Animals war das Ende von Pink Floyd

1.5.2012: Im aktuellen Classic Rock Magazin berichtet Mark Blake auf 7 Seiten über die Geschichte von Pink Floyds „Animals“ Album.

Info: Ina Wagner

12 Antworten

  1. Mirko sagt:

    Animals war für mich auch das Ende von Pink Floyd. Musikalisch hatte The Wall nichts mehr mit den Pink Floyd davor zutun, auch das was nach The Wall kam konnte ich damit nicht mehr in Verbindung bringen. Deshalb stehe ich auch allen Alben nach Animals sehr distanziert gegenüber und höre mir lieber alles vor Animals an.

    The Wall ist ein gutes Album, aber der musikalische Unterschied ab The Wall und den Nachfolgealben im Gegensatz zu Animals und den Alben davor ist für mich einfach zu groß, als dass es für mich Pink Floyd sind, die ich so mag.

  2. murph sagt:

    Eines vorweg: Animals ist mein Lieblings-Floyd-Album. Ich höre es defintiv am öftesten, gefolgt von Wish you were here und Final Cut. Ohne den Artikel gelesen zu haben, kann ich mir aber gut vorstellen dass diese Periode das Ende der klassischen Floyd eingeläutet hat. Ihre immense Popularität haben sie ja den Werken zu verdanken, die sie in vielerlei Hinsicht gemeinsam geschaffen haben: Dark Side, und in gewisser Weise auch Meddle und Wish you were here. Mit Animals hat das Waters-Regime so wirklich begonnen: Alle Texte, der Großteil bzw. die Grundstrukturen der Songs (nicht die Musik), das gesamte Konzept der Shows und Covergestaltung stammen ja ab da von ihm – bis hin zu The Final Cut. Dann hat er noch den Großteil der Stücke gesungen – obwohl er kein begnadeter Sänger ist. Der so selbstverursachte Druck auf ihn muss immens gewesen sein – gut vorstellbar, dass seine wahrscheinlich sowieso nicht einfache Persönlichkeit etwas gekippt ist. Wenn man sich die Bootlegs der 77er Tournee anhört, im speziellen die Amerika-Tournee, bekommt man diesen Wahnsinn ja mit. Und diese Atmosphäre ist ein gewaltiger Kontrast zu den frühen Auftritten, z.B. Live in Pompeii. Pure Aggression und Zynismus gegen Harmonie und gemeinschaftlichen musikalischem Ausdruck. Schon möglich, dass dies besonders Rick Wright auf den Magen geschlagen hat, der ja eher als filigranere Perönlichkeit gilt. Dazu kommt, dass die Musik auf Animals als Space-Rock gelten kann, und auf the Wall schon als durchgeknallter Stadionrock. Laut, direkt, dramatisch, tw. hysterisch-wehleidig, dem Zuhörer ins Gesicht springend, oder eher schon ins Gesicht schlagend. Wenig Platz für entspannte, leicht melancholische oder harmonische Passagen, oder leise Zwischentöne. (In diesem Zusammenhang: Eine der berührendsten, aber auch irritierendsten Rick Wright Momente ist für mich der Filmauschnitt der 1980er The Wall Aufführung, wo er nach Goodby Blue Sky alleine, oder alleine gelassen, ein für ihn typisches Keyboard-Solo spielt, welches vom Synthesizer-Gestampfe, den durchdringenden Gitarren und Waters schnarrender Stimme auf What shell we do now? förmlich verdrängt wird – http://www.youtube.com/watch?v=xedrTkxmfHE&feature=relmfu)
    Ich kann mir vorstellen, dass die Absenz der Harmonie – auf perönlicher aber vor allem auf musikalischer Ebene – Rick Wright aus der Band getrieben hat. Er gilt ja auch nicht als bekennender Rock-Musiker. Und die Magie der Floyd ergab sich nun mal aus der Kombination der vier unterschiedlichen Talente. Bricht man einen heraus, läuft das ganze Werkl nicht mehr rund.

  3. scarecrow sagt:

    Das Ende von Pink Floyd war der Live 8 Auftritt (weit nach 1977!). DEN „klassischen“ Pink Floyd Sound gab es eh nie. Von einem Album zum Anderen wurden riesige Entwicklungsschritte gemacht sodass man diese Band zu keiner Zeit auf „typisch Pink Floyd“ reduzieren konnte (auch wenn das gerade die „Fachpresse“ *hust* immer gerne versucht). Naja wenigstens wird im „Classic Rock“ Magazin das Ende „erst“ bei Animals eingeläutet. Gibt ja genügend „Fans“ und „Fachleute“ die behaupten dass nach „Piper“ schon nichts bewegendes mehr kam.

  4. Sunny sagt:

    Jedem seine Lieblingsphase und – platte, aber da muß ich den advocatus rogeri geben: Ohne Waters‘ Getriebenheit, seine Persönlichkeitsstörung und unstillbaren Ehrgeiz wäre die Gruppe nach Wish you were here am Ende gewesen, und die Gruppe hätte nicht den künstlerischen Stellenwert, den sie durch die weiteren Meilensteine Animals und The Wall bekommen hat. Waters allein suchte, fand und adaptierte intellektuell interessante Themen für weitere relevante Projekte. Wäre er zB bereits nach Wish you were here ausgestiegen, hätten wir von dem verbliebenen Trio künftig vor allem bekommen, was für Floyd bis dato tabu war: Liebeslieder, gemixt mit einem Schuß fremdkomponiertem Existentialismus – und hin und wieder ein schönes Instrumental. Intellektuell wäre die Gruppe erloschen. Daß Gilmour und Wright Waters‘ Kreativität und Produktivität fast nichts mehr entgegenzusetzen hatten und er den Marschallsstab im Tornister hatte, ist eher den beiden selbst als ihm anzukreiden. Es fällt mir schwer, Mitleid mit Autorennfahrern und Hobbyseglern zu haben. Hedonismus und Reichtum erstickt auf Dauer jede Kreativität, die beiden haben das viel früher als Waters erfahren müssen.

    • murph sagt:

      im prinzip volle zustimmung – nur was roger waters solo ist, sehen wir seit 1983. intellektuell & emotional voll da, aber musikalisch – nun ja. es hilft alles nichts, pink floyd war die kombination der unterschiedlichen, sich ergänzenden und gegenseitig befruchtenden talente aller mitglieder. diese magie hat man ja kurz beim live 8 auftritt wieder erleben dürfen. insofern verstehe ich diese waters vs. gilmour debatten eigentlich überhaupt nicht.

  5. Sunny sagt:

    Korrektur: „fremdgetextetem Existentialismus“

  6. scarecrow sagt:

    „Daß Gilmour und Wright Waters’ Kreativität und Produktivität fast nichts mehr entgegenzusetzen hatten und er den Marschallsstab im Tornister hatte, ist eher den beiden selbst als ihm anzukreiden.“

    Ja, der Roger ist super Kreativ. Seit 1992 kein Album mehr auf dem Markt, tingelt er seit Jahren mit den alten Pink Floyd Klassikern als das „Kreative Genie von Pink Floyd“ durch die Länder. Höhepunkt seiner „Kreativität“ ist im Moment eine nicht enden wollende „The Wall“ Tour die ihn sogar in die großen Stadien treibt, obwohl „The Wall“ ausdrücklich als Anti-Stadion-Show damals geplant war. In Interviews lässt Wates aber immerhin oft gerne anklingen dass er ja so wahnsinning viel Material für etliche neue Alben hat. Wahrscheinlich wurder er aber nur „mit Geld gezwungen“ seine unendliche Kreativität hinten anzustellen… Sry, aber Gilmour/Wright haben in den letzten Jahren eindeutig den besseren (musikalischen) Eindruck und Output hinterlassen. In Sachen Musik und Songwriting waren sie Waters eh schon immer voraus.

    • Oliver sagt:

      Eins vorweg: Ich muß Murph zustimmen, dass diese Waters vs. Gilmour Debatten ziemlich überflüssig und für mich auch gänzlich unverständlichen sind. Klar war die Band in der klassischen Besetzung das Optimum, aber die gibt’s nunmal seit langer, langer Zeit nicht mehr. Ein wenig bin ich dafür sogar dankbar, weil ich ansonsten sicherlich nicht in den Genuss so zahl- und abwechslungsreicher, überragender Konzerte wie in den letzten 10 Jahren gekommen wäre. Und auch wenn Waters mich bei jeder seiner Touren absolut begeistern konnte, war der konzertante Höhepunkt sicherlich Echoes in 2006.

      Aber die Behauptung, Dave und Rick seien die besseren Songwriter gewesen entbehrt meines Erachtens jeglicher Grundlage. Mal ehrlich: Welche Songs sollten das sein? Auch wir aus dem Gilmour- Lager müssen einfach neidlos anerkennen, dass Daves und natürlich auch Ricks songwriterischer Beitrag (wenn man mal nur nach den Credits geht) gering, seit Dark Side fast Null war. Die letzten gemeinsamen Kompositionen in der Waters- Ära waren 1974 SOYCD und YGBC/Dogs, und dann 1978/79 drei Stücke für The Wall. Das hätte vielleicht noch für ein Album gereicht, tatsächlich haben PF in dieser Zeit aber 3 überragende Platten veröffentlicht, was zu einem ebenfalls überragenden Anteil Roger zu verdanken sein dürfte. Final Cut lasse ich mal lieber ganz außen vor.
      Man muss es einfach anerkennen: Roger war the creative genius. Würde ich ein Best of PF- Set zusammenstellen, wäre er nur an ganz wenigen Liedern nicht beteiligt. Was weniger an der Qualität der Alleinkompositionen der anderen liegt, sondern an deren Anzahl. FOS, Childhood’s End und TGGITS sind ohne Frage toll – aber das war’s dann auch schon fast! Von Roger fallen mir ein paar Stücke mehr ein…

      Und das setzt sich bei den Soloarbeiten fort: Klar, Roger hat seit ATD nur ein Album veröffentlicht: Eine Oper, nicht mein Geschmack. Gilmour und Wright haben es in der selben Zeit doch aber auch nicht auf mehr gebracht, oder habe ich was verpasst? Wo ist denn dieser bessere musikalische Output der beiden in den letzten Jahren? Und der bessere musikalische Eindruck? Broken China hatte einige gute Songs, OAI hatte einige gute Songs. Aber mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet muß man sagen, dass beide Werke als Album nicht überzeugen können. Nochmal: Die Gilmour- Konzerte waren unbeschreiblich gut. Das lag aber hauptsächlich am 2. Set, das erste ist mir jedenfalls nicht dauerhaft in Erinnerung geblieben, auch wenn wie gesagt ein paar schöne Songs dabei waren. Aber nicht wirklich mehr, als Roger in den letzten Jahren „veröffentlicht“ hat. Ich denke da an ESC, LBC, Leaving Beirut und Flickering Flame, die zumindest das Potenzial haben, an frühere Großtaten anzuknüpfen.

      Aber da liegt dann natürlich Waters‘ Problem: Um die geschriebenen Ideen umzusetzen, also auf Platte zu bringen, braucht er jemanden, der sie spielen kann. Und das konnte bisher keiner besser als Gilmour und Wright. Und der Rennfahrer hatte natürlich auch seinen Anteil.
      Es trafen einfach kreative und musikalische Genies aufeinander und heraus kamen fantastische Alben. Ich denke, man kann den kreativen/ songwriterischen Anteil nicht höher, aber bestimmt auch nicht niedriger Bewerten als den musikalischen/ spielerischen.

      • Henning sagt:

        Lieber Oliver, ich schlage vor Deinen besonnen Nagel-auf-den-Kopf-Kommentar a) als Klappentext in der nächsten „Inside Out“-Auflage, b) als Vorwort zur Rogers großer Wall 1979/80/81-2010/11/12/13-DVD-Box, bzw am besten c) als Beipackettel in die ANIMALS-The-Album-that-killed-the-Floyd-Immersion zu verwenden!
        Henning

      • Arne Arne sagt:

        Was soll man dem noch hinzufügen? Genau so ist es und so wird es wohl auch bleiben. Von den beiden Post Waters PF-Alben bleibt für mich nur HH als „Meilenstein“, von Waters bleibt mit ATD ein weiteres ALBUM als Meilenstein, der aber weniger Schatten wirft als beispielsweise DSOTM oder TW. Eine Band ist eben mehr als die berüchtigte „Summe seiner Einzelteile“.

  7. Sunny sagt:

    Ja, einverstanden. Ich möchte nur – da mißverstanden – noch hinzufügen, daß ich schrieb & meinte „die beiden haben das viel früher als Waters erkennen müssen“. Ich fürchte, wir können von keinem der Verbliebenen noch Meisterwerke erwarten, auch von Waters nicht. Niemand weiß, welche Elemente für einen alchemischen Prozeß nötig sind, doch in diesem künstlerischen Fall kann man sie benennen. Und was wir haben, wird die Zeiten überdauern und ist für den Olymp genug.

  8. scarecrow sagt:

    Es geht ja gar nicht um Gilmour vs. Waters. Aber ich finde es nicht haltbar wenn immer behauptet wird dass nach „Animals“ wahlweise „The Wall“ nichts mehr kam. Dafür hat Gilmour noch zu viele gute Songs rausgehauen (Sorrow, Yet Another Movie, High Hopes, Marooned, Coming Back To Life, Poles Apart usw.). Ebenso finden sich auf „The Final Cut“ viele unterbewertete Perlen. Klar sind „Animals“ und besonders „WYWH“ die großen Meilensteine, das macht die nachfolgenden Werke aber nicht automatisch qualitativ schlecht(er) nur anders, wie es eben immer bei Pink Floyd war: Kein Album zweimal…

    Mit dem Songwriting meinte ich dass Waters zwar gute Ideen hatte, diese aber gerade ohne Gilmour, Wright, Mason und natürlich später Ezrin und Kamen nie hätte umsetzen können.
    Ein Beispiel ist „Hey You“. Vergleicht man die Waters Demo mit der späteren Album Version und hört sich von „Peter Townshend“ „White City Fighting“ an wird wohl klar dass Gilmour einen großen Anteil an dem fertigen Song hatte. Das Gitarrenintro und der „Fretless Bass Part“ sind mit Sicherheit keine Ideen von Waters gewesen. Die Idee für den Disco Beat bei ABITWPt.2 kam von Bob Ezrin, das Solo wird Waters wohl auch nicht komponiert haben. Und laut Gilmour ist „Is There Anybody Out There“ wie es auf dem „The Wall“ Album ist auch von Bob Ezrin. Was ich damit sagen will ist dass das „Kreative Genie“, wo in einem anderen Beitrag das Wort credits erwähnt wurde, gute Rohfassungen hatte aber andere die Arbeit komplett gemacht und (mit eigenen zusätzlichen Ideen) umgesetzt haben. Dass Waters, im Gegensatz zu Gilmour, mit Songwriter credits sehr egoistisch ist und dann das Fertige Produkt als sein verdienst ansieht ist eine andere Sache. Wie gesagt, auch Gilmour kann gute Songs liefern nur schreibt er ehrlicherweise jeden mit in die Credits der etwas zum Song beigetragen hat.

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