|
Vom Pop zur Oper 29.09.2005: Sächsische Zeitung, Interview: Marcel Anders Vom Pop zur Oper: Ein Dino wechselt das Genre Pop. Roger Waters hat die Oper „Ça Ira“ komponiert und denkt über eine gemeinsame Zukunft von Pink Floyd nach. Herr Waters, was hat Sie dazu veranlasst, eine Oper über die französische Revolution zu schreiben? Schließlich liegen die Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag schon 16 Jahre zurück.
ROGER WATERS:
Genauso lange arbeite ich schon daran. Wenn auch nicht am Stück, sondern
in kurzen Etappen. Ganz einfach, weil ich so viele andere Sachen um die
Ohren habe – und das ein unglaublich aufwändiges Projekt ist. Vor allem
für jemanden wie mich, der noch nie mit einem Orchester gearbeitet hat.
Das war schon etwas Besonderes. Und ich finde, die Thematik passt einfach
zur Zeit. Auch wir leben in einer Welt, in der die Mächtigen und Reichen
den Bogen überspannt haben, und es eigentlich Zeit für eine nette,
kleine Revolution wäre.
ROGER WATERS:
Es wäre wirklich höchste Zeit. Ich meine, wie viel Mist dürfen die noch
machen? Mit ihrer Kurzsichtigkeit und Ignoranz haben sie das globale
Gleichgewicht zwischen den Kulturen zerstört. Sie haben einen neuen
religiösen Krieg zwischen Ost und West ausgelöst und sind auch noch
stolz darauf. Und jetzt versuchen sie, das Ganze mit Propaganda und religiösem
Fundamentalismus zu rechtfertigen. Ich kann es nicht mehr hören.
ROGER WATERS:
Aber nur, weil dort meine Ex-Frau mit den Kindern wohnt und ich in ihrer Nähe
sein wollte. Ansonsten würde ich es dort nicht aushalten. Ich meine: 70
TV-Programme voller Propaganda – und nirgendwo ein einziges
Kricket-Spiel. Das ist eine harte Prüfung.
ROGER WATERS:
Das fiel mir auch nicht leicht, schließlich haben wir fast 20 Jahre kein
Wort miteinander gewechselt. Aber die Sache war mir so wichtig, dass ich
David (Gilmore, Pink-Floyd-Gitarrist, d. Red.) angerufen habe, und er war
sofort bereit mitzuziehen. Was soll ich sagen, es war einfach toll und hat
riesigen Spaß gemacht. Ich würde das gerne wiederholen.
ROGER WATERS:
Wer weiß. Ich war vor ein paar Tagen mit Nick Mason (dem Pink
Floyd-Drummer, d. Red.) essen, und dabei haben wir zufällig David
getroffen. Das war wirklich nett. Es scheint, als kämen wir plötzlich
wieder ganz gut miteinander aus. Und ich hätte schon Lust, wieder was mit
ihnen zu machen. Hey, wir waren ja keine wirklich schlechte Band, oder?
ROGER WATERS:
Stimmt. Ich arbeite an einer Broadway-Version von „The Wall“ und an
einer Live-Show mit dem Cirque Du Soleil. Dann ist da noch die
Live-Premiere von „Ça Ira“ am 17. November in Rom … ROGER WATERS: Und wie! Allein der Gedanke, dass ich ein 82-köpfiges Orchester vor Publikum dirigieren soll, treibt mir den Angstschweiß auf die Stirn. Aber gleichzeitig ist das eine riesige Herausforderung, auf die ich mich wahnsinnig freue. Info: Thomas Rumohr |