Pink Floyd 19.8.1994 Wiener Neustadt Flugfeld

Wenn Träume wahr werden!

Bericht von Werner Haider

Ein Meer von Licht. Ton und Musik ergoss sich Zweieinhalbstunden lang über 92.000 friedliche Pink Floyd Fans in Wiener Neustadt.

Es war der 18. August 1994 und ich hatte gerade Mittagspause, als das Telefon läutete. Ich hob ab und Horst Unterholzner begrüßte mich freundlich am anderen Ende der Leitung! Horst arbeitete zu bei EMI-Austria in Wien! Ja solche Freunde braucht man!! Das nächste was Horst zu mir sagte war: „Werner, morgen wirst du deine Pink Floyd persönlich treffen können!!“ Darauf konnte ich erst einmal gar nichts erwidern, weil ich nach Atemluft rang und es nicht fassen konnte, einfach unglaublich!!! Ich darf morgen Pink Floyd treffen!? So eine Chance bekommt man nur einmal in seinem Pink Floyd Leben! Meine Mittagspause ging zu ende und ich musste noch 3 Stunden meinen Dienst irgendwie absolvieren. Meine Arbeitskollegen diagnostizierten bei mir eine gewisse Wesensveränderung und so wurde ich 2 Stunden nachdem telefongespräch mit besten Genesungswünschen nachhause geschickt!!

Am Abend fuhr ich mit vielen Freunden und Schulkollegen, ich befand mich zu der Zeit am Ende meiner Ausbildung zum Diplom Krankenpfleger, noch nach Wien, wo wir Provinzler bis spät in die Nacht das Wiener Nachtleben auskundschafteten.

Aufbau der Pink Floyd Bühne in Wiener Neustadt: 60 Meter breit, 24 Meter tief und 27 Meter hoch: Die gigantische Bühne überragt alle Gebäude rund um den Wiener Neustädter Flugplatz Ost. 700 Tonnen Pink Floyd Equipment wurden nach Wiener Neustadt gekarrt. Foto: Kurier

Backstage bei Pink Floyd!

Am nächsten Tag um 10 Uhr, ich weiß gar nicht mehr wo wir übernachteten, rief mich Thomas Zeidler an, auch er war einer von den Personen die heute nachmittags bei Pink Floyd Backstage ihre Aufwartung machen dürfen. Bei ihm war es aber weniger Schicksal, als mehr seine „Berufspflicht“, der er aber gerne nach kam! Wir vereinbarten einen Treffpunkt am Konzertgelände. Um 17 Uhr trafen wir uns dann tatsächlich auf dem riesigen Gelände. Die Delegation der EMI-Austria war auch gekommen, den Horst begrüßte ich herzlich und wich auch nicht mehr von seiner Seite ab! Nur jetzt nicht durch eine Blödheit verloren gehen! Die Band war gerade mit einem Bus aus Wien kommend Backstage eingetroffen, hörte ich jemanden sagen! Wunderbar wie bisher alles klappte. Von Angie (EMI) bekam ich nun das Heißbegehrte „EMI-SPECIAL-GUEST-TICKET„!!

Was jetzt folgte war nur noch traumhaft! Wir machten uns auf dem Weg zum VIP-Eingang, dort zückte ich mein „SPECIAL-TICKET“ und weiter ging es in ein VIP-Zelt. Hier verbrachten wir die nächsten Stunden und ich traf „alte“ bekannte wie den Niki Lauda. Er war auch schon beim Wien Konzert 1988 im Praterstadion ein geladener Gast von Pink Floyd gewesen. Gegen 19:45 Uhr holte Pink Floyd Manager Legende Steve O´Rourke Niki Lauda persönlich im VIP-Bereich ab und in Begleitung mehrerer Securitys marschierten sie in Richtung Bühne und gingen seitlich in den Backstagebereich hinein.

Niki meets Nick. Zwischen Oldtimer-Freak Nick Mason und Ex-Rennfahrer Niki Lauda gab es neben der Megashow nur ein Thema: Ferrari. Die beiden sprachen vor und nach dem Konzert lange miteinander. Foto: Manfred Szlezak

Ein großer Moment! Ganz links im Bild Bürgermeister Peter Wittmann, mittig Thomas, Nick Mason und ich mit meiner Wish You Were Here CD. Foto: Manfred Szlezak

Um 20:10 Uhr waren auch die EMI-Austria Leute schon etwas nervös, ganz zu schweigen von meiner Person. Wird das heute noch was? Ein Funkspruch erlöste uns, das ersehnte grüne Licht, auf geht’s zu Pink Floyd! Wiederum mit Securityleuten wurden wir zum Backstagebereich geleitet. Garry Wallis, Jon Carin und Dick Parry spazierten auf und ab, eine junge Frau mit Latzhose, ich glaube das war Nick Masons Tochter Chloe. Und schließlich sah ich David Gilmour, in einem beigen Anzug gekleidet schritt er an uns vorbei und ging in einen der Backstage aufgestellten Containergebäude. Kurz darauf kam die Pressebetreuerin von Pink Floyd Jane Sen, sie bekam jetzt die Personenliste auf der unsere Namen standen. Und jetzt gingen auch wir in den Container hinein. Drinnen war es wie in einem Wohnzimmer eingerichtet, ein Teppichboden, mehrere Sofas und ein CD-Player, Sheryl Crows neues Album lag darauf, ein großes Poster mit den „The Division Bell“ Stahlköpfen hing an einer Wand. David Gilmour betrat den Raum, es wurde auffallend still. EMI-Austria-Chef Erich Krapfenbacher stellte nun alle Personen und deren Tätigkeit vor! Das hörte sich so an: „Darf ich vorstellen Horst Unterholzner EMI-Promotion-Chief, …… EMI-Marketing-Chief.“, und so weiter und so fort. Und schließlich war ich an der Reihe! Der EMI-Chef und David Gilmour standen vor mir und ich wurde vorgestellt: „Werner, the head of the austrian Pink Floyd Fanclub!“ David Gilmour gab mir daraufhin die Hand und begrüßte mich freundlich!!!!! Ich sagte: “Its wonderful to see you!” Gilmour: “It must be jolly good fun!” Ja und wie, wenn mein „Fanclub-Geschäft“ nur immer so ausgesehen hätte! Aber durch den heutigen Tag haben sich alle Mühen für alle Zeiten ausgezahlt. Danach kamen gleich Nick Mason und Rick Wright zur Begrüßung und Handschlag!! Der reine Wahnsinn, aber der angenehmen Art! Die drei von Pink Floyd wirkten total entspannt, besonders David Gilmour den ich am meisten beobachtete, war gut drauf! Von ihm ging eine ganz besondere Ausstrahlung aus! Ich erinnere mich noch daran, wie wir uns bei der Vorstellung direkt in die Augen sahen! Wau, mein Herz legte an Schlägen gewaltig zu! Man merkte einfach das er eine große Persönlichkeit ist.

Danach folgte die Überreichung der Ehrenbürgerschaft von Wiener Neustadt an Pink Floyd durch Bürgermeister Peter Wittmann. Urkunden, goldene Ehrennadeln und limitierte Luxusuhren wechselten die Besitzer. Die Pressefotografen hielten alles fest und ich wusste immer noch nicht genau, ob ich das träume oder tatsächlich erlebe. Nach der Ehrung stellten wir uns alle zum Gemeinschaftsfoto auf! Ich stand etwas abseits, meinem Rang entsprechend.

Ganz links im Bild Thomas, und die 3. Person von links im Hintergrund, das bin ich. Horst steht zwischen Rick Wright und Nick Mason. Neben Gilmour sieht man Bernd Rengelshausen, links neben Nick Mason steht der damalige EMI-Austria-Chef Erwin Krapfenbacher. Foto: Manfred Szlezak

Gilmour, Mason, Wright machten sich nun langsam wieder auf den Container zu verlassen um ihrem eigentlichen Geschäft nachzugehen. Und ich fragte mich wie ich es schaffen würde von dem einen oder anderen Pink Floyd Mitglied noch ein Autogramm zu ergattern, bevor der Traum wieder vorüber ist! Da zückte Thomas bereits einen Filzstift, er hatte Fotos der Pink Floyd Pressekonferenz vom November 1993 mit im Gepäck. Jetzt hielt mich aber auch nichts mehr, ich hatte eine CD dabei, die neu remasterte „Wish You Were Here“. David Gilmour war schon fast bei der Tür draußen, als ihn Horst ansprach und fragte: „Please, this is Werner from the Fanclub, could he have a autograph?“, „Sure“, sagte Gilmour. Ich hielt ihm das Booklet hin und er unterschrieb darauf! Was für ein Moment, mein erstes Autogramm eines Pink Floyd Band Mitglieds. Nick Mason kam auf mich zu, ich stand strategisch nicht gerade ungünstig, direkt vor der Tür. Ich sagte zu Mason: „Please, would you give me a sign?“. Kein Problem, meinte er und klopfte mir noch auf die Schulter (jetzt falle ich gleich um!!). Er verabschiedete sich mit einem freundlichen „Hi“!!! Jetzt fehlte mir noch Rick Wright und da kam er schon. Ich sagte wieder meinen Standardsatz: „Mr. Wright, please it would be complete with your sign!“. Wright antwortete: „No Problem.“ Danach ein freundliches: „Good bye.“! Also diese letzten 20 Minuten werde ich nie vergessen. Das ich hier dabei sein durfte war ein Konglomerat aus sehr viel Glück, Zufall und wenn man das sagen darf, vielleicht auch ein kleines bisschen Gerechtigkeit. Denn wie oft kommen wahre Fans in so eine Situation!?

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Wir alle gingen jetzt aus dem Container raus, zuvor warteten wir noch kurz am Gang zusammen. Ich stand schon wieder einmal vor einer Tür, als Rick Wright auf mich zu kam und sagte: „Nearly Showtime, i must make myself fresh!“ Selbstverständlich Mr. Wright, sagte ich und machte schnell Platz. Dann ging es raus an die frische Luft! Ich stand etwas apathisch da und starrte auf die Rückseite der gigantischen 27 Meter hohe Bühne. Ich war noch völlig benebelt und überwältigt. Das Raunen der 92.000 Menschen die vor der Bühne ungeduldig warteten, war um ein vielfaches lauter geworden. Das legendäre Pink Floyd Intro-Geräusche-Tonband lief bereits. Schließlich mussten wir den Backstagebereich räumen. Ich verabschiedete mich noch von den anderen und bedankte mich ganz herzlich bei Horst, ohne den ich das alles nie erleben hätte können!

Durch eine Tür seitlich neben der Bühne wurde ich wieder ins normale Leben entlassen. Ich stand quasi in der ersten Reihe, aber ganz auf der Seite neben der Bühne und musste mich jetzt schnell durch die Massen vor die Bühne kämpfen.

Das Konzert.

Um 21 Uhr begannen Pink Floyd ihr Konzert. Als Rick Wright die ersten Töne von „Shine on you crazy Diamond“ spielte, die runde Leinwand dabei hochgezogen wurde und ich meine drei Helden auf der Bühne wieder sah, standen mir die Tränen in den Augen! „Shine on“ war in diesem Moment so wunderschön für mich, so schön hatte ich es noch nie empfunden! Danach kam „Learning to Fly“ bei dem uns die Laser nur so um die Ohren pfiffen. Mit einem Supersolo von Tim Renwick am Ende des Liedes. „What do you want from me?”, wurde von Gilmour mit den Worten: „Was wollen Sie von mir?“, angekündigt. Ich mag den Song und er hat sich während der Tour auch noch verbessert. Als ich mal zum Mischpult zurückblickte, sah ich wie Polly mit einer Tochter von Nick Mason tanzte. Alle meine Freunde mit denen ich angereist war, hatte ich natürlich längst aus den Augen verloren und so stand ich da, staunend vor dieser unglaublichen Licht- und Musikdarbietung, einen glücklicheren Menschen, als wie mich wird es heute wohl kaum gegeben haben!

Shine on you crazy Diamond. Foto: Thomas Zeidler

Der Hauptdarsteller des Abends: Die Bühne, ein naher Verwandter von Raumschiff Enterprise. Foto: Franz Gruber, Kurier

Band:
David Gilmour – Gitarre
Nick Mason – Drums
Rick Wright – Keyboards
Tim Renwick – Gitarre
Jon Carin – Keyboard
Guy Pratt – Bass
Gary Wallis – Percussion
Dick Parry – Saxofon
Sam Brown – Vocals
Durga McBroom – Vocals
Carol Kenyon – Vocals

Songliste:
01. Shine On You Crazy Diamond 11:30
02. Learning To Fly 5:34
03. What Do You Want From Me? 4:19
04. On The Turning Away 7:31
05. Take It Back 6:02
06. Coming Back To Life 6:45
07. Sorrow 11:32
08. Keep Talking 7:23
09. One Of These Days 6:40

10. Astronomy Domine 4:49
11. Breathe 2:52
12. Time 5:30
13. Breathe Reprise 1:10
14. High Hopes 7:52
15. The Great Gig In The Sky 5:04
16. Wish You Were Here 5:49
17. Us And Them 6:17
18. Money 9:47
19. Another Brick In The Wall Pt.2 7:14
20. Comfortably Numb 11:45

21. Hey You 5:34
22. Run Like Hell 10:43

Das besondere des ersten Sets war für mich der Song „On the turning away„. Er wurde bei der 94er Tour nicht regelmäßig gespielt. Das muss man Pink Floyd hoch anrechnen, das sie auch bei dieser gewaltigen Produktion, die Songliste durchaus von Konzert zu Konzert wechselten. Eine wundervolle Version mit kürzerem Gitarrensolo, als bei der „A Momentary Lapse of Reason“ Tournee, aber einfach magisch. Das grollenden “Sorrow” tönte gewaltig. Die goldenen Laser kamen zum ihrem ersten beeindruckenden Einsatz. Der erste Teil endete mit „One of these days„, das mächtig gespielt wurde. Der Mittelteil bei dem Guy Pratt sein Können unter Beweis stellen konnte, psychedelisch wie in den besten 70er Jahren. Zwei halbe Schweine schauten dabei von den Lautsprechertürmen und wurden von Roadies im Rhythmus zur Musik durchgeschüttelt. Ich fand die fliegende Sau der „A-Momentary-Lapse“ Tour viel besser. Am Ende des Songs wurde eine Sau herunter gestoßen. Gilmour kommentierte den Absturz, bevor sich und die Band in die Pause verabschiedete.

Massenansturm bei Pink Floyd. Auf diesem Foto sieht man recht gut wo ich Backstage raus gekommen bin. Und zwar rechts unterhalb des Lautsprecherturms, dort steht auch jemand! Ich werde es wohl nicht sein? Foto: apa

Der zweite Teil wurde mit Spannung erwartet und begann mit „Astronomy Domine„. Wunderbar das auch aus dieser Pink Floyd-Ära ein Song gespielt wurde. Danach folgten die Songs standesgemäß. „High Hopes“ sehr schön gespielt mit den filmischen Kindheitserinnerungen von David Gilmour, im Hintergrund. „Comfortably Numb“ mit einem der längsten Gitarrensolos von Gilmour die er bei diesem Song je gespielt habt und der wohl größten Spiegelkugel die die Welt bis dahin gesehen hat! Bei „Run Like Hell„, sang Guy Pratt: „Gonna send you back to Mozart!“ Das Ende von Run Like hell kann man eigentlich nicht beschreiben, sämtliche Lichter wirbelten herum, ein Feuerwerk wurde abgefeuert, und als dann auch noch das Lichterrad mit einem mächtigen Donner „explodierte“ und die Hitze noch 50 Meter weit entfernt spürbar war, stand ich mit offenen Mund da! Danach war ich völlig ausgepowert. Dieser Tag mußte erst einmal verkraftet werden! Pink Floyd hatten bei ihrem Konzert in Wiener Neustadt einen bis heute gültigen Zuschauerrekord aufgestellt. 92.000 Menschen haben sich dieses Konzert angesehen!

Nächster Tag: Pink Floyd in Wien.

Am Tag nachdem Ereignis schwärmten Gilmour, Mason und Wright über Wien aus. David Gilmour mengte sich unter zehntausend beim Musik-Klassik-Video-Fest auf dem Rathausplatz. Bei „Don Giovanni“ und „China-Huhn mit Pilzen“ von Gastro-Könner Attila Dougudan verordnete er sich und Polly ein multikulturelles Ereignis. Nick Mason, der mit Tochter Chloe, 21, konnte die Spanische Hofreitschule nur von außen begutachten – die Rösser weilen im Urlaub. Weit weniger mobil: Die Objekte der Begierde von Keyboarder Rick Wright. Der huldigte im Uhrenmuseum einer friedlichen Obsession für alte Zeitmesser.

Wenn man doch nur die Zeit zurückdrehen könnte, um all das noch einmal erleben zu dürfen!

3 Antworten

  1. Kuzmanic Susanne sagt:

    Ich kann mich noch genau erinnern, sind extra von Klagenfurt nach Wien, übernachtet auf der Donauinsel im Minizelt. Mit dem Zug nach Wr. Neustadt, zu Fuß zum Flugfeld, Menschen, Menschen, Menschen. Und dann das Konzert………es war das größte Konzert, das ich jemals erlebt habe. Ich glaube, es ist auch nicht mehr zu toppen. Nach 20 Jahren immer noch Gänsehaut, werd es nie vergessen.

  2. Vera P. sagt:

    Nach mehr als 20 Jahren noch immer Gänsehaut

  3. Michael sagt:

    Dieses Konzert war das beste in meinem Leben. Und das ich meine beiden Tickets verschlampt habe, werd ich mir nie verzeihen können.

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