The Australian Pink Floyd Show 14.3.2010 Linz Brucknerhaus

The Australian Pink Floyd Show 14.3.2010 Linz Brucknerhaus

Bericht von Werner Haider

Um 18:00 Uhr kamen Albert, Heinrich und ich beim Brucknerhaus in Linz an. Das Brucknerhaus ist ein außergewöhnlicher Veranstaltungsort für ein Rockkonzert. Hier finden im wesentlichen Klassikkonzerte statt. Kaum hatten wir die ehrwürdigen Räume betreten, bemerkte Heinrich, dass er auch schon keine Karte mehr in seiner Hosentasche hatte. Das Glück war ihm jedoch hold und so fand er sie draußen auf der nassen Strasse wieder. Im Brucknerhaus-Restaurant gesellten sich noch Karlheinz, Günter und Katharina, alle drei erfahrene Pink Floyd Fans zu uns. Karlheinz berichtete von seinen Plänen für ein weiteres Floyd Tributkonzert in Wels. Günter hat Pink Floyd „zufällig“ im Hyde Park 1970 gesehen! Katharina hat Pink Floyd 1994 mehrmals im Earls Court gesehen und reiste 1999 Roger Waters bei seinen Konzerten in den USA nach!!

Pünktlich um 19:30 Uhr begann das Konzert und wir sahen auf der Leinwand (Mr. Screen fehlte leider!) wie das Känguru aus dem Plattenregal das „Dark Side of the Moon“ Album in die Pfote nahm und auf dem Marantz Plattenspieler abspielte! Man hörte auch das Rauschen und knacksen! Es folgten 5 Stücke von „Dark Side“. Bei „Great Gig in the Sky“ das eine Sängerin perfekt wiedergab wurde auf der Leinwand der verstorbene Rick Wright eingeblendet! So gehört sich das!! Die „Dark Side“ Songs muss ich gestehen sind auf meiner Wunschliste eher im unteren Bereich eingetragen. Danach musste das Känguru aufstehen und legte das „Wish You Were Here“ Album auf. Dafür gab es spontanen Applaus. „Shine on“ und „Welcome To The Machine“ wurde gespielt. Jeweils mit interessanten Animationsfilmen. Bei „Welcome To The Machine“ musste ich an die „gewaltige“ Version denken die Pink Floyd 1988 in Wien spielten. 40.000 klatschten damals im Takt begeistert mit!! Der erste Teil des Konzertes wurde mit Pigs und Sheep beendet. Ein sehr erfreuliches Ende. Pigs jedoch sehr kurz, dafür mit gut gespielten Gitarrensolo. Bei Sheep fand ich die Animationen von den Schafen und dem Schakal/Wolf/Hund verbesserungswürdig. Sehr gut gemacht war allerdings die Darstellung des Gebets. Danach folgte eine 20 minütige Pause.

Zu Beginn des zweiten Konzertteiles saßen wir uns etwas weiter vor neben Katharina. Das Konzert begann mit „Astronomy Domine“ gefolgt vom vergleichsweise poppigen „Learing To Fly“. Danach wurde mit dem sentimentalen „High Hopes“ einer meiner Lieblingssongs gespielt. Dabei verwendeten die „Aussies“ den Originalfilm als visuelle Untermalung. Sehr gut gespielt, starkes Solo! Money hätte ich nicht gebraucht, muss aber eingestehen das die Version sehr gut gespielt wurde. „Set The Controls“ gespielt nach Waters Solo Vorlage war der nächste Song. „Careful“ wäre mir lieber gewesen. Das wiederum poppige „Take It Back“ wirkte danach etwas fehl am Platz, aber weil ich es schon lange nicht mehr gehört hatte, war es irgendwie interessant. „The Gunners Dream“ gesungen vom Bassisten war zweifelsohne einer der Höhepunkte. Ich musste daran denken wie oft ich das Album „The Final Cut“ gehört hatte und wie sehr ich es damals liebte! Waters lässt seinen Weltschmerz freien lauf! „Wish You Were Here“ stimmte etwas sentimental, auf der Leinwand waren die Helden in ihren besten Tagen bis zum allerletzten gemeinsamen Live 8 Auftritt zu sehen. Gut gemacht Aussies!! Bei „One Of These Days“ gab es das Schwein nur auf der Leinwand zu sehen. Die Bühnengröße bot für das Original keinen Platz. Bei Comfortably Numb wechselte der Perkussionist zum Bass und der Bassist zog sich den Arztkittel an. Diesen Song haben die „Aussies“ wirklich inhaliert, das Solo vom feinsten! Da gibt es nichts meckern! Hut ab! Als Zugabe folgte nach kurzem Jubel des Publikums „Run Like Hell“. Und auch dieser Song wurde perfekt wiedergegeben!

Danach trafen wir uns mit Herbert und Peter im Restaurant zur Konzert Nachbesprechung. Durch die äußerst komfortablen Sitzen im Brucknerhaus war der Bewegungsdrang des Publikums, inklusive meiner Person, doch sehr beschränkt. Und so standen nur wenige Personen (2) beim grandiosen „Comfortably Numb“ Solo auf! Zum Ende hin gaben sich aber auch die anderen im Saal einen Ruck. Bei „Run Like Hell“ ging es jedoch schon wieder runter in die wohlig warmen Sitze. Für mich war das Brucknerhaus keine ideale Location für dieses Konzert. Es kam überhaupt keine Rockkonzert Atmosphäre auf und auch der Sound war teilweise nicht gut. Das Publikum wirkte irgendwie satt und müde. Obwohl die Stimmung schon gut war und auch brav geklatscht wurde! Zumindest habe ich das so empfunden.

Als wir uns verabschiedeten vereinbarten wir ein Treffen beim „The Wall“ Konzert von Roger Waters 2011 in Wien. Wenn es dazu kommen sollte! 🙂

Set 1:
01. Speak To Me
02. Breathe
03. On The Run
04. Time
05. The Great Gig In The Sky
06. Shine On You Crazy Diamond (Parts 1-5)
07. Welcome To The Machine
08. Pigs (Three Different Ones)
09. Sheep
Set 2:
10. Astronomy Domine
11. Learning To Fly
12. High Hopes
13. Money
14. Set The Controls For The Heart Of The Sun
15. Take It Back
16. The Gunners Dream
17. The Happiest Days Of Our Lives
18. Another Brick In The Wall (Part 2)
19. Wish You Were Here
20. One Of These Days
21. Comfortably Numb
Zugabe:
22. Run Like Hell

Zusammenfassung: Die Songliste: Von Dark Side of the Moon hätte ich nicht so viele Songs gebraucht. Aber für mich wurde diese Songliste auch nicht zusammengestellt. Die Songliste unterschied sich zu anderen Konzerten folgendermaßen: Kein Us And Them dafür Money und statt „Careful“ wurde „Set The Controls“ gespielt. „Careful“ wäre mir viel lieber gewesen. Beste Songs: Mir gefielen am besten die Darbietungen von: High Hopes, The Gunners Dream, Comfortably Numb und Run Like Hell. Was noch: Der Sound der anfangs nicht berauschend war hatte sich nach ca. 30 Minuten deutlich verbessert! Eigenartig fand ich, warum der Schlagzeuger seitlich links aufgestellt wurde, der Perkussionist jedoch prominent in der Mitte platziert wurde. Wenn mich jemand fragen würde (was nicht passieren wird) dann gehören der Schlagzeuger in die Mitte und der Bongospieler auf die Seite.

Bericht von Günter W. Hieger

Es hat mich gefreut, dass die Aussies das ganze musikalische Schaffen der Pink Floyd abgedeckt haben, da war von „The Piper at the Gates of Dawn“ bis zum „Final Cut“ alles dabei.

Ich hatte nur manchmal das Gefühl, dass die Halle akustisch nicht wirklich geeignet war, wenn es lauter wurde, konnte man die einzelnen Instrumente fast nicht mehr heraushören, es könnte aber durchaus sein dass ich von David Gilmour und Band so verwöhnt bin, weil deren Live Alben für mich besser sind als die Studioaufnahmen, alleine wenn ich nur an die P.U.L.S.E – DVD denke, Wahnsinn im positiven Sinn.

Ich fand, dass Damian Antony Darlington, besser war als Steve Mac, der klang etwas authentischer, meine ganz persönliche Meinung. Das merkte man speziell beim zweiten Gitarrensolo bei „comfortably numb“, das erste hatte ja Steve gespielt.

Gefallen haben mir auch die Filme auf der Videoleinwand, vom Känguruh, welches immer die Alben rausgesucht und aufgelegt hat, ein sehr witziges Detail. Wenn man zwischendurch geschaut hat, bei „Wish you were here“ sah man nicht nur Syd Barrett, dem das Lied schließlich ursprünglich, neben „Shine on“, gewidmet wurde, sondern auch Richard Wright, auch jede Menge alte Aufnahmen der Original Bandmitglieder konnte man zwischendurch immer wieder sehen, das sind Kleinigkeiten, die mir aber sehr gefallen, weil man merkt, dass die Musiker sich etwas dabei denken und Tribut an ihre Idole zollen.

Insgesamt gesehen ein sehr schöner Abend mit guten Musikern, die das abgeliefert haben, was sie am besten können.

Bericht von Herbert Raab

Dass viele Songs von Pink Floyd echte Klassiker der Rockmusik sind, steht außer Zweifel. Ob das Brucknerhaus aus diesem Grund bewusst als Veranstaltungsort gewählt wurde, weiß ich nicht. Es könnte auch einfach daran liegen, dass beispielsweise die Bühne im Posthof wohl nicht groß genug wäre, die doch recht umfangreiche Lichtanlage der „Australian Pink Floyd Show“ unterzubringen. Denn selbst die Bühne im Brucknerhaus, auf der sonst immerhin ein vollbesetztes klassisches Orchester Platz findet, ist nicht groß genug, den kleinen Bruder von Mr.Screen (also der runden Leinwand, die bei Pink Floyd-Shows seit den 1970er-Jahre im Zentrum der Bühnenkonstruktion steht) oder die aufblasbaren Schweine der australischen Cover-Band unterzubringen.

Herzschlag tönt aus dem Lautsprechern, das Konzert beginnt mit der Sequenz „Breathe“, „On the Run“ und „Time“ – alles sehr authentisch und sauber gespielt. Zu meiner Überraschung scheute die Band auch nicht vor „The Great Gig In The Sky“ zurück, und tatsächlich bringen die Musiker und insbesondere dieses Stück, das sich für Cover-Bands nur all zu leicht ein Fettnäpfchen darstellt, souverän vor. Auf der Leinwand läuft der Film mit den sich brechenden Meereswellen, den auch Pink Floyd selbst benutzt hatten, zusätzlich werden immer wieder Bilder des erst kürzlich verstorbenen Rick Wright eingeblendet – die Australische Band weiß, was Floyd-Fans wünschen!

Das animierte Känguru auf der Leinwand nimmt „The Dark Side of the Moon“ vom Plattenspieler, legt „Wish you were here auf“, und setzt den Tonabnehmer am Plattenrand auf. Konditionierte Floydianer wissen, was jetzt kommt: „Shine On you crazy Diamond“. Leider brauchen offenbar die Tontechniker noch etwas, um die Akustik im Konzertsaal in den Griff zu bekommen – vielleicht liegt’s aber auch nur an meinem, aus akustischer Sicht, nicht ganz optimalen Platz in der ersten Reihe… Es folgt eine recht gelungenen Umsetzung von „Welcome to the Machine“, optisch begleitet von einem gelungenen Animationsfilm.

Das Känguru nimmt „Animals“ aus dem Plattenregal – mein liebstes Floyd-Album! Mit „Pigs“ wir dann aus meiner Sicht ein Höhepunkt an diesem Abend erreicht. Die dargebotene Version entspricht weitgehend der Album-Version und ist leider nicht so ausgedehnt, wie die Live-Versionen, mit denen Pink Floyd in den 70er-Jahren ihre Fans beglückt hatten – aber immerhin auch nicht so verstümmelt, wie die Version, die Roger Waters bei seiner KAOS-Tour seinen Konzertbesuchern zugemutet hat. Ein kraftvolles Stück Rock, mit tadellosen Talkbox-Gitarren und Soundeffekten. Die Tiere im Animationsfilm, der „Sheeps“ begleitet, sehen aus, wie aus einem zweitklassigen Kinder-Comic. Also Augen zu und davon träumen, wie es gewesen wäre, wäre man bei einem Konzert der „In the Flesh“-Tour von 30 Jahren dabei gewesen – denn die akustische Umsetzung lässt solche Träume durchaus zu.

Nach einer 20-minütigen Pause – wieder alles so, wie man es von Floyd-Konzerten gewöhnt ist – legt das Känguru eine Kassette mit der Aufschrift „Floyd Mix“ in den Walk…äh…Hopman. Mit einem Wechsel vom psychodelischen „Astronomy Domine“ zum poppigen „Learning To Fly“ wir den Zuhörern die Spannweite des Schaffens von Pink Floyd bewusst gemacht (um es freundlich zu formulieren). Mit „High Hopes“ (wo die Glocke aus der Dose leider nicht mit dem Flair eines echten Idiophon mithalten kann) und „Money“ stehen zwei weitere Klassiker aus unterschiedlichen Schaffensepochen am Programm, danach folgt „Set The Controls For The Heart Of The Sun“. Dieses Stück wird in jener Version gebracht, wie man es von der letzten Waters-Tornee kennt, wobei der Saxofonist am Sopran-Saxofon brillieren kann. Schade eigentlich, dass die Aussie-Floyds nicht einige Stücke selbst Interpretieren. Diesen Musikern würde man es durchaus zutrauen, selbst noch die eine oder andere Facette dieser Edelsteine aufpolieren zu können. Aber scheinbar will man den Fans, die ja immerhin groß teils schon der Generation 40+ angehören, keine ungewohnten Töne zumuten.

Durchaus mutet man den Fans aber wieder einen groben Schnitt zu, wenn man auf „Set the Controls“ den Song „Take it back“ folgen lässt. Entschädigt wird man durch ein sehr gelungenes „Gunners Dream“ – einem Stück, dass Pink Floyd selbst nie live gespielt haben. Mit „The Happiest Days Of Our Lives“ und „Another Brick In The Wall“ stehen dann die ersten Stücke vom Album „The Wall“ auf der Playlist. Recht witzig finde ich auch die Anspielungen auf die australische Herkunft der Band beim Intro zu „Wish You Were Here“. Unter anderem klingen da „Down Under“ und die australische Nationalhymne aus dem Radio. Während dem Song werden verschiedene Bilder der Bandmitglieder von Pink Floyd, von der Zeit mit Syd Barrett bis zum Auftritt bei Live 8, an die Leinwand projiziert, was manchen Floydianer im Publikum fast zu Tränen zu rühren vermag.

Mit „One of these Days“ (aus Platzgründen, wie erwähnt, ohne aufblasbares Schwein – so kann man sich wenigstens auf die tolle Lightshow konzentrieren) und „Comfortably Numb“ erreicht das Konzert einen weiteren Höhepunkt. Durch die Bestuhlung im Brucknerhaus ist der Zuschauer natürlich eher in die Rolle des passiven Konsumenten gezwungen, aber beim perfekten Gitarrensolo zu „Comfortably Numb“ brechen zunächst Werner und Heinrich den Bann, springen klatschen auf, und reißen schließlich den ganzen Saal mit. Spät, aber doch kommt richtige Rockkonzert-Stimmung auf! Mit tosendem Applaus kann das Publikum die Band noch einmal auf die Bühne zurück bringen und zu einer letzten Zugabe – „Run Like Hell“ – bewegen.

Am Weg nach Hause frage ich mich, ob TAPFS begeisterte Floyd-Fans sind, die ihre Erfüllung darin finden, die Musik Ihrer Heroen detailgetreu spielen zu können, oder eine Gruppe von Musiktherapeuten, welche die unter Entzugserscheinungen leidenden Floyd-Fans – gegen gutes Geld, versteht sich – behandelt, und sich angesichts der großen Zahl treuer Floydianer wohl keine allzu großen Sorgen um die Zukunft machen muss. Aber solange die Menschen auf und jene vor der Bühne damit glücklich sind, ist das ja eigentlich auch egal

Bericht von Georg Aichhorn

achdem ich nun die Aussie Floyd in Clam voriges Jahr und heuer in Wien gesehen habe, war nun also Linz an der Reihe. Nachdem sie in Wien die große Bühne aufgebaut hatten, war ich beim Betreten des Saales schon etwas enttäuscht, nur die B-Variante zu sehen.

Es ging wiedermal mit Dark Side Sachen los (aus meiner Sicht wurde das Album in letzter Zeit von allen möglichen Tributebands zu sehr ausgelutscht – für mich würden Speak to me, Breathe und On the run völlig ausreichen). Glücklicherweise folgten dann Lieder aus zwei meiner Lieblingsalben WYWH und Animals. Wie schon in Wien war das Shine on Intro „normal“ und nicht so wie in Clam, wo das Keyboard richtig in meinen Körper eindrang, mich zum Beben brachte und ich um eine Gänsehaut reicher war. (Genauso wie beim Ende von In the flesh? in Clam.)

Welcome to the machine wie One of these days gehört zu meinen Allzeitlieblingen, aber diese Versionen haben mir weniger gefallen (bis auf den genialen Basslauf am Anfang). Mein erstes großes Highlight war Pigs, passend zum Titel wars einfach nur saugut, besonders das Solo am Ende. Sheep war ähnlich toll, den Film dazu hätte man besser machen können.

Astronomy domine wieder super, leider etwas abgelenkt von dem Eintrudeln vieler Zuseher, die nicht wußten, daß die Aussies nicht nur die Musik, sondern auch die Pünktlichkeit vom Original übernommen haben. Mein nächstes Hochgefühl: High hopes, schönes Solo am Ende. Hoffen auf Careful… leider enttäuscht worden durch Set the controls, welches ich ja mag, aber nicht diese Waters Version.

Take it back ist das Dogs of war von Division bell, eine Vergewaltigung an meine Ohren! Aber gut, anderen gefällts scheinbar. Gunners dream – wundervoll! Another brick und Wish you were here sind halt Sachen, die eine Tributeband spielen muß, ich könnt darauf verzichten.

Comfortably numb mit einem super und superlangem Solo, obwohl ich nicht verstehen kann, warum man am Ende dieses kurze „89´er Ding“ mitnehmen mußte, es passt so überhaupt nicht dazu, finde ich halt.

Es war ein gutes Konzert, wobei in Wien die Stimmung besser war und ich jenes auch mehr genossen habe. Ich hoffe, die Gruppe noch das eine oder andermal zu sehen, wobei der Wunsch nach Songs wie Shine on Pt.6-9, Obscured by blouds/when you´re in, Marooned, Saucerful of secrets, Interstellar overdrive etc wahrscheinlich unerhört bleiben wird..

Bericht von Stefan Aichhorn

Als ich die Ankündigung des Konzerts von The Australian Pink Floyd Show (TAPFS) gelesen habe (bei Pulse&Spirit), war ich zunächst erfreut über das baldige Wiedersehen, da sie ja im Sommer vorigen Jahres schon auf der Burg Clam gespielt haben, die ja auch nicht weit von Linz weg ist – so kann man aber schöne Vergleiche ziehen zwischen den Konzepten der Touren und auch den Wirkungen der Shows OpenAir und im Konzerthaus. Davon war ich wirklich verwundert, dass TAPFS in einem Konzerthaus der gehobenen Klasse auftreten und nicht in einer der anderen möglichen Hallen in Linz. Zu den Verantwortlichen des Brucknerhauses hat sich die hohe Qualität der Darbietung offensichtlich herumgesprochen. Die baulichen Voraussetzungen haben beim Betreten des Saales gleich gezeigt, dass er eigentlich sehr schön, neu und auch gemütlich wirkt und ist, aber eben für ein Rockkonzert auch einschränkend sein kann. Die Bühne ist für die volle Maschinerie der optischen und klanglichen Mittel zu klein dimensioniert: Für die Projektionen konnte nur eine normale Leinwand verwendet werden, welche aber trotzdem adäquat das Konzept, den Sehsinn eigenständig anzusprechen, erfüllen konnte. Der Lautstärke war überraschend zurückhaltend und hätte wirklich nicht leiser sein dürfen, außerdem kam die Musik ausschließlich aus den Lautsprechern bei der Bühne. Die angenehmen Sitze vermögen eine ausgelassene Rockshow nicht zu unterstützen – was aber bei dem gehobenen Altersschnitt, des aber schön durchmischten Publikums, sowieso nicht wahrscheinlich wäre.

Von den trockenen Anfangsbemerkungen zum vorbildlich pünktlich beginnenden Konzert selbst: Die gewohnt locker-humorvoll-originelle Umsetzung der Videos mit der Vermischung von Australischem mit Floydischem beginnt mit dem Känguru als Pink Floyd Fan, das die Dark-Side-LP raus sucht und auflegt, um Speak To Me einzuleiten. Von hier weg wird das Album bis zum Great Gig in the Sky ohne Unterbrechung durchgespielt. Breathe wird interessanterweise ohne Slide-Guitar, die ja bereitstünde, sondern mit dem Bottleneck auf der Strat gespielt. Meiner Ansicht nach sind Breathe+Reprise+Time schnörkellos und (PULSE-)originalgetreu wiedergegeben worden, wobei das Time-Intro nicht die Power anderer Liveversionen hatte. Ohnehin sind diese Songs eher nicht mehr an den großen (oder DieHard-) FloydFan gerichtet, sondern an den Teilzeithörer. Ich hätte mit einem Obscured By Clouds-When You’re In-Anfang sehr viel Freude, außerdem atmet dieser auch viel Dark Side of the Moon-Spirit. Die Umsetzung von On the Run mit dem Bett-Trip des Kängurus hat mit sehr gut gefallen, genauso wie die Great Gig-Darbietung, die hervorragend gesungen/geklagt wurde, allerdings nur von einer der drei Backgroundsängerinnen, was verwundert, da sich das Lied doch sehr gut für alle drei anbietet, siehe das späte Original. An On the Run und Great Gig in the Sky hat man sich wahrscheinlich auch noch weniger sattgehört, vielleicht weil sie weniger von Gilmour und Waters Solo verwendet wurden und außerdem keine klassischen Songstrukturen haben. Danach legte das Känguru WYWH auf, wobei auch die vielen, detailverliebten Poster auffallen und weiters, dass für Atom Heart Mother schwer eine australische Bearbeitung gefunden werden kann, da die Kuh wie 1970 von der Wand starrte. Shine On Pt. 1 konnte nicht diese überragende Wirkung entfalten wie beim Burg Clam-Konzert, bei dem die Vibrationen von Ricks G-Moll-Akkord den Körper zum Beben brachten und so auch noch ein wesentliches physisches Erlebnis dazukam. Steve Mac hat die anfänglichen Gitarrensoli relativ eigenständig und gelungen interpretiert, wobei ich allgemein froh war, dass kein Instrumentalteil bis zu Part 5 ausgelassen wurde. Das Saxophonsolo allerdings hätte länger und fließender sein können; der Song wurde doch schnell abgedreht. Das folgende Welcome to the Machine war für mich ein echtes Highlight, welches erstens von den sehr guten Videos sehr gut unterstützt wurde und weiters durch die moderneren Keyboard-Sounds ab Mitte des Songs die gewollt unangenehme Atmosphäre bekam. Dass vor der Pause so viel Animals-Musik gespielt wurde, ist absolut positiv und birgt den Wunsch, doch gleich das ganze Album zu hören. Pigs wurde ziemlich prägnant dargeboten, wobei der Gesang, wie aber im ganzen Konzert, bestechend gut war. Das TalkBox-Solo für mich etwas missglückt war, weil es u.a. sehr abgehackt klang. Dafür erhielt man von Damian Darlington das härteste und schnellste Gitarrensolo des Abends, welches vom Publikum mit viel Zuspruch angenommen wurde (an einer 77er-Original-20min-Umsetzung kann sich das aber keineswegs messen). Den Abschluss des ersten Konzertteils bildete Sheep, das mir nicht zuletzt aufgrund des großartigen Bassspiels zu Beginn und Gesangs von Ian Cattell als erfreulich in Erinnerung ist. Während der Pause (wie auch am Schluss) wurden ein paar Monty Python-Nummern über die Boxen transportiert. Abermals pünktlich begann die zweite Konzertphase mit Astronomy Domine, wodurch fast die Hälfte der Zuschauer mit Musikunterstützung zu den Sitzen geleitet wurde. Dieses Lied, welches optisch an Syd erinnerte und mir natürlich gefallen hat, wurde meiner Ansicht nach am ehesten so gespielt, wie Gilmour es 2006 tat. Mit den anschließenden Learning to Fly habe ich zusätzlich eine sehr nostalgische Freude, wobei ich laut mitsang und mit sehr freute über Darlingtons Studium von Tim Renwicks Soli besonders von 1988. High Hopes wurde ausgesprochen gelungen gespielt (diesmal auch mit SlideGuitar) und durch die Originalfilme von 1994 hat mich dieser Teil des Konzerts voll in seinen Bann gezogen. Das folgende Money hätte ich wirklich nicht gebraucht, auch fehlte ein lockerer Jam-Teil (wenn schon wäre mir Us and them wäre mir lieber gewesen). Ummagumma-Flair wurde mit Set the Controls gepflegt, das an späten Waters-Versionen orientiert war und wenig nach den Umsetzungen bis 1973 klang, mir aber trotzdem wegen des perkussiven Sounds (man könnte es Groove nennen) absolut zusagte (Careful… hätte ich aber auch gern gehört). Danach wurde mit dem absolut unnötigen Take It Back eine große Chance vertan – Keep Talking wäre viel logischer gewesen. Die Division Bell hätte eine andere Betrachtung verdient (Poles Apart!!!). Das Intro zu einem weiteren Höhepunkt des Konzerts, The Gunner’s Dream, hielten ein paar Leute anscheinend für Wish You Were Here, um dann vorläufig enttäuscht zu werden (worüber ich herzlich schmunzeln konnte). Vom Pflichtprogramm „störte“ mich Another Brick II mit am wenigsten, da es vom beginnenden Happiest Days bis zu den abschließenden Soli, hier vor allem das Keyboard/Orgel-Solo, sehr erfrischend klang. Nach dem echten WYWH folgte noch eine mitreisende, aber nicht überwältigende One of these Days-Interpretation mit nur projizierter Sau. Das Hauptset schloss Comfortably Numb überwältigend und nicht zu kurz ab, wobei der Bassist sich zum singenden Arzt wandelt und der Multi-Instrumentalist zum nicht singenden Bassisten. Wiederum Darlington setzte hier Glanzlichter der Rockgitarrenkunst, wobei beim Hauptsolo (des Abends) die Anordnung der einzelnen Parts auffällt, weil zum Beispiel „das schwingende Kreischen“ (als sich früher die Blüte öffnete) relativ bald intoniert wurde und danach sich die Lead-Guitar mit dem Schlagzeug einen „Battle“ lieferte, wie man es von 88/89 kennt. Während des Solos selbst saßen noch die meisten Besucher, beim energischen Applaus, der schon beim Abebben des Liedes einsetzte und bis zum Anfang der Zugabe andauerte, stand dann aber der Großteil des Saals. Run Like Hell kam mit den Waters’schen Schreiansagen und war zu Beginn außergewöhnlich, da mitten im Einzeltonrückkopplungsgewitter die Band für einige Sekunden Stille und damit Spannung erzeugte. So fand das Konzert nun schon gewohnt großartig ein Ende.

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