„Die Arbeit an The Wall war ausgesprochen energieraubend“

Ein neues Interview mit dem Briten Gerald Scarfe wurde auf der Website der Volksstimme veröffentlicht. Volksstimme-Redakteur Christian Kaserer, der selbst ein Pink Floyd Fan ist, führte das Gespräch mit dem berühmten Karikaturisten. Er hat ihn selbstverständlich zu seiner Zusammenarbeit mit Pink Floyd gefragt. Aber auch aktuelle politische Themengebiete wie den Brexit, den er beschämend empfindet oder Donald Trump wurden behandelt.

Sehr interessant sind seine Antworten auf die Fragen nach seinem Material für die Pink Floyd Tour 1977 und die „Pros And Cons“ Tour von Roger Waters 1984/1985.

Christian Kaserer: Sie sind bekannt für Ihre Zusammenarbeit mit Pink Floyd für ihr Album »The Wall« (1979). In Ihrem Buch zum Making-Of schreiben Sie, dass Sie die Band eines Tages trafen und Pink Floyd Ihnen eine Hand voll Alben überreichte. Wie kam es dazu?
GERALD SCARFE: Ich kannte Pink Floyd ja schon, war aber nie wirklich ein Fan. In einigen Clubs hatte ich sie halt gehört, aber es war nicht so meine Sache. Das war jedenfalls zu ihrer Anfangszeit, als sie noch in dieser Psychedelic-Bewegung waren. Als die dann einen Film von mir über Mickey Mouse auf einem Drogen-Trip im Programm der BBC sahen, waren sie fasziniert, kontaktieren mich und baten mich, zu einem ihrer Konzerte zu kommen, was mich dann total umwarf. Die Show zu »Dark Side Of The Moon« (1973) hatte sich mit den Flugzeugen, die über das Publikum flogen und explodierten, deutlich weiterentwickelt, wenn man es mit den bunten Flüssigkeiten vergleicht, die sie in den 1960er-Jahren an die Wand projiziert hatten. So kam es zur Zusammenarbeit zwischen mir und Pink Floyd. Wobei ich heute, wenn ich zurückblicke, eventuell anders arbeiten hätte sollen. Damals wollte ich surreale Dinge machen: Ein Mann, der sich in ein Blatt verwandelt oder ein Mann, der sich in einem Sandsturm auflöst. Philosophischer Müll. Heute denke ich, dass ich zu den politischen Texten von Pink Floyd auch politische Zeichnungen hätte machen sollen. Mit The Wall konnte ich das dann vielleicht auch ein bisschen, aber mit meinen Arbeiten zuvor eher nicht.

Gerade die Arbeiten zu The Wall sind ja bekannt und auf diversen DVD-Veröffentlichungen zu finden. Was passierte mit dem Material, das sie zuvor entwickelt hatten?
GERALD SCARFE: Die ganzen Zeichnungen, Animationen und Storyboards für die »In The Flesh«-Tour (1977) zum Beispiel habe ich immer noch. Prinzipiell werfe ich nie etwas von meinen Arbeiten weg und die Originale verkaufe ich im Regelfall auch nicht, wobei gerade einige Leute aus den USA mit mir darüber verhandeln wollen. Aber im Normalfall bewahre ich alles auf. So auch eine große Menge an Erinnerungsstücken wie zum Beispiel Flaggen von Pink Floyd oder Dinge aus dem »The Wall«-Film.

Nach Ihrer Arbeit mit Pink Floyd haben Sie mit dem Bassisten und vormaligen Pink Floyd Mastermind Roger Waters auch Solo zusammengearbeitet. War diese Arbeit anders als mit der ganzen Band?
GERALD SCARFE: Mit Roger war ich schon sehr gut befreundet. Wir spielten Snooker zusammen, tranken Bier und verbrachten einen gemeinsamen Ski-Urlaub in den Alpen. Wir sahen uns also sowieso schon oft neben der Arbeit. Nachdem The Wall ein großer Erfolg wurde, bat er mich an seinem Solokonzept »Pros and Cons Of Hitchhiking« zu arbeiten. Hier war ich mir wirklich nicht sicher. Die Arbeit an The Wall war ausgesprochen energieraubend und ich wusste nicht, ob ich mir das noch ein Mal antun wollte. Natürlich habe ich es trotzdem getan und Grafiken und Animationen für die Tour entwickelt. Dabei haben wir den Hund »Reg« kreiert, der dauernd auf Drogen war. Aus dem Charakter hätten wir mehr machen können, aber das haben wir nicht, obwohl mich viele Leute darum baten, ein Buch aus ihm zu machen. »Reg« war die erste Hälfte meines Vornamens rückwärts, sowie die zweite Hälfte von Rogers Vornamen ebenfalls rückwärts. So kam der Name zustande.

Wurde die Tour wie bei The Wall aufgezeichnet?
GERALD SCARFE: Wir hatten den damals bekannten Regisseur Nick Roeg engagiert, damit er einige Parts für die Show filmt. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob er damals auch Teile der Show oder vielleicht auch ein ganzes Konzert filmte.

Weitere Teile des Interviews findet ihr auf der Website der Volksstimme: »Politiker sind sehr langweilige Menschen«.

Ich danke Christian Kaserer!

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