Roger Waters 7.5.2012 Denver Pepsi Center

Roger Waters 7.5.2012 Denver Pepsi Center

Konzertbericht und Fotos von Michael Behm

Beruflich hat es mich vor einem Jahr an den Fuss der Rocky Mountains verschlagen, in das schöne Örtchen Golden ca. 30 km westlich von Denver. Die Gelegenheit „The Wall“ live zu sehen habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Die Karten waren unerwartet günstig, 70 Dollar pro Stück – ich habe mir doch deutlich mehr erwartet. Das Konzert fand in der Pepsi-Arena statt (Indoor), welche ca. 20.000 Besucher fasst. Es dürfte ziemlich ausverkauft gewesen sein. Wir waren zu dritt und hatten Plätze weit hinten, allerdings auf oberen Rängen mit guter Sicht. Lediglich der circular screen war von einem hängenden Lautsprecherkonglomerat verdeckt. Ich habe Roger Waters 2002 live gesehen, war damals allerdings enttäuscht – das ganze Konzert lief sehr glatt und berechenbar ab.

Ähnliches habe ich mir bei The Wall auch erwartet, aber hier steht ja mehr die Geschichte und die Show im Vordergrund, und insofern habe ich dies nun gelassen gesehen. Interessant waren die Lieder, die vor der Show als Einstimmung gespielt wurden: John Lennon, Bob Dylan, Woody Guthrie?, u.a. – also die deklarierten Lieblingskünstler von Roger. Auch hier lässt er keine Möglichkeit aus, uns seine Sicht der Welt zu zeigen. Allerdings kam nicht wirklich Spannung auf, und der Beginn der Show war sehr plötzlich. „In the Flesh“ kam sehr gut rüber, hier dürfte Roger live gesungen haben und es klang m.M. nach sehr gut. „The Thin Ice & Another Brick in the Wall Pt.1“ waren auch sehr gut. Große Überraschung, als bei „Another Brick in the Wall 2“ plötzlich die riesige Teacher-Puppe aus der Dunkelheit auftauchte. Der gesamte Ablauf und die Animationen sind extrem gut gemacht, es gibt soviel zu sehen dass die Vorbereitungen für die jeweils nächste Attraktion gut verborgen bleiben. ABITW 2 hatte ein verlängertes Ende mit Roger auf akustischer Gitarre – hat mich aber nicht wirklich überzeugt. „Mother“ mit der Projektion von Earls Court 1981 war ein optisches Highlight für mich, ebenso die Animationen von „Goodbye Blue Sky“ bis „What shall we do now„.

Die B52 Bomber und das viele rote Blut stehen den deprimierenden alten Gerald Scarfe Animationen um nichts nach. „Goodby cruel world“ wurde wieder eindeutig live gesungen – die (hier sehr passende) brüchige Stimme lässt einen schwer glauben, dass Roger gänzlich ohne Playback-Unterstützung auskommt. Aber wiederum: Bei dieser Show stört mich das nicht wirklich. „The Wall Live“ 2010-2012 ist kein Konzert im eigentlichen Sinn – es ist vielmehr ein Theaterstück oder eine Art Rock/Pop-Oper.

Nach der Pause war „Hey you“ eindeutig der Höhepunkt für mich – nach dem Riesenspektakel und den andauernden Attraktionen ist der Kontrast der weissen Mauer und der leeren Bühne beeindruckend und auch berührend. „Nobody Home“ war auch sehr toll, und man hat den Eindruck für Roger ist der Teil von „Vera“ bis „Bring the boys back home“ ein sehr zentrales Element von The Wall. Das Schwein flog natürlich bei „ITF 2“ – live erlebt wirkt das schon sehr überzeugend, und man versteht warum diese Idee eines der Markenzeichen von Pink Floyd ist. „Waiting for the Worms“ und „The Trial“ – da ist Roger nur mehr alleine auf der Bühne und hüpft zum Playback herum. Die alte Animation von Gerals Scarfe ist nach wie vor sehr eindrücklich.

In Summe: Jedenfalls einen Besuch wert, wenn man sich auf ein perfektes und fehlerfrei inszeniertes Theaterstück einlässt. Langweilig wird einem sicher nicht, auch wenn man The Wall schon in- und auswendig kennt. Die Projektionen und sonstigen Einfälle sind nicht nur technisch perfekt, sondern in ihrem Inhalt und Ablauf sehr gut durchdacht. Die Live-Musik ist freilich Beiwerk und könnte auch vom Band kommen, aber das Flair der 1980/81er Konzerte (sofern es wir spätgeborene von mickrigen youtube-Videos beurteilen können) dürfte ja sowieso nur schwer zu überbieten sein. Dass sich Roger diese gewaltige (Tor)Tour nochmals antut, finde ich jedenfalls beachtlich – der jüngste ist er ja auch nicht mehr.

In diesem Sinne einen herzlichen Dank für einen tollen Abend!

1 Antwort

  1. Werner sagt:

    Danke Michael für deinen Bericht und die Fotos! Alles gute in die Staaten!

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