David Gilmour über Pink Floyd: “Es ist Schluss”.

16.02.2006: Für gehörige Aufregung im Pink Floyd Fan Lager sorgte ein am 3.2.2006 in der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichtes Interview von David Gilmour. In diesem Interview spricht Gilmour erstmals von Pink Floyds Ende bzw. seinem Ausstieg: "Für mich ist es jetzt alleine umkomplizierter zu arbeiten."  

Natürlich muss dieses Interview bis auf weiteres mit Vorsicht betrachtet werden. Jedoch stimmt der Grundtenor mit den bekannten letzten Aussagen Gilmours überein. Auch seine schnelle Reaktion auf die kürzlich entstandenen Floyd-Konzert Gerüchte sprechen dafür. Man darf sich nichts vormachen aber welchen Anreiz könnte es für ihn haben noch einmal mit Pink Floyd ein Album bzw. eine Tour zu machen. Kein ausverkauftes Stadion oder finanzielles Tour-Angebot können Motivation sein. Es müßte schon ein künstlerische Ansatz sein der die vier Musiker bzw. Gilmour und Waters wieder zusammenbringt. Weshalb sollte Gilmour noch einmal mit Roger Waters in den Ring steigen, wenn er es unkomplizierter haben kann. Mit Live8 haben sie sich ihren Konflikt vom Herzen gespielt. Jetzt zu erwarten, das man wieder von vorne anfangen kann wäre verlogen. Es ist wie mit einer Ehe oder Beziehung die auseinander bricht. Es ist gut wenn die Gesprächsbasis bleibt aber man möchte auch nicht mehr enger Zusammensein. Oder wie Gilmour den Live8 auftritt aus seiner Sicht beschrieb: "Es war wie wenn man mit seiner Ex-Frau ins Bett geht." 

Ich bin mir nicht sicher ob er auch ein weiteres einmaliges Pink Floyd Konzert ausschließt. Wenn es stimmt, das er nicht mehr mit Floyd spielen wird dann werden wir sicherlich demnächst ein offizielles Wort dazu bekommen!   

Il requiem di David Gilmour "I Pink Floyd? Sono finiti"

3.2.2006 von GINO CASTALDO  

London. Schade für die Fans. Die Meldung ist offiziell. Der Name Pink Floyd hat sich aufgelöst, es ist das Ende. Die vier Stücke von Live 8 waren der letzte Akt. David Gilmour hat uns die Sache anvertraut, in einem Exklusivinterview für La Repubblica in London: "Die Band ... es ist vorbei." Wiedervereint, um schlechte Beziehungen zu überwinden und um Reue zu vermeiden.

David Gilmour: „Ich denke, für mich ist es genug. Ich bin 60. Ich habe keine Lust mehr so viel zu arbeiten. Pink Floyd waren ein wichtiger Teil in meinem Leben, ich hatte eine wunderbare Zeit, aber jetzt ist Schluss. Für mich ist es jetzt unkomplizierter alleine zu arbeiten.

David Gilmour: “Es geht nicht um Roger, auch ohne Ihm hätte ich keine Lust mehr als Pink Floyd weiter zu machen. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Als Pink Floyd zu arbeiten wäre heute für mich ein zu großer Aufwand. Wenn du als Pink Floyd unterwegs bist, ist alles riesig, die Erwartungen sind riesig, der Druck enorm. Man würde von uns erwarten,  dass wir als Pink Floyd 100 Konzerte machen. Aber mir geht es gut so. Es war fantastisch, aber jetzt habe ich keine Lust mehr“.

David Gilmour ist ein eleganter und gesetzter Herr. Er empfängt uns in einem prächtigen Hausboot, mit Namen "Astoria", verankert auf der Themse ca. 20 Kilometer im Westen von London. Ein kleines Paradies. Die Landschaft, die Geräusche scheinen von einer Pink Floyd CD zu kommen, das Wasser, das rinnt, majestätisch, die Schwäne, die im Hintergrund schwimmen, Ruderer, die mit den Booten vorbeiflitzen. Wir betreten ein perfektes kleines Aufnahmestudio. Auf dem Bildschirm des PC ist das Bild eines Neugeborenen. "Sie ist meine Tochter!"

Es ist kein Zufall, dass Ihr neues Album am 60. Geburtstag veröffentlicht wird?

DAVID GILMOUR: "Nein, es ist kein Zufall - es ist gewollt." 

Viele werden Schwierigkeiten haben, dieses von den Pink Floyd Platten zu unterscheiden. 

DAVID GILMOUR: "Nicht einmal ich verstehe den Unterschied, aber das macht nichts. Im Hintergrund die Stimme und der Gitarrist von Pink Floyd. Natürlich scheint es so, dass es eine Platte von Pink Floyd sei. Die Differenz ist aber klar in meinem Kopf und obwohl ich mich in der Gruppe immer sehr frei gefühlt habe, bleibt es doch eine gemeinsame Arbeit. Das ist halt intimer und persönlicher! Ich habe "On An Island" zum Großteil in meinem Haus aufgenommen und selber viele Instrumente gespielt, auch das Saxophon."

Um welche Insel handelt es sich bei Ihrer CD?

DAVID GILMOUR: "Die Insel ist nicht Lindos, wo ich ein Haus besitze, sondern eine griechische Insel namens Castellorizo, nach der auch der erste Titel des Albums benannt wurde. Sie liegt drei Meilen vor der türkischen Küste, und auf ihr wurde auch der Film "Mediterraneo" (ein wunderschöner italienischer Film von Salvatores, Dimitris Anmerkung :-)) gedreht. Weiterhin gibt es einen Song, der "On an Island" heißt, der von einem Abend mit Freunden auf dieser Insel handelt. Diese Insel ist sehr seltsam. Bis in die Zwanzigerjahre gehörte das Stück Küste vor der Türkei zu Griechenland. Seit dem Atatürk diese Küste der Türkei angegliedert hat, ist die Insel jedoch völlig isoliert, viele Leute sind weggegangen, sie ist fast wie ausgestorben, fast wie eine Geisterinsel. Das Stück handelt von Abfahrt, vom Verlassen. "On an Island" hat für einen Engländer, der auf einer Insel geboren wurde, außerdem eine besondere Bedeutung. Aber das ist vermutlich für jeden Menschen so.

Auf dieser Platte herrscht eine eigenartige Leidenschaft, eine einzigartige Schönheit. 

DAVID GILMOUR: "Ich hoffe es. Ich hoffe das die Musik durch Ihre Einfachheit mehr bedeuten kann. Es gibt Resonanzen darin. Im Grund, wenn man schreibt, versucht man, Stücke zu machen - das ist alles, aber auf einmal, im Laufe der Zeit kommen die Bedeutungen dazu. Es ist aber nicht gesagt, dass man es von Anfang an wüsste. Viele Texte hat meine Frau Polly geschrieben."

Ist es nicht schwierig, mit der eigenen Frau zu arbeiten?

DAVID GILMOUR: "In diesem Moment meines Lebens erscheint mir das ganz normal. Es gibt Probleme, das ist klar, aber der Gewinn ist mehr als die Schwierigkeiten. Einiges hat sie selbst geschrieben, wie "The Blue". Es ist perfekt, die Worte und die Musik sind zusammen geboren, so scheint es. Manchmal inspiriert sie die Musik und ein anderes Mal ist es, als versuche sie mein Kopf zu sein und mit meinen Augen zu sehen und zu verstehen was ich zu sagen versuche."

Warum haben Sie 20 Jahre für ein Soloalbum gewartet?

DAVID GILMOUR: "Na ja, ich hatte sehr viel zu tun. Ich habe zwei Platten mit den Pink Floyd gemacht. Ich habe mich frei gefühlt, das zu machen, was ich wollte ohne Einschränkungen und Zwänge. Dann habe ich wieder geheiratet, weitere Kinder und in meinem Alter ist man kein Workaholic. Ich bin nicht mehr so ehrgeizig wie früher. 

Im Titelsong sind die Chöre von Crosby & Nash. Es ist das erste Mal, das Sie mit ihnen zusammenarbeiten. Sind Sie schon lange Freunde?

DAVID GILMOUR: Ich kenn Graham Nash, seit er in den „Hollies“ war und durch Ihn habe ich David Crosby kennen gelernt, zwei fantastische Typen. Im Juni waren Sie bei einem Konzert in London und ich bin Backstage, um Sie zu begrüßen und habe Sie gefragt, ob sie bei einem Lied mitsingen würden. Sie haben sofort zugesagt und wenige Tage danach waren Sie bei mir zur Aufnahme.

Zurück zu Pink Floyd, warum haben Sie für Live 8 eine Ausnahme gemacht?

DAVID GILMOUR: ”Es gibt mehrere Gründe. Erstens ging es natürlich darum, die Sache zu unterstützen. Die zweite ist, dass zwischen mir und Roger sehr schlechte Verhältnisse herrschten, was Energieverschwendung ist und eine unangenehme Sache, die man da im Herzen mit sich herumschleppt. Darum hatten wir Lust, was zu machen und den ganzen Schrott hinter uns zu lassen. Das dritte Grund ist, dass ich es vielleicht bereut hätte, wenn ich es nicht gemacht hätte.“

Das war schön. Aber wie haben Sie diesen Augenblick erlebt?

DAVID GILMOUR: ”Anders als ihr alle. Ich hatte komplexe Gitarren-Partien zu spielen und musste singen. Ich hatte das Gefühl großer Verantwortung und habe zwei oder drei Wochen lang geprobt, darum habe ich mich sehr auf das konzentriert, was ich da zu machen hatte. Die Emotionen haben mich erst überwältigt, als alles vorbei war.“

Stimmt es das Syd Barrett im Studio war, als Sie das „Wish You Were Here“ Album aufnahmen“?

DAVID GILMOUR: „Absolut ja! Ich erinnere mich nicht, welches Stück wir Aufnahmen, nicht einmal, wer der erste war, der ihn erkannte und auch nicht was wir gesagt haben, aber es ist absolut wahr, Syd erschien aus dem Nichts in diesem Moment“

Haben Sie Ihn jemals wieder gesehen, seit damals?  

DAVID GILMOUR: „Niemals mehr.“

Wie ist das möglich? Haben Sie nicht den Wunsch verspürt, Ihn in Cambridge zu besuchen?  

DAVID GILMOUR: „Ja ich wollte, aber seine Familie ist überzeugt, dass Syd isoliert bleiben müsste. Aber es ist nicht gesagt, dass es nicht passieren könnte, früher oder später.“

Wie möchten Sie, dass die Leute auf Ihre neue CD reagieren?

DAVID GILMOUR: "Ich würde mir wünschen, dass jeder, der diese CD hört, aus seiner eigenen Zeit in einen Raum befördert wird, in dem nichts als Musik existiert. Es wäre schön, wenn die Musik auf der CD nicht nur an der Oberfläche bleiben würde, sondern in die Tiefe ginge. Ich möchte nicht als Hintergrundmusik gehört werden, sondern würde mir wünschen, dass meine Musik das Wichtigste ist, zumindest im Moment des Hörens." 

Ende

Information & Übersetzung: Dimitri Gagliano, Erni Lang

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