Rezension anno dazumal: Pink Floyd Animals

Anlässlich der neuen Pink Floyd-Platte „The Endless River“ werden in den nächsten Wochen dutzendfach Rezensionen diverser Musikexperten darüber zu lesen sein. Aus diesem Grund dachte ich, dass es interessant sein könnte, einen Blick zurück zu machen, was denn damals die Fachexperten so geschrieben haben, als die aus heutiger Sicht sogenannten Meisterwerke veröffentlicht wurden!

Wir beginnen mit „Animals“ einem unter Floyd-Fans beliebten Album. Die dazugehörige Kritik wurde im März 1977 im MusikExpress veröffentlicht. Der Autor schrieb, dass Floyd zweimal daneben gegriffen haben, einmal bei „Atom Heart Mother“ und das zweite Mal bei „Dark Side Of The Moon“, das von Floyd durch die technischen Tricks zugrunde gerichtet wurde. „Ummagumma“, wie könnte es sein, hingegen steht bei ihm hoch im Kurs. Die neue Platte „Animals“ findet er so gar nicht gut. „Dogs“- und „Pigs“, so schreibt er, sind zum vergessen! Dafür aber gefällt ihm das Plattencover!!!

Animals
Pink Floyd
Harvest 1C 064-98 434

Seit die Pink Floyd mit ihrer ersten Single „Arnold Layne“ Anfang 1967 Platz 25 der britischen Hitliste erreichten, sind sie nur zweimal in ein kreatives Tief gestolpert. Einmal 1970, als das Album „Atom Heart Mother“ sie zwar zu Superstars in Großbritannien machte, an künstlerischer Aussagekraft indes mit der zuvor veröffentlichten, brillanten LP „Ummagumma“ nicht Schritt halten konnte. Dann wieder 1972, als sie im Verlauf von neun Monaten „Dark Side Of The Moon“ produzierten und ein Bündel hervorragender Songs mit Studiotricks und akustischen Mätzchen zugrunde richteten. Den Beweis für diese These liefert, die Raubpressung „Tour 72“, ein Konzertmitschnitt, der die ursprüngliche Form des Materials von „Dark Side“ enthält.

„Animals“ nun ist wieder ein überraschend schwaches, enttäuschendes Album. Aber diesmal stellt sich die Frage, ob das musikalische Konzept der Pink Floyd nicht sogar endgültig ausbrennt. Allein „Sheep“, einer von fünf Titeln, reicht an die Qualität von „Wish You Were Here“ heran, an jene Platte also die die überzeugendste Version des Floyd-Sounds der siebziger Jahre enthielt: einfach, schwere Akkorde und ohrwurmartige Meoldieansätze, die zu monumentalen, endlosen und bemerkenswert gelassen und ausgewogen interpretierten Klangbildern gestreckt werden. Den Rest von „Animals“ – „Dogs“ und drei Abhandlungen zum Thema „Pigs“ – kann man getrost vergessen. Einen so billigen Abklatsch von Pink Floyd-Musik, ohne Feeling und Überzeugung, aber mit allzuviel abgedroschenen Hard- und Heavy-Rock-Klischees zusammen geleimt, stellen auch Hunderte von Nachwuchs-Bands auf die Beine.

Die Pink Floyd-Musik ist hohl geworden. Nur die Verpackung, das Plattencover fasziniert.

** (mäßig)

4 Antworten

  1. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Ich habe mir Animals vor Kurzem erst wieder angehört, es hält für mich keinen Vergleich zu DSOTM, WYWH und TW stand. Es hat für mich mit allem, was PF vorher und erst Recht nachher gemacht haben, irgendwie sehr wenig zu tun. Und das macht es so interessant! Und wertvoll und hörenswert.
    Ich finde ANIMALS musikalisch sehr ehrlich, sehr erdig und auch viel spärlicher produziert. Der Sound orientiert sich mehr am tatsächlichen Live-Sound der Band (ich habe PF 77 nicht gesehen aber es gibt ja Bootlegs und man vergleiche DSOTM mit der DSOTM-Live in Wembley aus der Experience/Immersion Edition). Wenig Studio-Effekte mal abgesehen von der Talk-Box und „Schweine-Orgel“ statt Synthi-Teppch.
    Die Atmosphäre entsteht durch die Dynamik und das Zusammenspiel aller Bandmitglieder, besonders bei DOGS und SHEEP. Letzteres ist für mich übrigens rein musikalisch gesehen eine Weiterentwicklung von ONE OF THESE DAYS.
    Die Genialität von Animals liegt für mich u.a. darin, dass es mich immer wieder überrascht. Hingegen, wenn ich z.B. DSOTM, WYWH oder THE WALL höre, eine mir vertraute, aber spannend-bleibende „Reise“ antrete 🙂
    Shine On!

  2. Martin Meier sagt:

    So unterschiedlich können die Meinungen sein!

  3. ChrisHB sagt:

    Klasse Idee. Bitte noch mehr Kritiken aus alten Zeiten. – Ich dachte spontan, dass man die Kritik ja in diese Zeit verorten muss – Aus heutiger Sicht jene Kritik als widerlegt zu sehen – funktioniert eben nicht. Ich war in Erwartung einen schlimmen Verrisses von Animals – ich finde die Kritik aber begründet und sogar berechtigt. Kritiker haben nicht viel Zeit um sich mit einem neuem Album auseinander zu setzen oder sogar einen Kult zu erspüren. Manchmal ist es leicht, ein gutes Album zu entlarven (Beispiel: Die Teaser zu Damien Rice’s bald erscheinendem neuen Album lassen unmittelbar Großes erwarten!) manchmal braucht es länger bis Musik „wirkt“. Ich finde Animals klasse – aber die Kritik ist meiner Meinung nach in Ordnung.

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