Roger Waters schrieb Briefe an Neil Young und Scarlett Johansson

Roger Waters hat gestern auf seiner Facebookseite geschrieben, dass er in den vergangenen Tagen Briefe an Neil Young (einen) und die Schauspielerin Scarlett Johansson (mehrere) geschrieben hat. Eine Antwort hat er beiden bisher keine erhalten. Man muss nicht lange herum rätseln um zu erahnen in welcher Mission Waters ihnen schrieb! Young tritt im Juli mit Crazy Horse in Tel Aviv auf und Johansson bewirbt israelisches Mineralwasser!

Waters, der in vielen Interviews gerne erwähnt wie sehr er Young´s Musik schätzt, fällt gerade die Kritik an ihm schwer. Waters: „Neil? Ich werde über dies lange und intensiv nachdenken. Wir kennen uns nicht wirklich, aber du warst immer einer meiner Helden, ich bin verwirrt.“

Schon in der Vergangenheit hat Waters Musikerkollegen aufgefordert Auftritte in Israel zu überdenken. Er schrieb Alicia Keys und Steve Wonder und forderte sie auf ihre Konzerte abzusagen. Bei Wonder führte es tatsächlich zu einer Absage. Es wird vermutete, dass Pearl Jam deshalb nicht in Israel spielen, weil Eddie Vedder mit Waters befreundet ist!

Mit Young trifft seine Kritik jedoch jemanden der selbst politisch aktiv ist. Aktuell protestiert Young gegen die Erdölgewinnung aus Ölsand, die Kanada betrieben wird und bei der ein verwüstetes, vergiftetes Land zurückbleiben.

Waters macht es sich nicht einfach. Er mischt sich weiterhin ein, lehnt sich nicht zurück und macht es sich einfach. Für diesen offenen Brief wird er wieder heftig kritisiert, wie man den Kommentaren entnehmen kann.

Hier sein offener Brief auf Facebook: 1.2.2014 Roger Waters

In the past days I have written privately to Neil Young (once) and to Scarlett Johanson (a couple of times). Those letters will remain private.

Sadly, I have received no reply from either.

And so I write this note on my Facebook page somewhat in bewilderment.

Neil? I shall ponder all of this long and hard. We don’t really know each other, but, you were always one of my heroes, I am confused.

Scarlett? Ah, Scarlett. I met Scarlett a year or so ago, I think it was at a Cream reunion concert at MSG. She was then, as I recall, fiercely anti Neocon, passionately disgusted by Blackwater (Dick Cheney’s private army in Iraq), you could have been forgiven for thinking that here was a young woman of strength and integrity who believed in truth, human rights, and the law and love. I confess I was somewhat smitten. There’s no fool like an old fool.

A few years down the line, Scarlett’s choice of Soda Stream over Oxfam is such an act of intellectual, political, and civil about face, that we, all those of us who care about the downtrodden, the oppressed, the occupied, the second class, will find it hard to rationalize.

I would like to ask that younger Scarlett a question or two. Scarlett, just for one example, are you aware that the Israeli government has razed to the ground a Bedouin village in the Negev desert in Southern Israel 63 times, the last time being on the 26th of December 2013. This village is the home to Bedouin. The Bedouin are, of course, Israeli citizens with full rights of citizenship. Well, not quite full rights, because in „Democratic“ Israel there are fifty laws that discriminate against non Jewish citizens.

I am not going to attempt to list, either those laws(they are on the statute book in the Knesset for all to research) or all the other grave human rights abuses of Israeli domestic and foreign policy. I would run out of space. But, to return to my friend Scarlett Johanson.

Scarlett, I have read your reposts and excuses, in them you claim that the Palestinian workers in the factory have equal pay, benefits and „Equal rights“. Really? Equal Rights? Do they?

Do they have the right to vote?

Do they have access to the roads?

Can they travel to their work place without waiting for hours to pass through the occupying forces control barriers?

Do they have clean drinking water?

Do they have sanitation?

Do they have citizenship?

Do they have the right not to have the standard issue kicking in their door in the middle of the night and taking their children away?

Do they have the right to appeal against arbitrary and indefinite imprisonment?

Do they have the right to re-occupy the property and homes they owned before 1948?

Do they have the right to an ordinary, decent human family life?

Do they have the right to self determination?

Do they have the right to continue to develop a cultural life that is ancient and profound?

If these questions put you in a quandary I can answer them for you. The answer is, NO, they do not.

The workers in The Soda Stream Factory do not have any of these rights.

So, what are the „equal rights“ of which you speak?

Scarlett, you are undeniably cute, but if you think Soda Stream is building bridges towards peace you are also undeniably not paying attention.

Love

R.

Foto: Roger Waters Sofia 2013, ©Artin

54 Antworten

  1. Sunny sagt:

    wundert mich nicht, daß er von seiner ‚Freundin‘ keine Antwort erhalten hat. Sie heißt Scarlett Johansson. 🙂

  2. scarecrow sagt:

    Sry aber ich finde die ganze Boykott Aktion total behämmert. Auf Missstände hinweisen, sich einmischen, sich gehör verschaffen schön und gut. Aber dann auch an die richtige Adresse (Politiker). Wenn man sagt „tritt bloß nicht in Israel auf weil…“ pauschalisiert man schnell und landet bei „den Juden“ bzw. „den Israelis“. Ich habe in einem anderen Beitrag schonmal geschrieben dass man auch einfach mal ein Konzert Konzert sein lassen kann und trotzdem auf andere Art und Weise Politisch seine Meinung kundtun und sich einmischen kann. Genauso blöd fand ich immer „Künstler“ wie Barbara Streisand die sich stets geweigert haben im bösen bösen Deutschland aufzutreten.

  3. murph sagt:

    „Scarlett, you are undeniably cute, but if you think Soda Stream is building bridges towards peace you are also undeniably not paying attention.“

    Das ist schon recht sexistisch.

    Nichts gegen sein Engagement und nichts gegen die Äusserung seiner Ansichten. Aber dieser letzte Sager ist schon sehr dumm und wird möglicherweise die wichtige Diskussion um den eigentlichen Inhalt seiner Message überdecken. Aber nach 45 Jahren im klassischen Rock’n’Roll Bussiness ist die Macho-Haltung wahrscheinlich schon zu sehr verinnerlicht.

  4. Oskar Oskar sagt:

    Poste hier das, was ich auch schon woanders gepostet habe:
    Ich denke die Idee Israel kulturell „auszuhungern“ zielt darauf ab, dass die Bevölkerung früher oder später reagiert und die Regierung wechseln muss (siehe Waldheim in Österreich in den 90ern, da gab es ja auch Kulturboykott internationaler Bands). Ob das legitim ist oder nicht kann ich nicht beurteilen, natürlich ärgert das auch jene Fans, die vielleicht sogar derselben politischen Meinung wie Herr Waters sind. Was mich ärgert ist, dass er moralisch wertet, er sollte jeden das tun lassen was er für richtig hält (und ich denke Neil Young hat sein Herz am richtigen (nicht rechten) Fleck). Wenn das so ist, hätte man in den 2000ern auch die USA als Künstler boykottieren müssen, da Bush einen „Religions“krieg angezettelt hat…

  5. Sunny sagt:

    Ein Kulturboykott in Israel wäre kontraproduktiv, weil er die Falken, die zionistischen orthodoxen Juden, nur in ihrer ohnehin schon vorhandene „Inselmentalität“ bestärken würde: „Wir sind umgeben von Feinden.“ Und er würde leugnen, was in RWs Schwarzweiß-Malerei offenbar keinen Platz findet: nämlich die Tatsache, daß es im intellektuellen Israel eine real existierende Friedensbewegung gibt, die immer stärker wird. Diese wird eine politische Veränderung bewirken, die Geschichte lehrt uns das. Wenn RW an die friedenstiftende Kraft seiner Musik glaubt, sollte er im Gegenteil jede Auftrittsmöglichkeit in Israel nutzen und nicht ein ganzes Volk für die Verbrechen einer Regierung bestrafen mittels „kultureller Aushungerung“.

  6. Christian sagt:

    Lehrt uns aber auch nicht ein Blick auf die Geschichte, daß ein Kulturboykott seinen Erfolg haben kann: Südafrika?

  7. Sunny sagt:

    Das beste Beispiel, daß eine wirkliche Veränderung von innen heraus geschieht: Der ANC mit Mandela an seiner Spitze hat die Apartheid in Südafrika beendet. Übrigens hatte der ehrenwerte Paul Simon mit „Graceland“ seinerzeit den richtigen Schritt getan und sch gegen einen Boykott entschieden.

    • Christian sagt:

      Sie (die Veränderung) konnte nur von innen kommen, da von außen so gut wie nicht mehr kam. Das war und ist die Intention dieser Form des Boykotts. Pallo Jordan über Sinn und Unsinn eines solchen Boykotts: „Ein immer wieder genanntes Argument war, dass wenn wir Südafrika vom Rest der Welt kulturell isolieren, dann würden wir alles nur noch schlimmer machen. Aber wenn man ein Land so behandelt, als wäre alles ganz normal, dann kommt das bei den Bewohnern des Landes so an, als würde man die Situation dort gutheißen und unterstützen. Ein Boykott zeigt, dass man das Problem im Land erkannt hat.“

      Zu Paul Simon / „Graceland“. Das sehe ich mehr pragmatisch. Sein letzten Album „Hearts and Bones“ war ein kommerzieller Misserfolg, somit war er in der Bringpflicht, ergo es musst etwas Besonderes her: der Boykottbruch. Auch der ANC war von dem Projekt nicht sehr angetan und warf ihm vor, den Kulturboykott zu unterlaufen.
      Was wäre aus „Graceland“ ohne the cultural boycot geworden? Ein gutes Album, nicht mehr und nicht weniger.
      Was die politischen Ambitionen von Herrn Simon angeht, sehe ich, vor dem Hintergrund seines Wirkens als Jurymitglied eines Schlager Contests (Marianne Rosenber) im Jahre 1970, mit sehr gemischten Gefühlen.

      • murph sagt:

        Ich weiss nichts über Paul Simon, aber ihm politische Ambitionen mit dem Hinweis auf eine Jury-Teilnahme zu einem Schlager-Contest im Jahre 1970 abzusprechen, ist in etwa vergleichbar dazu, Scarlett Johanssons Intelligenz mit einem Hinweis auf ihr gutes Aussehen anzuzweifeln (was Roger Waters mit seinem Spruch gemacht hat).

      • Sunny sagt:

        Christian, ich habe lange überlegt, ob ich auf Deinen Kommentar nochmals eingehen soll. Mir liegt nichts daran zu streiten. Aber ich möchte Dich doch einmal direkt fragen: Glaubst Du allen Ernstes, Israel ist ein Apartheidsstaat, mit dem alten Südafrika vergleichbar? Und hältst Du RW für eine moralische Instanz und in der Lage, die Situation im Nahen Osten objektiv und vorbehaltlos zu beurteilen?

        • Martin sagt:

          Na offensichtlich hast ja auch Du eine klare Meinung zu dem Thema und glaubst offensichtlich auch eine „moralische Instanz und in der Lage, die Situation im Nahen Osten objektiv und vorbehaltlos zu beurteilen“, wenn ich Deine Beiträge so lese. Zumindest müsstest Du Waters das gleiche Recht und die gleichen Bewertungskriterien zugestehen. Denn ob prominent oder nicht, an einer freien Meinungsäußerung darf niemand gehindert werden. Eins steht meines Erachtens jedoch auch unumstößlich fest: Der Stäkere /und das ist Isreal) ist in einem Konflickt immer derjenige, der die Schritte zu einer Verständigung einzuleiten hat, wenn er an einer kritischen Situation glaubhaft etwas ändern will. Die von Waters angesprochen Verhältnisse und das entsprechende Verhalten von Israel kann man natürlich einfach mal blind ignorieren, wenn es nicht in das eigene Weltbild passt – aber hilft das?

  8. aj sagt:

    Klar mit Abramowitsch Silvester feiern und sich dann mit palästinensichen Arbeitern profilieren wollen. Das ist der Gipfel der Heuchelei! Aufregen tu ich mich darüber aber schon lange nicht mehr, den Mann kann man schlicht nicht mehr Ernst nehmen. Anstatt andere zu bevormunden, sollte er sich mal ein Beispiel an Neil nehmen, der hat seit ´92 gefühlte 20 Platten eröffnet. Roger kündigt immer nur Grosses an und wir warten jetzt schon 22 Jahren!

    Keep on rockin´!!!

  9. Sascha sagt:

    Es gibt derzeit unzählige Krisenregionen auf dem Erdball-Ukraine,in Zentralafrika wird gemeuchelt bis zum Gehtnichtmehr usw..Warum befasst sich dieser Mann so obsessiv mit Israel?Ich hab da so einen Verdacht.Der Mann ist ein Ekelpaket!

    • Martin sagt:

      Glaubhaft kann man nicht gegen alles Ungerechte ich der Welt kämpfen – wenn man etwas erreichen will, muss man sich etwas heraussuchen, dass einem persönlich am Herzen liegt. Waters hat sich für die Rechte und die Belange der Palästinenser entschieden. Das ist völlig legitim – man kann und sollte nicht an „allen Fronten“ kämpfen – das wäre sogar kaum ernstzunehmen. Dass er sich dessen bewusst ist, dass es viele Baustellen gibt, beweist er bei seinem letzten Posting. „I have read many of the responses to my Scarlett Johansson/SodaStream post. I feel obliged to reply to some of them.

      Just so we are clear, I stand against any and all abuses of human rights when and where ever they may occur.

      This includes human rights abuses in Syria, Russia, the United States of America, Israel, China, Thailand, Burma, the ex colonies of the United Kingdom, Belgium, France, Spain, Germany, Holland and all the other colonial and imperialist powers of the last few hundred years. Sorry if I’ve left anyone out, I’m sure I have, the list is endless. Fundamentally, I am against all violations of human rights, always, anywhere. One recoils in disgust at the warmongers, and stands in awe of the care givers, the U.N, Medicins Sans Frontiers, The Red Crescent, and all the other unsung heroes.

      “We the People” made our declaration, “The Universal Declaration of Human rights,” in the General Assembly of The United Nations, in Paris on the 10th of December 1948. Enough said.

      On another note:

      I give heartfelt thanks, to those of you who chose to go online and stand with me, in declaring their opposition to colonialism, occupation, racism, dogma, bigotry and narrow national self-interest, in favor instead, of internationalism, self determination, truth, reason, justice, understanding, discourse, liberty, peace and love.

      To quote both Dr King and the recently late and undeniably great Pete Seeger, “We shall overcome one day.”

      Maybe, as relates to this particular issue, that day may not be that far off. As Dr King said, ‘I have a dream.’ And, had Dr King lived long enough to see how things have developed in Israel/Palestine, we all know for sure which side of this debate he would be on now.

      Love
      Roger“

  10. Joachim sagt:

    Alle die sich mit Roger Waters beschäfftigt haben,wissen von seinen politischen Ansichten.Und zum Glück nehmen ihn nur die wenigsten davon ernst.Ich glaube nicht einmal in Musikerkreisen wird er für so wichtig gehalten wie er es gerne hätte.Ich wünsche mir sehr das ein Künstler von einem so grossen Format wie Neil Young sich nicht davon abhalten lässt in Israel aufzutreten,zumal ein solcher Boykott nichts bringen würde.Waters versucht hier wieder einmal andere Menschen zu bevormunden,und die ,die nicht seiner Meinung sind werden dann in Interviews mit Sätzen wie „Den mag ich nicht“ abgehakt.Ich glaube einfach er hat ein Problem damit das er rein musikalisch nicht mehr soviel mitzureden hat.Alle seine Soloalben war kein grosser Erfolg beschieden,und er wird allein auch wohl kaum in der Lage sein noch grosses zu vollbringen.Somit ist er nur noch ein alter ,zorniger Mensch.

    Na denn
    lg
    Achim

    • Martin sagt:

      Ich frage mich, warum Du Waters ganz offensichtlich absprechen möchste, dass ihn das Thema wirklich interessiert und das er ein politischer Mensch sein kann und darf – auch wenn er von Beruf zunächst einmal Musiker ist. Das mit seiner Karriere in Verbindung zu bringen ist eher peinlich. So wie Du das beschreibst, könnte man meinen, dass er das aus Publicity-Gründen tut – das würde ich ihm auf keinen Fall unterstellen, da er sich für die Rechte der Palästinenser schon seit vielen, vielen Jahren einsetzt. Wie er das tut und mit welchen Mitteln bleibt ihm – wie auch jedem von uns, der sich für eine Sache einsetzt – völlig vorbehalten. Ich finde – ganz egal wie man zu seinen Ideen und Zielen steht – er verdient dafür Respekt – und den vermisse ich bei solchen Kommentaren doch sehr.

      • Joachim sagt:

        Deinen Kommentaren nach zu urteilen bist du einer dieser Fans ,die ganz egal was Herr waters auch von sich gibt alles gutheißen würden und auch alles hinnehmen weil er ja DEIN Roger Waters ist und du sein Fan,kritisiert werden von dir eigentlich nur die Kommentare derer die nicht alles gut finden was R.W so von sich gibt. Zu denen ich nun mal gehöre.Aber wie dem auch sei,es ist dein gutes Recht und völlig in Ordnung.Und ja,ich glaube Roger Water’s Geltungsdrang ist so groß das er so ziemlich alles machen würde um im Gespräch zu bleiben.

        Nix für ungut
        Lg
        Achim

        • Martin sagt:

          Joachim, diese Antwort ist ganz speziell für Dich und ich habe mir Mühe gegeben um das Folgende einfach mal klarzustellen: So simpel mache ich mir das nicht: Ich war 2011 vor Ort und habe mir persönlich einen Eindruck von der über 700 Kilometern langen Mauer durch das „Heilige Land“ gemacht. Wer mal davor steht kann das einfach nicht einfach unter dem Argument gutheißen, dass es Attentäter abhalten soll. Es ist m. E. einer der größten Schandflecke auf der Welt und jeder, der gegen eine solche Politik ins Feld zieht verdient meinen Respekt. Zudem hat Israel mit dem Bau der Mauer die damalige Waffenstillstandslinie völlig ignoriert, genauso wie es eine unverantwortliche Sidlungspolitik betreibt. Mit einer solchen Politik kann man meines Erachtens den Nahost-Konflikt nur verschärfen, aber nicht lösen – sie sorgt im Gegenteil dafür, dass sich Menschen radikalisieren. Auf der ganzen Welt wird die Siedlungspolitik von Israel kritisiert – das liegt sicher nicht an Roger Waters und seinen Intensionen. Ich glaube ganz einfach, dass Israel in dieser Region der deutlich Stärkere in diesem Konflikt ist und damit an erster Stelle in der Verantwortung ist, die richtigen Signale zu setzten um den Konflikt zu lösen. Leider vermisse ich diese Signale und ich kann Waters aus diesem Grund nur jeden Respekt zollen, denn sich gegen die israelische Politik auszusprechen führt zwangsläufig dazu, dass man als Antisemit oder „Judenhasser“ abklassifiziert wird (den Beweis haben die konservativen Juden hinreichend erbracht). Das ist nämlich viel einfacher als das eigene Handeln zu hinterfragen – und getroffene Hunde bellen nun mal. Mir ist sehr gut bekannt, dass es in Israel eine Menge Menschen gibt, die das ähnlich sehen – leider ist diese Gruppe noch nicht stark genug. Natürlich kann jeder dazu seine eigene Meinung haben und den Terror den die Hamas als Antwort auf die israelische Politik hat kann ich ebenfalls nur mit Abscheu beurteilen. Ursache und Wirkung ist schwer zu definieren.

          Was mich an Deinen Kommentaren so stört, ist, dass Du Waters (ohne dafür tatsächlich Anhaltspunkte oder noch besser Beweise zu haben) absprichst aus Überzeugung zu handeln. Er nutzt seine Popularität um gegen einen Mißstand zu kämpfen. Seine Mittel sind umstritten und dürfen auch durchaus kritisiert werden, aber ihm Unehrlichkeit zu unterstellen ist m. E. völlig verfehlt – dafür kämpft er in diesem Sinne bereits viel zu lange. Übrigens teilt Gilmour in dieser Hinsicht sogar seine Meinung – er ist nur nicht so „laut“ wie Waters.

          Ich bewundere Waters als Musiker, als Texter, als Konzeptkünster und als Showgröße – und zudem auch noch als jemanden, der für eine Idee und eine Überzeugung einsteht, klare Vorstellungen hat und sich dafür auch von vielen beschimpfen und (so wie Du es tust) abqualifizieren lässt. Er könnte es einfacher haben, er beweist, dass er kein Opportunist (wie so viele andere unglaubwürdige „Gutmenschen“) ist. Dafür bekommt er von mir Respekt – so wie jeder, der sich für eine gerechte Sache einsetzt und dafür viel Sturm erntet.

          An anderer Stelle dieses Themas wird Waters als „Ekelpaket“ bezeichnet. Ich frage mich ernsthaft, wie man jemanden, der sich ganz offensichtlich für Menschenrechte einsetzt, so beschimpfen kann. Darauf habe ich nicht reagiert, weil sich der Verfasser damit einfach selbst öffentlich deklassiert und keiner Antwort würdig ist. Ich habe mir lediglich erlaubt ihm zu beweisen, dass er sich inhaltlich irrt. Dir antworte ich und ich hoffe, Du kannst – auch wenn Du Waters Intensionen oder Aktivitäten nicht viel abgewinnen kannst – in Zukunft wenigstens akzeptieren, dass Menschen aus Überzeugung handeln.

  11. Kowalski sagt:

    Roger soll sich nicht um Israel kümmern. Dann lieber Boykott für Japan aussprechen, wegen Delphinabschlachtung. Wichtiger ist die Umwelt, nicht die Menschen.

  12. Sunny sagt:

    Ich fürchte zudem, RW hat es nicht so mit dem Tierschutz 🙁

    • scarecrow sagt:

      Stimmt. Der hat sich doch mal in einem Interview total bekloppt zum Thema Fuchsjagd ausgelassen.

      • Joachim sagt:

        Richtig,er hat damals Füchse als Ungeziever bezeichnet die man erschießen muss.

        • scarecrow sagt:

          Im Original klang es sogar noch schlimmer:

          „Sie mit Hunden zu jagen ist wahrscheinlich die humanste Art, sie zur Strecke zu bringen. Ansonsten bleibt nur noch, sie abzuschießen oder zu vergasen.“

          und

          „Eichhörnchen bieten ein interessantes Ziel, wie eine Dart-Scheibe.“

          (Roger Waters, Spiegel 38/2005)

  13. Joachim sagt:

    Ein Roger Waters ist sich in erster Linie selbst der Nächste.

    • Christian sagt:

      Dem Anschein nach, ist deine Frustrationstoleranz niedriger, als dein Fell dick.

      • Joachim sagt:

        „Dem Anschein nach, ist deine Frustrationstoleranz niedriger, als dein Fell dick.“

        Sollte dieser Kommentar an mich gerichtet sein ,empfinde ich das beleidigend und extrem unhöflich.Ich bin mir sicher das diese Website für Kommentare dieser Art nicht geschaffen worden ist.Da ich aber schon des öfteren Sätze in dieser Forn lesen musste,will ich das mal mit einem Lächeln gut sein lassen.Solltest du aber weiterhin so wenig Kritikfähig sein,besonders wenn man an dem „heilligen Denkmal“ von RW kratzt ,möchte ich dich doch sehr bitten solche Angriffe auf mich zu unterlassen.

        Mit freundlichen Grüssen
        Joachim

  14. Martin Meier sagt:

    Da haben wir´s !
    Roger Waters´ Zorn ist ansteckend..! 😉

  15. Sunny sagt:

    Schicken wir ihn dann besser doch nicht mit einem Palmzweig nach Israel und belassen wir ihn in Long Island.

  16. Martin Meier sagt:

    Der Jakobsweg ist auch sehr zu empfehlen..!

  17. Sunny sagt:

    There’s a leisure centre now.

  18. Thomas sagt:

    Diese Woche gab es auf „BBC Newsnight“ ein Streitgespräch zwischen dem Vorstandsvorsitzenden von „Soda Stream“ und dem Vorsitzenden der britischen Benefizorganisation „Oxfam“.
    Es besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zu Roger Waters oder Pink Floyd aber das Gespräch ist trotzdem äußerst bemerkenswert:
    siehe YouTube unter: NEWSNIGHT Oxfam’s Ben Phillips and SodaStream CEO talk

    Beide Seiten tragen berechtigte Argumente vor und es wird deutlich, daß Waters es sich mit seiner Stellungnahme viel zu einfach macht ! Abgesehen davon, daß die Aussage „you’re undeniably a cutie“ so dermaßen dümmlich ist…

    • Martin sagt:

      Jeder schlägt sich auf die Seite, deren Argumente er für überzeugender hält. Bei komplexen Inhalten ist dies nicht einfach aber wir sollten nicht anmaßen die eigene, persönliche Bewertung als die einzig Wahre zu betrachten.

  19. Werner sagt:

    Die Pro- und Contra Boykott Argumente von Sunny und Christian, zu Beginn dieser Diskussionen gefielen mir sehr gut. Sehr kluge Sätze. Ich kann beiden Argumentationslinien etwas abgewinnen!

    Was mir nicht mehr gefallen hat, das war, dass danach in einigen Kommentaren alles schlecht gemacht wurde was Roger Waters je getan oder nicht getan hat. Natürlich fühlt sich der eine oder andere von seiner Art provoziert. Er scheint kompromisslos zu sein in seiner Sache. Natürlich hat er auch seine Widersprüche und ist dadurch angreifbar. Er hat Millionen verdient, lebt in den Hamptons, fährt bestimmt auch Luxuswagen und hat sich für die Fuchsjagd eingesetzt! Und trotzdem setzt er sich für die Menschenrechte ein! Mir gefällt das sehr! Er macht es sich auf seine alten Tage nicht leicht!

    Wir brauchen solche Menschen, einen Waters der auf die Situation der Palästinenser aufmerksam macht, einen Neil Young der die Ölsand Produktion Kanadas kritisch hinterfragt und die viele anderen, die ihre Nase in Dinge stecken die uns nichts angehen sollen. Seien es Menschenrechte, Tier- und Umweltschutz.

    Wir sollten nicht vergessen, dass wir selbst tagtäglich Entscheidungen treffen, die einen wesentlichen Anteil am Scheitern bzw. Gelingen dieser Welt haben. Wir alle sind gefordert, wenn sich auf dieser Welt etwas zum besseren ändern soll. Den Politikern allein dürfen wir dies nicht überlassen!

    • scarecrow sagt:

      Werner, im Prinzip gebe ich dir recht. Aber ich finde dass es sich Waters eben doch gerade sehr leicht macht mit seiner einfachen und einseitigen Sichtweise. Der Brief enthält den ein oder anderen Satz zum Fremdschämen und auch sonst geht er nicht gerade feinfühlig mit dem Thema um.

  20. Martin sagt:

    Daumen hoch für Deinen Beitrag, Werner! 100% Zustimmung!

  21. Hans-Jürgen sagt:

    Werner, vielen Dank für diesen Eintrag und die Klarstellung! Well done!

  22. murph sagt:

    Ich finde auch, dass es exakt die Widersprüche sind welche einzelne Personen für andere Menschen interessant machen. Ecken und Kanten, an denen man sich stösst und anrennt – aber genau dann kommen Menschen zusammen, beginnen zu diskutieren, und bei einigen bleiben eventuell Interesse oder neue Einsichten zurück. Und damit ist meiner Meinung nach schon sehr viel erreicht – wie wir alle wissen, gehen Änderungen bei einem selbst, und damit in einer Gesellschaft, nur sehr langsam und mühsam vor sich. Deshalb umso mehr Respekt an Menschen, die auch mit 70 nicht zur Ruhe kommen und immer wieder Fragen aufwerfen, welche offenbar viele aufregen und hoffentlich auch anregen.
    Ohne falsch verstanden zu werden: Ich finde, dass die Begriffe „Wahrheit“ und „Aufrichtigkeit“ in so einem Diskurs im allgemeinen überschätzt werden. Ein Leben ist lang, und mit jeden Tag erfährt man neue Fakten, und das wirft neues Licht auf das was man gestern gedacht hat. Insofern finde ich die Phrase „Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“ keinesfalls zynisch, sondern recht passend. Und Aufrichtigkeit muss jede/r für sich selbst finden und definieren. Bin ich nicht aufrichtig, wenn ich meine festen Ansichten, welche ich vor 10 Jahren mit einem anderen Kenntnisstand hatte, nun über Bord werfe, weil ich eben mehr weiss? Wie gesagt, so sehe ich das in einem Diskurs zu bestimmten Themen wie hier. Im persönlichen Umgang bzw. in Beziehungen zwischen Menschen ist das natürlich eine ganz andere Ebene, und das sollte man auch nicht vermischen.

  23. Sunny sagt:

    „Er scheint kompromisslos zu sein in seiner Sache.“ Ein sehr diplomatischer Kommentar, Werner, und du hast damit natürlich auch recht, denn es ist anscheinend seine Natur, „kompromisslos“ zu sein. Doch in der Problemzone „Israel / Palästina“ halte ich diese Einstellung weder für dienlich (hinsichtlich eines unbewaffneten Friedens in noch nicht terminierter Zukunft. Auf Wunsch könnte ich das gern begründen) noch für persönlich weise, und auch den Verweis auf seine 70jährige Widersprüchlichkeit macht sie mir noch nicht zu einem sympathischen Charakterzug – wenngleich sie, zugegeben, ein faszinierendes Paradoxon enthält: einerseits die selbst keinen Widerspruch duldende Kompromisslosigkeit seiner Meinungen, andererseits die offensichtliche Widersprüchlichkeit (womöglich Zerrissenheit) eines Charakters.
    Aber RW ist ein Künstler. Ich erwarte von einem Künstler politische Intelligenz sowenig wie die mathematische Lösung einer Gleichung mit zwei Unbekannten oder die Lösungen der Probleme dieser Welt, sondern ein Werk seines Genres. Meine persönliche Theorie, der natürlich niemand folgen muß, ist, daß der immer noch energetische RW seine unzweifelhaft schwindende Kreativität komprimiert, indem er sich verstärkt um die Belange der Welt kümmert, er mischt sich politisch ein, er engagiert sich – was grundsätzlich ja positiv ist. RW ist allerdings nicht meine erste Quelle für meine politische Bildung, daher meine kritischen Vorbehalte hinsichtlich seiner Meinungen. Ich für mein Teil unterscheide klar zwischen dem Künstler und der Privatperson, der ich alle öffentlichen Kommentare und Äußerungen zurechnen darf, die ich kenne, ob politisch oder privat. Ein uneinheitlicher, widersprüchlicher Künstler kann ein offenes Werk schaffen, das die hoffnungslose Ambiguität der Welt widerspiegelt, und das ist RW mit und ohne Pink Floyd mehrfach gelungen, das ist und bleibt sein herausragendes Verdienst in der Pop-Kultur. Persönlich hätte ich allerdings nicht das Bedürfnis ihn kennenzulernen.

  24. Christian sagt:

    Israeli Apartheid Week 2014 Trailer / YouTube

  25. Sunny sagt:

    Heute, Samstag, 15.2.14:
    Raketen stören Schabbat-Ruhe – Hamas gegen Friedenstruppen

    Hamas-Flugblatt Nr. 65, 1990:
    Jeder Jude ist ein Siedler und es ist unsere Pflicht, ihn zu töten.

  26. Christian sagt:

    Panta rhei
    Sputnik with George Galloway – Episode 14 – 15th February 2014
    Interview with Sir Gerald Bernard Kaufman (MP)

  27. Sunny sagt:

    George? Galloway??

    If you are asking did I support the Soviet Union, yes I did. Yes, I did support the Soviet Union, and I think the disappearance of the Soviet Union is the biggest catastrophe of my life.“
    In 1994, he visited Iraq and told Saddam Hussein: „I salute your courage, your strength, your indefatigability“. He has repeatedly defended terrorist organisations such as Hezbollah; telling a crowd: „I am here to glorify the Lebanese resistance, Hezbollah“.
    Hezbollah has never been a terrorist Organisation.“

  28. Christian sagt:

    Galloway polarisiert, das steht außer Frage. Doch das ein oder andere sollte im Zusammenhang gesehen werden:

    • („…is the biggest catastrophe of my life) .If there was a Soviet Union today, we would not be having this conversation about plunging into a new war in the Middle East, and the US would not be rampaging around the globe.” (George Galloway)
    • „I have had two meetings with Saddam Hussein, once in 1994 and once in August of 2002. By no stretch of the English language can that be described as ‘many meetings’ with Saddam Hussein. As a matter of fact, I have met Saddam Hussein exactly the same number of times as Donald Rumsfeld met him. The difference is Donald Rumsfeld met him to sell him guns and to give him maps the better to target those guns. I met him to try and bring about an end to sanctions, suffering and war” (George Galloway)
    • »I am here to glorify the Lebanese resistance, Hezbollah«, taken from a speech George Galloway made at a demonstation against the war in Lebanon – or, rather, against the Israeli side in that war.
    • “During the month-long Israeli incursion into Lebanon in 2006, various useful idiots in Britain declared, ‚We are all Hezbollah now‘, while the former Labour MP George Galloway pronounced that Hezbollah was not a terrorist organisation”. (Michael Burleigh)

    Das Hauptaugenmerk meines posts lag aber nicht auf Galloway, sondern eigentlich auf Kaufman und dessen Antworten, welche ein Beitrag zum Diskurs „Boykott“ sein sollten…

  29. Sunny sagt:

    Intelligenter Artikel. Spätestens in 3 Jahren geht Netanjahus Likud-Block ohnehin in die Opposition, seine Regierungstage sind gezählt. Bereits in der letztjährigen Wahl waren die Konservativen der große Verlierer. Wichtig ist eine differenzierte Meinung zum Nah-Ost-Konflikt zu behalten und weder der linken noch der rechten Propaganda auf den Leim zu gehen. Radikale Ansichten sind einäugig und falsch und sehen nur die Verbrechen auf der Gegenseite.

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