David Gilmour 16.1.2002 London Royal Festival Hall

Shine On You Crazy Diamond

1. Tag 16.1.2002: Robert Wyatt

Ein halbes Jahr nach David Gilmours grandiosem „Meltdown“ Konzert, kehrte ich zurück in die Royal Festival Hall. Zu den geplanten zwei Konzerten, die in kürzester Zeit ausverkauft waren, gesellte sich noch ein drittes Konzert. Am 16.1. flog ich von Salzburg nach London. Um 14:30 Uhr saß ich in der U-Bahn, es war nicht mehr weit, noch schnell über eine Brücke und vor mir tauchte die Royal Festival Hall auf. Ein herrliches Panorama, der Big Ben, die Themse und eine prächtige Häuserkulisse lagen vor mir. Bei der Royal Festival Hall angekommen, führte mich mein Weg direkt zur Ticketkasse, dort holte ich mir mein Ticket für das Konzert Nummer 3, das am 18. Januar stattfand.

Vor dem Künstlereingang warteten viele Fans auf das Eintreffen von David Gilmour und seinen Musikern. Ein schwarzer Range Rover fuhr auf den für Künstler reservierten Parkplatz vor. Die Securitys wurden zusehends nervöser und schließlich musste Platz gemacht werden, jemand war im Begriff aus dem Range Rover auszusteigen. Es konnte eigentlich nur David Gilmour sein. Schließlich ging hinten links die Wagentür auf und RICK WRIGHT stieg aus!! Ach du meine Güte, was für eine freudige Überraschung!!!

Sofort wurde er von den völlig verdutzt dreinschauenden Floyd Fans, inklusive meiner Person, umzingelt und herzlich begrüßt. Sehr eng wurde es und das Drängeln, um einen Blick auf ihn richten zu erhaschen, wurde immer schlimmer. Ich möchte nicht sagen fluchtartig, aber doch sehr schnell, ging Wright, geleitet von der Security, in Richtung Künstlereingang, um dort schließlich wieder zu verschwinden. Er hatte wenn überhaupt, nur zwei oder drei Personen ein Autogramm gegeben.

Wright ließ uns alle etwas verwirrt zurück! Recht hatte er, macht euch doch selber einen Reim darauf, weshalb ich hier bin! Und das machten wir auch, wir, die aus Österreich, Deutschland, Frankreich, USA und Südamerika etc. angereist waren!! Die Gerüchteküche war nun ganz ordentlich am dampfen! Warum ist Rick hier? Spielt er etwa mit? Bei welchen Songs? Werden sie Echoes spielen? Oder gar Atom Heart Mother? Wird Nick Mason auch kommen? Durch etwas völlig Unerwartetes positiv überrascht zu werden, das ist immer wieder schön.

Einige Minuten später suchte ein weiteres Fahrzeug, ein silberfarbener Mercedes, nach einem Parkplatz. Und David Gilmour entstieg diesem Auto. Er trug eine Lederjacke, er blieb kurz stehen um ein paar Leuten ein Autogramm zu geben, dann sah er jedoch, dass es einfach zu viele waren, die sich hier versammelt hatten und ging zügig Richtung Eingangstüre. Dort wartete ohnehin wichtigeres auf ihn. Wenn Rick mitspielt, dann wird wahrscheinlich noch ausgiebig geprobt werden müssen. Ricks letzter bekannter Auftritt war im Jahr 1996, als Pink Floyd in die „Hall Of Fame“ aufgenommen wurden. Er spielte damals mit Billy Corgan (Smashing Pumpkins) und Gilmour „Wish You Were Here“. Mason saß damals während seine Kollegen spielten im Publikum. Sehr schräg, ich würde ihn gern mal fragen, warum er nicht auf der Bühne hinter seinem Schlagzeug saß.

Nach einiger Zeit trafen dann nach und nach die anderen Bandmitglieder ein.

Wer sitzt vor mir?

Schließlich betrat ich die Royal Festival Hall. Die Bezeichnung „Hall“ ist eine Beleidigung für diesen Ort der Kunst. Es fällt mir schwer die Atmosphäre zu beschreiben, die man hier als halbwegs emotionaler Mensch spüren kann. Ein angenehmes Gefühl macht sich breit, kein Stress, keine unnötige Hektik. Die Zukunft liegt in der Langsamkeit, so könnte eine passende Überschrift dazu lauten.

David Gilmour hatte für seine drei Shows zwei Vorgruppen engagiert. Heute und Morgen spielten „Ghostland“. Ich hatte noch nie etwas von denen gehört. Der Gruppe gehörte die Cellistin Caroline Dale an, die später mit David Gilmour mitspielen sollte. Weiters waren in der Band eine Violinen Formation, bestehend aus 12 Personen, ein Dirigent, eine Bassistin, ein Gitarrist und ein Schlagzeuger. Dazu kamen noch vier weibliche Sängerinnen. Ein Riesenaufwand der da betrieben wurde! Die Musik war eine Mischung zwischen Klassik und Pop mit einem Schuss Enya und den irischen Clannad.

Ich saß sehr weit vorne, in der 4. Reihe, Sitzplatz 33. Wenige Minuten nachdem „Ghostland“ zu spielen begannen, sah ich, wie sich eine Reihe vor mir, ein Mann und eine Frau, nur durch einen freien Sitzplatz von mir getrennt, nieder setzten. Es dauerte ungefähr 10 Sekunden bis ich registrierten um wen es sich bei den Beiden handelte! Es waren Gilmour und seine Frau Polly! Sie blieben bis zum Ende von „Ghostlands“ Performance. Danach verschwanden sie wieder in den Backstagebereich. Gilmour hinterließ einen sehr guten Eindruck auf mich. Er hatte kurze Haare, so wie man ihn bei seinem letzten Konzert gesehen hatte. Polly war schwanger, dass konnte ich eindeutig diagnostizieren. Die Haare hatte sie zu einem Zopf zusammengebunden. Ganz in Schwarz gekleidet war sie eine sehr elegante Erscheinung.

Bei voller Saalbeleuchtung sah ich mir die vielen Menschen etwas genauer an, die nun kurz vor Gilmours Auftritt alle in die Halle kamen. Vielleicht irgendwer bekannter darunter? Und tatsächlich sah ich zwei bekannte Musiker im Publikum. Mike Rutherford von Genesis und Chris Slade, ehemaliger Schlagzeuger bei AC/DC und bei Gilmour „About Face“ Tournee 1984. Rutherford, in weiblicher Begleitung, hatte einen sehr guten Platz vor dem Mischpult in der Mitte. Chris Slade hingegen saß hinter der Bühne. Ja das geht auch. Eine Besonderheit der Royal Festival Hall sind die Sitzplätze hinter der Bühne.

„David Gilmour wird in ein paar Minuten auf die Bühne kommen. Bitte, es gibt keinen Grund mit Blitzlicht zu fotografieren. Bitte keine Blitzlichtfotos. Danke, habt eine großartige Zeit.“, so ein Sprecher, der uns vor dem Konzert mit den letzten wichtigen Informationen versorgte. Ein paar Minuten können einem manchmal wie eine Ewigkeit vorkommen. Schließlich wurde das Saallicht abgedunkelt und Gilmour betrat die Bühne.

Konzert

Shine on You Crazy Diamond Pt. 1-5 (Gilmour, Waters, Wright)

Als David Gilmour auf die Bühne kam, gab es einen tosenden Applaus. Und wenn ich tosend schreibe, dann meine ich auch tosend. Wenn nicht sogar gewaltig tosend, aufbrausend, ohrenbetäubend. Die „Shine On You Crazy Diamond“ Einleitung klang im Vergleich zu Meltdown 2001 etwas anders. Sie dauerte länger und es steckte mehr an Improvisation in den Tönen. Mir schien es, als ob Gilmour genüsslich die Einleitung verlängern würde. Spannend und ergreifend zugleich. „Shine on“ ist einfach eine Hymne, da gibt es gar nichts zu rütteln. Aus dem Publikum waren zu diesen leisen und berührenden Tönen, anfangs einige störende Zurufe zu vernehmen. Nach und nach beruhigten sich dann aber alle und man konnte sich, ohne nervende Kommentare, der Musik ganz und gar hingeben. Dick Parry begleitete Gilmour beim letzten Drittel am Saxofon.

Fat Old Sun (Gilmour)

Charmant und sanft wehte uns der Song um die Ohren. So wie schon beim Meltdown Auftritt, endet diese vier Minuten Version, vor seinem Gitarrensolo, wie wir es vom Atom Heart Mother Album kennen.

Coming Back to Life (Gilmour)

Gilmour unterlief ein kleiner Fehler am Beginn des Liedes, danach ging es aber fehlerfrei und enthusiastisch weiter. Bei der Gitarreneinleitung wurde Gilmour vom Chor stimmlich unterstützt. Als dann das Schlagzeug den Rhythmus vorgab, stieg das Publikum klatschend begeistert mit ein. Das Gitarrensolo von Gilmour war bewegend und er selber genoss es sichtlich. Obwohl dieser Titel nicht zu meine Favoriten gehört, war ich von dieser Version sehr berührt!

Dominoes (Barrett)

Zu Beginn zeichnete mein Gesicht ein Bild des Erstaunens. Bass und Schlagzeug begannen gemütlich davon zu traben. Gilmour half mir mit folgendem Kommentar auf die Sprünge: „Für alle, die es nicht kennen, dies ist ein Song von Syd, Dominoes.“ Meine Güte, ich fasse es nicht. Chucho Merchan an der Bassgeige, Michael Kamen am Flügel, Neill McColl und  Gilmour selbst mit der Akustikgitarre. Nic France streichelte konzentriert das Schlagzeug. Gegen Ende des Liedes steigerte sich das Quintett. Gilmour zupfte an seiner Gitarre, Kamen improvisierte am Klavier, einfach großartig! Ganz langsam klang das Lied aus, einfach wunderbar. Tosender Applaus und ein zartes „Thank you very much“, von Gilmour beendeten diese Überraschung.

High Hopes (Gilmour, Samson)

Gilmour: „Der nächste Song heißt High Hopes und ist von unserem letzten Album.“ Nic France schlug gegen eine Glocke. Gegen Ende des Liedes, nach Davids Solo, begann das Publikum heftig zu klatschen. Gilmour gab uns mit seinen Händen zu verstehen, sich mit dem Klatschen noch zurückzuhalten und auch das Ausklingen des Liedes in Ruhe zu würdigen.

High Hopes Reprise

Danach gab es wieder so eine unglaubliche Überraschung. Gilmour: „Gefällt euch mein Chor? Wir sind sehr glücklich, wenn wir bei den Proben diesem wunderbaren Chor zuhören dürfen. Ich möchte euch das gern einmal vorführen.“ Und dann passierte etwas besonderes. Der Chor, unter der Leitung von Sam Brown, sang die Schlussphase von High Hopes noch einmal, ganz ohne musikalische Begleitung. Die Stimmen waren großartig, Gänsehaut überzog meinen Körper. Meine Hörorgane genossen jeden Ton, wirklich sensationell. Was für eine Würdigung für die Sänger/innen. Danach stellte Gilmour den gesamten Chor namentlich vor: Chris Ballin, Margo Buchanan, David Lordat, Michelle-John Douglas, Beverley Skeet, Sam Brown, Carol Kenyon, Durga McBroom und Claudia Fontaine. Ein paar Worte möchte ich noch zu den Sängerinnen verlieren. Claudia Fontaine war meiner Meinung nach auch schwanger, sicher nichts wesentliches aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen. Von Durga McBroom habe ich länger nichts mehr gehört. Wie ihr wisst hat sie bei den letzten Pink Floyd Tourneen, als Backgroundsängerin eine gute Figur gemacht. Auf ihrem bisher einzigen Album, dass sie unter den Projektnamen „Blue Pearl“ gebar, befand sich auch der Hit „Naked In The Rain“. Als Gäste spielten darauf unter anderem Wright, Gilmour, Garry Wallis und Tim Renwick mit.

Je Crois Entendre Encore (Bizet)

David Gilmour: „Wenn meine Stimme es zulässt werden wir nun ein Stück aus einer Oper von Bizet spielen.“ Und wie es seine Stimme zuließ! Wieder war diese Langsamkeit zu spüren. Das volle Gegenprogramm zu dem in unserer Zeit üblichen, schnellen und lauten Geplärr, dass einem aus dem Fernseher oder Radio in die Gehörgänge einfährt. Das ist heute Musiktherapie für meinen gestresste Seele.

Smile (Gilmour, Samson)

Diesen neuen Titel stellte Gilmour uns bereits letztes Jahr vor. Die 2002er Version klingt etwas voluminöser. Carol Kenyon übernahm mit Gilmour den Gesangsteil. Zu Kenyon gibt es auch etwas interessantes anzumerken. Sie wurde von Roger Waters Manager Mark Fenwick für den zweiten Teil seiner Tournee, die ihn durch Europa führte, als Sängerin engagiert. Immer wieder kreuzen sich die Wege von Gilmour und Waters, wenn auch auf indirekte Weise, durch Musiker und Freunde wie Michael Kamen, Jon Carin, Kenyon, James Guthrie und wie sie alle heißen.

Breakthrough (Moore, Wright)

David Gilmour: „Gut, ich möchte nun Richard Wright auf die Bühne bringen.“ Und wieder verwende ich das Wort tosend. Den genau so klang der Applaus, den Rick für sein Erscheinen erntete. Ohrenbetäubend, aufbrausend muß es sich für Rick angehört haben. Was für ein schöner Anblick, die beiden wieder auf einer Bühne gemeinsam, zu sehen. Ricks Piano stand vor dem Chor auf einer Linie mit Gilmour. Wright war sichtlich aufgeregt, um nicht zu sagen, total nervös. So wie er vor dem Instrument saß, signalisierte mir seine Körpersprache: „Mann oh Mann, hoffentlich geht das gut heute.“ Er drückte noch schnell ein paar Knöpfe und setzte sich eine Brille auf. Gilmour: „Wir werden einen Titel von Ricks letztem Soloalbum Broken China spielen, Breakthrough.“ Bei aller Fantasie die ein Floydfan von Natur aus in sich trägt, aber auf dieses Szenario wäre wirklich keiner gekommen. Es wurde aber noch besser, was nun passierte, ist nicht mehr zu überbieten. Wright vergisst nach wenigen gesungenen Zeilen seinen Text. Gilmour versucht noch zu retten was zu retten ist und übernahm Ricks Gesangsteil. Ich konnte Wright genau beobachten, wie er litt, es war furchtbar mit anzusehen. Er ärgerte sich unendlich über sich selbst. Wright und Gilmour hielten immer Blickkontakt zueinander. Gilmour tat sein bestes, aber als dann auch noch Dick Parry ohne das zweite Saxofonsolo gespielt zu haben, vorzeitig die Bühne verlassen hatte, brach er ab. Gilmour: „Dick, du solltest doch ein Sax-Solo spielen. Komm herauf und spiele das Sax-Solo. Ich wusste, dass heute der Abend der Proben sein würde.“ Und dann ging es genau an der abgebrochenen Stelle weiter. Das Publikum klatschte frenetisch und dankte den Musikern für diese Probeneinlage. Es war wundervoll, wie der Chor den Refrain sang, es war wunderbar wie Rick und David sich immer wieder freundliche Blicke zuwarfen. Gilmours Gitarrensolo war einer der Höhepunkte des Abends. Wie überhaupt „Breakthrough“ das Highlight dieser Konzertreihe gewesen ist!

Wish You Were Here (Gilmour, Waters)

Wright wechselte nun das Instrument. Er ging zu Kamens Klavier. Dabei musste er die Bühne queren. Er ging auf Gilmour zu und beide lachten sie über das was gerade zuvor passierte. Wright nahm Platz und Kamen blieb daneben stehen. Er sah ihm genau auf die Finger, während er spielte.

Comfortably Numb (Gilmour, Waters)

Gilmour: „Ich würde nicht hier sein und ihr auch nicht, ohne meinen alten Freund Robert Wyatt, der jetzt mit uns singen wird.“ Robert Wyatt, der im Rollstuhl sitzende Ex-Schlagzeuger der Softmachine, schien besser vorbereitet zu sein, als wie bei seiner „Comfortably Numb“ Gesangspremiere 2001. Den Text las er nun von einem beleuchteten Pult ab. Auf der Bühne konnte er nicht sein wegen des Rollstuhls. Also war er so wie letztes Jahr, in der ersten Reihe weit links außen zu sehen. Seine Stimme gefiel mir diesmal besser. Das Gitarrensolo, es war eine kurze Version, spielte David wieder mit einer schwarzen Gibson. Wright war wieder zu seiner Orgel auf die andere Seite hinüber gewechselt.

Dimming Of The Day (Richard Thompson)

Gilmour: „Dieser Song wurde mir von meinem Freund Neill McColl (Gitarre und Gesang) vorgestellt. Geschrieben wurde er von Richard Thompson und gesungen von Linda Thompson. Guten Abend Linda, wir würden dich jetzt hier oben brauchen.“ Da mir nicht bekannt war, wie Linda Thompson aussieht, konnte ich sie im Publikum auch nicht ausmachen. David Gilmour und Neill McColl spielten diesen Titel mit Akustikgitarren ohne weitere Begleitung.

Shine On You Crazy Diamond Pt. 6-8 (Gilmour, Waters, Wright) Nic France betätigte die Windmaschine(!!) gefolgt von David Gilmours berstendem Gitarreneinsatz. Die Gänsehaut begrüßte mich schon wieder. Unterstützt wurde die Musik von weißen Lichtstrahlen. Dick Parry kam auf die Bühne, um den Schluss zu spielen. Dieses Musikstück hätte sich auch bei den vergangenen Pink Floyd Tourneen gut gemacht. Sehr Interessant, das sowohl Gilmour als auch Waters den „zweiten Teil“ von Shine On You Crazy Diamond „wiederentdeckt“ haben. Die Band verließ nun die Bühne.

A Great Day For Freedom (Gilmour, Samson) Nach gut einer Minute begeisternden Applauses kehrten David Gilmour und die Band auf die Bühne zurück. Rick Wright fehlte bei den Zugaben. David Gilmour stellte die Musiker nacheinander vor. Michael Kamen leitete am Klavier „A Great Day For Freedom“ ein. David Gilmour spielte ein donnerndes Gitarrensolo.

Hushabye Mountain (Soundtrack Chitty Chitty Bang Bang) Mit einem „Gute Nacht“ Kinderlied aus dem Film „Chitty Chitty Bang Bang“ verabschiedete sich Gilmour von uns. Es war ein grandioser Konzertabend. Wie glücklich bin ich, hier gewesen zu sein!!!

Roger Waters Sohn im Publikum

Ich war einer der letzten, die den Konzertsaal verließen. Nach dem Konzert traf ich Ian Russel, Autor des „In The Flesh“ Buches. Er erzählte mir, dass er gerade Steve O´Rourke und Harry Waters (!!) im Publikum sitzen gesehen hat! Steve O`Rourke, ja das kann ich mir gut vorstellen, logisch. Aber Harry Waters!!?? Moment mal, ist das nicht der Sohn von Roger Waters? Und der bei einem David Gilmour Konzert? Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht wie Rogers Sohn überhaupt aussah. Erst ein paar Wochen später, als ich die ersten Fotos von Waters Konzerten und Musikern sah, wußte ich wie Harry Waters aussah. Und dann fiel mir etwas ein! Könnte das nicht der Typ gewesen sein der mir nachdem Meltdown Konzert aufgefallen ist? Nein, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, war meine erste Reaktion. Nur weil jemand Dreadlooks trägt und zufällig nach Gilmours Meltdown Konzert neben uns stand, muß das doch nicht zwangsläufig Harry Waters sein, oder?

Doch musste es! Es war Harry Waters gewesen. Ohne es zu ahnen, stand ich schon ein halbes Jahr zuvor neben Harry, am 22.6.2001, bei Gilmour´s Meltdown Show. Ja richtig, noch einmal: „Harry Waters war bei David Gilmours Meltdown Konzert auch schon im Publikum!“. Und als wenn das nicht schon genügt hätte, begrüßte ihn Gilmour damals nach der Show auch noch, als er auf dem Weg zur After Show Party war. Wir standen damals eher zufällig vor dem „Peoples Palace“, einem Restaurant in der Festival Hall, als David und Polly direkt auf uns zu kamen. Und da stand auch so ein Typ herum mit blonden Dreadlooks. David Gilmour kannte den jungen Mann, er ging direkt auf ihn zu und reichte ihm die Hand. Die beiden wechselten einige Sätze und lachten dabei.

Band:
David Gilmour – Gitarren, Gesang
Rick Wright – Keyboard
Michael Kamen – Klavier, Oboe
Neill McColl – Gitarre, Gesang (Steve Earle, Nanci Griffith)
Nic France – Schlagzeug, Glocke, Windmaschine (Tanita Tikaram, Nigel Kennedy)
Chucho Merchan – Bassgitarre (Pete Townshend, Robert Wyatt)
Caroline Dale – Cello (Sinead O’Connor, Page & Plant)
Dick Parry – Saxofon (Pink Floyd)
Sam Brown – Gesang, Chorleitung
Michelle John Douglas – Gesang
Beverley Skeet – Gesang
Carol Kenyon – Gesang
Margo Buchanan – Gesang
David Lordat – Gesang
Durga McBroom – Gesang
Chris Ballin – Gesang
Claudia Fontaine – Gesang

7 Antworten

  1. Henning sagt:

    Hallo Werner,

    toller Bericht, bin gespannt auf die Fortsetzung. Wir (Arne, Thomas und ich) waren auch die ersten beiden Abende dort – den Meltdown-Gig hatten wir nicht gesehen. Wir saßen links oben auf der Ballustrade, etwa dirket über der stelle an der Robert Wyatt CN sang. Breakthrough ist mir auch als Höhepunkt in er Erinnerung, auch wie Rick dann mit den Händen abwinkte, als der Song komplett zusammenbrach. Dick Parry war wohl schon weg nach seinem Solo und DG holte ihn nochmal zurück um wieder mit seinem Sax-einsatz zu beginnen. Ich erinnere mich wie wir alle beim Verlassen der Halle dem Song und dem Solo-Outro den klassischen Pink-Floyd-Sound attestierten. 🙂

    Ursprünglich hatten Arne und ich nur Karten für den ersten Abend, waren dann aber so begeistert, das wir es am nächsten Abend probierten und sogar an der Abendkasse noch Tickets zum normalen Preis bekammen, weil wohl zuvor Plätze für Kameras geblockt worden waren. So saßen wir am 2. Abend gleichen Ort nur zwei Sitze weiter rechts!

    Ungewöhnlich für ein PF-verwandtes Konzert war tatsächlich die kurze Spielzeit von „nur“ etwa 90 Minuten, keine Pause und dafür aber eine Vorband – Zum Glück hat sich DG ja 2006 dann auf die alte Grundregel: „Neues Album im ersten Teil, alte Hits im überlangen zweiten Teil“ – zurückbesonnen 😉

    Gruß
    Henning

    • Werner Werner sagt:

      Freut mich das dir der Bericht gefällt! Breakthrough – schon Wahnsinn was da am ersten Abend passierte.

      Schon damals bereitete es DG großen Spaß, wenn er sein Publikum durch ungewöhnliche Songlisten und Gäste überraschen konnte!! 2006 setzte er diese „Tradition“ fort! Und eigentlich auch 2008 bei Atom Heart Mother, 2009 Jeff Beck und Amaduo & Mariam und 2010 als er Roger fragte ob er mit ihm auftretten möchte!! Immer gut für eine Überraschung der David, bin gespannt wie die nächste aussehen wird!

  2. Arne Arne sagt:

    Da war mein Bruder wieder schneller ;-). Ja Erinnerungen an großartige Abende werden wach. Ich hatte damals bei meinem Rundgang vor dem Konzert durch die Halle die Beschriftung „Rick“ auf dem Mischpult entdeckt und etwas geahnt, Henning vorsichtshalber aber nichts gesagt.
    Großartig sympathischer Moment als Breakthrough vermurkst wird und charmant mit „Let’s pretend this is a rehearsal…“ kommentiert wird.

  3. Werner Werner sagt:

    Arne, dann kannst du dir vorstellen wie es uns ging, als Rick aus dem Auto ausstieg!!! Das du Henning nichts von deiner „Entdeckung“ beim Mischpult sagtest, dass spricht für deine Verschwiegenheit!! Das muss dich innerlich aber ganz schön bearbeitet haben!! 🙂

    Ich weiß noch, dass ein englischer Freund zu mir kam und sagte dass er beim Mischpult eine Songliste gesehen habe, die so unglaublich sei, dass er es gar nicht glauben kann! Ich sagte nur – sprich kein Wort mehr!!

  4. Ulrike Baus sagt:

    hi Werner, ich habe diesen tollen und amüsanten Bericht gelesen, ach „verschlungen“ und wäre liebend gerne auch live dabei gewesen.
    Könntest du mir eine Frage beantworten? sind auch die kleinen „Pannen“ irgendwie mitgeschnitten worden?
    LG Ulli

    • Arne Arne sagt:

      Hallo Ulrike,

      nachdem Gilmour beim Meltdown Konzert im Vorjahr durch die Ansage vor dem Song Smile „If you’re bootlegging, start your machines now“, das „private Mitschneiden“ quasi „legitimiert“ hat, kannst Du davon ausgehen, dass es von dieser Version den ein oder anderen Mitschnitt gibt 😉 Kontrollen am Eingang gab es praktisch nicht. Am 2. Abend habe ich sogar problemlos ein Spiegelreflexkamera mit in den Saal nehmen können.

  5. TOM sagt:

    werner, danke für den bericht, ja schön war´s und henning und arne haben alles gesagt. der tosende applaus als rick auf die bühne kam, hallt immr noch in meinen ohren. bewegender moment. das dies nun schon fast wieder 10 jahre her sein soll, stimmt mich zum einem nostalgisch und zum anderen kommen mir unweigerlich solche sätze in den sinn die ich (wir) gaaaanz früher von unseren eltern nicht mehr hören konnten „kinder, wo ist bloß die zeit geblieben“ 🙂 …..auch wenn ich mich wiederhole, bleibt für mich immer (auch) der moment „berichtenswert“, als caroline dale die kurzen sekunden bei shine on 6-9 überbrückt, bis dave die gibson umschnallt und zum finale bläst….großes kino! könnte ich immer wieder hören und sehen….gruß, tom

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