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19.04.2007 Roger Waters Hamburg Colour-Line Arena

It means a lot to us.

Das Waters-Konzert in der Hamburger Colorline Arena hat mir sehr sehr gut gefallen - schön zu sehen, nachdem das einzige Deutschland-Konzert im letzten Jahr in Berlin nicht unbedingt zu Waters besten Momenten gezählt werden konnte. Bericht von Henning Sigge, Fotos von Arne-Christian Sigge

Waters hat seine Dark Side of the Moon-Show kräftig überarbeitet und das hat der Sache gut getan: Das Lichtdesign ist jetzt sehr zurückhaltend aber präzise und effektvoll. Die Filme sind jetzt überwältigend und bilden eine schöne erzählerische Klammer für das ganze Set. Gut das der Lichtzaun hinter den Musikern verschwunden ist, ebenso wie die kreisförmige Traverse mit Lampen, (die wohl im letzten Jahr für den nötigen Floyd-Wiedererkennungswert sorgen sollte). Erstaunlich fand ich allerdings, dass die Anordnung und Art der neuen Beleuchtung fast exakt der On an Island Tour von Gilmour entsprachen - was einmal gut war, kann zweimal wohl nicht schlecht sein. Marc Brickman ist ein Meister seines Fachs und erzeugt mit einfachen Mitteln tolle Bühnenbilder: zum Beispiel einen Wald aus schlanken, weißen Lichtstelen bei CN (Erinnerte mich an eine ähnliche Sequenz im zweiten Teil von Echoes bei Gilmour 2006).

Zur Musik: die Band ist wesentlich besser eingespielt als im letzten Sommer, das ganze Team spielt sehr kompakt und druckvoll. Dave Kilminster hat seinen Platz in dieser Band gefunden. Aus dem Sax Solo bei Set the Controls ist ein Wechselspiel aus Ian Ritchies Sax und Jon Carins Keyboards geworden – sehr hübsch. Leaving Beirut ist jetzt Dank Andy Fairweather-Lows brachialen Gitarreneinlage zu einer brauchbaren, bluesigen Nummer gewachsen – also mehr neues Material bitte! Sheep ist für mich das Highlight im ersten Set, und jetzt knallt es einem so richtig um die Ohren: Es gibt neue „Kameraverschluss“-Effekte und wirklich Angst einflößendes Gejaule zu hören. Das rockige Outro wird von den beiden Gitarristen sehr gut gebracht – das spielt auch Gilmour selbst nicht besser (Auch wenn ich mich vom Meister gerne eines besseren belehren lasse ;-))

Dark Side war annährend perfekt dargeboten, Great Gig in the Sky war unheimlich schön gesungen (von Carol Kenyon) und der Knaller. Es ist toll in diesem Lied (und überhaupt im Dark Side-Set) Waters typisches Bassspiel wieder zu hören: teilweise klingt sein beschränktes, aber eben markantes Spiel wie auf Aufnahmen von 1973-75! Weitere Höhepunkte waren On the Run, Any Colour You Like und Brain Damage, Eclipse (letztere mit der verdammt coolen Laserpyramide). Nicht ganz so gut gefallen hat mir Us and Them, mit dem etwas übermotivierten Getrommel von Graham Broad im Refrain. Nichts zu spüren von Nick Masons lässigem, ökonomischem Spiel. Auch Money war gestern Abend nicht so mitreißend wie sonst schon mal gehört.

Am Schluss wurde es dann sehr laut. Das zweite Comfortably Numb Solo war leider nur passabel gespielt, neuerdings singt der Chor dabei kräftig mit, so dass ich am Ende in diesem im Überwältigungs-Soundbrei die beiden Gitarren kaum noch hören konnte. Ob Waters so verschleiern will, dass diesem Solo nur einer gerecht werden kann? ;-) Ansonsten war der Ton übrigens wie gewohnt perfekt

Waters war während der Show sehr um Kontaktaufnahme mit dem Publikum bemüht: Er lächelte und zeigte immer wieder ins Publikum, winkte fleißig vom Bühnenrand. Er schien noch mehr als sonst gerührt von der Begeisterung des Publikums, das schon im ersten Set fleißig Szeneapplaus und Standing Ovations spendete. Waters bedankte sich immer wieder ausgiebig („It means a lot to us“

Insgesamt eine sehr gute Vorstellung von Waters und eine runde Show. Meiner Meinung nach ist es nach dieser Tour aber Zeit wieder mit neuem Material und mehr Stoff von seinen Soloalben aufzutreten (wenn er das überhaupt noch vorhat), auch wenn das möglicherweise bedeutet, in kleineren Hallen zu spielen.

Änderungen in der Setlist sind wohl nicht mehr zu erwarten, schließlich ist Sie inzwischen im (sehr schönen) Tourbuch abgedruckt...

 

Fotos von Arne-Christian Sigge


Gestern Abend, das war richtig gut.

von Klaus Krah

Stoff für die Diskussion - pro - kontra - Waters -  Gilmour kann und werd ich nicht liefern ! Männer haben halt das Problem mit verletzten Eitelkeiten und nicht vorhandener Souveränität. Jeder von den beiden bringt uns Pink Floyd. Wir können ja froh sein, das Gilmour und Waters Konzerte geben.

Zum Konzert: Ich hatte das Glück in der Holsten - Loge zu sitzen mit phantastischem Blick auf Stage, nem frischen Holsten und meinem PF – Kollegen, Peter Kowalski mit dem ich reichlich Pink Floyd Konzerte, u. a. Venedig, Paris, Göteborg, London,  Gilmour, - Coverbands -  Australian PF, The Machine, Pulse in Trier, Echoes im Logo erlebt habe. Richtig freudig war ich überrascht, als ich die Tür zur Loge öffnete dort mir langzeit bekannte Geschäftsfreunde und Kunden erblickte. Das die allesamt auch mit dem – ich nenn es mal Pink Floyd – Virus verseucht sind, hab ich nie vermutet. Doch, Wolfgang Land – Markthalle Hamburg - mit Sohn, das wusste ich. Die beiden hab ich am 16.08.1994 zum Konzert in Hannover mitgenommen. Seitdem auch Pink Floyd – krank J

Das Gilmour nicht zu covern ist, war glaub ich jedem Besucher klar. Roger Waters und Band haben gestern eine Superleistung abgegeben. Ich bin dankbar dafür, dies miterlebt haben zu können. Wenn ich die Zeit habe, werd ich glatt mir am 01. Mai in Augustenborg das noch mal gönnen.


Hamburg war der Höhepunkt.

von Torsten Boye

Ich selbst habe inzwischen schon einige Pink-Floyd- (1987er Inkarnation), Roger-Waters- und David-Gilmour-Konzerte gesehen, aber jenes vom gestrigen Abend war für mich der Höhepunkt. Waters und die anderen tollen Musiker spielten mit einer wahnsinnigen, für jeden im Publikum sicht- und spürbaren Freude!
Dieser Funke sprang sehr schnell auf uns alle über und wir brachten die Color-Line-Arena mit unserem befreiend herausgeschrienen "We don't need no education, we don't need no thought control." beinahe zum Einsturz ...


Roger Waters in der Color-Line-Arena.
Fünf-Sterne-Klassiker statt aufgewärmter Revival-Happen

Von Lutz Wendler

Hamburg - Was ist das für ein Rock-Konzert, bei dem Fans im Anzug per Taxi vorfahren? Wo nebenan auf dem Parkplatz reichlich Pkw der gehobenen Mittelklasse stehen. Und die Generation 50plus aus Norddeutschland, Dänemark und sogar Osteuropa anreist, um sich an die "Happiest Days of Our Lives" zu erinnern - auf gepolsterten Stühlen in der Color-Line-Arena.

Die Antwort klingt paradox: Roger Waters' Programm "The Dark Side of the Moon - Live", das seit 2006 weltweit unterwegs ist und am Donnerstag in Hamburg Station machte, setzt als Rock-Konzert Maßstäbe, obwohl es eher an große Oper erinnert. Der Clou an der Sache ist, dass Waters sich der Klassizität
seiner Pink-Floyd-Songs bewusst ist und sie auf höchstmöglichem Niveau inszeniert. Was anders klingt und aussieht als bei Kollegen, die als Altherren-Band auftreten und routiniert ihr Best-of runterschrammeln. Oder bei einem chronisch schlecht gelaunten Alt-Barden, bei dessen Eigeninterpretationen das Publikum auf gute Tagesform hoffen muss.

Waters hingegen gelingt eine Gratwanderung: Sein Konzert ist über jeden Revival-Verdacht erhaben, aber er improvisiert auch nicht, sondern nimmt seine Songs als das, was sie sind: zeitlos nämlich. Und obwohl sein Programm, nicht zuletzt durch die Synchronisation der Musik mit Video- und Lasershow, kaum Spielraum für Spontaneität lässt und in Hamburg wohl nicht anders rüberkommt als in Buenos Aires, entsteht Emotion. Denn Waters hat das eigene Werk zu einer persönlichen Geschichte gemacht, mit der jeder etwas anfangen kann.

Das beginnt schon, bevor die Band die Bühne betritt, die zunächst ganz Fifties-Stillleben ist. Im Zentrum der Projektion steht ein Riesen-Röhrenradio. Irgendwann kommt eine Hand ins Bild und wechselt den Sender, von Vera Lynn zu Elvis, von Abba zu "My Funny Valentine", bevor "In the Flesh" von "The Wall" direkt ins Konzert hineinführt. Es folgt mit "Set the Controls for the Heart of the Sun", "Shine on You Crazy Diamond" und "Wish You Were Here" eine zärtliche Hommage an das 2006 gestorbene Pink-Floyd-Gründungsmitglied Syd Barrett. Danach die Erinnerung an den 1944 gefallenen Vater, die mit zwei Songs des anti-militaristischen Albums "Final Cut" übergeht in die Kritik des Irak-Krieges. Zu Comic-Bildern erzählt Waters die suggestiv-wirksame Story von "Leaving Beirut". Und zu "Sheep" von "Animals" fliegt ein propellergetriebenes Schwein mit Anti-Bush-Slogans durch die Arena.

Herzstück ist das komplett gespielte, der Tour den Titel gebende Album "The Dark Side of the Moon". Und hier gelingen der exzellenten Band - beispielsweise in Graham Broads perkussivem Einstieg zu "Time" oder im Gitarren-Jam von Dave Kilminster und Snowy White nach dem swingenden Mittelteil von "Money"
- Momente, bei denen man sich wünscht, dass sie nicht aufhören. Schließlich stellt der entspannt-freundliche Waters seine von Gitarrist Andy Fairweather-Low bis hin zur Backing-Vokalistin Katie Kissoon exzellent besetzte Band vor und startet die üppige "The Wall"-Zugabe mit "The Happiest Days of Our Lives"
- nach fast drei Stunden ist klar, dass es glückliche Tage ohne Haltbarkeitsdatum gibt.

Info: Torsten Boye

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Songliste:
01. In The Flesh
02. Mother
03. Set The Controls For The Heart Of The Sun
04. Shine On You Crazy Diamond Pt.1-5
05. Have A Cigar
06. Wish You Were Here
07. Southampton Dock
08. The Fletcher Memorial Home
09. Perfect Sense Pt.1
10. Perfect Sense Pt.2
11. Leaving Beirut
12. Sheep

 

13. Speak To Me
14. Breathe
15. On The Run
16. Time
17. Breathe Reprise
18. The Great Gig In The Sky
19. Money
20. Us And Them
21. Any Colour You Like
22. Brain Damage
23. Eclipse

 

24. The Happiest Days Of Our Lives
25. Another Brick In The Wall Pt.2
26. Vera
27. Bring The Boys Back Home
28. Comfortably Numb

 

Links:

Henning Sigge

Torsten Boye

Klaus Krah

Hamburger Abendblatt  

 

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