Sehr interessantes und
persönliches Interview im
aktuellen Panorama Magazin.
Gilmour erzählte von seinem
Treffen mit Brigitte Bardot, Amy
Winehouse kritischen Zustand,
den Teenager Morden in London,
Lech Walesa und von einer
Episode, als in den 70ern
Gilmour wegen einer Wette mit
Waters mit einer Harley in New
York in ein vollbesetztes
Restaurant durch die Scheibe
gefahren ist!
Man sagt alles hätte
mit Gitarrengezupfe am Strand
angefangen…
David Gilmour:
Ja, in Spanien und Südfrankreich.
Ich war 16 Jahre alt, meine Eltern
sind arbeitsbedingt nach Amerika
gezogen und ich hatte keinen
Sterling in der Tasche. Also haben
wir mit einer Gruppe Freunden
begonnen Europa mit dem Schlafsack
zu durchwandern. Zu jener Zeit
schien es mir, als wäre
Gitarrespielen in Badehose am Strand
eine einträgliche Arbeit.
Dann wurdet ihr bei
einem Club in Paris angestellt.
Der erste Vertrag
meines Lebens! Wir spielten nur am
Wochenende und am Montag war das
Geld schon fertig. Und wenn ich sage
fertig, meine ich keinen Roten
Heller. Es geschah auch, dass ich
für 3 Tage nichts gegessen habe und
am vierten Tag in Ohnmacht gefallen
bin und im Krankenhaus mit Flebo am
Arm aufgewacht bin.
Also haben Sie
beschlossen sich der Model-Karriere
hinzugeben.
Ich gebe es zu: Ich
habe das aus Überlebensgründen
getan. Auch wenn ich mehr eine
Schaufensterpuppe als Model war. Ich
war so steif, dass ich mich wie eine
Holzpuppe bewegt habe. Aber ich war
ein hübscher Junge und das hat
gereicht. Sie bezahlten gut und
schenkten mir Kleider, die ich aber
letztendlich nie getragen habe.
Nicht mal als Sie
versuchten Brigitte Bardot zu
erobern?
Sehen Sie, alles, was
ich getan habe war ihr ein paar Mal
zuzuzwinkern, während wir auf einer
Party in Paris spielten. Ich spielte
Gitarre und konnte nicht von der
Bühne. Sie hat mir zugelächelt und
ist dann aber mit einem Deutschen
abgehauen, der zwar überhaupt nicht
sexy war, aber eleganter als ich.
Einige Wochen später
haben Pink Floyd Sie gerufen und Ihr
Leben hat sich für immer verändert.
Ich sollte den
originalen Gitarrist, Syd Barrett,
unterstützen, der oft zu abgedreht
war um Platten aufzunehmen oder live
zu spielen. Aber wenig später wurde
es allen klar, dass sein Zustand
irreversibel war. Zu viele Drogen
und zu viele psychische Probleme
haben ihn für immer aus dem Spiel
gebracht. Leider. (…) Aber ich bitte
Sie: Schreiben Sie bloß nicht das
LSD hätte sein Hirn verbrannt.
Glauben Sie mir, Syd war eine extrem
labile Persönlichkeit. Die
chemischen Substanzen haben sein
psychisches Unbehagen einfach nur
verstärkt.
Glauben Sie das gilt
auch für Amy Winehouse?
Das Mädchen macht mir
Angst. Ihr Problem sind nicht so
sehr die Drogen, als viel mehr diese
absurde Überzeugung, dass man um ein
Künstler zu sein, auch ein totaler
Freak sein muss. Es ist genau das,
was sie ruiniert. Ich hoffe und
bete, dass sie eines Tages aufwacht
und sich eingesteht, was für eine
geniale Sängerin sie eigentlich ist.
Es ist nicht das Crack oder Kokain,
was sie einzigartig macht, sonder
ihre Stimme und ihr musikalisches
Talent.
Sie sagen, dass
Drogen die Kreativität nicht
erleichtern? Viele Ihrer Generation
behaupten allerdings, dass Drogen
fundamental sind um große Musik zu
schreiben und große Konzerte zu
geben.
Haltlose Theorien.
Niemand ist jemals ein besserer
Künstler geworden, weil er Drogen
genommen hat. Manchmal bist du unter
Drogeneinfluss und kannst das Gefühl
haben in einem außerordentlichen
kreativen Fluss zu sein. Aber es
nutzt dir nichts, denn am nächsten
Tag kannst du dich an nichts mehr
erinnern...
Welche Drogen haben
Sie genommen, als sie in den 70ern
in Arizona mit einem Motorrad durch
das Schaufenster eines vollbesetzten
Restaurants gefahren sind?
In diesem Fall haben
die Drogen gar nichts damit zu tun
gehabt. Es war eine Wette mit Roger
Waters. Ihm gefiel es mich mit
unmöglichen Herausforderungen zu
provozieren. Er hat gesagt:“ Siehst
du diesen Packen Dollars? Wenn du
mit dem Motorrad unter deinem
Hintern in das Restaurant fährst
gehören sie dir. Zeig mir dass du
ein wahrer Mann bist.“ Gesagt,
getan. Ich habe die Harley gestartet
und bin grade durch die Scheibe.
Wirklich eine schlechte Idee.
Haben die
Streitereien, welche Waters in den
80ern zum Verlassen der Band
gebracht haben da begonnen?
Nein, damals waren
wir noch in einem richtig
freundschaftlichen Klima. Sehen Sie,
über diese Geschichte wurde alles
geschrieben, aber selten hat es die
Realität getroffen. Wir waren uns
über nichts mehr einig. Es gab einen
wirklichen Konflikt über die Musik
und die Texte. Um nicht über
politische Einstellungen zu reden:
Seine Einstellungen waren zu sehr
links, auch für einen wie mich, der
sich selbst als Linker sieht. Er war
grundsätzlich gegen alle Kriege. Ein
kompromissloser Pazifist, der
aggressivste Pazifist, den ich je
kennengelernt habe. Es gab viele
Diskussionen, oft sinnlose. Wenn wir
zu jener Zeit trotzdem gute Musik
geschrieben hätten, wären wir nicht
auseinander gegangen. In Wahrheit
waren die Lieder an denen wir
arbeiteten aber mittelmäßig und
nicht auf der Höhe unserer
Reputation.
So, von einen Tag auf
den anderen, fanden Sie sich als
Kopf der Marke Pink Floyd, die
berühmteste Band der Welt, wieder.
Und wissen Sie wessen
Verdienst das war? Von Roger Waters.
Er schickte mir einen Brief, in dem
er mir ankündigte, er wolle Pink
Floyd verlassen: Ich habe die
Situation in die Hand genommen und
bin Mr. Pink Floyd geworden.
Wie habt Ihr es
geschafft trotz allem ein paar
Lieder bei Live8 aufzuführen?
Wir haben uns ein
paar mal am Telefon gehört und trotz
allem in einer sehr relaxten
Atmosphäre gearbeitet. Aber genau
diese Erfahrung hat mich überzeugt,
dass die Band wieder
zusammenzustellen und zu touren,
genau das ist, was ich nicht will.
Manchmal soll man geschlossene
Bücher nicht mehr aufmachen.
Stimmt es, dass vor
der Danzig Show, Lech Walesa, Sie
unbedingt treffen wollte?
Ja. Ich war aber auch
sehr neugierig jenen Mann
kennenzulernen, der am Fall der
Ostregime beteiligt war. Er hat mich
mit einem Wasserfall von Worten über
die internationale politische
Situation überfallen. Aber primär
hat er mich eine Unmenge an
Stamperln trinken lassen, und dass
ein Stunde vor der Pressekonferenz.
welche wir gemeinsam abhalten
sollten. Letztendlich habe ich dann
recht wenig gesagt, um einen
schlechten Eindruck zu vermeiden.
Warum ist, Ihrer
Meinung nach, Gordon Brown, so
unbeliebt bei seinen Bürgern?
Manchmal schafft er
es nicht den Sinn seiner Handlungen
zu erklären. Ich glaube aber, dass
am Grunde ein Defizit an Charisma
sein Problem ist. Ohne das kommt man
nicht weit: in der Musik, Politik
und im Leben.
Sie haben 7 eigene
Kinder und ein adoptiertes zwischen
6 und 32 Jahren. Haben sie keine
Angst sie in England aufwachsen zu
lassen, wo Teen-Gangs vergewaltigen,
schlagen und töten?
Ich bin besorgt, aber
ich will deshalb meinen Kindern
nicht im Weg stehen ein normales
Leben zu führen. Ich weiß, dass sie
riskieren in eine Schlägerei zu
geraten, wenn sie ins Pub oder in
die Disco gehen, aber ich habe nicht
vor sie deshalb hinter sicheren
Mauern einzusperren.
Wenn Sie nicht gerade
Mr. Pink Floyd sind, was macht David
Gilmour?
Alles, was Mr. Pink
Floyd nicht macht. Inklusive als
normaler Besucher mit meiner Frau
Konzerte ansehen. Ich liebe auch
Stunden in Supermärkten zu
verbringen. Ich bin ein Experte im
Einkauf von unnützen Dingen. Ich
tauche so tief in die Rolle eines
Hausmannes ein, dass ich vergesse
wer ich bin. Ich sagen Ihnen nicht
wie peinlich es ist, wenn mich
jemand um ein Autogramm bittet
während ich gerade Dosenbohnen oder
Zwiebeln aus den Regalen suche.
Herzlicher Dank für die Übersetzung
an: Oskar Giovanelli