Jazzfest Berlin: Michael Mantler „Concertos“ mit Nick Mason

Bericht und Fotos von Ina Wagner

Eine reichliche Stunde vor Veranstaltungsbeginn trafen wir vorm Konzerthaus ein. Da noch viel Zeit war, umrundeten wir das Gebäude und fanden auch den Bühneneingang. Wir warteten dort eine ganze Weile, aber Keiner kam. Meine erste Hoffnung auf ein Autogramm war dahin. Übertragungswagen von RBB, WDR und Deutschlandfunk sichteten wir auf dem großen Parkplatz. Mehrere Leute bereiteten sich in den Wagen auf die Aufnahme vor. Kabel schlängelten sich ins Gebäude.

Michael Mantler „Concertos“
Ort: Haus der Berliner Festspiele

Musiker:
Michael Mantler · trumpet
Bjarne Roupé · guitar
Bob Rockwell · tenor saxophone
Pedro Carneiro · marimba, vibraphone
Majella Stockhausen-Riegelbauer · piano
Roswell Rudd · trombone
Nick Mason · percussion

Kurz vor Veranstaltungsbeginn gingen wir hinein. Nun war es auch voll geworden, denn das Konzerthaus war ausverkauft. Im Saal wurden wir von einem plüschigen Ambiente im 70er Jahre Stil empfangen. Die Sitzreihen und Plätze waren sehr eng. Pünktlich begann mein erstes Jazzkonzert. Eine Stunde lang spielte das Michael Moore Quintett. Das war recht nett mit wirklich guten Musikern. Nach einem Umbau erfolgte die Verleihung des Deutschen Jazzpreises (mit 15.000 € dotiert) an Gunter Hampel, der dann noch 2 Titel interpretierte. Gegen 21 Uhr gab es eine 20minütige Pause. Wir blieben im Saal. Der Bühnenumbau gestaltete sich interessant. Wie auf einem Drehteller erschienen die Instrumente eines kleinen Orchesters auf der Bühne. Ich hoffte, Nick Mason würde kurz erscheinen und sein Instrument prüfen, wurde aber enttäuscht.

Gegen 21.30Uhr wurde das Konzert fortgesetzt und 6 Stücke von Michael Mantler gespielt jeweils mit einem anderen Künstler als Solisten. Ich möchte kein Urteil zu dieser Musik abgeben, denn ich verstehe von dieser Art Musik nichts, aber es klang größtenteils nun sagen wir außergewöhnlich. Nach jedem der Stücke entstand eine kleine Pause bis der nächste Solist kam und das nutzen die Zuschauer, um scharenweise den Saal zu verlassen. Ich schätze, dass das Auditorium nur noch zur Hälfte gefüllt war als endlich Nick Mason an der Reihe war. Er war der Letzte der 6 Solokünstler. Mittlerweile war es schon 22.45Uhr.

Das Schlagzeug bestimmte ganz klar das letzte Stück. Ich kann sagen Nick Mason beherrscht sein Instrument noch immer. Es war zwar eine Mantler-Komposition, die eindeutig vom Spiel Masons an den drums und percussion dominierte wurde. Leider saß er ganz hinten am Bühnenrand und ich konnte ihn kaum sehen hinter seinen Instrumenten. Die Beleuchtung war eher spärlich. Es gab keine Scheinwerfer auf die einzelnen Solokünstler. Schon nach ca. 4 Minuten war das Stück zu Ende. Nick verlies die Bühne nach einer kurzen Verbeugung.

Nach längerem Applaus der verbliebenen Zuschauer kam er zurück und begann mit einigen kraftvollen Takten von „Money„, was von den Zuschauern sofort mit Applaus und eifrigen Kommentaren begrüßt wurde. Leider leider war es nach wenigen Sekunden vorbei und er startete mit kräftigen Aneinderschlagen seiner Drumsticks das schon gespielte Mantler stück erneut. Die durchweg jungen Musiker des Kammerensembles Neue Musik Berlin vielen ein. Zwei der Musiker drehten sich dann zu Nick Mason um, weil der offensichtlich 2,3 Takte zu viel gespielt hatte und sie sich neu eintakten mußten. Nick Masons Auftritt insgesamt dauert so nur cirka 10 Minuten.

Nach längerem Applaus war das Konzert vorbei. Nick versuchte im Hintergrund zu bleiben bei der Verabschiedung und wurde von Mantler nach vorn gebeten., wo er sich dann (in ca. 20 Metern Entfernung von mir stehend) vom Publikum verabschiedete. Danach blieb ich noch eine ganze Weile im Saal in der Hoffnung die Künstler kommen noch mal auf die Bühne, aber leider wurde mein Wunsch nicht erfüllt.

Einige Tage später stand in der Berliner Zeitung fast eine ganze Seite zum Jazzfestival und deren verschiedene Veranstaltungen Kritiken. Hier die betreffenden Zeilen: Michael Mantler, als Partner von Carla Bley und Mitbegründer der Jazz Composer’s Orchestra einst ein bedeutender Avantgardist, hatte für ein Kammerensemble und sieben Solisten sieben vollkommen farb- und ziellose neoklassische Suiten komponiert, die zum Langweiligsten gehörten, was ich jemals auf einer Konzertbühne gesehen habe. Stargast war Nick Mason, als Schlagzeuger von Pink Floyd weltberühmt. In seiner Autobiografie hat er erst kürzlich noch einmal bekannt, ein sehr schlechter Musiker zu sein, und was soll man sagen: Der Mann hat vollkommen Recht.

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