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Konzerte
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Pink Floyd
14.2.1981 Pink
Floyd Dortmund Westfalenhalle

The Wall die
Rockshow des Jahrhunderts!
Live miterlebt und
niedergeschrieben von Klaus
Schneider!
Mein Gott, 28 Jahre ist es her,
seit am Ende des
bestinszenierten Gigs der
Rockgeschichte in Dortmund an 7
Abenden hintereinander Pink
Floyd die Mauer einstürzten
lies.
Und
genauso alt war ich damals und
überglücklich, nach meinem durch
eine Verkettung von Zufällen
verhinderten Konzert der Animals
Tour nun doch meine
Lieblingsgruppe („Stars“ wäre zu
trivial und gleichermaßen
untertrieben) zu erleben. Lange
hatte es gedauert, bis es Marcel
Avram geschafft hatte, "The
Wall" auch nach Deutschland
zu holen. Gespannt verfolgte ich
seinerzeit den Stand der
Verhandlungen. Ich werde weniger
über die Musik selbst schreiben,
die kennt jeder Leser von
zahlreichen Bootlegs und auch
von der offiziellen
Veröffentlichung "Is There
Anybody Out There?" Auch das
Umfeld meines persönlichen Trips
werde ich aussparen und eher
aufzeigen, warum dieses
Happening in den Jahren 1980/81
so unerreichbar ist.
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Es gab wohl kaum ein Medium, bei
dem das „Spektakel“ nicht schon
Erwähnung fand. Natürlich hatte
ich die Berichte und auch
Pamphlete von den Auftritten in
Los Angeles, New York und London
schon gelesen. Sie reichen von
überschwänglicher Begeisterung
und Geheimniskrämerei ("Die
größte Show der Welt", "Pink
Floyd lassen die Puppen tanzen",
"absolutes Film- und Fotoverbot
- diese Fotos sind streng
geheim“, "Das war die Rockshow
des Jahrhunderts", "je 7 Tage
Auf- und 5 Tage Abbauzeit", "Roadcrew
von 240 Helfern“, 23
Sattelschlepper", "die Hälfte
der Riesenhallen wird für
Bühnentechnik genutzt",
"hydraulische Hebebühnen und
ferngesteuerte Kräne,
neuentwickelte
Hochleistungsprojektoren", "eine
Mauer aus 250 Steinen 14 m hoch
und 55 m breit“) aber auch
unqualifizierten und hämischen
Beiträgen ("Rockopas wollen mit
einem Technikspektakel den
Anschluß wieder finden", "Ein
Star rechnet mit seinen Lehrern
ab", "Bühnentechnik raubt jede
Bewegungsfreiheit und verhindert
Improvisation" und so weiter).
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Frank Elstner las die Saalwette
bei "Wetten dass" vor: "Ich
wette, dass ihr es nicht
schafft, die Musiker von Pink
Floyd hier auf die Bühne zu
holen." Der Wettkandidat
gewann natürlich, denn an diesem
Abend hatten sie wahrlich
besseres zu tun!
Erstmalig hatte die damalige
Bundesbahn Sonderzüge direkt zur
Westfalenhalle organisiert und
verkaufte gleich die
Eintrittskarten dazu. Wir, meine
Schwester und ich, reisten
allerdings individuell mit einem
normalen Zug zum 2. Dortmunder
Konzert am 14. Februar 1981. Und
aus dem ganzen westlichen Europa
waren Fans mit Bussen angereist.
In der Halle spürte man die
internationale Atmosphäre: Auf
einer riesigen Anzeigetafel
begrüßten Leuchtbuchstaben die
Gäste aus den Niederlanden,
Belgien, Dänemark, Frankreich,
Österreich und gar Fans, die mit
einer Sondermaschine aus Israel
gekommen waren. Erstaunt war ich
aber mehr, als ich auf dieser
Tafel las, dass auch eine Gruppe
mit Diskjockeys aus der DDR an
diesem Abend unter uns weilte.
Ich war sehr nervös und
angespannt wegen dem
bevorstehenden Ereignis, endlich
einmal auch Pink Floyd live zu
erleben. An der Hallendecke
hingen viele schwarze große
Fahnen mit dem Wall-Symbol der
gekreuzten Hämmer. Die Bühne war
nicht an einem Hallenende,
sondern die links und rechts
schon aufgebaute Mauer
durchtrennte die Halle etwa in
der Mitte. Dazwischen verdeckte
ein riesiger schwarzer Vorhang
die Bühne mit gigantischen
Ausmassen. Recht bescheiden
machte sich davor ein kleines
Schlagzeugset und ein einziges
Keyboard aus. Die Puppe „Pink
als Baby“ saß auf einer Treppe,
welche auf den Bühnenteil hinter
den Vorhang ging. In jeder Ecke
entdeckte ich sofort die Floyd
typischen Lautsprechertürme der
Quattroanlage, und unter der
hinteren Hallendecke wartete das
Jagdflugzeug auf seinen Einsatz.
Die Spannung stieg, als schon 30
Minuten vor dem offiziellen
Beginn von links ein Baby
schrie, von hinten ein Güterzug
angerollt kam, von rechts vorne
schnatternde Wildgänse über
unsere Köpfe flogen und hinter
dem Vorhang in immer kürzeren
Zeitabständen Nebelwolken
aufstiegen. Unser Platz in der
zum Glück vollkommen bestuhlten
Halle war hinten in der
Hallenmitte in Augenhöhe mit dem
oberen Mauerrand, so dass wir
alles gut im Blick hatten und
aus dieser Position auch schon
etwas von der kreisrunden
Leinwand sehen konnten.
Plötzlich wurde es dunkel und
das Publikum tobte. Ein Herr mit
schwarzem Anzug und Krawatte
betrat die Bühne und sagte in
deutscher Sprache, dass es nicht
gestattet sei, Bilder oder
Filmaufnahmen zu machen. „In
euren Köpfen wird es genug
Explosionen während der Show
geben.“ Der in das Konzept ganz
offensichtlich integrierte
Ansager steigerte die Spannung,
in dem er immer wieder hinter
den Vorhang schaute und sagte:
„Ich glaube, die Band ist bald
soweit“. Und noch während er
mehr oder weniger
bedeutungsvolle Texte von sich
gab, marschierten von rechts auf
die Bühne Pink Floyd. Nein, ich
wusste ja vom Programmheft, dass
es die Gastmusiker Andy Bown (bg),
Andy Roberts (guit), Willy
Wilson (dr), Peter Wood (key)
waren. Snowy White ging nach den
Konzerten in Los Angeles und New
York andere Verpflichtungen mit
Thin Lizzi ein. Während der
ersten Minute von „In The
Flesh“ stiegen 7 hohe
Feuerregensäulen auf, der
Vorhang fiel und gab den Blick
in das Dunkel der hinteren und
etwas höheren Bühne mit der
runden Leinwand frei. Huch,
David Gilmour mit ganz kurzen
Haaren? Ja, ein Blick ins dem
Nachbarn entrissene Opernglas
bestätigte dies. Etwas
gewöhnungsbedürftig, denn
seinerzeit hatten meinem Wissen
nach noch alle Rockmusiker lange
Haare. Absolut gigantisch der
Effekt, als am Ende des Openers
das Flugzeug durch die Halle
jagte und am der rechten oberen
Mauerteil zerschellte bzw.
einige Steine mitriss. Die erste
größere musikalische Abweichung
von der Studioversion war die
durch Synthesizer, Percussion
und Bass getragene instrumentale
Verlängerung von „Another
Brick In The Wall, Pt.1“.
Mein persönlicher optischer
Hochgenuß erschien während „The
Happiest Days Of Our Lives“,
in Form des einer Kiste
entsteigenden Teachers, der von
rechts anmarschiert kam. Es war
eine gigantische etwa 8 - 10
Meter hohe Marionette, die zu „Another
Brick In The Wall, Pt. 2“
dann bis zur Bühnenmitte kam,
aus den Augen funkelte und seine
langen Arme sowie den Kopf bis
über die beiden ersten Reihen im
Publikum streckte. Bei „Mother“
war schon deutlich zu sehen,
dass die Mauer „gewachsen“ war.
Zahlreiche, in schwarz
gekleidete und kaum zu
bemerkende Helfer, hatten bis
dahin schon ganze Arbeit
geleistet, aber immer einige
steinlose Rahmen mit eingebaut,
die den Blick auch auf Rick
Wright und Peter Wood weiter
ermöglichten. Genial waren auch
die beiden bemannten
Lichtgondeln, die sich
dreidimensional bewegen und
somit jeden gewünschten Winkel
der gigantischen Bühne
effektvoll ausleuchten konnten.
Die Show war in 3 Teile
konzipiert: Der erste Teil wurde
mit dem Einsetzen des letzten
Steins durch Roger Waters selbst
bei „Good Bye Cruel World“
beendet. In diesem Teil erlebten
wir die Riesenfiguren „Mother“
und „Young Lust“ und
natürlich das zusätzliche Stück
„What Shall We Do Now?
nach „Empty Spaces".
Unvorstellbar effektvoll war es,
als im linken Drittel der Mauer
bei "One Of My Turns"
plötzlich Steine verschwanden
(eine große Platte klappte nach
vorne und diente als Fußboden)
und Roger in einem Hotelzimmer
unter einer Stehlampe saß und TV
guckte. Dass Lampe und TV nicht
überleben ist ja auch schon auf
dem Album zu hören.
"There is nothing you can say to
make me change my mind - good
bye"!
25 Minuten Pause. "Hey You"
leitete den 2. Teil ein und
wurde hinter der blau
beleuchteten Mauer gespielt.
Irgendwie schade! Klar, passt
zur Story aber ungewohnt war es
schon. Nun, in diesem 2. Teil
waren zwischen "Is There
Anybody Out There?" und "The
Show Must Go On" von der
Gruppe nur Roger Waters und
David Gilmour zu sehen. Die
Mauer diente als riesige
Projektionsfläche für Dia- und
Filmeinspielungen von Gerald
Scarfe sowie Echtbildern.
Besondere Effekte waren, als
David nach "Is There Anybody Out
There?" in etwa 6 Metern über
dem Bühnenboden hinter 3 wieder
entfernten Steinen saß und
traumhaft schön die akustische
Gitarre spielte. Und natürlich
bei "Comfortably Numb", als
Roger als Arzt verkleidet unten
zu Pink "hinter der Mauer" sang
und David als Pink "weit weg"
ganz oben auf der Mauer seinen
Part sang und - von weißen Spots
von hinten beleuchtet - den
Gitarrenpart sehr laut spielte.
"The show must go on" am
Ende des 2. Teils war das 2.
Stück, bei welchem kein Musiker
zu sehen war; David sang es an
diesem Abend sehr schräg.
Der 3. und letzte Teil der
"Rockoper" oder des
"Rocktheaters" wurde nach einer
erneuten - diesmal verzerrten -
Ansage von "In The Flesh"
eingeleitet. Die beiden
Schlagzeugsets und die Keyboards
wurden Sekunden zuvor
hydraulisch von unten auf den
Bühnenteil vor der Mauer
gefahren und Schränke mit
Reglern, Monitorboxen und
Gitarrenständern von beiden
Bühnenenden angerollt. Nun waren
alle Bandmitglieder einheitlich
in schwarz gekleidet und trugen
irgendwo am Hemd oder T-Shirt
das Wall-Symbol. Roger hatte
seinen ledernen Uniformmantel
an. Mit den 4 Backing Vocalists,
welche auch schon auf dem Album
mitsangen, standen zeitweise 12
Musiker auf der Bühne.
Ein
weiterer optischer Höhepunkt
flog ganz unverhofft während dem
durch Roger angesagten "Run
Like Hell" ein: Die diesmal
schwarze Riesensau durchbrach am
linken oberen Rand die Mauer und
segelte über das Publikum -
einmal so tief, dass sie von
einem Fan stehend auf dem Stuhl
berührt werden konnte.
Bei "Stop" wurde die
Bühne geräumt und Roger blieb
bis zum Mauerfall nach "The
Trail" alleine auf der
Bühne. Mit einem Riesengetöse
brachen erst einige Steine aus
der Mauer bis diese dann
komplett in sich einstürzte.
Alles war noch in Staub bzw.
Trockeneisnebel gehüllt als nur
Roger, David, Rick und Nick -
wieder in normalen
Straßenklamotten - von rechts
auf die Bühne schritten, sich
kurz verbeugten und nach links
abmarschierten. Nach wenigen
Minuten kamen alle 12 im
Gänsemarsch von links nach
rechts und gaben "Outside The
Wall" zum Besten. Nick
spielte akustische Gitarre,
David Mandoline, Roger
Klarinette und Rick Akkordeon.
Das war's! Und auch wenn einige
nach der Standing Ovation
"Zugabe" brüllten - nichts hätte
nach diesem Spektakel dazu
gepasst.
Noch beim Rausgehen hörte ich
von einigen "The Wall war
sicherlich das letzte, was Floyd
auf die Bühne gebracht haben"
oder "Eine Steigerung ist
unmöglich; jetzt auf dem
Höhepunkt der Karriere gibt es
höchstens noch mal ein
Studioalbum - wenn überhaupt".
"Sie sind ja auch schon recht
alt." Frechheit - alle Floyds
waren damals jünger als ich
heute bin!
Wie die Jahre nur so dahinrasen:
"... And then one day you find
ten years have got behind you
..."
Von wegen nur 10 Jahre!
Im Rückblick nach den ganzen
Jahren und weiteren Gigs mit
Pink Floyd, David Gilmour und
Roger Waters muss ich sagen,
dass vom Gesamtkonzept und von
der Technik her "The Wall"
1980/81 bis heute unerreicht
ist. Das gilt auch 1990 für
Roger's Aufführung in Berlin.
Mag sein, dass da alles noch
etwas höher und breiter war -
aber der Teacher war einfach nur
groß und die "Mother" einfachst
auf einen Mauerteil gemalt.
Musikalisch - na ja. Besser war
allerdings, dass in Berlin
Michael Kamen ein richtiges
Orchester dirigierte und somit
nur die normalen Geräusche vom
Mischpult beigemischt werden
mussten. Okay, und dass "The
Trial" von schauspielernden
Sängern und singenden
Schauspielern dargeboten wurde.
Ich bin glücklich, dass ich Pink
Floyd noch in (meiner)
Umbesetzung erleben durfte (wer
war Syd Barrett?) und dennoch -
allen Unkenrufe zum Trotz -
Werke wie "Shine on", "Welcome
To The Machine" oder "Time" live
genießen konnte.
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