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David Gilmour, Nick Mason und Rick Wright über The Division Bell Interview: Redbeard, In The Studio, 02/1994 Übersetzung: Werner Haider
Redbeard: Live from Miami Joe Robbie Stadium 30.3.1994. Ich begrüße alle, mein Name ist Redbeard. Guten Abend Nordamerika! Den Sound den man im Hintergrund hören kann (Sorrow) der stammt von Pink Floyd. 63.000 Fans sehen, hören und fühlen Pink Floyd, die erstmals seit 6 Jahren wieder auf US-Konzerttournee sind. In den nächsten 2 Stunden bringen wir die Weltpremiere von "The Division Bell" und Interviews von David Gilmour, Nick Mason und Rick Wright.
Cluster One heißt das Instrumentalstück das "The Division Bell" eröffnet. Vor kurzem sprach ich mit Mason, Gilmour und Wright über ihr neues Meisterwerk, das sich in eine Reihe anderer Meisterwerke wie "Dark Side of the Moon, "Wish you were here" oder "The Wall" einfügt. Ich fragte David Gilmour zuerst über den Albumnamen "The Division Bell". David Gilmour: Die "Division Bell" ist jene Glocke, die im "House of Parliament" in Westminster hängt. Weiters läutet sie in den Häusern der Parlamentsmitglieder um eine Sitzung im "House of Commons" einzuberufen. Die "Division Bell" ist eine Abstimmungsglocke. Alle Abstimmungsergebnisse werden durch sie angekündigt. Wir haben genau diese "Division Bell" in unserem Lied "High Hopes" verwendet.
Schlagzeuger Nick Mason weiß ganz genau, obwohl es 7 Jahre bis zum nächsten Streich gebraucht hat, das die Arbeiten an "The Division Bell" nicht 7 Jahre gedauert haben. Nick Mason: Es war ziemlich schwer, die Dinge wieder ins laufen zu bringen, denn jeder weiß, dass es dann ein Monsterprojekt mit einer irrsinnig langen Tournee werden wird. Darüber hinaus machen wir eine neue Platte, wenn wir eine neue Platte machen wollen, denn wir sind nicht vertraglich zu irgendwelchen Leistungen verpflichtet. So sehr wir uns es auch wünschen ein Album in nur zwei drei Monaten aufzunehmen, wissen wir, dass es mindestens ein Jahr dauern wird. Durch diesen langen Aufnahmeprozess verschwimmen auch die Grenzen. Was dir nach zwanzig Jahren radikal vorkommt, ist plötzlich ganz logisch und so sehe ich einen roten Faden der sich durch alle Pink Floyd Alben zieht. Aber das ist irgendwie klar, wenn mehr oder weniger dieselben Leute zusammenarbeiten. Klarerweise gibt es immer wieder Sprünge. Das aktuelle Album schließt eher an "Wish you were here" an, als die Alben danach.
Ist das ein Zufall das ihr solange zusammengearbeitet habt. Ich meine ihr habt alle persönliche "Ups & Downs" gehabt, habt gesehen wie eure Kinder herangewachsen sind, ihr habt gesehen wie Mauern errichtet und wieder eingerissen wurden. Nick Mason: Ja, die ganze europäische Geschichte ist an uns vorbeigezogen, während wir in den Aufnahmestudios saßen (lacht). Eine ganz neue Weltordnung ist entstanden. Der Grund warum, eine Band solange zusammenbleibt ist, dass jeder das Gefühl hat, dass man als Einzelperson nicht soviel erreicht wie als Gruppe. Wenn sie dieses Gefühl nicht haben dann steigen sie aus. So wie Roger es getan hat. Der für mich ist der interessantere Teil jedoch, wie eine Band zustande kommt, denn das scheint bloß eine Glücksache zu sein.
Das erste Stück das von der neuen Platte veröffentlicht wurde heißt "Keep Talking". Sogar David Gilmour hörte es heute zum ersten Mal im Radio. David Gilmour: Ich hörte es heute morgen das erste Mal im Radio, das erste Musikstück von dieser Platte. Es ist immer aufregend, wenn man ein Stück über das man alles weiß und an dem man monatelang gearbeitet hat zum ersten Mal im Radio hört. Man fragt sich, wie die Leute den Text aufnehmen, die Vocoder Stimme und solche Dinge. Man entdeckt plötzlich ganz neue Sachen in den eigenen Liedern.
Wer ist diese Stimme? David Gilmour: Es ist keine natürliche Stimme, es ist eine künstliche Stimme. Es ist die Stimme von Steven Hawking, jenem bekannten Wissenschaftler der das Buch "A Brief History of Time" geschrieben hat. Er ist an den Rollstuhl gefesselt und kann bloß durch einen Sprachsynthesizer, der extra für ihn entworfen wurde sprechen. Ich hörte seine Stimme in einer Werbung für eine britische Telefonfirma und setzte mich den Werbemachern in Verbindung. Wir bekamen die Tonbänder mit seiner Stimme, die wir in den Song einfügten. Ich arbeitete Monate herum mit dieser Stimme, solange bis das es einen Sinn bekam.
War das deine erste Bekanntschaft mit Stephen Hawking? David Gilmour: Nein nein, ich kannte ihn schon jahrelang. Er ist eine unglaublich bekannte Person. Sein Buch das sich mit schwarzen Löchern und so weiter auseinandersetzt ist eines der meistverkauften Bücher überhaupt. Er ist eine sehr erfolgreiche Person, aber er kann sich nicht bewegen und nicht sprechen.
Was weißt du über ihn persönlich? David Gilmour: Sie haben ihn dazu gebracht diese Werbung für das Telefon zu machen. Ich weiß auch gar nicht ob er den text selber verfasste. Im Fernsehen sah man ihn im Rollstuhl sitzend, er sieht eigenartig aus und ich fand es einfach so bewegend, das ich einfach etwas daraus machen musste. Mit ihm oder sonst etwas, man kann sagen, das es ein Thema gibt, das sich durch das Album zieht, Kommunikation und alle Lieder sind mit diesem Thema auf irgendeine Art und Weise verbunden.
Keyboarder Rick Wright fragte ich: Warum man sofort merkt das dieses Album ein klassisches Pink Floyd Album ist? Rick Wright: Möglicherweise weil ich viel mehr daran mitgewirkt habe. Auf dem "A Momentary Lapse of Reason" Album war ich nur mehr beim letzten Viertel der Produktion dabei und habe nur einige Hammondorgel Sachen eingespielt, oder sonst was. Nun aber war es etwas ganz anderes. Nick, Dave und ich waren von Beginn an involviert, im Britannia Row Studio, als wir spielten entstanden daraus die Titel. Es wurden die Prioritäten gesetzt wie z.B. Nick spielt sämtliche Schlagzeugteile, ich spiele alle Keyboards und Jon Carin wurde als Programmierer dazu geholt und deswegen werden die Fans dieses Album mehr mögen. ich denke es schließt an "Wish you were here" an, welches mein Lieblingsalbum ist.
Sag mir was für dich die Besonderheit von "Wish you were here" ausmacht und wo die Parallelen zu "The Division Bell" sind. Rick Wright: Das ist keine einfach Frage, sehr schwer zu beantworten. Es ist für mich einfach das Album das von Beginn bis zum Ende fließt. Die Songs gehen ineinander über und es ist ein wunderbares Gefühl. Und bei "The Division Bell" hatten wir die Absicht das Gruppengefühl zu reaktivieren, das bei "A Momentary Lapse" fehlte. Ich spielte auch nicht auf "The Final Cut", ich spiele auf dem "The Wall" Album, aber da war schon kein Bandgefühl mehr vorhanden. Wir wollten, und ich kann für Nick und David sprechen, das Gefühl, das wir bei "Dark Side of the Moon" und "Wish you were here" hatten reaktiveren.
Live einstieg ins Stadion während der Pause. "What do want from me?" ein Lied das sich wieder einmal mit dem Künstler / Publikum Verhältnis auseinandersetzt. Pink Floyds "The Division Bell", dieses Album wird nächsten Dienstag (5. April 1994) in deinem Plattengeschäft zu finden sein. Ich bin Redbeard und wir melden uns live von Pink Floyds Nordamerika Tourstart aus Miami. Es ist das Eröffnungskonzert, das erste von 58 Stadionkonzerten, zwischen heute und dem 18. Juli. Vor ein paar Minuten spielten Pink Floyd "Keep Talking" und jetzt gibt es eine kurze Pause. Noch ein paar Informationen: 200 Personen, 50 Lastwagen sind mit 700 Tonnen Stahl und 3 Bühnen kreuz und quer durch Amerika unterwegs. wenn ihr glaubt das ist Wahnsinn dann muss ich euch sagen, das ihr noch keinen einzigen Ton gehört habt. Weitere Daten und Infos folgen, doch machen wir jetzt weiter mit Mason, Gilmour und Wright.
Dave und ich sprachen über die Probleme die mit der Veröffentlichung von "A Momentary Lapse of Reason" einhergingen. Das erste Album ohne Gründungsmitglied Roger Waters. Roger war damals der aktivere und äußerte sich in Zeitungen und überall wurde davon gesprochen. Ihr seid damals zurückhaltender gewesen, weil ihr mitten in den Tourvorbereitungen gewesen seid. Über die Presse habt ihr praktisch miteinander kommuniziert. Aber eure Tournee war ein Reisenerfolg, 60 ausverkaufte Stadionkonzerte, und 4 Millionen verkaufte "Momentary" Alben in den USA. Als ich dich 9 Monate später wieder traf, am Ende dieser Tournee warst du zuversichtlich und sehr glücklich. David Gilmour: Zu zuversichtlich möglicherweise.
Was? Warum sagst du das. ist der Erfolg nicht das wichtigste? David Gilmour: Ja, aber ich weiß nicht wie sehr mich der Zuspruch befriedigt hat. damals mußte ich um meine Freiheit kämpfen, um das, das ich tun will, und ich habe auch nicht immer korrekt reagiert. Aufzustehen und die Zukunft von Pink Floyd ohne Roger zu sichern 1987, das war sehr anstrengend und jeder kann sich vorstellen, das dies keine leichte Aufgabe war. Alles hing von mir ab, die Last und Verantwortung trug ich auf meinen Schultern, das war nicht leicht und kostete sehr viel Kraft.
So habe ich dich noch nie über die Sache sprechen hören? David Gilmour: Nein, aber es war so und ich habe auch das Recht zu sagen das ich am Ende der letzten Tournee selbstsicher und Zufrieden gewesen bin. Jeder wäre es an meiner Stelle gewesen, nach unserem Schritt vorwärts, die Entstehung des Albums und die Tour waren einfach wunderbar.
Wann war die schwierigste Periode für diese Gruppe, der Punkt wo in dir Zweifel über die Zukunft von Pink Floyd aufkamen? Nick Mason: Für mich wahrscheinlich die Entstehung von "The Final Cut". Damals war in mir das Gefühl sehr stark, das wir keine Band mehr waren. Der ganze Aufnahmeprozess wurde eine Arena für persönliche Schaukämpfe. Roger wußte nicht mehr ob er in dieser Gruppe arbeiten wollte und die Spontaneität und Kreativität ging verloren. Und anstatt miteinander darüber zu reden, schwiegen wir. Wir hatten auch gar nicht mehr den Willen daran etwas zu verändern.
Ihr habt also aufgehört miteinander zu reden! Und hättest du dir vorstellen können, das im Januar 1993 du, David und Rick wieder zusammen als Band an einem Album arbeitet? Nick Mason: Nein, absolut nicht. Ich dachte wirklich das "The Final Cut" der Anfang vom Ende der Pink Floyd sei. Es ist sehr einfach zurückzuschauen, aber sehr schwer nach vorne zu sehen. Wir dachten die Rockmusik sei nur etwas für ein paar Jahre und danach sucht man sich einen ordentlichen Job. und dann kam es natürlich ganz anders. Aber da ist wirklich keine Garantie, dass die Menschen dich auch morgen noch mögen und deine Platten kaufen. Plötzlich kannst du weg sein, einen Schritt hinter dem Geschmack der Leute. das kann morgen schon sein. Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten die man für die Zukunft aufstellen kann und damals sah ich wirklich keinen Weg mehr wie wir ein neues Album aufnehmen sollen und wenn überhaupt dann würden viele Jahre vergehen bis es dazu käme. Und wenn wir eines gemacht hätten dann eher aus vertraglichen Gründen anstatt der Lust darauf.
Aus Miami melden wir uns mit der Weltpremiere ihres neuen Albums "The Division Bell". gerade hörten wir "Coming Back to Life" und live im Joe Robbie Stadion spielen Floyd vor 634.ooo Fans "Shine on you crazy Diamond" und das Saxofon das man gerade hörte spiel Dick Parry der Original Saxofonspieler von den "Dark Side of the Moon" und "Wish you were here" Alben. Wir haben jetzt sogar 2 Schweine gesehen, was ich noch erwähnen möchte, bis zum heutigen Tag haben Floyd für die 58 US-Konzerte 2.750.000 Karten verkauft. Und das überall in Rekordzeit! 110.00 karten für 2 Konzerte im New Yorker Yankee Stadium, 103.000 für 2 Shows in Oakland und ein drittes Konzert kommt jetzt dazu. 110.000 karten für zwei ausverkaufte Shows in Philadelphia und ja klar ein drittes kam dazu. 64.000 Karten in Pasadena, 68.000 in Cleveland, 57.000 in Columbus Ohio, 108.000 verkaufte Karten in Toronto für 2 Konzerte und 63.000 Menschen sind hier in Miami. Und es wären noch viel mehr gekommen, wenn es möglich gewesen wäre (Im Hintergrund hört man live das Ende von Shine on und den Anfang von Breathe).
Wenn ihr mit "The Division Bell" ein magisches Gefühl vermitteln wolltet dann ist euch das wirklich gelungen. David Gilmour: Ja, das ist es was wir versucht haben, ganz einfach Magie. Wir versuchen ein Gefühl zu vermitteln, das die Leute ein wenig bewegt. Ich persönlich hatte bereits viel Freude mit diesem Album. ich saß alleine zuhause und hörte das Album durch all seine Entwicklungsphasen, nur die Melodien, dann mit Text, den ganzen Prozess durch und ich sah die Entwicklung die wir machten. Vor ein paar Monaten hatte ich eine Kassette, etwas eine Stunde lang mit den meisten der Songs die jetzt auf dem Album zu hören sind. Und spät abends zuhause hörte ich sie mir an und ich muss wirklich sagen, dass mich die Songs sehr berührten. ich hatte einfach Freude mit den Aufnahmen. Dann bastelte wir herum, man versucht die Stücke sogar noch besser klingen zu lassen, sie noch mehr auf den Punkt zu bringen, mit mehr herz. Und wenn du das Werk abgibst, dann kannst du nur hoffen das die Freude und das Gefühl das man selber hatte auch andere spüren werden. Ich weiß es gibt nichts was jedem gefällt, aber da werden ein paar Menschen sein, die dasselbe empfinden werden wie ich und das bedeutet mir viel. Das Problem mit den platten machen ist, das man meist nachher auf Tour geht und dann bist du so beschäftigt mit der Tour, das du die Platte eigentlich nie wieder zu hören bekommst, Gott wie lange es diesmal dauern wird. Aber dann ein Jahr danach ist es sehr schön, wenn du das Album lange nicht mehr gehört hast und zuhause bei einem Glas Wein dir die Platte anhörst. Ja auf diesen Moment freue ich mich bereits, vielleicht Ende des Jahres.
Ist es nicht so, als ob du dein Kind das erste Mal in die Schule bringst. Wenn man solange sich mit der Entwicklung eines Werkes auseinandersetzt, dann ist der vergleich doch angebracht, oder? David Gilmour: Ja es ist so, du musst es loslassen. Und du denkst, na da wäre immer noch was zu verbessern gewesen. Man wünscht sich auch immer etwas mehr Zeit zur Fertigstellung. Ich meine jeder kennt so Geschichten. Neil Young ist ein gutes Beispiel. Ich kann mich erinnern, er veröffentlichte sein Album, stellte dann die Produktion wieder ein, überarbeitete alles wieder und brachte es wieder auf den Markt. Ich meine okay, soweit würde ich nicht gehen, aber du denkst immer, da wäre noch eine Kleinigkeit zu verbessern gewesen.
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