Musik mit mehr als einer Glühbirne. 

22. Oktober 2001 Kurier

"Another Brick In The Wall“, „Wish You Were Here“, „Money“. Seine Songs, in der Summe mehr als 135 Millionen Mal verkauft, kennen Pop-Fans weltweit, seinen Namen jedoch nur die wahren Musik-Insider: Roger Waters. Bis 1984 war der heute 57-jährige Mastermind, Sänger und Bassist der Sound-Tüftler Pink Floyd, dann wollte er die Band für beendet erklären. Doch er hatte die Rechnung ohne den Wirt, sprich David Gilmour gemacht. Der Floyd-Gitarrist zog seine Kollegen Nick Mason (Schlagzeug) und den von Waters bereits 1981 gefeuerten Keyboarder Rick Wright auf seine Seite und erhielt nach monatelangem Gerichts-Streit das Recht am Namen „Pink Floyd“ zugesprochen. Fortan spielten sie in Stadien, während Waters solo höchstens kleine Hallen füllte. Am 14. Juni 2002 kommt Waters mit dem Programm seiner aktuellen Live-CD „In The Flesh“ (ab 3. 12. auch auf DVD) nach Wiesen und will bei seinem Solo-Austro-Debüt zeigen, wer rechtmäßiger Verwalter des Pink-Floyd-Erbes ist. 

KURIER: Sie waren 17 Jahre lang nicht auf Europa-Tournee. 

ROGER WATERS: Bei meiner letzten US-Tournee 1987 musste ich direkt gegen die „neuen“ Pink Floyd antreten. Während die anderen die größten Fußball-Stadien ausverkauften, blieb bei mir das Publikum aus. Deshalb bin ich dann jahrelang nicht aufgetreten. 

Jetzt füllen Sie wieder größere Arenen. Wohl auch weil „die anderen“ seit 1994 nicht mehr auf Tour waren. 

ROGER WATERS: Ich denke nicht, dass Pink Floyd mich oder meine Live-Erfolge beeinflussen. Eine etwaige Floyd-Tournee könnte höchstens für die Promoter ein Problem sein, aber ich glaube, Gilmour und Co sind zu alt und zu müde für eine Fortsetzung ihrer Karriere. 

Wie Ihre Ex-Kollegen setzen auch Sie live auf Bombast pur. Würde Ihre Musik auch ohne visuelle Effekte auskommen? 

ROGER WATERS: Natürlich, denn meine Songs sind so aussagekräftig, dass ich auch mit nur einer einzelnen Glühbirne eine für mich und das Publikum befriedigende Show spielen könnte. Doch ich verwende die plakativen Bilder, um die Message zu verstärken. 

Ihr Kommentar zur neuen Pink-Floyd-Best-of „Echoes“? 

ROGER WATERS: Das ist eher David Gilmours Vorstellung von einem Pink-Floyd-Best-of als meine, aber den Fans wird das egal sein. Die kaufen ohnedies alles. 

Was war für Sie die beste Pink-Floyd-Periode? 

ROGER WATERS: „Dark Side Of The Moon“ und „The Wall“ sind unsere Meisterwerke. „Animals“ und „Wish You Were Here“ waren nicht so schlecht, und „The Final Cut“ war leider nicht so erfolgreich, wie es sich verdient hätte. 

An welchen neuen Projekten arbeiten Sie? 

ROGER WATERS: Seit Jahren arbeite ich an meiner Oper „Ca ira“. Ich hatte bereits 85 Minuten mit großem Orchester aufgenommen, doch dann fiel mir endlich der lange Zeit vermisste Rote Faden ein. Jetzt wird das Epos rund um Marie Antoinette und einen französischen Mönch wohl doch nicht im September 2002 seine Uraufführung finden. Zudem arbeite ich an einem Rock-Album. Zehn Songs rund um die Themen Liebe, Beziehung und Krieg habe ich bereits aufgenommen. Inspiriert wurde ich dazu übrigens von einem kroatischen Taxi-Fahrer in New York. Info 

Das Best-of-Album von Pink Floyd heißt „Echoes“ und ist ab 5. November erhältlich. 
(Kurier,
http://www2.kurier.at

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