Ich liebe Pink Floyd aber deine verdammte Politik Roger halt ich nicht aus!

Roger Waters „The Wall“ Film feierte gestern Premiere in New York. In den vergangenen Wochen hat Waters zahlreiche Interview genutzt um auf den Film aufmerksam zu machen. Viel interessantes ist dabei zu Tage gekommen.

Dem Guardian erklärte Waters weshalb er seit 25 Jahren keine ihrer Ausgabe mehr gelesen hat. Der Grund war die Schlagzeile eines Guardian Artikels nach seinem The Wall Konzert in Berlin: „Last night, Pink Floyd played their record The Wall in Berlin and the sound was terrible.“ Nicht gerade ein journalistisches Glanzstück. Seitdem hat sich kein Exemplar des Guardians in seinen Briefkasten verirrt. Waters: „Fuck you, that paper is never coming through my letterbox again.“

Das Gespräch streift auch Waters Engagement für die „Countyside Alliance“, das er schließlich beendet. Sehr interessant waren Waters Aussagen über ein neues Demo und eines kurzen Gesprächs, das eventuell auf dem neuen Album zu hören sein wird!

Roger Waters: Es gibt da ein Stück, das in etwa so geht, wenn sie einer dieser Menschen sind, der sagt, „Roger, ich liebe Pink Floyd, aber ich kann deine verdammte Politik nicht ausstehen… „, (macht eine Pause und lacht) dann solltest du dich jetzt auch besser an die Bar verpissen.

Waters macht damit sehr deutlich, dass seine Texte und die darin transportierten politische Inhalte sehr wichtig sind. Wer sich dafür nicht interessiert, der schleicht sich besser zur Bar und genehmigt sich noch ein Bier holen. Ich habe das oft beobachtet bei seinen Konzerten. bei den „Amused“ Songs, wenn sich viele auf zum Bierstand machen, oder bei seinen The Wall Shows, wenn man diese berührenden Bilder auf der Wand sieht und das Publikum mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Es wäre interessant wie Waters diesen Widerspruch heutzutage bewältigt. Mit dieser Aussage, die nicht neu ist, er zitierte diese schon vor ein paar Jahren, erinnert er mich an die Vorkommnisse von 1977. Als er teils verzweifelt feststellen musste, dass seine Fans aus einer grölenden Menschenmasse besteht, die sich einen Deut um irgendwelcher Textinhalte schert. Sondern lieber Bier holt und Feuerwerke abschießt.

Vor einigen Tagen berichteten wir u.a. über Farin Urlaub’s Aussage, „Waters hören und die Republikaner wählen, dass geht gar nicht!“. Ich bin mir nicht sicher wie viele Hardcore Fans, die Botschaften verstanden haben. „Amused To Death“ wegen des tollen Sounds für ein Meisterwerk zu halten, dass wäre für Waters wohl etwas zu wenig um es vorsichtig zu formulieren. Er fordert mehr Aufmerksamkeit und wahrscheinlich auch Engagement. Ich fände es toll diese Phrase auf seinem Album zu hören! Sein Album wirft bereits große Schatten.

Mehr über dieses Interview gibt es auf der Website des Guardian: Roger Waters: ‚I’m prepared to be wrong about everything‘.

8 Antworten

  1. Felix Untersteiner Felix Untersteiner sagt:

    freue mich schon wahnsinnig auf rogers album, hoffe mal stark auf 2016!

    und ausgehend von crystal clear brooks, und lay down jerusalem freue ich mich zurecht darauf;-)

    ob sich auch flickering flame, each small candle, leaving beriut, oder kill a child in überarbeiteter form darauf finden werden? stand nicht kürzlich wo, dass es der ein oder andere dieser songs aufs album schaffen könnte?

    und zum thema poltisch, bitte sehr politsch, ist mehr denn je erforderlich, auch wenn es nur vl wenige geistig erreicht, ist das dennoch was wert. besser 2 von 100, als 0 von 100.

  2. Oliver sagt:

    „ob sich auch flickering flame, each small candle, leaving beriut, oder kill a child in überarbeiteter form darauf finden werden“

    Das frage ich mich auch. Flickering Flame und Each Small Candle wären toll, Leaving Beirut ist live auch klasse, hat aber in der Studioversion nicht funktioniert mit den ganzen gesprochenen Texten. Und es wäre schon erstaunlich, wenn To Kill The Child NICHT auf dem Album erscheinen würde, auf dem es darum geht, warum die Kinder getötet werden. Da müßte man aber noch dran arbeiten.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, plant Roger aber zuerst mit seinen neuen Songs ein“Radio-Play“, und VIELLEICHT findet sich der ein oder andere danach auch auf einem neuen Album wieder. Oder wie meint er das?

    • Felix Untersteiner Felix Untersteiner sagt:

      gute frage, ist ein radio play nicht so eine art „vorlesung“ wie das von dark side 2014?

    • Oskar Oskar sagt:

      To kill the child sehe ich auf dem neuen Album als gesetzt, auch Crystal Clear Brooks passt vom Text her zum Konzept des neuen Werks.

      Interessant, dass du die Studioversion von Leaving Beirut erwähnst und danach von einem möglichen „Radio Play“ schreibst, denn der Song ist ja für sich schon fast ein Radio Play, der in so einer Produktion erst richtig zur Geltung kommen würde.

  3. GeckoFloyd sagt:

    Hmm, ich war 1990 in Berlin und der Sound war in der Tat gar nicht mal so gut, der Guardian hatte also nicht so unrecht, aber ist doch jetzt egal – ich freue mich auf Rogers neues Album, nicht nur wegen dem Sound! Seine Texte sind seit eh und je obergenial, philosophisch, politisch, nachdenklich. Man kann sich seine Fans halt nicht aussuchen. Ich fände es schöner, wenn er sich darauf konzentriert und neues, jüngstes Material ins neue Album nimmt, gepackt in einem spannenden Erzählstrang, wie bei ATD, Radio Kaos, usw, ohne den vor über zehn Jahren veröffentlichen Songs, wie To Kill The Child, usw. Cheers

  4. Lothar sagt:

    Wer politisch Etwas bewegen will, sollte dann tatsächlich in die Politik gehen.
    „Künstler“, die mir ständig sagen wollen was falsch oder richtig ist nerven irgendwann.
    Damit meine ich nicht nur Musiker. Ich bilde mir meine Meinungen lieber selber 😉

    • Kalli sagt:

      Der Meinung kann ich mich nicht ganz anschließen. Die Kunst allgemein hat die Aufgabe ein Lebensgefühl zu transzendieren und die Politik ist selbstverständlich ein wesentlicher Bestandteil dessen. Dass der Künstler dabei nicht nur neutraler Berichterstatter bleibt, sondern mehr oder weniger unterschwellig Stellung beziehen darf ist richtig und wichtig, denn er soll ja gerade Ansichten und Blickwinkel auf die verschiedenen Aspekte des Lebens emotional transportieren. Waters macht das, ähnlich wie etwa Farin Urlaub, John Lennon, Neil Young oder Joan Baez, auf eine sehr intelligente und ansprechende Art. Das ist für mich ein ganz entscheidender Aspekt bei all seinen Alben, besonders vielleicht bei The Final Cut oder Amused To Death, die ohne ihre politische Aussagekraft nur halb so viel Wert wären. Also für mich muss Kunst immer auch ein Stück weit politisch sein. So haben Künstler wie Waters und Co. zu meiner politischen Meinungsbildung immer entscheidend beigetragen, mehr als so mancher Politiker.

    • Oskar Oskar sagt:

      Wer glaubt, dass sich Kunst nicht mit Politik auseinandersetzen sollte und Politik nicht mit der Kunst, der sollte sich mal die Architektur des Totalitarismus der 20er und 30er Jahre ansehen.
      Abgesehen davon sollte jeder sagen und tun was er will. Es liegt an uns zu entscheiden, ob wir die Meinung dann teilen oder nicht. Die Welt ist schön weil sie bunt ist. Die Kunst macht sie bunt.

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