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Totales Schweigen oder Krieg. |
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DAVID GILMOUR: Das war ganz schön, aber nicht der
Höhepunkt. Mr. Havel ist ein sehr freundlicher Mann, und die meisten
Menschen, die mit ihm arbeiten, scheinen Musiker oder Musikkritiker zu
sein. DAVID GILMOUR: Nein, das fände ich ein bißchen
aufdringlich. Ich muß aber sagen, daß er Dinge plant, die mir
Kopfzerbrechen bereiten. Er will den Kapitalismus einführen, und
manchmal ist er dabei zu sorglos. Als er erzählte, wie gern er ein paar
Wolkenkratzer sehen würde, wenn er aus dem Palastfenster schaut, hat
mich der Horror gepackt. DAVID GILMOUR: Ich mag sie nicht besonders. Vier bis
fünf Stockwerke sind in Ordnung, aber bei mehr fange ich an, mich unwohl
zu fühlen. DAVID GILMOUR: Ich betrachte mich als Linker, aber
nicht so links, daß ich gegen Geld wäre. Ich bin kein radikaler
Antikapitalist. Ich verdiene ganz gern ein wenig Geld. DAVID GILMOUR: Die Menge Geld, die wir verdienen,
betrachte ich als obszön. DAVID GILMOUR: Oft. Und dann versuche ich die Fassung
wiederzugewinnen, indem ich aufstehe und einfach ein paar Schecks für
wohltätige Zwecke ausschreibe. DAVID GILMOUR: Die Summe. Obwohl, wenn man es mit dem
vergleicht, was irgendwelche Bosse irgendwelcher Konzerne verdienen,
dann meine ich schon, daß mir meine Millionen eher zustehen als denen.
Ich habe schließlich der Welt mehr Freude bereitet als Unilever. DAVID GILMOUR: Mich interessieren diese langweiligen
Zahlen nicht. Vor einer Tour setzen wir uns zusammen, und ich sage: Ich
will Laser, ich will Quadrophonie, ich will das und das. Und am Ende
sagt jemand: Sehr schön, das sind 700 Tonnen an Ausrüstung. Das kostet
viel Geld. Ich hätte es auch gern billiger. DAVID GILMOUR: Wir ahnten sehr früh, daß Ruhm einem
Gefängnis gleicht. Außerdem war keiner von uns ein strahlender Zauberer.
Mit uns vier Burschen allein auf der Bühne hätten sich die Leute schnell
gelangweilt. Deshalb machten wir Pink Floyd zu einem Multi-Media-Event .
. . DAVID GILMOUR: Letztes Jahr spielte das Schwein keine
so große Rolle, aber die Leute mögen es, und deswegen haben wir es
wieder rausgelassen. Ohne das Schwein hätten wir wahrscheinlich kein
einziges Ticket verkauft. DAVID GILMOUR: Das Projekt mit der Mauer war eine Idee
von Roger Waters, und der hat sie mitgenommen, als er Pink Floyd Mitte
der achtziger Jahre verließ. Ich selbst hatte nie echte Probleme mit dem
Publikum. DAVID GILMOUR: In diesem Song ging es um das
autoritäre englische Schulsystem unserer Jugend, von dem ich hoffe, daß
es heute ausgestorben ist. Aber Sie haben schon recht: "We don't need no
Education" heute zu singen ist nicht besonders relevant. DAVID GILMOUR: Der Song wurde auch von schwarzen
Schulkindern in Südafrika gesungen und prompt von der Regierung
verboten. Aber auf Ihrer Startbahn West, da sehe ich nicht ganz die
Relevanz. Die Leute hätten lieber singen sollen: "We don't need no
Aeroplanes." DAVID GILMOUR: Roger Waters sagte, es handle sich um
ein Werk gegen Stadion-Rock - aber, wissen Sie, als er "The Wall"
schrieb, hatte er schon sechs, sieben Jahre in diesen Stadien gespielt
und sich eigentlich nie darüber beklagt. "The Wall" war Rogers Story,
und ihm ging es dabei um ein universelles Symbol. Die Mauern, die
Menschen umgeben. Mauern zwischen sich und den Eltern. Mauern zwischen
sich und der Umwelt. Mauern zwischen der Rockband und dem Publikum. Die
große Entfremdung. DAVID GILMOUR: Ich fühlte mich als Teil einer
wunderbaren Show. Bis auf den Moment, als das Ding zusammenkrachte, da
bekam ich Angst, richtige Angst, auch wenn ich durch einen Stahlkäfig
vor den herunterstürzenden Trümmern beschützt wurde. DAVID GILMOUR: Wir haben uns einmal vorgenommen,
andere Musiker hinauszuschicken und die unsere Arbeit tun zu lassen.
Aber das blieb nur ein Witz. DAVID GILMOUR: Ja, die Art, wie wir unsere Musik
spielen, macht uns dann doch so schnell keiner nach. DAVID GILMOUR: Ach, der gute alte Roger. Er hat ja "The
Wall" in Berlin nachgespielt. Klang das wie Pink Floyd? Nein, es klang
schrecklich. DAVID GILMOUR: Pink Floyd ist keine Riesenfirma. Mehr
ein Handwerksbetrieb, mit sehr wenigen Leuten, die wirklich etwas
mitzureden haben. Von der Musik bis zur Visualisierung machen wir alles
selbst, und wenn es dann fertig ist, geben wir das Ganze an die
Plattenfirma und sagen: "Verkauft es." DAVID GILMOUR: Wir haben Ideen beigesteuert. Meine war
zum Beispiel, den umweltverträglichsten Motor zu nehmen, den VW bislang
entwickelt hat. DAVID GILMOUR: Ja, aber es ist noch nicht gekommen:
Man hat wohl vergessen, es mir zu schicken. DAVID GILMOUR: Nicht wirklich, diese ganze
Volkswagen-Geschichte hat mir ein sehr schlechtes Gewissen gemacht. Ich
habe das Geld gespendet. Jetzt geht es mir besser. DAVID GILMOUR: Ich bitte Sie, seien Sie realistisch.
Aus welchen Gründen auch immer diese Schäden am Dogenpalast entstanden,
es war nicht unsere Schuld. Das Feuerwerk, das jedes Jahr genau über der
Stadt stattfindet, ist viel lauter. DAVID GILMOUR: Nach Bob Dylan glaubten wir alle, mit
Pop-Musik die Welt verändern zu können, sie besser machen zu können. Und
was ist daraus geworden? Nicht sehr viel. Die menschliche Natur ist eine
sture Angelegenheit. Wenn sich etwas ändern soll, zum Beispiel beim
Abbau rassistischer Vorurteile, dann dauert das mindestens drei
Generationen. DAVID GILMOUR: Johnny Rotten hat mir später einmal
gesagt, daß er einige unserer Platten eigentlich ganz gern mochte. Aber,
na klar, wir waren ein gutes Ziel, sonst hätte der Mann ja ein T-Shirt
der Gruppe "Yes" zerrissen und seinen Haß drübergemalt. Es war für uns
eine Ehre. DAVID GILMOUR: Wir waren aufsässige Jungs, die das
Establishment nicht mochten und ihre Instrumente nicht beherrschten. DAVID GILMOUR: In London, ja. Die Leute waren voll mit
Drogen, und sie haben alles mitgemacht. Eine Stunde Gitarrenfeedback -
kein Problem, das haben sie geliebt. DAVID GILMOUR: Außerhalb von London warfen die Leute
mit Flaschen nach uns oder verließen das Konzert. DAVID GILMOUR: An einem guten Abend 20 Minuten. DAVID GILMOUR: Ein paar Mal, aber LSD war wirklich
nicht unser Ding, schließlich hatte der Mann, für den ich einsprang, Syd
Barrett, von LSD und ähnlichen Drogen einen echten Schaden bekommen. Er
war nicht mehr zu gebrauchen. Ich habe ihn seit 20 Jahren nicht mehr
gesehen. Er lebt in einem Haus in Cambridge, geht einkaufen und wäscht
seine Kleider im Waschsalon. Das ist aber auch schon alles, was er noch
machen kann. DAVID GILMOUR: Ich finde sie beide ziemlich furchtbar.
Na ja, vielleicht ist die Live-Seite von "Ummagumma" ganz in Ordnung,
aber auch die ist nicht gut aufgenommen. DAVID GILMOUR: Was ist der Unterschied? Es war beides.
Es ist schön, wenn andere Leute für einen arbeiten; es ist schön, eine
Menge Platten zu verkaufen. Aber es ist nicht schön, wenn man
musikalisch nichts Neues mehr ausprobieren darf, um die Fans nicht zu
verstören. DAVID GILMOUR: Er war unser Kopf. Roger ist ein
großartiger Texter, aber als Musiker ist er nicht ganz so großartig. Ich
denke, ich bin der bessere Musiker und ich schreibe die bessere Musik.
Roger aber glaubte auf einmal, er sei der bessere Musiker. DAVID GILMOUR: Wir sollten bloß noch ausführen, was er
befahl. DAVID GILMOUR: Manchmal fuhr ich vom Studio nach Hause
und brüllte und fluchte, obwohl ich ganz allein im Wagen saß. Roger war
schuld. Er wollte meine Musik nicht, und er wollte meine Ideen nicht,
und deshalb sagte ich: Fein, wenn meine Ideen hier nichts zählen, dann
streich' auch meinen Namen vom Albumcover; aber mein Geld für die DAVID GILMOUR: Hatte er nicht dieses schöne, teure,
große Haus auf dem Land, in dem er "The Wall" schrieb? Ein Haus mit
jeder Menge Land drum rum, so ziemlich das beste, was es in England
gibt? Aber er mußte ja den leidenden Künstler spielen! Wie soll man
einen solchen Menschen verstehen? DAVID GILMOUR: Es gab nur einen Psychopathen und drei
Normale. DAVID GILMOUR: Natürlich ist das einer der Gründe.
Roger wollte Pink Floyd für tot erklären. Aber soll ich aufhören, nur
weil ein anderer keine Lust mehr hat? Ich sah es nicht so, sorry, und
ich sehe es auch heute nicht so. Ich meine, es ist meine Karriere. Ich
bin zu dieser Band gestoßen mit 23, und ich habe einen großen Teil
meines Lebens in ihr verbracht. DAVID GILMOUR: Mit 40 ist eine Band etwas anderes. Als
Teenager hat man kein Haus, keine Familie, keinen Ort, wo man hingehört;
und meistens noch nicht mal eine Bühne, auf der man spielen kann. Wir
kommen heute gut miteinander aus, wie Kompagnons eben, die seit langer
Zeit zusammenarbeiten. DAVID GILMOUR: Ich gehöre tatsächlich nicht dazu. DAVID GILMOUR: Allerdings. |