Roger Waters 18.7.2013 Arnheim Gelodrome

Roger Waters 18.7.2013 Arnheim

The Wall Tourstart in Arnheim

Bericht von Martin Geyer

Ich war auf die Shows in Europa und das Konzerterlebnis – auch nach drei Jahren und 22 bereits weltweit gesehenen Shows – sehr gespannt. Waters hatte in seiner Pressekonferenz zum Start des Vorverkaufs seiner Europatournee in London am 15.11.2012 angekündigt, dass man in Europa auf den Aufbau der drei großen Türme, die die Projektortechnik enthielten und die in Süd- und Nordamerika mitten im Zuschauerfeld aufgebaut waren, verzichten oder diese zumindest deutlich weiter nach hinten verschieben könnte um die dadurch entstehenden Sichtbehinderungen zu reduzieren. Eine neue Projektorengeneration würde dies 2013 ermöglichen. Falls dies tatsächlich zutreffen würde, wären die neuen ‘The Wall Live‘-Shows 2013 die technisch am weitesten entwickelten Events. Den Zuschauern würde die best-mögliche Atmosphäre geboten.

Nach Arnhem – oder Arnheim nach deutscher Schreibweise – wollte mich Andreas begleiten, der bereits eine stattliche Anzahl von ‘The Wall Live‘-Shows in den letzten vier Jahren gemeinsam mit mir besucht hatte. Wir hatten unter anderem bereits meine persönliche Premiere in Chigago im Herbst 2010 gemeinsam besucht, eine Reihe von Konzerten in Europa in 2011 und das Stadionkonzert in San Francisco 2012. Auch die 2011er-Show in Arnhem gehörte zu unseren gemeinsamen ‘The Wall‘-Erlebnissen. Jetzt würden wir diese Konzerterfahrung wiederholen – jedoch dieses Mal in der von Waters deutlich überarbeiteten Stadion-Version. Bei unserem ersten Besuch in Arnheim hatten wir Stehplatz-Karten für den Innenraum geordert, dieses Mal hatten wir Sitzplätze für die West-Tribüne bestellt. Die Strecke von Bonn nach Arnheim wollten wir mit dem Auto zurücklegen.

Es waren bereits viele Fans vor Ort. Auf der freien Fläche unmittelbar vor den Haupteingänger der Mehrzweckhalle gab es eine Reihe von Getränke- und Essensbuden. Aufgrund unseres Besuches beim Fastfood-Spezialisten machten wir davon jedoch keinen Gebrauch. Ich hatte die Gelegenheit genutzt einmal fast komplett um die Halle zu laufen um mir einen Eindruck zu verschaffen und dabei auch den abgesicherten Bereich gefunden auf dem die Lkw‘s mit dem Equipment und die Tourbusse standen. Es gelang mir – trotz Absperrung ein paar Fotos zu machen. Offensichtlich hatten die Organisatoren die gleichen Unternehmen wie 2011 verpflichtet: Die schwarz-lackierten Fahrzeuge von ‘Transam Trucking‘ und ‘Beat The Street‘ konnte man sofort wieder erkennen.

Dann machten Andreas und ich uns auf in die Halle. Beim Eingang „F“ wurden unsere Tickets gescannt.

Neues beim Merchandising-Stand

Ein darauf folgender Besuch beim Merchandising-Stand zeigte, dass es auch für die zweite Europa-Tournee ein paar neue Artikel gab. Einige T-Shirts und Hoodies waren neu, es gab einen neuen, größeren Schlüsselanhänger, neue Pins, neue Poster, neue Tassen – und das alles zu weiterhin beachtlich hohen Preisen. Trotzdem kann ich bei diesen Angeboten leider kaum widerstehen und so wanderten ein paar Shirts in die ebenfalls neugestalteten Plastik-Tagetaschen.

Wie bereits bei meinem ‘The Wall Live‘-Besuch 2011 nutzen die Holländer beim Verkauf von Getränken eine Art „Biermarke“, die wieder mit dem ‘The Wall Live‘-Schriftzug versehen war. Waren diese Marken 2011 noch aus fester, schwarzer Pappe gewesen, so waren sie dieses Mal aus rotem Plastik. Die Idee, darauf das Logo der Veranstaltung zu drucken, diente wohl – neben der eindeutigen Identifizierung der Gültigkeit – auch dazu ein paar Marken zu verkaufen, die von den Fans nicht eingelöst werden würden um sie als Souvenir zu behalten. Auch auf diese Weise kann man Umsatz generieren und die Gewinnspanne maximieren… sehr geschickt und auch bei mir hat‘s funktioniert!

Nur 5.400 Tickets verkauft

Die Halle war vollkommen „unterbesucht“ und viele Bereiche des Gelredomes waren offensichtlich überhaupt nicht in den Verkauf gelangt und zu Konzertbeginn menschenleer wie z. B die gesamte Süd-Tribüne gegenüber der Bühne und auch große Bereiche der „hinteren“ Ost- und West-Tribüne. Auch der Innenraum war – im Gegensatz zu meinem Besuch im GelreDome 2011 – kaum ausgelastet. Offensichtlich wurden nur etwa 5.400 Tickets verkauft, für eine Halle in der eigentlich über 30.000 Menschen Platz finden können ein sehr schlechtes Ergebnis. Hintergrund dafür war wohl das späte Hinzufügen dieses Konzertes zum Tourplan Ende März 2013. Die meisten Holländer und andere EU-Bürger im Umkreis hatten da bereits ihre Tickets für Amsterdam (Stadion), Düsseldorf, London oder auch Werchter besorgt. Auch die Belgier, die 2011 noch zu Waters in den GelreDome gefahren waren, konnten sich die Mühe auf Grund des kommenden Konzertes vor der Haustüre sparen. Das Konzert hatte der Veranstalter wohl nur aufgenommen, um zu versuchen die Hallenmiete und die anderen Kosten für die dreitägigen Proben im Vorfeld des Konzertes leicht zu kompensieren. Der Markt für diese Premiere war aber offensichtlich nicht mehr da. Ich muss schon sagen, das war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Alles Fotos © Martin Geyer

Gegenüber der Bühne – auf der nicht verkauften Süd-Tribüne – war eine neue Beamer-Batterie aufgestellt welche die Mauer nun relativ horizontal parallel zur Mauer beleuchtete. Diese Batterie war nicht zentriert zur Bühne aufgestellt, sondern eher hinten rechts. Die Geräte verfügen offensichtlich über einen hervorragenden Lens Shift und weitreichende Trapez-korrekturmöglichkeiten welche eine sehr flexible Aufstellung ermöglichen. Auf der Mauer waren keinerlei Verzerrungen zu erkennen. Es war nicht mehr erforderlich die Beamer in mehreren Segmenten unter die Hallendecke zu installieren – ein deutlicher technischer Fortschritt. Darüber hinaus boten die neuen Beamer ein enorm scharfes und klares Bild auf der Mauer, noch einmal deutlich besser als ich es von den bisherigen Show in Erinnerung hatte.

Andreas und ich hatten versucht den Bomber, der gleich beim Eröffnungssong quer über die Zuschauer fliegen sollte, ausfindig zu machen. Leider ohne Erfolg. Auch anderen Konzertbesuchern war das wohl offensichtlich aufgrund der vielen stangenartigen Verstrebungen in der Hallendecke nicht gelungen. Der entsprechende Maueraufbau ließ jedoch keinen Zweifel zu, dass die Maschine auch heute Abend in die Mauer krachen würde. Vielleicht haben wir aber auch einfach – aufgrund unserer Stadion-Erfahrung bei der US-Tour im vergangenen Jahr – nach einem zu großen Model Ausschau gehalten. Für die Hallenkonzerte werden kleinere Mauersteine und wohl auch kleinere Modelle von Schwein und Flugzeug benötigt.

Bei Warten auf den Showbeginn hatte ich plötzlich Mark Lennon im Innenraum ausgemacht. Es gelang mir das Mitglied des ‘The Wall‘-Background-Chores für ein gemeinsames Foto zu gewinnen: ein sehr netter, freundlicher und offener Typ.

Während der Pre-Show hörten die Fans die bereits bekannten Songs: Leadbelly‘s ‘Take This Hammer‘, ‚Mother‘ von John Lennon, ‚Masters of War‘ von Bob Dylan, ‚A Change Is Gonna Come‘ von Sam Cooke, ‚Imagine‘ von John Lennon, ‚Strange Fruit‘ von Billie Holiday, und schließlich ‚People Get Ready‘ von The Impressions. Alles beim Alten.

Kaum Änderungen bei den Projektionen

Und auch ansonsten verlief das Konzert wie inzwischen von der US-Tour her bekannt ab. Es gab keinerlei Veränderungen bei den Projektionen. Offensichtlich hat Roger mit seinen Änderungen bei der Projektion zwischenzeitlich einen Stand erreicht bei dem man kaum noch etwas verbessern konnte.

Der Sound war für meinen Geschmack etwas zu laut und ich habe deutliche Verzerrungen wahrgenommen, die mir den Spaß am Konzert etwas genommen haben. Die Band hat zwar großartig gespielt und trifft den Geist von ‘The Wall‘ in beeindruckender Weise, aber ein Sound der aufgrund der Lautstärke und der technischen Rahmenbedingen qualitativ nahe daran ist bei den kritischen Aspekten der Musik allzu sehr zu verzerren, kann einem die Freude deutlich nehmen. Manchmal ist es eben besser etwas leiser zu sein und auf diese Weise kein Krächzen aus der zweifellos hervorragenden PA zu erzwingen. Vielleicht müssen aber auch nur die Soundtüftler am Mischpult noch etwas üben und die nächsten Konzerte werden besser. Das war eben die Premiere 2013 und solche Dinge muss man bei einem solchen Event als Fan wohl irgendwie einkalkulieren – selbst wenn ein Meister der Perfektion wie Roger Waters für die Show verantwortlich ist.

Von Simon Wimpenny, dem quasi ständig mitreisenden Superfan, wurde der Klang besser bewertet. Lag es eventuell auch an unserem Platz auf der Seitentribüne? Schwer zu sagen.

Roger erledigte seinen Part der Show in bekannt perfekter Weise und hohem Anspruch. Obwohl viele Großaufnahmen von ihm auf der Mauer nicht live sind, ist er mit seinen Bewegungen und Gesten fast so perfekt synchron, dass man es für live halten könnte. Diese Perfektion – selbst bei seinen die Texte unterstützenden Gesten – zwängt ihn in ein äußerst enges Korsett, dass ihm kaum noch Möglichkeiten der Spontaneität bietet. Lediglich im Vorfeld beim Song ‘Mother‘ bei dem er die Hintergründe für die Aufnahme des Songs ‘The Ballard Of Jean Charles De Menezes‘ in das ‘The Wall‘-Setup und das folgende Duett mit sich selbst aus dem Jahr 1980 erläutert, gibt es kleinere Besonderheiten obwohl er sich selbst dort an sein definiertes Drehbuch hält. Beim Hechten über die Bühne hatte man zudem gelegentlich den Eindruck, dass er noch nicht ganz die Fitness erreicht hat, die er bei den Konzerten 2012 in den USA noch hatte.

Vor ‘Run Like Hell‘ hatte Waters dann ein Problem mit seinem Micro: Eigentlich sagt er recht leise „Thank you“, begleitet von der Darstellung des entsprechenden Textes auf der Mauer in einer verhältnismäßig keinen Font-Größe, unmittelbar gefolgt von einem laut heraus geschriehenen zweiten „Thank You“ mit enorm großer Projektion der zwei Wörter. Dieser Effekt verpuffte völlig, da sein Micro offensichtlich nicht rechtzeitig aktiviert worden war. Dieser kleine Aussetzer wurde aber sofort behoben, sodass seine folgenden Fragen an das Publikum wieder deutlich wahrgenommen werden konnten.

Hin und wieder erschien es mir so, als ob auch die Steineleger noch nicht ganz perfekt arbeiten würden. Einige „Ziegel“ wurden etwas zu spät gelegt, einige deutlich zu früh – die perfekte Projektion verzeiht solche Fehler kaum. Hier müssen wohl noch ein paar Leute üben….

Mir ist nicht genau klar woran es eigentlich liegt, aber die Show in Arnheim hat mir, ehrlich gesagt, nicht besonders gut gefallen. Lag es an der geringen Zuschauerzahl, der übertrieben Lautstärke, einem möglicherweise noch nicht so ganz fitten Roger Waters?

Ich vermute etwas anderes: Nachdem ich die riesigen Stadienkonzerte in San Francisco, Chicago und New York live erleben durfte, kommt einem ein ‘The Wall Live‘-Konzert in einer Halle – selbst wenn es eine so große Halle wie die in Arnheim ist – einfach als eine zu kleine Ausgabe der Show vor. Alleine das Feuerwerk am Anfang der Show in einem offenen Stadion ist einfach umwerfend. Insofern freue ich mich auf die noch kommenden Open-Air-Konzerte in Berlin, Wien und London – hier muss wieder so richtig groß aufgefahren werden, inklusive einem deutlich größeren Bomber-Modell.

Andreas und ich verließen unsere Plätze noch während des Songs ‘Outside The Wall‘ und hörten uns die letzten Takte in der Nähe des Ausgangs an. Auf diese Weise konnten wir am Ende des Konzertes schnell aus der Halle und vom Parkplatz flüchten. Unser Rückweg verlief – bis auf einen unfallbedingten Stau auf der A3 – problemlos. In knapp drei Wochen werde ich mir dann das ‘The Wall Live‘-Konzert in Frankfurt ansehen.

1 Antwort

  1. Tom sagt:

    Danke für deinen Bericht und deine Eindrücke zur ersten Wall Show 2013!
    Gruß, Tom

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