste Programm des Polnischen Radios ein paar Takte der Hymne Polens oder Europas: Noch ist Polen nicht verloren und Freude, schöner Götterfunken. Doch die meisten Hörer verstehen den akustischen Protest gegen das neue Mediengesetz gar nicht, folgt doch gleich danach die übliche Erkennungsmelodie des Radios und dann die trockene Ansage der Nachrichten. „Wir können gar nichts tun“, sagt ein Radiojournalist, der seinen Namen lieber nicht gedruckt sehen möchte: „Jetzt wird eben wieder gesäubert, und wer nicht für die Partei ist, fliegt raus. So einfach ist das.“ Quelle: Polen schreitet weiter in Richtung Staatsrundfunk

Breslau: Kulturhauptstadt im Schatten der Politik

Als modern, jung und weltoffen will sich Breslau (Wroclaw) präsentieren, wenn Mitte Jänner der Veranstaltungsreigen in der europäischen Kulturhauptstadt 2016 beginnt. Die viertgrößte Stadt Polens wurde herausgeputzt, das vielfältige Programm soll die Besucherzahlen Breslaus verdoppeln. Doch die neue, nationalkonservative Regierung Polens könnte dem einen Strich durch die Rechnung machen. Quelle: Breslau: Kulturhauptstadt im Schatten der Politik

Am 15. Januar präsentiert Breslau ihr Programm mit dem Konzert von David Gilmour am 25. Juni, als Höhepunkt im Kulturhauptstadtjahr.

6 Antworten

  1. Felix Untersteiner Felix Untersteiner sagt:

    furchtbare entwicklung, willkommen im frühen 20. jahrhundert

  2. aj sagt:

    Ohne ins Detail gehen zu wollen, ist das alles eine vorhersehbare Entwicklung und unmittelbare Folge von Merkels Europapolitik, ohne Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten ihrer Nachbarn. Russland hat man ja ähnlich brüskiert, ohne Putin in Schutz nehmen zu wollen.
    Zur aktuellen Entwicklung in Europa traut man sich ja schon gar nichts mehr zu sagen. Die Tendenzen sind aber eindeutig… ich hätte vor 20 Jahren beispielsweise niemals gedacht, dass Haiders FPÖ nach Umfragen mal stärkste Macht in Österreich werden könnte…

  3. Johannson sagt:

    Nun dieser scheinbar plötzliche Nationalismus und die ablehnende EU-Haltung hat in Polen eine lange Tradition, die Brüder Kaczynski haben diese nur in Gänze forciert.
    Spätetestens mit der Planung (ein anderer Bundeskanzler betrieb diese ) der Gaspipeline durch die Ostsee begann die offene Distanzierung.

    Den Präsidenten der Russischen Förderation muss man nicht verstehen und auch nicht in „Schutz“ nehmen (s. Offener Brief an Krone-Schmalz : „Was gibt es da zu verstehen?“ und „Das Imperium der Lügen“/Michail Schischkin).

  4. Janos sagt:

    Okay, ich bin gespannt auf meine erste Reise in unser Nachbarland und auf die schöne Stadt Breslau. Aber Bitte Bitte Bitte Bitte: lasst Euch nicht mehr soviel Zeit und verkauft endlich die Tickets, damit ich wieder ruhig schlafen kann meinetwegen äußere ich mich danach auch zur aktuellen politischen Lage, wenn es sein muss..

  5. Johannson sagt:

    „Okay, ich bin gespannt auf meine erste Reise in unser Nachbarland und auf die schöne Stadt Breslau.[…]“
    Eine Reise -neben dem Konzertbesuch- kann ich nur empfehlen, besonders schön ist auch Krakau und die Masuren (dort bin ich jährlich als Angler unterwegs).

  6. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Oh no, hoffentlich bleibt es auch bei den Plänen und David sagt nicht pötzlich „No“. Würde mich nämlich auch freuen, mal nach Polen zu kommen, vor allem da meine Mutter aus Ostpreußen stammt. Cheers

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