The City Wakes : A Tribute to Syd Barrett!

Foto: Oskar Giovanelli

Die Syd Barrett Gedenktage fanden in Cambridge vom 22.10. bis 1.11.2008 statt. Ein Bericht und Fotos aus der Barrett Festivalstadt Cambridge (23.-25.10.) 

Bericht und Fotos von Oskar Giovanelli

Wir kamen am Donnerstag gegen 18h in Cambridge an. Cambridge ist eine relativ kleine und übersichtliche Stadt. In den nächsten 3 Tagen würden wir nie ein öffentliches Verkehrsmittel benutzen, sondern alles zu Fuß gehen. Auf den ersten Blick fällt einem auf, dass dies (im Vergleich mit Städten wie Leeds oder London) eine sehr wohlhabende Stadt sein muss. Ebenso ist Cambridge unübersehbar eine Stadt mit Geschichte und alten Colleges und Straßen.

Ja diese Stadt ist so klein, dass das erste Pub, in welchem wir zufälligerweise, ohne es gesucht zu haben, das famose Anchor’s Pub ist, in welchem, so wie es an der Wandtafel am Eingang steht, Syd seinen Spitznamen erhielt. Gleich daneben findet man übrigens das Mill’s in welchem die Abdabs schon spielten. Dieser Abend geht nach einigen Pubs und Pints bald zu Ende, um am nächsten Morgen wieder aufzustehen.

Grand Arcade
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und nach einem (überraschend) guten Frühstück in unserem „Hotel Cityroomz“ (mal vom Kaffee abgesehen, aber in England trinkt man Tee), machen wir uns auf zur „Mind over matter The Images of Pink Floyd exhibition“ vom guten alten Storm Thorgerson. Grand Arcade ist ein Einkaufszentrum in der St. Andrew’s Street und die Ausstellung befindet sich im 2. Stock. Schon um 9h morgens finden sich einige Besucher hier!! Da ich einen Vergleich mit derselben Ausstellung in Mailand machen kann, fällt mir gleich auf, dass sie etwas kleiner geraten ist und einige andere Bilder ausgestellt sind. Da Storm ja wenig zurzeit von Syd Barrett mit Pink Floyd zu tun hatte, sind von diesem nur wenige Bilder zu sehen. Allerdings wurde die Ausstellung mit Bildern von „Oh by the way“, „The Black Strat“ ergänzt. Eine Serie von Bandfotografien aus der DSOTM Zeit ist recht interessant. Leider gibt es hier keine Möglichkeit Billigdrucke von den wunderbaren Bildern von Storm zu erstehen, wie es in Mailand der Fall war. Unter 400Pfund (bis zu 1350 Pfund) kein Verkauf!!

Bei dieser Ausstellung gibt es einen Informationsstand zum City Wakes Festival, bei welchem ich mir „A Pink Floyd Fan’s illustrated Guide to Cambridge“ (6Pfund) kaufe, welches sich als sehr hilfreich herausstellt. Somit verzichten wir in der Folge auf die Guided Tours, welche angeboten werden und sparen uns ca. 30Pfund.

Ebenso wird die Sensibilisierungskampagne von Escape Artists über psychiatrische Krankheiten stark promotet. Im Grand Arcade befindet sich ein HMV Laden, der den gesamten Pink Floyd Katalog um 5 -9 Pfund pro CD anbietet und Blake’s „Pigs might Fly“ um 5 Pfund, welches ich mir erstehe.

Borders
Dieser Buchladen beteiligt sich an der Campagne und bietet die ganze Buchkollektion der letzten Jahre an. Ebenso kann man die Cremefarbene Telecaster von Syd erstehen!!
Ich gönne mir „Random Precision – Recording the music of Syd Barrett“, aber man findet auch den Kalender von 2009, Rex Collection, The Black Strat, Pigs might fly, Taken by Storm etc. Allerdings sind die Preise im Vergleich mit anderen Läden in Cambridge, die sich an der Campagne nicht beteiligen wesentlich teurer!

The Ruskin Gallery / The Other Room
In der famosen Cambridge School of Art in der East Street, in welcher Syd seine Malkünste perfektionierte, findet man in der Ruskin Gallery die Ausstellung „The other room: Syd Barrett’s Art and Life“. Diese Galerie ist in dem riesigen Gelände schwer zu finden und sogar die Informationsbediensteten wissen auf Anhieb nicht, dass diese Ausstellung überhaupt in ihrem Gelände stattfindet!!

Nach einer kafkaesken Odyssee und lustigen Tipps wie: „Exit the door, go round the building and you will find a red-bricked Building….” (ganz Cambridge besteht aus Red Brick Buildings und somit fanden wir uns vor etwas 4-5 gleichen Häusern wieder…) fanden wir endlich die Ausstellung, die sehr sehr interessant ist (auch aus psychologischer Sicht). Leider war es verboten Bilder zu machen. Das Programm (2 Pfund) enthielt Bilder, welche allerdings nicht ausgestellt waren und andersrum waren Bilder dort, die nicht im Programm waren. Viele waren Photos von Bildern, da Syd sie ja bekannterweise nach Fertigstellung fotografiert und wieder zerstört hatte.

Zwischen Abstrakten Farbmalereien kann man auch Stillleben entdecken. Besonders toll fand ich ein Bild, welches von nahem abstrakt war, von der Galerie im 1. Stock betrachtet aber klar wurde, dass es eine Straßenszene darstellte. Ebenso waren Mick Rock Fotos zu sehen, sowie Briefe, welche Syd and Lybsy (seiner Freundin?) von London nach Cambridge schrieb. Und die waren wirklich interessant. Er malte darin die Band während der Studioaufnahmen und beschreibt aufgeregt ihre erste Studiosession mit Bob Klose usw. Ich erhielt sozusagen Informationen aus erster Hand, welche bisher in keinem Buch veröffentlicht wurden! In den Briefen findet man Gedichte und Liebeserklärungen. Ebenso gibt es auf der Ausstellung bisher unveröffentlichte Aufnahmen von Iggy „The Eskimo“. Alles in allem eine tolle und auch hier relativ gut besuchte Ausstellung.

Freitagabend bin ich auf das „Tribute Konzert“ gegangen, welches ziemlich experimentell geraten ist, teilweise ganz nett, teilweise etwas sehr schräg. Jedenfalls was die musikalische Seite betrifft, andererseits, war es sehr interessant, da die band aus ca. 15 Mitgliedern bestand, die Hälfte psychiatrische Patienten. Sie brachten seltene Nummern wie „Maisie“ usw.

Im Foyer der St. Paul’s Church befand sich ein Getränke Buffet, einige Zeitungsausschnitte zu Festival, ein großer Merchandising Stand, sowie ein großer Stand zur psychiatrischen Informationskampagne. Mit den beiden Damen unterhielt ich mich lange, da es mich auch beruflich interessierte. Sie erzählten mir Escape Artists sei ein Verein, welcher künstlerischen Ausdruck als Therapieform nutzte und somit Menschen mir schweren psychischen Problemen auch eine soziale Integration ermöglichte. Es scheint als wäre Syd Barrett selbst in den letzten Jahren von diesem Verein „betreut“ oder zumindest in Kontakt gewesen. Da es ein privater Verein ist, war eine Finanzspritze von Rosemary Barrett sicherlich notwendig gewesen und hat diesem Verein ermöglicht bekannt zu werden, eine internationale Informationskampagne zu starten und durch Nutzung der Barrettkompositionen ohne Autorenrechte zahlen zu müssen, auf sich und das Problem der psychiatrischen Stigmatisierung (welche letztendlich ja auch Barrett betroffen hat) aufmerksam zu machen. Ebenso konnten sie eine ganz andere Bevölkerungsschicht erreichen, welche sich sonst vielleicht für solche Themen nicht interessiert.

Auf jeden Fall konnte ich unter dem Publikum (vielleicht 100 Personen? Aber die Kirche war voll) spanisch, italienisch etc. sprechen hören und gehe mal davon aus, dass es sich auch um angereiste Barrett-Fans handelte. Es mag erscheinen, dass wenige Leute auf dem Konzert waren, aber man muss sich vorstellen, dass bis zum 2. November jeden Tag eine Aufführung stattfindet und es für die Patienten, welche sich in der Band befinden, besser war, dass es in einem gemütlichen und familiären Rahmen stattfindet.

Making Of

Astronomy Dominé

Rosemary Breen mit Ehemann saß in der ersten Reihe. Sie wurde aber von 2 SYD Fans etwas bedrängt, worauf sie ihnen eine (sehr englische) Abfuhr erteilt hat. Da habe ich mich nicht mehr getraut sie um ein Foto zu fragen, habe aber im Foyer mit ihr angestoßen.

Da die musikalische Umsetzung Produkt eine Workshops von psychiatrischen Patienten ist, sind die Lieder sehr experimentell und bis zur Unkenntlichkeit variiert worden, allerdings gefielen mir die Darbietungen und ich könnte mir vorstellen, dass Syd an diesen Versionen seine Freude gehabt hätte. Meine Favorits waren: Astronomy dominé, Maisie, Lucifer Sam.

Setlist Konzert am 24.10.2008 in der St. Pauls Church, Hills Road:
01. Astronomy Dominé
02. The Scarecrow
03. Love you
04. Maisie
05. Arnold Layne
06. Maisie
07. Jugband Blues
08. Dominoes
09. Umbau: Echoes vom Band 3 Minuten von
10.  Clown’s and Jugglers (Mit Einzug der Band verkleidet als Zirkusartisten)
11. ein mir unbekannter Song, der mit einigen textauszügen von Barrett’s Songs spielt. Ist glaub ich vom Ensemble
12. Brain Damage
13. Umbau: Shine on you crazy diamond Pt. 1 vom Band
14. High Hopes (mit “scat”-vocals)
15. See Emily Play (mit Iggy “The Eskimo” originalfilm)
16. Lucifer Sam
17. Vom Band “Dark Globe” (ein Take, das nicht auf regulären Platten zu finden ist)
18. Bike (Mit Einbezug des Publikums und 3 Fahrrädern)
Zugabe:
19. Astronomy Dominé (etwas andere Version als eingangs)

Vielleicht stimmt die Reihenfolge nicht ganz, aber sie dürfte komplett sein.

Grantchester Meadows
Am Samstag sahen wir uns noch das Corn Exchange an, welches immer noch Konzerte veranstaltet. Grantchester Meadows aber war der Höhepunkt. Nachdem wir uns Gilmour’s Familienhaus ansahen, gingen wir in die Natur (etwa 5 Gehminuten von seinem Haus) und spürten sofort die Atmosphäre von Waters’ Song.

Es schien als hätte sich seit den 60ern nichts geändert: Fischer, die im Schilf stehen, Schwäne die über unsere Köpfe flogen (Schwäne können fliegen? Ja sie können!) und das Geräusch beim Landen erzeugten, das man in eben diesem Waters Song hört… Studenten, die mit den Punts (Ruderboote) den Fluss raufpaddelten. Wirklich ganz toll!!

Im großen und ganzen kann man sagen, dass Cambridge (wir sahen uns auch das Trinity College (High Hopes Video) an) eine schöne gemütlich Stadt ist, die eine Reise wert ist. Auch auf den Spuren der Floyds zu wandeln war eine interessante Erfahrung, die ich allen Floyd Fans empfehlen kann. Das City Wakes Festival erscheint auf der Homepage viel größer und wichtiger für die Stadt, als es dann effektiv ist, aber dennoch waren einige sehr interessante und schöne Momente bei diesem Festival, welche ich mit nach Hause genommen habe.

Zur Person: Oskar Giovanelli (33) ist Pink Floyd Fan seit seinem 12. Lebensjahr, als er auf der Straße eine „Radio Kaos“ Kassette fand war sein Floyd Einstieg besiegelt. Seine 3 Lieblingssongs waren zuletzt: Shine on you crazy Diamond, The Gunners Dream und If.

© Bericht, Fotos und Video von Oskar Giovanelli

2 Antworten

  1. Oskar Oskar sagt:

    wie die zeit vergeht! inzwischen bin ich schon 36!

    • Werner Werner sagt:

      Danke dir noch einmal für diesen Bericht und die Fotos!!! Und wegen deines Alters – ich könnte natürlich auch deinen Jahrgang hinschreiben! 🙂

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