Pink Floyd 16.6.1988 Berlin Reichstagsgelände

Roger Waters 16.6.2011 Berlin O2 World

Am 16. Juni 1988 traten Pink Floyd in Berlin vor dem Reichstag auf. Hartmut hat es nicht nur live miterlebt, er hatte sogar Anteil am gelingen des Konzertes!

Bericht von Hartmut Hoppe

Das Foto zeigt meinen Crew Pass. Nicht wundern, ich habe den Ausweis auf meine „A Momentary Lapse of Reason“ LP geklebt. Auf diesen Pink Floyd Crew Pass bin ich sehr stolz. Den musste ich beim Aufbau am Reichstag 1988 tragen. Ich konnte mich damit in allen Bereichen absolut frei bewegen. Ich habe mir die zwei Generatoren-Wagen für die eigene Stromversorgung und anderes Equipment ansehen dürfen. Faszinierend.

Working Pass von Hartmut

Am Nachmittag, als Sicherheitsleute den Platz vor offiziellem Einlass, von normalen Besuchern geräumt hatten, konnte ich mich frei bewegen. Ich befand mich gegen 16 Uhr direkt vor der Bühne, um die aufgebaute Technik zu bewundern. Dann kam der Hammer: Die gesamte Band betrat die Bühne und fing an zu spielen.

1988 Pink Floyd A Momentary Lapse Of Reason Tour

Songliste:
01. Shine On You Crazy Diamond (Pt.1-5)
02. Signs of Life
o3. Learning to Fly
04. Yet Another Movie
05. Round and Around
06. A New Machine (Pt.1)
07. Terminal Frost
08. A New Machine (Pt.2)
09. Sorrow
10. The Dogs of War
11. On the Turning Away
–Pause–
12. One of These Days
13. Time
14. On the Run
15. The Great Gig in the Sky
16. Wish You Were Here
17. Welcome to the Machine
18. Us and Them
19. Money
20. Another Brick in the Wall (Pt.2)
21. Comfortably Numb
–Zugabe–
22. One Slip
23. Run Like Hell

Voll der Sound-Check. In aller Ruhe, ohne Hektik wurden einige Songs angespielt. David Gilmour gab kurze, knappe Anweisungen, nächster Song. Der weilen huschten Techniker hin und her um bei Nick Mason, Rick Wright und Co. noch Kleinigkeiten zu Richten. Meine volle Bewunderung hatten die Leute, die unterm Bühnendach die Spiegel für die Laser ausrichteten. Immer im Funkkontakt mit den Technikern auf der, ich nenne es mal, Haupt-Technik-Steuerbühne.

Die Band probte ca. 30 Minuten, dann verließen sie die Bühne. Es war für mich wie ein Spuk. Unvergesslich.

Vielen dank Hartmut für deinen Bericht und das Foto deines Passes! Wenn ihr auch Konzertberichte, Fotos etc. mit uns teilen möchtet – Bitte nur zu!!

Wummerbässe für den Osten

Als 1988 Pink Floyd erstmals an der Mauer auftraten, versuchte die Ost-Berliner Führung, Druck auf den Senat von West-Berlin auszuüben, um Popkonzerte an der Mauer generell zu unterbinden. Das scheinheilige Argument: Im nahe gelegenen Krankenhaus Charité könnten Schwerkranke durch die Vibrationen der wummernden Bässe zu Tode kommen. Da schon 30.000 Karten abgesetzt waren, blieb es bei dem Ort, aber Veranstalter Peter Schwenkow musste die Band vergattern, leise zu spielen und nur den Westen zu beschallen. Die britischen Rocker rächten sich auf ihre Weise – beim Soundcheck ließen sie ihre Boxen gen Osten ausrichten und donnerten „The Wall“ in Richtung Mauer.

Quelle: Spiegel-Online: Wummerbässe für den Osten

13 Antworten

  1. Ralf sagt:

    Auch ich erinnere mich sehr gut an diesen Tag. Durfte leider nur vom Osten aus zuhören. Viel war es nicht, was man -je nach Windrichtung- mitbekam, aber ich wußte, ich bin meinen Helden ganz nah! Die letzten beiden Songs haben sie nochmal richtig aufgedreht.
    Hätte mir damals jemand gesagt: „Hey, mach Dir nix draus – du siehst Pink Floyd in 6 Jahren live und stehst direkt vor der Bühne“ hätte ich es nicht geglaubt.

  2. Kowalski sagt:

    Pink Floyd haben sich immer außergewöhnliche Plätze für Konzerte ausgesucht. Versailles, Reichstagsgelände, Venedig, Roger Waters Potsdamer Platz, Gilmour Gdansk… Das war von ihnen clever, so bleibt man doch ewig in Erinnerung. Sowas wird es nie wieder geben, speziell was Pink Floyd an Feeling bei Konzerten rüberbrachten.

  3. Markus sagt:

    Ein absolut unvergessliches Erlebnis für mich.
    Wir standen im vorderen Viertel direkt vor der Bühne.
    Der Bass bei „One of these days“ war unbeschreiblich!

  4. Hartmut sagt:

    Für mich war das Konzert überragend, das Beste in Berlin gespielte. Es war eine Spielfreude und eine Lockerheit aller auf der Bühne, die sich voll auf die Besucher übertrug.
    Beim Konzert waren auch meine Gedanken bei den Leuten hinter der Mauer am Brandenburger Tor. Wieviel würden da stehen, um Fetzen vom Sound der Pink Floyd zu hören ?
    Übrigens: Am 19. Juni ´88 tobte Michael Jackson, am selben Ort, über eine dreimal so große Bühne mit seiner Tour.

    • Rudi sagt:

      Bei der offiziellen Pressekonferenz zum Tourauftakt hat Gilmour noch gescherzt, dass sie überlegt hätten, Michael Jackson als Vorgruppe zu arrangieren :-))))

  5. Lothar sagt:

    Ich bin damals mit meinem Bruder aus Hamburg nach Berlin geflogen(British Airways), denn Lufthansa durfte da ja noch nicht…
    Nach dem Konzert sind wir an die Mauer am Brandenburger Tor und haben auf der Aussichtsplattform gestanden und „rübergeschaut“.Übereifrige Volkspolizei hatte hunderte Zuhörer, die nur mal Pink Floyd hören wollten bis zu der Höhe zurückgedrängt, wo heute das wiederaufgebaute Hotel Adlon steht. Auf „unserer“ Seite war man wütend und frustriert, denn keine konnte damit rechnen, dass dieses Regime ein Jahr später erledigt war!

  6. Gaby sagt:

    ich war auch dabei…
    es war einfach hammergeil, ein hubschrauber flog über uns wirklich tief aber ich hab nichts von ihm hören können. der sound war unerwartet gut.
    es war sehr harmonisch und unvergesslich <3
    bin danach bis nach reinickendorf gelaufen in voller euphorie
    die konzertkarte hab ich immernoch an der wand hängen *g*

  7. Angelika sagt:

    Ich hatte im Juni 1988 zusammen mit meinem Mann unsere erste Einreisegenehmigung in den westlichen Teil Berlins für 10 Tage bekommen.
    Am 16. Juni sagte meine Cousine mir dass Pink Floyd vor dem Reichstag spielt, aber alle Karten ausverkauft sind. Wir sind trotzdem hingegangen, und dann hat uns die Security angesprochen. Kurz und gut sie haben erfahren dass wir aus dem „Osten“ sind und gegen Vorlage unseres Reisepass sind wir noch reingekommen – und ich sage euch – direkt bis vor die Bühne!! Das war mein erstes richtiges Konzert und ich war überwältigt!!
    Ich werde das nie nie in meinem Leben vergessen! Die Bässe , der Sound, die Show und eben alles – totaler Wahnsinn!!!

  8. Brian sagt:

    Ich war auch da, mit meinem Bruder (R.I.P. Jimi) und meinem Vater – auf der anderen Seite der Mauer – und wir waren nicht die einzigen Zuhörer im Osten! Einige hundert Pink Floyd-Fans hörten sich das Konzert an und nach jedem Song wurde geklatscht – Gänsehautfeeling! Das Konzert war einfach Wahnsinn! Seltsamerweise ließen uns die „unauffälligen Sicherheitskräfte“ der Staatsmacht in Ruhe – dafür wurde ja dann bekanntlich bei Michael J. geprügelt … Shine On!!!

  9. Andreas Andreas sagt:

    Ich habe letztes Jahr in einer Produktion des Fernsehesenders MDR eine Doku mit dem Namen „Mein Sommer 88“ über Rock-Konzerte in der DDR gesehen. Absolut interessant, teilweise urkomisch und höchst sehenswert, da ein nicht unerheblicher Teil dieser Doku aus Super-8-Material besteht, welches ein Ost-Berliner Jugendlicher damals fast schon profimässig gedreht und nun, 25 Jahre später, in Co-Produktion mit dem MDR eine Doku daraus gemacht hat. Dabei ging es hauptsächlich um das spektakuläre Springsteen-Konzert in Berlin-Weissensee vor 150.000+ Menschen. Es gab darin aber auch Berichte und Ausschnitte über einige andere Konzerte in Ost-Berlin und der DDR und auch über die Konzerte am Reichstag auf West-Berliner Seite. Darin kamen sogar einige kurze Ausschnitte vom besagten PF-Konzert (Material der Berliner Abendschau des damligen SFB) sowie ein Interview mit dem Veranstalter Peter Schwenkow vor.
    Darin sagte er (Zitate): „PF haben glaube ich von allen am meisten verstanden, dass es hier auch um politische Provokation ging. Als dann der Druck kam, in der Charite würden Menschen sterben wenn es zu laut ist und so, dieser Druck war schon erheblich. Und dann bekam ich meine Genehmigung doch, aber unter Auflagen, u.a. unter ganz strikten Lärmauflagen. Und dann hatten wir unser Messprotokoll und unsere Genehmigung und dann kamen noch ungefähr 25 Lastwagen und dann haben wir das alles richtig vollgebaut, weil die Bedingung von PF war: Ganz Ost-Berlin muss vibrieren. Ich bin dann 1 1/2 Jahre später hier von einem West-Berliner Gericht zu einer Strafe wegen Lärmüberschreitung zu 95.000 DM verurteilt worden. Das war es aber wert!“
    Genial und cool dieser Mann und natürlich auch hervorragend initiiert von PinkFloyd. Leider ging aus diesem Interview nicht hervor, wer diese 95.000 DM letztendlich wirklich bezahlt hat bzw. ob sie geteilt wurden oder wie auch immer.

  10. Rex,Hartmuth sagt:

    Ich war auch da, aber im Ostteil direkt vorne in der Mitte , aber gehört habe ich nicht mehr viel ,da ich von den Langohren weggeschleppt und zusammen geschlagen wurde, einiges und mehr weiß ich noch ganz genau..ich bin jedenfalls im Krankenhaus wach geworden, wegen der vielen Schläge von mindestens 6 Pers. 4 Polizisten und 2 Langohren, dann ins Gefängnis, Berlinverbot folgte und Strafzahlung für meinen Satz den ich damals schon rausbrachte …Die Mauer muß weg!!! Es war mir eh egal, mein Ausreiseantrag lief schon das 7. Jahr. Am !. März 1988 verließ ich diesen verfluchten Staat.
    Es sind Szenen in meinem Kopf, die ich nie vergessen werde.

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