Roger Waters offener Brief an Robbie Williams

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist weit von seiner Lösung entfernt. Roger Waters der sich seit seinem Auftritt in Israel 2006 intensiv mit diesem Konflikt auseinandersetzt, schrieb einen offenen Brief an Robbie Williams und fordert ihn darin auf, dass er sein für den 2. Mai in Tel Aviv geplantes Konzert absagt. Waters geht in seinem Brief auf das Schicksal von vier palästinensischen Buben ein, die beim Fußballspielen am Strand getötet wurden. Wir haben ein paar Passagen daraus übersetzt.

ROGER WATERS: Eines der schrecklichsten Ereignisse während Israels massiven Angriff auf Gaza im vergangenen Sommer, das war die Tötung von vier palästinensischen Jungen, die am Strand Fußball spielten. Dieses Kriegsverbrechen wurde sorgfältig von Menschenrechtsorganisationen und Journalisten, die Vorort waren, dokumentiert. 

Ich erwähne diese grauenhafte Szene, weil der beliebte britischen Entertainer Robbie Williams, der am 2. Mai ein Konzert in Tel Aviv spielen wird, bekannt dafür ist ein großer Fußball-Fan zu sein. Er ist auch UNICEF-Botschafter in Großbritannien und ein erklärter Unterstützer der „Children In Danger“ Kampagne. Doch leider, wenn es um palästinensische Kinder geht, wie die, die an diesem Strand, an diesem Tag in Gaza getötet wurden, zeigt Williams eine erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Wohlergehen.

Lieber Robbie, wenn sie dieses Konzert am 2. Mai spielen, dann wäre das eine stillschweigende Unterstützung des Todes von mehr als 500 palästinensische Kinder im letzten Sommer in Gaza, einschließlich der vier Buben, die am Strand von Gaza Fußball spielten, und die Duldung, der Verhaftung und Misshandlung von Hunderten von palästinensischen Kindern, jedes Jahr, die unter israelischer Besatzung leben, und wie von UNICEF selbst dokumentiert.

Um es klar zu machen, Robbie, ob sie es beabsichtigten oder nicht, mit der Entscheidung in Tel Aviv zu spielen unterstützen sie Netanjahu und sein Regime, und unterstützen deren tödliche und rassistische Politik.

Also, sage ich, bitte, Robbie, kehren sie in sich und finden sie den Fußball-Fan, den Mann, den Vater, der den Verlust eines anderen Vaters fühlen kann.

Wenn sie nicht durch die Augen eines palästinensischen Vaters sehen können, sollten Sie so anständig sein und ihren Rücktritt als UNICEF-Botschafter einreichen, oder UNICEF sollte sie gehen lassen.

In Liebe.

Roger Waters

Den gesamten Brieftext findet ihr hier: Roger Waters to Robbie Williams.

5 Antworten

  1. Lothar sagt:

    Als “ Regime“ bezeichnet man für gewöhnlich eine Militärregierung, die durch einen Putsch o.ä. an die Macht gekommen ist. Die israelischen Regierungen sind aber frei gewählt!
    Roger sollte mal seine völlig einseitige Parteinahme überdenken!!!

    • murph sagt:

      Naja – wenn du den Originalartikel (Link im Beitrag oben) liest, wirst du sehen dass Roger Waters seine Stellungnahme lang und breit durchdacht hat – insoferne wird er nicht viel „überdenken“ müssen.
      Und eine Parteinahme ist wohl immer per Definition einseitig – man bezieht Stellung für oder gegen eine Sache, also stellt man sich auf eine Seite. Wo ist das Problem?
      Ich halte es im Gegenteil für wichtig, dass Personen welche öffentlich gehört werden, auch klar Stellung beziehen (unabhängig davon, ob man ihrer Meinung ist). Natürlich kann man alles pro und contra endlos durchdenken und abwägen, bis man glaubt 100% richtig zu liegen und alles bedacht zu haben. Aber so wird es nur selten zu einer öffentlichen Diskussion über gesellschaftrelevante Themen kommen, und genau dies uns immer mehr ab. Auch wenn ich sein letztes Album nicht wirklich mag, diesen Gedanken bzw. Aspekt von „Amused to Death“ kann ich sehr gut nachvollziehen.

  2. Thomas sagt:

    Hallo Lothar,

    falls Du Dich mit dem Thema beschäftigen möchtest, besorge Dir das GEO-Epoche Heft zum Thema Israel. Dieses ist jedenfalls neutral. Für den Einstieg ist es jedenfalls OK. Meiner Meinung ist zum Beispiel der Artikel „Die Pioniere Gottes“ ab Seite 148 sehr erschreckend.

    Persönlich fand ich Roger Waters Aussagen zum Thema Israel auch immer ein wenig krude. Aber ich bin mittlerweile seine Meinung diese zu verstehen und zumindest teilweise teilen.

    Man muss nicht, kann aber. Auf jedem Fall auf die gestellten Fragen sollt man sich zunächst einlassen.

    Und es wurde schon so manche „Regierung“ frei gewählt.

    Viele Grüsse
    Thomas

  3. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Ich finde es sehr gut, das Roger sich so dafür/dagegen engagiert, hoffe RW (Robbie Williams) wird ihm brav folgen. Übrigens nur so am Rande, habe kürzlich einen sehr kuriosen Film gesehen, der die Beziehungen auf abstruse Weise persifliert, nennt sich „Das Schwein von Gaza“ (kennt den jemand? schon älter von 2011). Das wär glaub ich was für Rogers englischen Humor 🙂

  4. bjarne sagt:

    Bleibt halt die Frage, wie RW in einem Staat/Regime leben kann, welches für den Tod von ca. 500000 Irakern verantwortlich ist und damit u.a. den Islamischen Staat erst möglich gemacht hat? Einem Staat, vor dem man Angst haben muss, wenn man im Internet gewisse Begriffe verwendet….einem Staat, der sämtliche Menschenrechte missachtet? Übrigens der Staat der Israel am Leben erhält…..

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