Furioser »The Wall Live« Auftakt in Toronto!

Foto: Martin Meier
Foto: Martin Meier

Ein furioser Auftakt für die bevorstehende Tour! Unsere hohen Erwartungen wurden mehr als übertroffen.

Bericht und Fotos von Martin Meier

Ankunft: Nach einer verspäteten Landung um 17 Uhr Ortszeit Toronto und einer Busfahrt durch den Berufsverkehr wurde die Zeit langsam knapp und das Nervenkostüm strapaziert, denn die Show beginnt bei Roger meistens pünktlich und außerdem hatten wir noch kein Bier getrunken (und das geht ja gar nicht!).

Das Abholen der Presale Tickets gestaltete sich problemlos und für vier große Bier kann man auch gerne mal 56 Dollar hinlegen. Zumal uns der Kopf am nächsten morgen davon überzeugen konnte, dass dies nicht wie angenommen halbe, sondern tatsächlich ganze Liter waren. Wir hatten Tickets für Block 106 im hinteren Rangbereich und obwohl wir erst der Meinung waren, dass wir lieber weiter vorne gesessen hätten, erwiesen sich unsere Plätze in Anbetracht der Größe der Bühne als recht gut.

Die Mauer war wie erwartet an den Seiten schon aufgebaut und während sich die Halle langsam füllte, lief im Hintergrund die American Recordings 4 von Johnny Cash. Das Konzert begann dann um 20:15 mit „In the Flesh“. Zu diesem Song hielten mehrere in schwarz gekleidete Soldaten große Fahnen mit den bekannten Hammersymbolen in der Hand und wurden mit einer Hebelbühne hochgefahren, während im Vordergrund Pyrotechnische Raketen abgefeuert wurden. Spätestens hier wurde uns klar, dass wir eine spektakuläre Show erleben würden.

Die Liedfolge des gesamten Konzertes hielt sich recht genau an die bekannte „Another Brick in the Wall“ Live CD. Die Akustik war evtl. aufgrund der Lage unserer Sitze nicht so zufriedenstellend. Die Musik war unserer Meinung nach zu leise und der Sound nicht immer hundertprozentig ausgewogen. Rogers Stimme war nicht immer im Vordergrund und die Instrumente waren teilweise nicht richtig aufeinander abgestimmt. Es gab Rückkopplungen und Verzerrungen. Jedoch ist das wahrscheinlich normal bei einer Premiere und außerdem wirkte das Bier bereits und daher war das jetzt mal nicht so schlimm auch wenn man bei Roger Waters immer ein bisschen pingeliger ist als bei anderen Bands.

Dave Kilminster machte wie gewohnt einen ordentlichen Job. Er coverte David Gilmours Gitarrenparts sehr gut, brachte aber darüber hinaus keine nennenswerten eigenen Akzente in sein Spiel. An dieser Stelle sei zum letzten Mal gesagt, dass David Gilmour natürlich nicht zu ersetzen ist. Weder stimmlich noch musikalisch. Jedoch wissen wir das ja jetzt alle und daher gehen wir darauf jetzt nicht weiter ein. Es war für uns schwierig herauszufinden, wer welchen Gesangspart übernahm, aber das überlassen wir auch gerne den anderen, da wir viel zu sehr von der gigantischen Bühne abgelenkt und begeistert waren.

Zu „Another Brick In The Wall“ kam der 25 köpfige Kinderchor auf die Bühne und sorgte für großen Applaus und Begeisterung. Die Kids sangen ihren Part, versammelten sich dann mit Roger vor der überdimensionalen Lehrermarionette, die sich rechts von der Bühne befand und zeigten mit der ganzen Hand auf die Puppe. Ein sehr gelungener Moment! Es wurde nun Zeit für den dritten Liter Bier…

Bei „Mother“ projizierte sich Roger selbst auf die gesamte Mauer und zwar mit einer Originalaufnahme des Stückes aus dem Earls Court Konzert von 1980. Zudem überblickte eine große ebenso überdimensionale Mutterfigur die linke Seite der Mauer welche überraschenderweise kaum wahrnehmbar geschlossen wurde. Uns faszinierte die Tatsache, dass jeder einzelne Stein erst dann angeleuchtet wurde, nachdem er vollständig in die Mauer eingesetzt wurde. (Toll was die neue Technik alles kann!) Die Mauer war gigantisch, die Projektionen sehr aufwendig und sicherlich nicht mit 1980 Vergleichbar. Die Projektionen fanden während des gesamten ersten und zweiten Teils statt und bildeten mit Pyrotechnik und der altbekannten runden Leinwand ein faszinierendes Gesamtbild, das selbst verwöhnte und von zuviel Technik abgestumpfte Menschen ins Staunen versetzen konnte.

Das Thema Krieg durchzog den Inhalt der Projektionen und machten Rogers Einstellung zu diesem Thema unmissverständlich klar („Big M(Br)other is watching you!). Bei „In The Flesh“ wurden die Köpfe der gefallenen Soldaten und sog. Freiheitskämpfer auf die Mauer projiziert und zum Schluss flog ein an einem Stahlseil befestigtes Flugzeug in die Mauer. Nach „Goodbye Cruel World“ und Vervollständigung der Mauer wurden wir in die Pause entlassen.

Der zweite Teil stand dem Ersten in nichts nach. Die Mauer sorgte für ein gewolltes Gefühl der Beklemmung und für eine Distanz zwischen Band und Publikum. Wir denken, dass diejenigen, die im hinteren Bereich der Halle waren, den zweiten Teil der Show besser genießen konnten, als diejenigen, die direkt vor der Mauer saßen. Auch hier sorgte die Kombination aus Musik, Projektion und Show (Roger im Wohnzimmer, Kilminster bei CN auf der Mauer etc.) für ein einzigartiges, spektakuläres Showerlebnis.

Der Einriss der Mauer wurde frenetisch bejubelt und bildete dann auch das Finale. Die Musiker verabschiedeten sich von ihren Fans uns wir glauben uns erinnern zu können, dass Roger sich persönlich von uns verabschiedet hatte um uns in Washington in vier Wochen wieder begrüßen zu dürfen. Oder war das nur Einbildung? Verdammtes Bier!!

Fazit: Ein furioser Auftakt für die bevorstehende Tour! Unsere hohen Erwartungen bzgl. der Show wurden mehr als übertroffen. Das Ausmaß und die Wirkung der Mauer, sowie die genialen kreativen Projektionen, die nicht viel mit denen der alten Shows gemeinsam hatten (Gerald Scarfe nur im ersten Teil, glauben wir…!) waren faszinierend und kurzweilig. Das Publikum war hell auf begeistert und sorgte für eine großartige Stimmung.

Wir denken, dass man diese Show nicht zu sehr mit den Originalkonzerten von 80/81 vergleichen sollte. Roger´s Gesang war weniger aggressiv und intoniert als damals und auch das Thema handelte weniger von Pink als mehr vom Krieg. Jedoch sind wir froh uns für insgesamt 5 Shows entschieden zu haben, da man sich dieses Konzert mehrmals angucken muss um wirklich alle Details aufnehmen zu können.

Wir wünschen allen Lesern der Pulse and Spirit Webseite ein großartiges Konzerterlebnis und viel Spaß bei den Roger Waters Festspielen rund um dem Globus. Genießt die bevorstehende Zeit, denn das wird es dann wohl gewesen sein mit den alten Shows.

Und trinkt nicht soviel Bier!

Mark und Martin.

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9 Antworten

  1. Martin Meier sagt:

    Hallo Werner,

    War ein sehr schöner Abend gestern !

    • Werner sagt:

      Servus Martin,
      du hattest mit eurem Bericht! Sorry, er befand sich auf meiner alten Seite!
      Es war sehr schön Dich, deine Frau, Mark und Friend (sorry mein Namensgedächtnis ist nicht besonders ausgeprägt!) nach so langer Zeit wieder zu sehen!!

      Hoffentlich können wir das irgendwo, irgendwann wiederholen!!!

  2. Olaf sagt:

    Lieber Martin (unbekannterweise),

    … »Es wurde nun Zeit für den dritten Liter Bier« … ich hoffe Mal die drei Liter standen brav neben Deinem Sitz und Du bist nicht ständig raus rein raus rein usw. und hast damit viele Leute bei diesem Erlebnis gestört.
    Was das angeht bin ich über die Wall-Konzerte echt dünnhäutig geworden.

    LG
    Olaf

    • Arne sagt:

      Hallo Werner,

      stimmt, das ist mir insbesondere am zweiten Abend in Berlin aufgefallen, als wir weiter hinten im Unterrang saßen und so einen besseren Überblick über das Publikum hatten. Unschön das Rumgerenne. :-( Auch toll die Leute die um 10 Minuten nach 20 Uhr (!!!) durch den Block stolpern und ihren Platz suchen, weil sie vorher noch keinen Blick in die Halle geworfen haben. Aber in der linken Hand ne Portion Pommes und in der rechten ein Bier. Sowas zeugt für mich von ungeheurer Respektlosigkeit gegenüber dem Künstler und den anderen Konzertbesuchern. Gut, dass die Band bei Hey You nicht sieht, wieviele Leute es nach der Pause nicht schaffen, trotz Ansage rechtzeitig wieder auf ihrem Platz zu sein.
      Viele von den »Rumstreunern«, die vermutlich keine echten Fans sind, trugen übrigens dabei die dreieckigen »Guest-Badges«. Bei so einer großen Band besteht ein nicht unerheblicher Teil des Publikums jeden Abend vermutlich aus nicht zahlenden Gästen, die die Show nicht wirklich interessiert… auch schade…

      • Werner sagt:

        Halle Arne und Olaf,

        mir geht es da nicht anders als euch. Ich hatte das Gefühl das es bei The Wall in London am schlimmsten war! Und noch schlimmer war es, als ich 1999 und 2000 in den USA bei Waters Shows gewesen bin! Unfassbar was die Leute alles in der Pause an Futter brauchten und zu ihren Plätzen trugen! Und sobald mal ein Song nicht nach Wish You Were Here, Money oder Another Brick klang, gingen sie wieder auf Einkaufstour!

        Kannst dich erinnern Arne? Wird vielleicht bei deinem USA Konzertabenteuern damals auch so gewesen sein!

        Martin und Mark sind aber beide 100% Floyd-Fans. Die rühren sich nicht vom Fleck wenn es Floydet!

      • Arne sagt:

        Hallo Werner,

        ja 1999 war auch ein »Kulturschock« für mich. Wir haben ja — unwissentlich — teilweise die gleichen Konzerte besucht. Henning und ich hatten noch die 98er Page& Plant Tour in Deutschland im Gedächnis. Anstehen vor der Halle, warten auf den Einlass, Sprint in die erste Reihe, Vorgruppen überstehen und den Platz nicht wieder hergeben bis das Saallicht nach der letzten Zugabe wieder angeht. Wir konnten es in den USA dann kaum fassen, dass sich die Leute bei einem längeren Solo aufmachten um einen Burger zu holen (Bier durfte man ja maximal zwei, da wurde man mit einem Bändchen »markiert«). Für mich war es unbegreiflich, dass Waters nach seinem 77er Trauma ein (Tour-)Comback in einem Land angeht, in dem sich das Publikum offensichtlich mehr für die Fressstände als die Musik interessiert…

  3. Martin Meier sagt:

    Hallo Werner,

    ja es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht dich wiederzusehen und es war wieder mal zu kurz…
    Könnte die ganze Zeit mit dir über Floyd klönen.
    Das nächste Mal schaffen wir das bestimmt noch besser :-)

    Ich habe das Konzert in München sehr genossen. obwohl so ein Vollpfosten vor uns versucht hat die ganze Show mit einer Videokamera mitzufilmen.

    Zum Glück kam nach einiger Zeit eine Dame von der Aufsicht und bat ihn mitzukommen.
    Er kam dann so nach ca.20 Minuten ohne Videokamera wieder.
    Zu dumm aber auch :-)

    @Arne und Olaf

    Ich habe die Show und andere Konzerte bereits oft in den USA gesehen und dort oftmals fassungslos miterleben müssen, wie einige Menschen losgegangen sind und dadurch über die Hälfte der Show verpasst haben.

    Nun denke ich mir, dass es bei den Amerikanern auch so ein bisschen an der Baseball und Football Einstellung liegt.
    Die sind aufgrund der vielen Spiel– und Werbeunterbrechungen gewohnt aufzustehen und sich ständig Nachschub zu holen.
    Zumindest kann ich mir dieses Verhalten so einigermaßen erklären.

    Ich hab mir im Laufe der letzten Konzerte wieder angewöhnt die Kreuzwanderungen nicht mehr zu beachten, da mich so etwas auch aufregt und sich mein Konzerterlebnis dadurch noch mehr verschlechtert.

    Irgendwie gab es die schon immer und die wird es auch immer geben!

    Vielen Dank für deinen Kommentar Werner !
    Wir versuchen während des Konzerts wirklich so selten wie möglich den Platz zu verlassen um nix von der Show zu verpassen.

    München war mein vorerst letztes The Wall Konzert. Schade!

    Gute Zeiten gehen halt immer so schnell vorbei.…

    Liebe Grüße

    Martin.

    • Olaf sagt:

      Hey Martin,

      dass die Amis da ansers ticken hab ich vor zwei Jahren auch mal am eigenen Leib erlebt, als ich mal die Aussie Floyds da gesehen hab. Das war mein erstes Erlebnis dieser Art und ich dachte nur das kann doch wohl nicht war sein. Und die Engländer scheinen denen nicht viel nachzustehen, auch da war ich sehr unangenehm berührt, wieviel Verkehr da während des Konzertes ist. Da sind wir bei uns daheim ja noch echt diszipliniert. Mir fällt in dem Moment ein, wie bei Gilmour in München 2006 die Ordner kurz nach Konzertbeginn einen besoffenen Fan weggebracht haben. Der bekam von Gilmour sogar ein »Tschüss« hinterhergerufen :-)

      Vielleicht sollte man sich tatsächlich vorher klar machen, dass vielleicht wieder einige einem vor der Nase herumlaufen, die zu Hause nichts zu Essen und Trinken bekommen oder gerne das fünffache dafür ausgeben oder einfach gerne mal hier und da ein paar Minuten vom Konzert verpassen. Ich probiere das das nächste Mal aus, ob ich mich dann weniger ärgere.
      Leider war Ddorf mein letztes Wall-Konzert. Dafür hab ichs aber zum Gilmour-Auftritt in London geschafft *juchuu* ;-)

      Spielt eigentlich einer ernsthaft mit dem Gedanken, einen Urlaub in Südamerika oder Down Under zu machen? Wenn ganz zufällig The Wall da gegeben wird?

  4. Marek sagt:

    Hallo zusammen,

    das mit dem ständigen Bier-und-Futter-holen nervt tatsächlich gewaltig; vor allem, wenn man — wie Martin (Neccropole vom Franziskus-Forum) und ich 2010 in Washington — direkt neben dem Blockaufgang sitzt und permanent jemand durch das »Bild« läuft.
    Die Steigerung, bereits 2007 bei der Dark-Side-Tour in London erlebt, sind die »Fans«, die das Konzert zu einer Tanzveranstaltung degradieren. Drei Figuren in Washington, bestückt mit jeweils zwei Bechern Bier, verstellten so den Blick auf die Bühne und waren, weder von mir, Martin noch anderen davon zu überzeugen, sich zu setzen. Schließlich hatten sie für ihr Ticket bezahlt (gut, wir zwar auch, aber wir könnten ja ebenfalls aufstehen). Das trübt das Konzerterlebnis schwerwiegender als diese Herumlatscher.

    Werner: Das Erlebnis 2007 in London, Barbican Hall — wenn ich richtig liege, der letzte Auftritt von Rick Wright — wird mir von allen Konzerterlebnissen das einprägendste sein.

    Gruß aus nach .

    Marek

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