Pink Floyds Schlepper. Der Engländer Simon Perks hat die Band Pink Floyd auf ihrer Weltkarriere begleitet. Jetzt wohnt er mit seiner Familie im toggenburgischen Dörflein Dicken.
22.10.2009: Seit ihn 1984 sein Nachbar ein gewisser David Gilmour anrief, den er bis dahin gar nicht wahrgenommen hatte, war Simon Perks bei jeder Pink Floyd oder Gilmour Tournee dabei. Hoffen wir darauf das Herrn Perks Telefon bald wieder läutet! Das Schweizer Tagblatt berichtete über den jetzt in der Schweiz lebenden Simon Perks.
Wenn David Gilmour wieder anrufe, grinst Perks, dann lasse er alles stehen und liegen! von Michael Hug Tagblatt
Bis er siebzehn war, lebte Simon Perks das viel zu normale Leben eines jungen englischen Hobbymusikers mit nicht gerade enthusiastischen Aussichten auf eine Weltkarriere. Einer hatte es zwar geschafft, aus dem Dörfchen Billinghurst heraus ein Star zu werden, er wurde Co-Leader einer Band, die bis heute rund 300 Millionen Tonträger verkauft hat: David Gilmour, Sänger und Gitarrist von Pink Floyd. Einen zweiten würde es wohl nicht geben, dachte sich der siebzehnjährige Schlagzeuger Perks. Den Weg auf die Bühne schaffte er trotzdem.
Anfangs schleppte er Kisten, Gitarren und Verstärker, ging mit Procol Harum, Roxy Music und Bad Company auf Tour, war derjenige, der vor und nach dem Konzert «Push this!» oder «Help me!» geheissen wurde. Bis eines Tages im Jahr 1984 David Gilmour anrief, der einstige Nachbar, der 15 Jahre älter war und von dem er eigentlich erst hörte, als der schon längst weltberühmt war, als zu «Dark Side Of The Moon» und «The Wall» auch in Billinghurst abgespaced wurde. «Also war ich plötzlich der Kistenschieber von Pink Floyd. Mein Leben zwischen Bühne und Tourbus ging da erst richtig los.»
Der Star und der Backliner wurden Freunde, und Gilmour nahm Perks seit 1984 auf jede Pink-Floyd-Tour mit. Es folgten grossartige Konzerte in Berlin (1988) vor dem Mauerfall, als rund 5000 Ostdeutsche dem Konzert auf der andern Seite der Mauer zuhörten, ohne irgendetwas von der Show zu sehen. Oder der denkwürdige Auftritt in Venedig 1989, der wegen einer eingebrochenen Bühne erst mal um eine Woche verschoben werden musste. Oder das grossartige und seither letzte Floyd-Konzert im Joggeli 1994. Da war Simon Perks bereits zum Stage Manager aufgestiegen und beschäftigte 70 sogenannte Stage Hands.
15 Jahre in Hotels
Wenn Gilmour mit Richard Wright und Nick Mason als Pink Floyd oder später unter seinem eigenen Namen auftrat, war Perks immer dabei: «Wenn David anrief, liess ich alles stehen und liegen. » Zwischen den Tournées baute sich Perks ein Geschäft für Instrumentenvermietung auf. Nach 15 Jahren Leben in Hotels in ganz Europa wurde er 1989 sesshaft. Geerdet haben ihn seine zweite Frau Andrea und seine vier Kinder. In Dicken bei Degersheim fand er ein altes Bauernhaus für seine Familie: «Die Menschen hier haben die selbe Art wie die in West Sussex.» Unlängst war er mit Gölä auf dessen Tattoo-Tournée: «Jetzt bin ich fünfundvierzig und geniesse das Nachhausekommen. Hier höre ich ein Bächlein rauschen und sonst gar nichts.»
Live 8
Doch wieder rief David Gilmour: 2005 zum Live-8-Konzert in London gemeinsam mit Floyd-Gründer Roger Waters, 2006 zur «On an Island»-Tour mit Floyd-Keyboarder Richard Wright und einem denkwürdigen Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall, die Gilmour trotz eines lebenslangen Hausverbots doch noch betreten durfte (1968 hatten Pink Floyd dort zwei echte Kanonen abgefeuert). Auf dem Abspann des DVD-Konzertmitschnitts in der Royal Albert Hall taucht auch der Name des Stage Managers auf: Simon Perks.
In Degersheim hat er vor kurzem einen Laden für Rockmusik-Instrumente eröffnet. Aber wenn David wieder anrufe, grinst Perks, dann lasse er alles stehen und liegen.
Info: Henning Holger





