Inside The Endless River

Einige von euch haben in ihren Kommentaren auf das aktuelle Uncut Magazin (11/2014) und deren Bericht „Pink Floyd – The Inside Story On Their New LP“ hingewiesen. Für alle die diesen Bericht nicht kennen haben wir ein paar interessante Details daraus zusammengefasst. 

Four Sides Of Endless River

Es war Mitte August, als sich Phil Manzanera und Andy Jackson, im Astoria Studio, den Fragen über das Zustandekommen des unerwarteten Pink Floyd Albums stellten. „The Endless River“ wird aus vier Abschnitten den „Four Sides“ bestehen. Die Musik des Instrumentalalbums, mit einem Song „Louder Than Words“ auf „Side Four“, soll aus ruhigen sphärischen Synthesizer Klängen, akustischen Passagen, melodischen Gitarrensolos und schwungvollen Orgelspiel bestehen. Allesamt Merkmale des typischen Pink Floyd Sounds.

In Zusammenarbeit mit den Produzenten Manzanera, Youth und Jackson haben David Gilmour und Nick Mason nicht verwendetes Material der „The Division Bell“ Session bearbeitet, arrangiert, neu-eingespielt und sie haben neue Musik für „The Endless River“ aufgenommen.

Die Arbeit an dem Album wurde in den letzten zwei Jahren, unter dem Mantel der Verschwiegenheit, in verschiedenen Londoner Studios und in Gilmour´s Home-Studio in Hove vorangetrieben. Bis jemand das Geheimnis des neuen Albums an „The Sun“ verriet. Am 5. Juli, einen Tag bevor „The Sun“ darüber berichtete, twitterte Polly Samson´s das Geheimnis aus!

Sollen wir nachsehen was wir haben?

Für Gilmour war Rick Wright´s Tod am 15. September 2008 ein sehr schmerzlicher Verlust gewesen. Er hatte Wright überredet mit auf seine „On An Island“ Tour zu kommen und die beiden harmonierten so gut wie nie zuvor. Nicht nur musikalisch kamen sie sich näher, ihre Freundschaft erlebte eine Erneuerung.

Im Januar 2007 spielten sie gemeinsam mit Drummer Steve DiStanislao und Wright´s Schwiegersohn und Bassisten Guy Pratt eine Woche lang in Gilmour´s Barn-Studio. Über 200 Musikstücke entstanden auf diese Weise. Drei dieser Musikstücke hat Gilmour auf „Live In Gdansk“ veröffentlicht. Die Absicht dahinter war deutlich erkennbar. Vielleicht gab es Überlegungen für ein „Gilmour & Wright“ Album oder andere musikalische Projekte! Auf jeden Fall wollte Gilmour mit Wright auch in Zukunft gemeinsam spielen. Mit Wright´s Tod fanden alle Pläne ein Ende.

Andy Jackson: Nicht lange nach der On An Island Tour starb Rick. Ich denke, dass es David sehr bewusst war, was er verloren hatte, nicht nur persönlich sondern auch musikalisch. In gewisser Weise war das die Saat, die zu diesem Album führte. ‚Es gibt Rick nicht mehr, aber es gibt einen Haufen Material aus der Vergangenheit, das wir nie verwendeten.‘ Ich glaube, dass das der zündende Funke in David war und schließlich sagte er: ‚Sollen wir nachsehen was wir haben?‘

Der Ton vom Urknall

Irgendwann in den vergangenen Jahren ist in Gilmour der Entschluss gereift aus dem Material, das er mit Wright und Mason 1993/94 aufnahm, etwas zu machen. Ob er dabei an ein neues Album gedacht hat? Davor benötigte er aber eine neutrale Meinung. Im August 2012 fragte er deswegen Manzanera ob er sich die Musik anhören würde. Manzanera sagte zu und traf sich mit Jackson auf der Astoria. Das „The Big Spliff“ Material wollte er nicht hören. Er konzentrierte sich stattdessen auf die „Division Bell“ Outtakes. Sechs Wochen lang hörte er sich im Astoria Studio rund 20 Stunden Material an.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an unseren Bericht „Aktivitäten auf der Astoria„, als P&S Besucher Urs Müller uns davon berichtete, dass er Manzanera an Bord der Astoria gesehen hatte. Das war im September 2012, also genau zu der Zeit, als Manzanera sich die Outtakes anhörte!

Während Manzanera die Aufnahmen hörte machte er sich Notizen, schrieb auf wenn ihm etwas gefiel. Er suchte ein Konzept, nach welchem er die geeignete Tracks auswählen sollte.

Phil Manzanera: Ich stellte mir vor, dass es eine Symphonie sei, bestehend aus vier Musikstücken, jedes 10 bis 12 Minuten lang. Diese Stücke sollten thematisch zusammenhängen, so wie ein klassisches Musikstück. Ich benötigte dazu eine Art Erzählung. Ich stellte mir ein Szenario vor, das mit dem Ton des kosmischen Urknalls begann. Und dieser Ton gelangt zum Eingang der Astoria, einem Tunnel der unter der Straße hindurchführt. Die Tür knarrt und man hört die drei, unsere Helden, wie sie über den Kies zum Boot gehen und auf der Astoria zu Jammen beginnen. Das ist der erste Abschnitt der Geschichte. Im zweiten Abschnitt hebt das Boot ab und wir sind im Weltraum.

Ich hatte also diese Geschichte und begann danach alles zusammenzusetzen. Ich nahm ein Solo von diesem Titel, änderte die Tonart, und fügte es in ein Outtake einer anderen Aufnahme.

An Fantasie hat es Manzanera definitiv nicht gemangelt. Zwei Monate später präsentierte er Gilmour auf der Astoria, seine Musikauswahl und die Arrangements.

Phil Manzanera: Ich denke, dass er sich gedacht haben muss, ‚Dieser Typ ist total verrückt‘. Er sagte, ‚Kannst du es Nick vorspielen‘. Also kam Nick vorbei und ich spielte ihm alles vor. Er erkannte das Potenzial, war aber etwas besorgt. Beide sahen sie, dass es genug Musik gab um daraus etwas gutes zu machen. Es verging ein Jahr, in dem sie überlegten was sie damit tun sollten.

Youth: David rief mich im Juni (2013) an. Er sagte ‚Ich habe diese Sache an der ich gearbeitet habe, es ist nicht ganz so wie ich es mir vorstelle. Kannst du kommen und es dir anhören?‘, also sprang ich in den Zug, er holte mich ab wir fuhren zu seiner Farm in Sussex. David hat dort dieses erstaunliche Studio am Dachboden einer Scheune. Er spielte mir das Stück dort oben vor. Ich hatte erwartet Solomaterial von ihm zu hören. Aber innerhalb von Sekunden klang es wie Floyd. Es war absolute Magie. Als ich diese unveröffentlichten Floyd-Aufnahmen hörte, gemeinsam mit David, hatte ich Gänsehaut an meinen Armen. Danach sagte David: ‚Ich bin damit so weit gegangen wie ich kann. Was denkst Du?

Youth nahm die Aufnahmen mit in sein Studio in Spanien um dort an Ideen für Arrangements usw. zu arbeiten. Gilmour unterdessen begann mit den Aufnahmen für sein neues Album. Er wollte davon keinesfalls abgelenkt werden. Am 4. November 2013 trafen sich Gilmour, Mason, Manzanera, Youth und Jackson zur Generalstabsbesprechung auf der Astoria, um den aktuellen Stand des Projektes zu diskutieren.

Phil Manzanera: David sagte: ‚Erklärt mir genau was ihr bisher getan habt. Von diesem Tag an übernahm er die Sache. Er sagte, ‚Wir ändern unsere Zielrichtung. Okay, es gibt leider nur mehr Nick und mich, aber wir werden etwas von dem was Youth gemacht hat nehmen, etwas von Phil und etwas von Andys Arbeit und ich möchte, dass ihr alle hier bleibt‘.“

Am 11. November war es soweit! Nach über 20 Jahren spielten Gilmour und Mason wieder gemeinsam im Studio. Sie nahmen Musik für ein Pink Floyd Album auf. Sie spielen zu sehen war für die Beteiligten Personen im Studio ein magischer Moment gewesen. Mason und Gilmour scherzten miteinander, sie verstanden sich sehr gut und wenn Mason seines Spiels nicht sicher war, feuerte ihn Gilmour an.

The Endless River eine Dokumentation über Pink Floyd

The Endless River wird einen verborgenen Schatz preis geben. Gilmour hatte in seinem Archiv eine Rehearsal-Aufnahme von Pink Floyd in der Royal Albert Hall am 26.6.1969. Wright spielte bei diesem Konzert bei „A Saucerful Of Secrets“ auf der Orgel der Royal Albert Hall. Von seinen Proben an der Orgel hatte Gilmour 20 Minuten. Von dieser Aufnahme des Orgelspiels wird auf „The Endless River“ etwas zu hören sein!

„The Endles River“ ist eine Art Musik-Dokumentation über Pink Floyd. Es enthält einen Moment, in dem sie jammen, man hört sie Reden bei Interviews (Stimmen von Gilmour, Mason und Wright? Oder hört man auch andere Floyd-Mitglieder?), und die Orgel-Aufnahme von Wright in der Royal Albert Hall.

Nick Mason: Ich denke, dieses Album ist eine gute Anerkennung dessen, was Rick gemacht hat und wie sein Spiel das Herz des Pink Floyd-Sounds repräsentierte. Sich diese Aufnahmen noch einmal anzuhören, führt einem vor Augen, was für ein ganz besonderer Musiker er war.

David Gilmour: The Endless River basiert auf der Musik, die wir im Rahmen unserer 1993er ‚Division Bell‘-Sessions aufnahmen. Wir hörten uns durch über 20 Stunden Material, auf dem wir drei zusammen spielten und wählten die Teile aus, an denen wir für das neue Album arbeiten wollten. Während des vergangenen Jahres haben wir ein paar neue Parts hinzugefügt, andere ganz neu eingespielt und uns moderner Studiotechnologie bedient, um ein Pink Floyd-Album zu erschaffen, das mit beiden Beinen im 21. Jahrhundert steht. Nachdem Rick von uns gegangen ist, haben wir keine Möglichkeit mehr, dies jemals zu wiederholen. Es fühlt sich gut und richtig an, diese neu aufgegriffenen und umgearbeiteten Tracks als wichtigen Teil unseres Repertoires zu veröffentlichen.

Dieses Album ist unser Tribut an ihn. Wenn ich ‚The Endless River‘ höre, werde ich traurig. Es wird das letzte Mal sein, etwas von Rick Wright zu hören.

Der Bericht hat noch einiges zu bieten! Die Euros für diese Uncut Ausgabe sind gut investiert!

5 Antworten

  1. Frank Gräbener Frank Gräbener sagt:

    Wow 🙂
    Was für ein toller Bericht 😉
    Lässt meine Vorfreude noch größer werden.

    Schritte im Kies, die knarrende Tür der Astoria und der Urknall….. Auf die Reise bin ich mal gespannt 🙂

  2. Ina Ina sagt:

    Ich habe gestern mein Exemplar „Uncut“ gekauft. Mein Tipp: wer noch seine Sammlung ergänzen möchte, am Berliner Hauptbahnhof sind noch mehrere Exemplare vorrätig.
    VG
    Ina

  3. manni sagt:

    Sehr gut zusammengefasst Werner…..DANKE!
    Selten so einen informativen Bericht über eine neue Scheibe gelesen wie in der UNCUT.

    • Don Corleone sagt:

      Wobei nachdem Artikel die Erwartungen ins Unermeßliche steigen. Mal ehrlich, schon sehr vollmundig was da angeküdigt wird. Ich gehe mal davon aus das es stimmt 🙂

  4. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Danke auch für den super Bericht! Ich hoffe, ich bekomme auch noch ein Exemplar morgen am Hauptbahhof (allerdings München), LG

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