David Gilmour & Polly Samson 27.5.2016 Hay Festival

Der schrecklich stille David Gilmour, so hat er sich vor kurzem selbst bezeichnet, unternimmt seit dem vergangenen Jahr eine Art „Gesprächstherapie“. Er stellt sich seit 2015 seiner Stille entgegen in dem er über sich und die gemeinsame kreative Zusammenarbeit mit seiner Frau Polly vor Publikum spricht. Vorgestern war es wieder soweit, die beiden traten beim Hay Festival auf. Wenn die Worte knapp wurden spielte Gilmour das eine oder andere Demo vom Smartphone vor oder griff zur Akustikgitarre um „Smile“ oder „Fat Old Sun“ anzustimmen.

Keine einfache Sache für jemanden der lieber mit der Gitarre, als mit dem Mund spricht. Er scheint aber seinen Spaß daran zu haben. Die beiden Eheleute nehmen sich zwischendurch immer wieder ordentlich auf die Schippe! Wobei Gilmour etwas mehr abbekommt, als die vergleichsweise sehr redegewandte Polly! Sehr witzig fand ich die Einleitung, als die Moderatorin danach fragte, wie sich die beiden eigentlich kennengelernt haben und wann es zwischen ihnen funkte. Die Antworten sorgten für viel Gelächter im Saal.

David Gilmour: Wir waren beide zum Abendessen bei einem Freund eingeladen und das mehr als einmal.

Polly Samson: Die wollten uns verkuppeln und saßen uns immer nebeneinander. Aber da war keine Magie, keine Chemie zwischen uns.

David Gilmour: Ich bin immer in Begleitung meines alten Freund Storm (Thorgerson) zu diesen Einladungen gegangen. Wir kamen und gingen gemeinsam. Polly war vielleicht der Meinung, dass ich schwul sei.

Und so in dieser Art ging es oft Hin- und Her zwischen den beiden! Nach gut 45 Minuten wurden Fragen aus dem Publikum zugelassen. Darunter waren einige gute Fragen, wie die folgenden, die ich auf die schnelle für alle weniger gut englisch verstehenden übersetzt habe! Bitte um Nachsicht, wenn ich manches verkürzt habe!

Welche Musik hören sie?

DG-Hay-Festival-2David Gilmour: Ich bin immer interessiert an einem neuen Neil Young oder Tom Waits Album. Früher gefielen mir die Lemonheads. Ach ja Nick Cave’s letztes Album „Push The Sky Away“ ist ein Meisterwerk, das habe ich mir monatelang angehört!

Werden sie ihre Demos einmal veröffentlichen?

David Gilmour: Ehrlich gesagt habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Hmm, ja die Möglichkeit besteht. Ich bevorzuge das fertige Produkt. Aber ich weiß genau worauf die Frage abzielt, denn ich liebe solche Sache selber von anderen zu hören, z.B. Demoversionen von den Beatles, die wirklich sehr interessant sind. Also vielleicht.

Warum spielen sie nichts Live von den ersten beiden Soloalben?

David Gilmour: Ich habe mir die beiden Alben angehört ob ich davon vielleicht etwas spielen sollte. Sie scheinen mir jedoch von einer ganz anderen Ära abzustammen. Derzeit fühle ich mich nicht danach davon etwas zu spielen. Ich bin nicht dort. Ich habe keine bessere Erklärung. Sie passen einfach nicht zu meinen derzeitigen Alter. (lacht)

Wird weiteres Archiv-Material von Pink Floyd veröffentlicht werden?

David Gilmour: Ich bin mir ganz sicher das da viel Zeug raus kommen wird. Es gibt da eine Menge in schlechter Qualität ausgenommener Sachen! Ja ich bin sicher da kommt mehr, wenn das dein Ding ist! (grinst)

Woher kam die Magie zwischen Rick Wright und ihnen?

David Gilmour: Die entstand nach vielen Jahren. Am Anfang war sie nicht da. Es benötigte Jahre um diese Vertrautheit im Spiel zu entwickeln. Am Ende nach all den Jahren war es beinahe telepathisch zwischen uns. Besonders auf der Tour 2006. Wir spielten „Echoes“, dass war die größte Freude die wir hatten. Es gab kaum eine falsche Note in unserem Spiel! Es war immer überraschend was der andere tat. Ein großes Vergnügen.

Vermissen sie diese Vertrautheit, diese Zusammenarbeit?

David Gilmour: Ja sicher, denn so etwas kann man nicht kaufen. Es benötigt viele Jahre dafür.

DG-Hay-Festival-1Vermissen sie Roger Waters?

David Gilmour: Ich denke, die Chance das Roger und ich wieder zusammenarbeiten, die ist ziemlich gering. Wir beide sind zu starr auf unsere Art. Aber ich möchte auf keinen Fall seine Leistungen runter spielen, die schöne Zeit die wir miteinander verbrachten, seine fantastischen Texte, seine Energie und sein Druck uns weiterbringen zu wollen. Aber er braucht mich nicht und ich ihn nicht.

Möchten Sie wieder einmal reduziert auftreten, also mehr akustisch spielen?

David Gilmour: Das habe ich 2001/2002 getan! Nein, ich ziehe den Komfort mit einer Band zu spielen vor!

Werden sich die bevorstehenden Konzerte von den bisher gespielten unterscheiden?

David Gilmour: Beim Konzert in Wroclaw werde ich von einem Orchester begleitet, das von Zibgnew Preisner geleitet wird. Also das ist schon ein großer Unterschied. Die restlichen Konzerte in Europa habe ich noch gar nicht geplant. Sie werden ähnlich sein wie die anderen Konzerte.

Wer den Auftritt noch nicht gesehen hat der sollte dies unbedingt nachholen! Die BBC bietet derzeit den 63minütigen Auftritt als Videostream an: Arts at Hay Festival 2016 – David Gilmour and Polly Samson.

Ich danke Bea für den Benedict Cumberbatch und David Gilmour Hinweis!

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14 Antworten

  1. Hanno sagt:

    Das sind wirklich sehr schöne, versöhnliche Sätze von Gilmour. Ein fast rührender Auftritt des Ehepaars.

  2. Manuel sagt:

    Warum hat niemand gefragt, weshalb sich das Line-Up für die kommenden Konzerte ändert? Interessiert das keinen?

  3. Patrick sagt:

    „Ja ich bin sicher da kommt mehr, wenn das dein Ding ist! (grinst)“

    die Antwort versteh ich nicht. Ist das auf Polly bezogen ?

    • Udo sagt:

      Bezog sich auf eine Frage aus dem Publikum. Es geht um die Veröffentlichung weiteren alten Materials.
      Ein tolles Gespräch im übrigen. Viele kleine Anekdoten und Infos. Seehr unterhaltsam und auch die kleinen Einspieler vom Handy sind klasse. Wie sich die beiden ergänzen ist schon beeindruckend.
      Danke für den Link, Werner!

  4. Ina Ina sagt:

    Werner, danke für den link.
    Es hat Spaß gemacht den Beiden beim Interview zu zusehen. Wie das Ehepaar Samson/Gilmour sich die „Bälle“ zuwirft, miteinander scherzt und sich in den Antworten ergänzt, zeugt von Harmonie.
    Smile und Fat Old Sun kurz anzustimmen, hat mir gut gefallen.

  5. Frank Gräbener Frank Gräbener sagt:

    Echt Klasse 🙂
    Das hat ja mal wieder riesen Spaß gemacht den beiden zu lauschen.

  6. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Ganz tolles Interview! Lustig, Nick Cave war letztes Jahr in der RAH im Konzert bei David und lief uns bei der Stage Door plötzlich über den Weg, als diverse Fans inkls myself dort rumlungerten und nach Sir Gilmour spechtelten 😉

  7. Werner sagt:

    Noch erwähnenswert von diesem Gesprächsabend:
    1. Als David und Polly 2011 Backstage in der O2 Arena in London mit Roger Waters zusammen saßen, da war auch Nick Sedgwick am Tisch. Sedgwick ein enger Freund von Waters, starb im selben Jahr an Krebs und Waters kündigte an, sein Buch über Pink Floyd, das er 1974/75 geschrieben hat, als er die Band auf Tour und im Studio begleitete, veröffentlichen zu wollen.

    2. Lustig war auch wie Gilmour der Titel zu „Where We Start“ nicht einfallen wollte und er stattdessen von „We Walk Ourselves Weary“ sprach!

  8. Roman sagt:

    Ja, und Polly dieses sogar bestätigte, obwohl es doch ein Lied ist, welches sie sich speziell zum Geburtstag wünschte und es dann auch bekam.
    Es kann jedoch auch sein, dass es sich um eine Art „internen Titel“ handelt, wie bei „Smile“, welchen sie ja auch erwähnten..

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