Seinem Fan ins Gesicht spucken.
09.12.2006
Die Presse: Es gab zweifellos
Gitarristen, die virtuoser waren - schneller, heißer, wüster. Zu den
Akrobaten und Kraftprotzen, die mit ihren Solos Wände einreißen wollten
und dabei an Tabus, Trommelfellen (und Nerven) sägten, gehörte er nicht.
Und doch hat er wie kaum ein anderer Maßstäbe auf der E-Gitarre gesetzt.
Seine Stärke war sein Sound, jener warme, entrückt schwebende Klang, der
mit dem ersten Ton zu sagen schien: Hier bin ich, jetzt werd mal fertig
mit mir. Dieser unverwechselbare Sound, meist einer Fender Stratocaster
entlockt, gepaart mit einer ungemein subtilen Melodik, prägte seine Band
in Wahrheit noch grundlegender als all die Tonnen an
Synthesizer-Elektronik, für die die Gruppe berüchtigt war. Auf ihrem
musikalischen Höhepunkt, Mitte der Siebzigerjahre, war er seiner Band -
auch als Sänger - the soul of the sound. Und damit geriet er
zwangsläufig in Konflikt mit dem Kopf seiner Band.
Dessen Fähigkeiten als Bassist und als Sänger waren
alles andere als spektakulär. Doch spätestens mit dem ersten
musikalischen Meisterwerk der Band, einer Hymne an ein Gestirn
(zumindest an seine Schattenseite) war klar, dass er künftig für Text
und Konzept verantwortlich sein würde. Für dieses Album, das sich 490
Wochen in den Charts halten sollte - länger als jedes Elvis-, Beatles-
oder Stones-Album -, hatte er alle Texte geschrieben. Es waren durchwegs
düstere Geschichten: Entfremdung, Wahnsinn und Einsamkeit waren seine
Lebensthemen. Mit dem Erfolg setzte sich für ihn ein Teufelskreis in
Gang. Je mehr Menschen er mit seiner Musik erreichte - seine Band war
die erste, die Stadien füllte -, desto weiter fühlte er sich von ihnen
entfernt. Seit je zu Zynismus neigend, begann er sein Publikum zu
verachten, gipfelnd in jenem denkwürdigen Konzert im Olympiastadion von
Montreal, bei dem er einem Fan in der ersten Reihe ins Gesicht spuckte.
Die unüberwindliche Barriere, die er zwischen sich und den Menschen
empfand, machte er zum Gegenstand eines Albums und einer gigantischen
Bühnenshow. Die Band verschwand während des Konzerts hinter einer
riesigen Mauer, die am Ende der Show zertrümmert wurde. Dem Gitarristen
war das alles viel zu düster. Der Bühnen-Showdown war auch der Anfang
vom Ende der Band. [*]
Wer traf wen? Wie heißen die beiden erwähnten Alben der Band?
Info: Walter Werschnig |