Die Grundfrage des neuen Roger Waters Albums lautet: „Why are we killing the children?“!

Roger Waters 2008 Promo

Das Roger Waters schön langsam ernst macht mit einem neuen Album, das lässt sich nicht leugnen. Bei seinen letzten Auftritten spielte er mit „Cystal Clear Brooks“ und „If I Had Been God“ auch immer neue Songs. Das ist schon ein Zeichen, das er sich mit neuem Material auseinandersetzt. Wobei der Waters Experte erinnert sich, dass er schon früher unveröffentlichte Songs spielte und daraus kein Album entstand. Egal, denn jetzt ist er drauf und dran, sein 55 Minuten plus Demoband in ein Album zu transformieren.

Waters wäre nicht Waters, wenn er nicht schon weiter denken würde. In einem neuen Interview des Rolling Stone beschreibt er nämlich, dass er nicht nur an den neuen Songs feilt sondern auch gleich an der dazugehörigen visuellen Umsetzung für seine nächste Tour! Er will seine neuen Songs mit den einigen der alten Songs zu einem Gesamtwerk kombinieren und in einer Form einer Arena Show Live präsentieren. Dass das die ganze Angelegenheit nicht einfacher macht ist allen klar, die seine Shows kennen.

Ich könnte mir vorstellen, dass es Waters gar nicht ungelegen kommt, dass David Gilmour mit seiner Tournee die Aufmerksamkeit der Floyd-Fans noch länger beansprucht. Denn dadurch erhält Waters mehr Zeit um weiter an seiner neuen und aufwendigen Show und dem „Amused To Death“ Nachfolger zu arbeiten.

Roger Waters on ‚The Wall,‘ Socialism and His Next Concept Album

Rolling Stone, 2. November 2015

What’s the status of your next album?
Roger Waters:
Ah, that is a very, very good question. I have made an entire demo. I’m in a room sitting with a guitar, all the demo recordings and a legal pad and a pen, shoveling things around and scribbling things down. It’s an attempt to come up with a shape, a cartoon sketch of what this painting may be when it’s finished. And the device that I’m using to do that is to think of it as an arena show, because I do think I have one more in me. I’m trying to figure out how to juggle all these new tunes with old tunes as well into a cohesive arena show that I can get some bums into seats with. The basic question of the album is, „Why are we killing the children?“

To Kill the Child/Leaving Beirut

2004 Single: To Kill the Child & Leaving Beirut

So I take it this is a concept record.
Roger Waters:
Yeah. Why change now?

It’s been 22 years since your last rock album. I think the fans are quite ready to hear some new stuff.
Roger Waters:
Right. They really are. And that’s where it is. It’s very exciting but also a very challenging and scary time. Once you get into the meat of the thing you’re starting to say, „Mmm, maybe we should do this with the keyboard part, or maybe that tempo isn’t quite right. Or wait, maybe this transition from this theatrical scene in the next one needs tweaking a bit.“ I mean, that’s what we do. But the difficult bit in any project like this is getting the first sketches and finding the basic shape of the thing, blocking it out into the grey bits and the white bits.

Do you have any sort of timeline for when you’d like to see it come out?
Roger Waters: [Laughs] I don’t really deal much in hopes and fears. Now that winter is with us, I’m finding myself making more and more. And now that my vets thing is over, which was fantastic. We did that last Friday in Washington. It was called Music Heals and we did a show for about 3,500 people at Constitution Hall. It was incredibly moving. We have so much help from so many people. The wounded guys I was working with were great musicians. And I had Billy Corgan and Tom Morello. It was very rewarding and very exhausting, but we’re past that now and I have a little bit of time and can go and attack this project.

Anschließend wurde Waters nach seinem Verhältnis zu Mason und Gilmour gefragt. Mit Mason versteht er sich wieder blendend, während er mit Gilmour nie befreundet war, schon früher nicht, also treffen sie sich nicht oder sind sonst irgendwie in Kontakt. Als dann noch nach der Reunion gefragt wurde, begann Waters zu schreien, ‚Blöder kann es jetzt nicht mehr werden, jetzt fehlt nur noch die Frage nach meiner Lieblingsfarbe! Ihr wisst doch die Antwort darauf, aber nein, immer wieder wird diese Frage gestellt! Es tut mir leid gereizt zu reagieren aber es ist halt so dumm‘.

Wir verstehen Waters Reaktion nur zu gut. Ich finde, dass er und Gilmour durchaus Gemeinsamkeiten haben. Ich sehe die großen philosophischen und politischen Unterschiede, die die Beiden laut Waters voneinander trennt, nicht. Ich denke, dass das Problem mehr in der unaufgearbeiteten konfliktreichen Vergangenheit liegt. Es ist auch kein Geheimnis, dass es unheimlich schwer ist zwei Alphamännchen dieser Art, in einem Studio unter Kontrolle zu bringen! Aber was weiß ich schon, alles verdammt lang her. Es ist gut so wie es ist!

Das Interview war damit lange nicht zu Ende. Was danach folgte, dass liest man eher in einem politischen Nachrichtenmagazin denn in einem Musikmagazin. Waters wurde nach der aktuellen politischen Situation in den USA, der nächste Präsidentenwahl, World War 2 und anderem gefragt! Er hatte dazu eine Menge zu sagen!

Dass Komplette Interview mit Waters gibt auf der Rolling Stone Website: Roger Waters on ‚The Wall,‘ Socialism and His Next Concept Album.

Ich danke Oskar, Oliver und Arne für den Hinweis! Foto: Roger Waters 2008 New York Central Park von Jimmy Ienner.

10 Antworten

  1. Hanno sagt:

    Ein typisches Waters Interview. Hat langsam etwas von Lou Reed. Gerade der Beginn des Gesprächs zu Joe Biden ist bezeichnend und macht Waters nicht sympatischer. Seine Aussagen zu Gilmour sind für mich als Fan ein wenig traurig zu lesen, aber offenbar haben sich beiden tatsächlich wenig zu sagen; allerdings klingt Gilmour für mich häufig immer etwas respektvoller (siehe das neueste BBC Interview mit Andrew Marr), während Waters z.B. im Wallgespräch mit Mason es nicht lassen kann darauf hinzuweisen, dass er mit allem was ER bei PF gemacht, im Reinen ist. Seltsam finde ich die Situation zwischen den beiden dann aber schon, weil sie bei den gemeinsamen Auftritten 2010 und 2011 durchaus so wirkten, als würden sie die Gesellschaft des anderen genießen. Naja, die Musik zählt!

  2. Manuel sagt:

    Zitat Waters: „I was a rather grumpy person and disaffected…but all that’s changed“

    Grumpy hat sich zu stubborness gechanged. Ob das jetzt besser ist?!
    Er ist im Gegensatz zu Gilmour eben nicht im reinen mit sich und seiner Vergangenheit.

  3. Oliver sagt:

    Ich glaube, ihr unterschätzt einfach Waters‘ Humor und Selbstironie, die doch sowohl in diesem Interview als auch in The Simple Facts ganz offensichtlich sind. Die altbekannte Feststellung, nie mit DG befreundet gewesen zu sein, ist doch keine Respektlosigkeit. Ist nunmal so, und wird sicher von Gilmour genauso gesehen.

  4. Red Strat sagt:

    @ Oliver, etwas zu denken, oder etwas immer wieder zu sagen oder zu betonen ist schon ein Unterschied, einigen wir uns darauf, dass Waters halt niemals ein empatischer Mensch sein wird …trotz allen Humors und aller Selbstironie

    • Oliver sagt:

      „etwas zu denken, oder etwas immer wieder zu sagen oder zu betonen ist schon ein Unterschied“

      Du meinst also, wenn Waters dieses Jahr geschätzt 20 mal gefragt wurde, ob er mit Gilmour befreundet ist oder war, hätte er nur in einer angemessenen Zahl von Fällen, so 3 bis 5, wahrheitsgemäß „nein“ antworten dürfen, danach aus Rücksicht auf die etwas sensibleren Gilmour-Fans, die sonst traurig werden, besser lügen sollen?
      Wenn das die herrschende Erwartungshaltung ist, wird Waters niemals ein empathischer Mensch sein. Abseits davon werden wir uns auf diese Feststellung aber nicht einigen können. Ich kenne Waters zwar nicht persönlich, aber es spricht doch sehr viel mehr für Toms Theorie.

      • Red Strat sagt:

        Ich dachte eigentlich eher, dass er das für sich, David Gilmour und Pink Floyd so halten sollte, sicher nicht für irgendwelche Fans. Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass er es bis heute noch nicht so richtig verkraftet hat, das die drei ohne ihn weitergemacht haben. Das man natürlich wegen der ewig gleichen dummen Fragen irgendwelcher schlecht vorbereiteter Journalisten jegliche Empathie verliert, geschenkt. Ich freue mich auf Rogers neues Album, er wird Musik sprechen lassen.

  5. Tom sagt:

    Ich wage zu behaupten, dass Roger ein sehr emphatischer Mensch ist. Ob er mit seiner Empathie für die vielen Facetten des Lebens immer die „eigene Emphatie“ trifft, sei mal dahingestellt.
    Jedoch gilt auch hier: glauben heißt nicht wissen.

  6. GeckoFloyd GeckoFloyd sagt:

    Ich freue mich auch sehr auf Rogers neues Album, kann es irgendwie noch nicht glauben wirklich irgendwann wieder was Kompaktes von ihm in der Hand zu halten (ja, ich mag diese Haptik mit Tonträgern) – und ich wünsche mir musikalisch neben all dem politisch-wichtigen Aussagen, Konzept und Hirn-Lego, dass er wieder einen besonders begnadeten Gitarristen im Studio dabei hat, denn darauf hatte er ja bei den anderen Solo-Alben immer großen Wert gelegt (Clapton, Beck). Da denke ich mir immer, wie sehr er doch von David’s Gitarren-Input bei Floyd geprägt sein muss. Auch jetzt letztens bei den neuen Song, da war auch ein schöner GTR-Solo-Teil, da denke ich, dass Roger auch Gitarren-Höhenpunkte setzen möchte – ist so meine Empfindung. Als Kandidat wäre doch Jimmy Page der Hammer, nur mal so rumgesponnen. Schönes WE, Cheers.

    • Felix Untersteiner Felix Untersteiner sagt:

      jimmy page und roger waters, dass wäre wirklich eine sehr sehr spannende kombination, aber ich glaub page ist etwas zu wild für waters;-)

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