Roger Waters hasst die Apartheid, nicht Israel!

Roger Waters 15.6.2011 Berlin
Waters bald wieder auf Tour? Foto: J. Lingelbach

Ein sehr interessantes Interview mit Roger Waters gab es vergangene Woche auf der Webseite der israelischen Tageszeitung Haaretz zu lesen! Waters empfing den Journalisten Gideon Levy in seinem Zuhause auf Long Island. Er blieb die nächsten 24 Stunden sein Gast. Alles andere als eine typische Interview Situation, bei der sich die Gesprächspartner im Hotel oder Studio treffen. Und mehr als genug Zeit für sehr ausführliche Gespräche über seine tragische Familiengeschichte und allen voran über sein Engagement in der BDS-Bewegung, BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen für Palästina, solange bis Israel internationalem Recht und den universellen Prinzipien der Menschenrechte nachkommt. Zuletzt streiften sie noch die Ex-Band Pink Floyd.

In seiner Einleitung beschreibt Levy das persönliche Umfeld von Waters. Man erfährt, dass er in der Nähe ein neues größeres Haus errichten lässt, damit ihn seine Kinder und die Enkelkinder öfter besuchen können, dass er ein Haus in Manhattan hat und eines in England, das er aber nicht mehr so oft nutzt. An der rechten Hand trägt er einen Ring, welchen er seit 1968 nicht mehr abgenommen hat! Und das Waters einen ungarischen Butler hat, der seit 15 Jahren in seinen Diensten steht.

Waters und Israel

Das Hauptaugenmerk des Interviews lag auf seiner kritischen Haltung gegenüber der Politik Israels. Levy ließ Waters und dessen Argumente in seinem Artikel viel Raum. Vielleicht kann Waters Image, das seit seinen The Wall Shows gelitten hat, weil der Davidstern auf dem Schwein zu sehen war, man warf ihm deswegen Antisemitismus vor, verbessert werden.

2006 Roger Waters Neve Poster

Roger Waters trat 2006 in Israel auf!

Waters Kampf gegen Israel begann vor 9 Jahren, als er selbst in Israel auftrat. Das Konzert sollte ursprünglich in Tel Aviv stattfinden. Nachdem er viele emails erhielt, in denen massive Bedenken über einen Auftritt in Israel geäußert wurden, ließ er es verlegen. In der Hoffnung das unter den 54.000 Tickets die verkauft wurden, nicht nur Israelis, sondern viele Araber sein würden trat er in Neve Shalom auf. Doch die Araber kamen nicht und Waters zeigte sich hinterher enttäuscht. Heute würde er nicht mehr in Israel auftreten.

In weiterer Folge erklärt Waters ausführlich seinen Standpunkt. Er betonte, dass er die Apartheid hasse und nicht aber Israel.

Roger Waters plant neue Welttournee

Abseits der politischen Diskussionen spielte Waters dem Journalisten sogar einen neuen Song vor. Er sang ihn in französisch „Je suis Charlie, Je suis Juif“. Das Lied hat er nach den Terroranschlägen im vergangenen Januar in Paris geschrieben. Er arbeitet noch an seinem neuen Album. Wir erinnern uns noch gut an „Crystal Clear Brooks“, einen weiteren neuen Song, den er beim Newport Festival spielte.

Vor 30 Jahre hat er Pink Floyd verlassen. Trotzdem dürfen ein paar lästige Fragen über Pink Floyd und die Ex-Kollegen auf keinen Fall fehlen!

Wann haben sie zuletzt mit David Gilmour gesprochen?
Roger Waters:
Wir waren letztes Jahr miteinander in Kontakt.

In der Vergangenheit haben sie harte Dinge über ihn gesagt. Tut es ihnen leid?
Roger Waters:
Nein, warum sollte es? Ich meine, als ich sie verlassen hatte und sie auf Tour gingen, und damit sehr erfolgreich waren, das war eine sehr harte Zeit für mich, weil ich zugegeben, nicht erwartete, dass sie es schaffen würden. Aber das taten sie.

Könnte es sein, dass das politische Engagement für sie ein Weg ist um damit klar zu kommen?
Roger Waters:
Womit klar kommen?

Mit dem Schmerz jetzt weniger erfolgreich zu sein als früher. Ist das ein Weg dies zu kompensieren?
Roger Waters:
Ich war auf Tour und war damit erfolgreicher, als wir es mit Pink Floyd je waren. Und mehr als sie es mit ihren Tourneen waren. Es gibt keine große Belastung des Scheiterns für mich zu tragen. Stattdessen gibt diese warme Decke der Liebe, die die Menschen für unser Werk haben, und diese Decke bedeckt mich ebenso wie David und Rick.

Schön wie er das mit der Decke sagte! An anderer Stelle erwähnte der Autor, dass er mit sehr vielen Dingen beschäftigt sei. Unter anderem schreibt er seine Biografie und …. er schmiedet Pläne für eine neue Welttournee!!

6 Antworten

  1. Hm.

    Roger wurde nicht nur deshalb Antisemitismus vorgeworfen, weil im Laufe der The-Wall-Shows ein Davidsstern auf einem Schwein zu sehen war (und Davidssterne wie Bomben aus einem Flugzeug fielen). Es waren auch die vielen expliziten Äußerungen, die er in Interviews zu Israel gemacht hat – und sein unfassbarer, perfider Versuch, andere Künstler von Auftritten in Israel abzuhalten. Und genau hier muss man auch mal ansetzen und kurz definieren, was Antisemtismus überhaupt ist. Nicht, dass hier, wie so oft, gleich jemand behauptet „Nur weil man Israel kritisiert, wird man gleich Antisemit genannt“.

    Da gibt es den sehr interesanten „3-D-Test für Antisemitismus“, bei dem ich vor allem das dritte „D“ („Doppelte Standards“) für außerordentlich wichtig halte: Wer etwa Menschenrechtsverletzungen durch arabische Nachbarstaaten systematisch ignoriert, aber auf Israel ständig mit dem größten rhetorischen Kaliber ballert, hat offensichtlich eine spezielle Agenda. Und hier hat Waters auch mich nachhaltig verstört: Der einzige Staat im nahen Osten, der echte Demokratie und Meinungsfreiheit grundgesetzlich verankert hat, wo Frauen und Männer gleiche Rechte haben und wo Homosexualität nicht Knast oder sogar die Todesstrafe zur Folge hat, wird von ihm in gröbster Art und Weise diffamiert. Noch ein Zitat aus Wikipedia: „Der höchstrangige Muslim im diplomatischen Dienst Israels Ishmael Khaldi, ein arabischer Israeli, ist der Meinung, dass die israelische Gesellschaft zwar keineswegs perfekt ist, dass es Minderheiten dort aber besser geht als in irgendeinem anderen Land im Nahen Osten. “

    Ich habe aber die Hoffnung, dass „Grumpy“ Waters langsam erkennt, dass er sich da etwas verrannt hat.

    • TAFKADC sagt:

      Da muß ich Dir recht geben. Anderseits war auf der aufgepumpten Sau nicht auch ein Halbmond zu erkennen?
      Interessant, in diesem Zusammenhang, finde ich auch das sich Waters so einseitig gegen Israel stellt. Anderseits wiederum verständlich. Bei den Moslembrüdern wird gegen Kritiker gern mal eine Fatwa ausgesprochen. Und die hätte für Waters fatalere Folgen als die „Scharmützel“ gegen Israel.

  2. bjarne sagt:

    Ich finde seine Aufforderung auch für extrem fragwürdig und vorallem auch nicht zielführend.

    Allerdings handelt es sich bei Israel um, wie Du richtig sagst, eine Demokratie, die sich an westlichen Werten orientiert. Zudem ist Israel ein sehr wohlhabendes Land, dass seinen Nachbarn militärisch hochüberlegen ist. Alleine schon deswegen hinken die Vergleiche mit den arabischen Nachbarn. Israelische Siedler planschen in ihren gut gefüllten Swimmingpools, während pälästinensische Kinder salziges Wasser trinken müssen…..

    Und was die von Dir angesprochenen Minderheiten in Israel angeht, wurde ja diese Woche ein neuer Begriff geprägt, „jüdischer Terorrismus“, nämlich weil eine Jugendliche von Extremisten bei einer CJD-Parade getötet wurde….im Namen der Religion…

  3. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Ja, das mit der Decke hat er wirklich schön gesagt, da muss ich dran denken, in einem Interview im TV zu TER sagte Dave, es gibt noch Leute da draussen, die ein ganzes Album als Konzept von Anfang bis Ende hören. Ich denke unsere Helden wissen genau Bescheid, welche liebenden Fans sie haben und würde mch nicht mehr wundern, wenn Roger uns mit einem weiteren Konzept-Geniestreich überrascht und damit auf Tour geht – welch‘ super Aussichten für’s nächste Jahr! Kann eigentlch nur noch durch eine Reunion der „phantastisbhen Drei“ getoppt werden 😉

  4. Kalli sagt:

    Ich weiß nicht so recht, was ich von Wates Boykottaufruf halten soll. Einerseits finde ich es ein wenig überzogen, andererseits finde ich es ungeheuer mutig, als Künstler derart entschieden Position zu beziehen und auch die entsprechenden Konsequenzen zu tragen.
    Natürlich gibt es auch genug an der muslimischen Welt zu kritisieren und ich bin sicher, dass Waters auch hierzu eine entsprechende Meinung hat. Es geht ihm ja, wenn ich seine Interviews richtig gelesen habe, grundsätzlich um die Trennung von Staat und Kirche.
    Irgendwo muss man mal anfangen und Waters hat sich eben auf den Konflikt im Nahen Osten fokussiert. – Schließlich macht es auch wenig Sinn, zum Boykott von Rockkonzerten in muslimischen Staaten aufzurufen.
    Allerdings nervt es mich, dass man immer noch lesen muß, wer die tollste und größte Tour gemacht hat.

  5. Werner sagt:

    @ Kalli, bezüglich Waters und seinen Aktivitäten rund um Israel, teile ich deine Meinung!! Ich finde es sehr gut, dass es jemanden gibt der seine Meinung äußert, aktiv ist, sich nicht hinter dem TV-Set versteckt. Es gibt dadurch viel Diskussion und es wird genauer auf den Konflikt hingesehen!

    Über Erfolg usw., die Frage war aus seiner Sicht provokant. Denn offensichtlich hatte der Journalist nichts über Waters super erfolgreiche Wall-Tour gehört. 😉 Seine Antwort erklärt sich mir dadurch.

    Apropos größte Tour! Chesney breaks Pink Floyd record
    Country Musiker Kenny Chesney überbot vergangenen Samstag Pink Floyd’s Zuseherrekord in Kansas City aus dem Jahre 1994!
    Chesney broke Pink Floyd’s 1994 record of 56,134 with 57,368 in attendance at Kansas City’s Arrowhead Stadium.

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