Roger @ Arena Leipzig.
von Jens Burmeister
Es sollte nun das vierte Konzert von Roger sein, dass
ich besuchte. Nach 2x In the Flesh und 1x Dark Side of the Moon im letzten Jahr. Leider
muss ich sagen, dass es von den vieren auch das schlechteste war, was
aber nicht heißt, dass es schlecht war. Es hatte Höhen und Tiefen.
Vielleicht mag es auch an der Einstellung liegen - damals bei In the Flesh war es für mich das erste Konzert mit einem Pink Floyd Mitglied.
Da ist der Hype sicherlich größer. Wenn man nun in Leipzig da steht und
die identische Setlist wie letztes Jahr Berlin Wuhlheide vorfindet, ist
man schon etwas enttäuscht, dass das nicht variiert wird. Naja, da kann
man nichts machen. Sehr positiv zu verzeichnen ist die neue Lightshow
von Mark Brickman. Das Laser-Prisma ist absolut klasse. Auch die
Pyro-Effekte waren nicht zu verachten. Auch die Hintergrundsequenzen
waren hübsch.
Fotos
©
LVZ
online
Die Songzusammenstellung im ersten Teil fand ich etwas
lieblos. Mir fehlte da ein wenig das Konzept. Super waren die Stücke von
Final Cut, Set the controls war gut, Sheep weltklasse (Animals ist mein
Lieblingsalbum, hätte mir halt auch mal wieder Dogs gewünscht, wie bei
In the Flesh). Schön auch Have a Cigar (Warum nicht mal in Kombination mit dem
genialen Welcome to the machine?) Enttäuscht hat Shine on you crazy Diamond mit abgewürgtem Intro. Entweder man spielt es ganz oder gar
nicht. Schlimm auch die lauten Passagen von Perfect Sense, wo der Ton
für mich ganz schwach war (es kam mir völlig übersteuert vor, daher
wundere ich mich, wenn ich die ganzen Rezensionen lese, das so viele vom
perfekten Sound reden - perfekt war DAS jedenfalls nicht). Leaving Beirut war auch gut, vor allem weil man diesmal die Comics verfolgen
konnte, die damals in Berlin wegen der Sonne kaum sichtbar waren.
Nunja der zweite Teil war halt Dark Side of the Moon. Nicht mein
Lieblingsalbum aber so ganz nett. Schade finde ich nach wie vor, dass in
der Dark-Side Tour bei Money das geniale "dreckige Solo" von Andy Fairweather-Low verschwunden ist. Auf der In-the-flesh DVD und auch in
concert damals war es eines der besten Soli. Große Enttäuschung war dann
Comfortably Numb mit dem für mich bis jetzt schlechtestem Solo. Das
klang einfach nicht gut. Da leg ich lieber In the Flesh oder Pulse rein, das ist
beides um Längen besser. Sorry, aber Dave Kilminster war für mich dort
einfach nicht Form.
Etwas tolles hatte das Konzert aber, um den kurzen
Bericht noch abzurunden: Ich war noch nie so nah an Roger dran ;) Wir
standen am rechten Bühnenarm und wenn Roger seine Ausflüge machte, stand
er manchmal keine zwei Meter von mir entfernt. War schon beeindruckend.
Aber ich muss sagen, der Mann ist alt geworden und man muss jede Chance
nutzen, ihn Live auf der Bühne zu erleben, so lange er noch Musik macht.
Auch wenn die Konzerte nicht unbedingt besser geworden sind, wie gerad'
erzählt, trotz allem ist es immer wieder ein bewegendes Erlebnis und ein
Stückchen Rockgeschichte...
Musikspektakel vom allerfeinsten.
von
H.-Joachim
Lingelbach
Noch ganz
unter dem Eindruck des Konzertes vom heutigen Abend einige erste
Eindrücke aus Sachsen. Als jahrelangen Floyd-Fan überzeugten
mich 2006 bereits Roger in Berlin und David in München mit ihren
Open Air Konzerten.

Fotos von
Heiko & H.-Joachim Lingelbach
Das erste mit
Spannung erwartete Konzert von Roger Waters in der Arena Leipzig
war aus meiner Sicht einfach super. Nach einem eher kühlen
Interview in der Leipziger Volkszeitung vom Montag lieferte der
Mitbegründer von Pink Floyd ein Musikspektakel vom allerfeinsten
ab.
Wie nicht
anders erwartet wurde der Zuhörer von lupenreinem Ton und einer
genialen Lasershow verwöhnt. Was soll ich große Worte machen, es
war einfach super und bin froh dabei gewesen zu sein! Bleibt dem
treuen Fan nur weiterhin zu hoffen, dass die Floyd-Herren sich
irgendwo auf dieser Welt vielleicht doch noch einmal gemeinsam
auf einer Bühne sehen!
Stilles Wasser auf der dunklen
Seite des Mondes.
Von Björn Urbansky,
Sächische Zeitung
Roger Waters’ Show in Leipzig wird Pink Floyd annähernd gerecht.
Stille Wasser sind tief: Davon kann Roger Waters ein Lied singen – oder
gar mehrere Alben. Das ehemalige Mitglied von Pink Floyd ist im
Vergleich zu wild gestikulierenden Publikumsanimateuren wie Mick Jagger
eine ruhigere Nummer. Wo der Sänger der Rolling Stones die Fans mit
Händen, Füßen und Mund antreibt, zupft der 63-jährige Waters elegant an
seinem Bass und lässt nebenbei eine geniale Bühnenshow ablaufen. Das
Dargebotene ist eher musikalisches Kino als Bewegungstherapie, wie das
Konzert am Mittwoch in der Arena Leipzig beweist.
Kurz nach 20 Uhr erscheint ein Radio im 60er-Jahre-Stil auf der
Leinwand. Davor eine Whiskyflasche, ein halb volles Glas und ein
dampfender Aschenbecher. Es läuft Rockmusik. Zehn Minuten später
schreckt plötzlich eine riesige Hand ins Bild und dreht am Regler. Der
neue Sender gefällt den rund 7500 Besuchern, und sie begrüßen Roger
Waters samt Band frenetisch.
Der Bassist schlendert im künstlichen Nebel auf die Bühne, legt dann
aber sofort los. Es folgt eine straffe und eindrucksvolle Zeitreise
durch die Geschichte von Pink Floyd und deren Alben. Waters wirkt
souverän, für sein Alter durchaus vital und begeisterungsfähig. Nur
reden mag er nicht. Die Überleitung zwischen den einzelnen Stücken
übernehmen Filmsequenzen auf den insgesamt drei Leinwänden. Wortlos
zieht er seine Show durch, erst kurz vor Ende des ersten Konzertteils
kündigt er selbst das Lied „Leaving Beirut“ an:
ein starkes Werk über den Irakkrieg. Dann ist erst mal Schluss.
Nach 15 Minuten strahlt ein riesiger Mond die Besucher an. Ein Satellit
fliegt von seiner dunklen Seite her in die Mitte des Bildes. Roger
Waters schickt sich an, das komplette „Dark Side of the Moon“-Album zu
spielen, dessen Texte alle aus seiner Feder stammen. Die nächsten 45
Minuten werden die faszinierendsten des Abends. Die Arena taucht in eine
düstere Atmosphäre: Krankes Irrengelächter, plötzliche Explosionen,
rasender Herzschlag, verzerrte Geräusche und aufratternde
Maschinenpistolen. Die Show ist perfekt inszeniert. Jeder Einspieler
sitzt, die Lichteffekte sind dezent, aber wirkungsvoll, und die Musik
tut ihr Übriges.
Auch wenn Pink Floyd nur zu einem Viertel auf der Bühne steht, gefühlt
ist es wesentlich mehr. Roger Waters gelingt es, die Stimmung der
gigantomanischen Floyd-Shows ansatzweise in die Arena zu holen:
Besprühte Schweine und Astronauten fliegen durch die Luft, die
Klangeffekte und Filme auf der Leinwand erfüllen ihre Wirkung. Selbst
die Akustik in der Konzerthalle ist super, kein Übersteuern zu spüren.
Fast drei Stunden dauert die Show. Beeindruckend. Stille Wasser können
sehr tief sein.
Info: Jens Burmeister