David Gilmour beschreibt sich als schrecklich still

Ein interessantes Interview gaben David Gilmour und Polly Samson dieser Tage dem Telegraph. Die beiden sprachen in ihrer Londoner Wohnung ganz locker über ihre vergangenen 24 gemeinsamen Jahre. In dieser Zeit ist eine ganze Menge passiert. Die alleinerziehende Journalistin Polly Samson mutierte von der Freundin des Pink Floyd Bosses David Gilmour zur Ehefrau und Texterin des „The Division Bell“ Albums. Inzwischen sind die beiden ein kreatives Team geworden. Gilmour nimmt ein Musikstück auf, summt dazu an den geeigneten Textstellen seine Stimme, übergibt es Polly, dazu vielleicht noch ein Stichwort, und sie zieht sich die Musik bei Spaziergängen in Brighton rein.

David Gilmour: Ich erinnere mich nicht daran je zu Roger gesagt zu haben: ‘Gott diese Texte sind verdammt brillant!’. Aber das waren sie. Ich hätte es tun sollen.

Sehr ehrliche Worte von Gilmour, der über sich sagt, dass er ein sehr stiller Typ ist! Als er gemeinsam mit Polly zu Roger Waters erster The Wall Show in der O2 Arena ginge und sie ihn danach Backstage besuchten, herrschte am Tisch eine unangenehme Stille. Irgendwie hatte man sich nichts mehr zu sagen.

Polly Samson: Das Gefühl der Peinlichkeit zwischen den Bandmitgliedern ist sehr real. Ich erinnere mich, als wir zu Roger’s Wall Show gingen. Danach saßen wir zusammen an diesem Tisch, Backstage hinter der Bühne, die Stille die dabei herrschte war unerträglich.

David Gilmour: Ich bin schrecklich still. Deshalb bin ich an solchen Situationen genauso schuld wie jeder andere. Man könnte sagen, dass nach fast 50 Jahren wir uns nichts mehr zu sagen haben. Es gab einmal die Zeit der glühenden und langen Gespräche zwischen uns. Aber jetzt gibt es eine ganze Menge von dieser Stille.

Die Bandmitglieder von Pink Floyd stammen aus einer Generation, als man noch nicht mit offenem Visier miteinander sprach. Konflikte wurden nie miteinander ausdiskutiert. Der Text des Songs „Louder Than Words“ auf dem letzten Pink Floyd Album „The Endless River“ beschreibt diesen Mangel an Kommunikationsfähigkeit.

Polly Samson: Es ist so komisch. Diese Männer sollten sich so viel zu sagen haben, die haben ihr Leben miteinander geteilt. Sie sprechen aber wirklich nicht. Dann beginnen sie zu spielen und es gibt dieses unglaubliche Gespräch.

„Louder Than Words“ beschreibt ihre Beobachtungen: „We bitch and we fight/ Diss each other on sight… But this thing we do… It’s louder than words“. Selbst als Gilmour diese Zeilen sang, gab es keine Reaktion von Nick Mason. „Das ist doch seltsam, oder nicht? Ich meine, man würde sich dazu einen Kommentar erwarten“, wundert sich Gilmour über Mason’s Reaktionslosigkeit. Polly ergänzte: „Man könnte erwarten das er sagt: Verdammt, ich hasse das“. Gilmour: „Oder, du hast es voll getroffen, aber nein, nichts.“

Der Artikel bietet noch weitere lesenswerte Passagen, wie z.B. die bei der Polly über einen gemeinsamen Flug, am Beginn ihrer Beziehung 1992, der ihnen beinahe das Leben kostete, erzählt. Gilmour steuerte das Flugzeug damals selbst nach Frankreich. Der Rückflug endete beinahe in einer Katastrophe. Nach der „Landung“ war ein Flügel ab und nur um Haaresbreite hatten sie ein Haus verfehlt.

Den ganzen Artikel findet ihr hier: David Gilmour and Polly Samson talk marriage, making music and the the trouble with Pink Floyd.

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2 Antworten

  1. Christoph Buesge sagt:

    Diese Ehrlichkeit von Gilmour und Frau ist beeindruckend. Hatte gedacht das Gilmour kühler wäre. Bei Live Aid nach Wish- guckte Waters zu Gilmour rüber, für mich hatte der Blick was flehendes..?! Gilmour guckte nicht zurück. Das war für mich ein Schlüsselmoment, wo man sich sicher war das es keine große Réunion geben würde. Dennoch die Worte von Gilmour/Samson lassen mich auch im 36. Jahr meiner Fankultur, zur Religion werden.

  2. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    „Ich erinnere mich nicht daran je zu Roger gesagt zu haben: ‘Gott diese Texte sind verdammt brillant!’. Aber das waren sie. Ich hätte es tun sollen“
    Finde ich gut, das klingt nach sehr viel Einsehen und Altersmilde, genauso, wie Roger auch ich glaube beim Wall-Gastauftritt im O2 sagte, er war damals ein unzugänglicher Typ, milde gesagt 😉

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