Roger Waters empfindet US-Mainstream-Medien als einziges Propagandaministerium

Das Abendblatt veröffentlichte vergangene Woche ein Interview mit Roger Waters. Das Gespräch mit Waters wurde anlässlich der Konzert-DVD ‚The Wall‘ in London geführt. Waters sprach dabei über seine Erfahrungen mit Hamburg.

Vor vier Jahren haben Sie „The Wall“ in Hamburg gespielt. Ihr erstes Konzert in der Hansestadt war aber schon vor 45 Jahren im Audimax. Wie erinnern Sie sich an die Stadt?

Roger Waters: Wir waren als junge Männer fasziniert von der Idee von öffentlichem Sex. Wir sind auch auf der Reeperbahn gewesen und haben ungläubig gestaunt. So etwas hatten wir vorher überhaupt noch nicht und haben wir später nur in Amsterdam gesehen.

Das zentrale Symbol des Albums „The Wall“, die Mauer, hat im Laufe der Zeit einen Wandel angesichts des Zeitgeists durchgemacht. Vor 25 Jahren wirkte die Musik wie der Soundtrack zum Fall der Berliner Mauer. Heute wollen die USA so ein Bollwerk zum Schutz gegen Immi­granten aus Mexiko errichten.

Roger Waters: Wir haben bei den Konzerten immer Schulkinder als Chor auf der Bühne gehabt. Sie haben bei ihren Auftritten T-Shirts mit der Aufschrift „Fear builds walls“ getragen, Angst baut Mauern. Und stimmt das etwa nicht? Man sieht es doch an der Flüchtlingskrise in Europa. Natürlich wird es auch in Deutschland wie überall Menschen geben, die sagen, wir können all diese Leute nicht verkraften. Aber Großbritannien, Frankreich, Belgien und Holland sind doch ehemalige Kolonialmächte, die diesen Mist überhaupt erst ausgelöst haben. Also sind sie auch ­moralisch verantwortlich. Wir müssen uns um die Flüchtlinge kümmern.

Ist dies aus Ihrer Sicht auch ein Test für das Funktionieren der Europäischen Union?

Roger Waters: Ein riesengroßer. Die Bürger müssen doch erkennen, was für ein großes Experiment es ist, in dem sie leben. Und es ist so nötig, dass es Erfolg hat. Ich lebe in den Vereinigten Staaten und bekomme etwas davon mit, was sich auf den Korridoren der Macht abspielt. Die CIA und NSA haben mittlerweile eine riesige Macht. Die Medien des Mainstreams in den Vereinigten Staaten sind ein einziges großes Propagandaministerium, das uns Blödsinn über Freiheit und Demokratie erzählt. Dabei geht es ihnen nur um Geld und Macht.

Warum leben Sie trotzdem in den USA, wenn dort alles so furchtbar ist?

Roger Waters: Wegen der attraktiven Frauen in den Staaten.

Seine letzte Antwort deutet darauf hin, dass die Trennung von seiner Ehefrau vollzogen ist. Es kann sich dabei aber auch um den typischen britischen Humor handeln. Interessant ist seine Einschätzung über die Medien in den USA. Die mochte er noch nie. Muss schwer für ihn sein, als jemand der in den USA lebt das zu ertragen. Ob wir in Europa soviel besser gestellt sind, das wage ich zu bezweifeln. Was er über die EU sagt, das gefällt mir gut. Ich bin auch der Meinung, dass eine Rückkehr zur Einzelstaatenmentalität ein schwerer Fehler wäre.

Quelle: Roger Waters‘ ungläubiges Staunen über die Reeperbahn.

Ich danke Oliver Thöne für die Info!

1 Antwort

  1. Oliver sagt:

    Danke für den Credit, Werner, aber diese Info kam nicht von mir;-)

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