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Mister Pink Floyd und seine früheren Leben!

Foto: David Gilmour poses aboard his studio boat the "Astoria" on the River Thames in London, on Wednesday, Aug. 13, 2008. (AP Photo/Joel Ryan)

"Ich tauche so tief in die Rolle eines Hausmannes ein, dass ich vergesse wer ich bin. Ich sagen Ihnen nicht wie peinlich es ist, wenn mich jemand um ein Autogramm bittet während ich gerade Dosenbohnen oder Zwiebeln aus den Regalen suche."

Interview: Panorama 10/2008

Übersetzung: Oskar Giovanelli

Foto: David Gilmour poses aboard his studio boat the "Astoria" on the River Thames in London, on Wednesday, Aug. 13, 2008. (AP Photo/Joel Ryan)

 

Sehr interessantes und persönliches Interview im aktuellen Panorama Magazin. Gilmour erzählte von seinem Treffen mit Brigitte Bardot, Amy Winehouse kritischen Zustand, den Teenager Morden in London, Lech Walesa und von einer Episode, als in den 70ern Gilmour wegen einer Wette mit Waters mit einer Harley in New York in ein vollbesetztes Restaurant durch die Scheibe gefahren ist!

 

Man sagt alles hätte mit Gitarrengezupfe am Strand angefangen…

David Gilmour: Ja, in Spanien und Südfrankreich. Ich war 16 Jahre alt, meine Eltern sind arbeitsbedingt nach Amerika gezogen und ich hatte keinen Sterling in der Tasche. Also haben wir mit einer Gruppe Freunden begonnen Europa mit dem Schlafsack zu durchwandern. Zu jener Zeit schien es mir, als wäre Gitarrespielen in Badehose am Strand eine einträgliche Arbeit.

 

Dann wurdet ihr bei einem Club in Paris angestellt.

Der erste Vertrag meines Lebens! Wir spielten nur am Wochenende und am Montag war das Geld schon fertig. Und wenn ich sage fertig, meine ich keinen Roten Heller. Es geschah auch, dass ich für 3 Tage nichts gegessen habe und am vierten Tag in Ohnmacht gefallen bin und im Krankenhaus mit Flebo am Arm aufgewacht bin.

 

Also haben Sie beschlossen sich der Model-Karriere hinzugeben.

Ich gebe es zu: Ich habe das aus Überlebensgründen getan. Auch wenn ich mehr eine Schaufensterpuppe als Model war. Ich war so steif, dass ich mich wie eine Holzpuppe bewegt habe. Aber ich war ein hübscher Junge und das hat gereicht. Sie bezahlten gut und schenkten mir Kleider, die ich aber letztendlich nie getragen habe.

 

Nicht mal als Sie versuchten Brigitte Bardot zu erobern?

Sehen Sie, alles, was ich getan habe war ihr ein paar Mal zuzuzwinkern, während wir auf einer Party in Paris spielten. Ich spielte Gitarre und konnte nicht von der Bühne. Sie hat mir zugelächelt und ist dann aber mit einem Deutschen abgehauen, der zwar überhaupt nicht sexy war, aber eleganter als ich.

 

Einige Wochen später haben Pink Floyd Sie gerufen und Ihr Leben hat sich für immer verändert.

Ich sollte den originalen Gitarrist, Syd Barrett, unterstützen, der oft zu abgedreht war um Platten aufzunehmen oder live zu spielen. Aber wenig später wurde es allen klar, dass sein Zustand irreversibel war. Zu viele Drogen und zu viele psychische Probleme haben ihn für immer aus dem Spiel gebracht. Leider. (…) Aber ich bitte Sie: Schreiben Sie bloß nicht das LSD hätte sein Hirn verbrannt. Glauben Sie mir, Syd war eine extrem labile Persönlichkeit. Die chemischen Substanzen haben sein psychisches Unbehagen einfach nur verstärkt.

 

Glauben Sie das gilt auch für Amy Winehouse?

Das Mädchen macht mir Angst. Ihr Problem sind nicht so sehr die Drogen, als viel mehr diese absurde Überzeugung, dass man um ein Künstler zu sein, auch ein totaler Freak sein muss. Es ist genau das, was sie ruiniert. Ich hoffe und bete, dass sie eines Tages aufwacht und sich eingesteht, was für eine geniale Sängerin sie eigentlich ist. Es ist nicht das Crack oder Kokain, was sie einzigartig macht, sonder ihre Stimme und ihr musikalisches Talent.

 

Sie sagen, dass Drogen die Kreativität nicht erleichtern? Viele Ihrer  Generation behaupten allerdings, dass Drogen fundamental sind um große Musik zu schreiben und große Konzerte zu geben. 

Haltlose Theorien. Niemand ist jemals ein besserer Künstler geworden, weil er Drogen genommen hat. Manchmal bist du unter Drogeneinfluss und kannst das Gefühl haben in einem außerordentlichen kreativen Fluss zu sein. Aber es nutzt dir nichts, denn am nächsten Tag kannst du dich an nichts mehr erinnern...

 

Welche Drogen haben Sie genommen, als sie in den 70ern in Arizona mit einem Motorrad durch das Schaufenster eines vollbesetzten Restaurants gefahren sind?

In diesem Fall haben die Drogen gar nichts damit zu tun gehabt. Es war eine Wette mit Roger Waters. Ihm gefiel es mich mit unmöglichen Herausforderungen zu provozieren. Er hat gesagt:“ Siehst du diesen Packen Dollars? Wenn du mit dem Motorrad unter deinem Hintern in das Restaurant fährst gehören sie dir. Zeig mir dass du ein wahrer Mann bist.“ Gesagt, getan. Ich habe die Harley gestartet und bin grade durch die Scheibe. Wirklich eine schlechte Idee.

 

Haben die Streitereien, welche Waters in den 80ern zum Verlassen der Band gebracht haben da begonnen?

Nein, damals waren wir noch in einem richtig freundschaftlichen Klima. Sehen Sie, über diese Geschichte wurde alles geschrieben, aber selten hat es die Realität getroffen. Wir waren uns über nichts mehr einig. Es gab einen wirklichen Konflikt über die Musik und die Texte. Um nicht über politische Einstellungen zu reden: Seine Einstellungen waren zu sehr links, auch für einen wie mich, der sich selbst als Linker sieht. Er war grundsätzlich gegen alle Kriege. Ein kompromissloser Pazifist, der aggressivste Pazifist, den ich je kennengelernt habe. Es gab viele Diskussionen, oft sinnlose. Wenn wir zu jener Zeit trotzdem gute Musik geschrieben hätten, wären wir nicht auseinander gegangen. In Wahrheit waren die Lieder an denen wir arbeiteten aber mittelmäßig und nicht auf der Höhe unserer Reputation.

 

So, von einen Tag auf den anderen, fanden Sie sich als Kopf der Marke Pink Floyd, die berühmteste Band der Welt, wieder.

Und wissen Sie wessen Verdienst das war? Von Roger Waters. Er schickte mir einen Brief, in dem er mir ankündigte, er wolle Pink Floyd verlassen: Ich habe die Situation in die Hand genommen und bin Mr. Pink Floyd geworden.

 

Wie habt Ihr es geschafft trotz allem ein paar Lieder bei Live8 aufzuführen?

Wir haben uns ein paar mal am Telefon gehört und trotz allem in einer sehr relaxten Atmosphäre gearbeitet. Aber genau diese Erfahrung hat mich überzeugt, dass die Band wieder zusammenzustellen und zu touren, genau das ist, was ich nicht will. Manchmal soll man geschlossene Bücher nicht mehr aufmachen. 

 

Stimmt es, dass vor der Danzig Show, Lech Walesa, Sie unbedingt treffen wollte?

Ja. Ich war aber auch sehr neugierig jenen Mann kennenzulernen, der am Fall der Ostregime beteiligt war. Er hat mich mit einem Wasserfall von Worten über die internationale politische Situation überfallen. Aber primär hat er mich eine Unmenge an Stamperln trinken lassen, und dass ein Stunde vor der Pressekonferenz. welche wir gemeinsam abhalten sollten. Letztendlich habe ich dann recht wenig gesagt, um einen schlechten Eindruck zu vermeiden.

 

Warum ist, Ihrer Meinung nach, Gordon Brown, so unbeliebt bei seinen Bürgern?

Manchmal schafft er es nicht den Sinn seiner Handlungen zu erklären. Ich glaube aber, dass am Grunde ein Defizit an Charisma sein Problem ist. Ohne das kommt man nicht weit: in der Musik, Politik und im Leben.

 

Sie haben 7 eigene Kinder und ein adoptiertes zwischen 6 und 32 Jahren. Haben sie keine Angst sie in England aufwachsen zu lassen, wo Teen-Gangs vergewaltigen, schlagen und töten?

Ich bin besorgt, aber ich will deshalb meinen Kindern nicht im Weg stehen ein normales Leben zu führen. Ich weiß, dass sie riskieren in eine Schlägerei zu geraten, wenn sie ins Pub oder in die Disco gehen, aber ich habe nicht vor sie deshalb hinter sicheren Mauern einzusperren.

 

Wenn Sie nicht gerade Mr. Pink Floyd sind, was macht David Gilmour?

Alles, was Mr. Pink Floyd nicht macht. Inklusive als normaler Besucher mit meiner Frau Konzerte ansehen. Ich liebe auch Stunden in Supermärkten zu verbringen. Ich bin ein Experte im Einkauf von unnützen Dingen. Ich tauche so tief in die Rolle eines Hausmannes ein, dass ich vergesse wer ich bin. Ich sagen Ihnen nicht wie peinlich es ist, wenn mich jemand um ein Autogramm bittet während ich gerade Dosenbohnen oder Zwiebeln aus den Regalen suche.

 

Herzlicher Dank für die Übersetzung an: Oskar Giovanelli