|
Rockmusik ist keine Atomphysik Kultur SPIEGEL 5/2006 |
|
|
29.04.2006 Kultur SPIEGEL (5/2006) Interview: Christoph Dallach. Der Schlagzeuger Nick Mason, 62, über Pomp bei Pink Floyd, den Vorteil eines langen Architekturstudiums und den Spaß am Punk.
Kulturspiegel:
Mit 17 hat man noch Träume. Erinnern Sie sich? NICK MASON: Ich zählte jeden Tag bis ich endlich meinen Führerschein bekam. Und ich beschloss, Architektur zu studieren, damit ich noch ein wenig weiter träumen konnte.
Was
hat Träumen mit Architektur zu tun? NICK MASON: Mehr als Sie denken. Ich glaube, wir hatten ein Gefühl dafür bekommen, wie man ausgefallene Ideen in die Realität umsetzen kann: etwa bei unseren aufwendigen Bühnenaufbauten. Aber ich glaube auch, wir ahnten oft, was nicht funktionieren würde. Dass wir drei etwas von Architektur verstanden war ein Vorteil. Sie sind der einzige Pink Floyd Musiker, der konstant dabei war. Hilft Humor den wahnwitzigen Alltag, einer enorm erfolgreichen Rockband durchzustehen? NICK MASON: Das könnte schon sein. Andererseits muss man gerade auch die Bedeutung unseres Erfolges relativieren. Sicher, die Musik von Pink Floyd mögen viele Leute sehr gern. Das ist toll. Aber trotzdem ist es nur Rockmusik. Keine Atomphysik, keine Weltpolitik. Es gibt viele verantwortungsvollere Jobs auf dieser Welt. Insgesamt ist es mit der Rockmusik so wie mit Hollywood: Wenn man erfolgreich ist, überwiegt das Schöne die Anstrengung bei weitem und man darf das alles auf keinen Fall ernt nehmen. So überlebt man. Bei Pink Floyd gab es langwierige erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Ihren Kollegen David Gilmour und Roger Waters. Mussten Sie sich für eine Seite entscheiden? NICK MASON: Letztendlich war das unvermeidlich. Wenn eine alte Ehe auseinanderbricht, ist es schwierig, sich richtig zu Verhalten. Auch, wenn man wie ich nicht direkt vom Streit betroffen ist. Ich war trotzdem gespalten: Was die drohenden Prozesse angeht war ich Daves Meinung. Auf der anderen Seite ist Roger einer meiner ältesten und liebsten Freunde. Eine sehr komplexe Situation. Auf dem Höhepunkt der Punk-Welle Ende der siebziger Jahre, als Johnny Rotten von den Sex Pistols ein „I hate Pink Floyd“ Tshirt trug, produzierten Sie ein Album der bekannten Punk Band „The Damned“. Wie kam das? NICK MASON: Das war ein lustiger Irrtum. Die Band hatte unseren Verleger angesprochen, weil sie eigentlich Syd Barrett, der schon lange nicht mehr war, engagieren wollten. Unser Verleger sagte: Syd wird nicht klappen, aber Nick könnte interessiert sein. So kamen wir zusammen, und ich hatte wirklich Spaß. Vier Songs mit The Damned aufzunehmen, als das Schlagzeug für Pink Floyd aufzubauen. Ich sagte immer: Jungs, wollen wir den Song nochmals überarbeiten? Sie antworteten immer: Nee, danke: reicht! Die unkomplizierte Herangehensweise der Punkrocker hat mich wohl auch beeinflusst. Ich denke, das Pink Floyd „Animals“ zeigte, das wir danach etwas schlanker produzierten. Gab es Parallelen zwischen Punk und dem psychedelischen Rock des schwingenden London, einer Szene, in der auch Pink Floyd groß wurden? NICK MASON: Ich finde schon. Es waren beides Versuche, etwas radikal Neues auszuprobieren. Und in beiden Fällen ist dabei aufregende Musik entstanden. Pink Floyd gehören zu den größten Marken der Rockgeschichte. Können Sie jemals in Ruhe einkaufen? NICK MASON: Klar. Ich kann die Londoner Oxford Street entlangschlendern, ohne behelligt zu werden. Da geht es mir immer noch wie einem Architekten. Auch deshalb kann ich es als vermeintlicher Rockstar gut aushalten. Info: Björn Gam |
![]() Scan von Björn Gam |