Meine Kinder finden die Musik gar nicht übel.

03.04.2006: David Gilmour: Die Legende von Pink Floyd ist nun solistisch unterwegs. NEWS-Interview mit einem Großen der Gitarrenmusik. 

Interview von David Gilmour im österreichischen Wochenmagazin NEWS. 23. März 2006 von Claudia Augustin, Dormund.

Blauer Nebel hüllt die Bühne des Dortmunder Konzerthauses ein. Applaus tost, schrille Pfiffe bohren sich durch das Trommelfell. Die Jubelschreie legen sich erst, als David Gilmour die mit Verstärkern, Verzerrern und weiteren Effektgeräten voll gerammelte Bühne betritt. keine Frage, der sechzigjährige Gitarrist und Sänger von Pink Floyd ist einer der wenigen verbliebenen Kapazunder im Musikgeschäft. Und obwohl er darauf wert legt, gerade solistisch unterwegs zu sein, stehen neben ihm der Keyboarder Richard Wright und der Saxofonist Dick Parry auf der Bühne: zwei langjährige Kumpane der Pink-Floyd-Ära.

16 Termine umfasst die aktuelle Europa-Tournee, kurz nach Verkaufsbeginn waren sämtliche Karten vergeben. Mit NEWS sprach der Urvater der intellektuellen Rockmusik exklusiv über die Zukunft von Pink Floyd und seinem persönlichen Befinden.

NEWS: Ihr drittes Soloalbum "On An Island" kommt wohl nicht zufällig zu Ihrem sechzigsten Geburtstag.

DAVID GILMOUR: Das stimmt. Auf der einen Seite werde ich mich so immer an die Veröffentlichung des Albums erinnern und ihn so in einen positiven Kontext stellen.

Älter werden bereitet Ihnen Kummer?

DAVID GILMOUR: Nun, ehrlich, wem geht´s nicht so? Es gibt doch entschieden Schöneres, als älter zu werden.

Sie haben acht Kinder. Die halten Sie bestimmt jung.

DAVID GILMOUR: Da ist schon etwas Wahres dran, obwohl natürlich alle schon längst erwachsen sind und ihr eigenes Leben führen.

(Anmerkung: Das hat er sicher nicht gesagt! Den seine drei jüngsten sind 3, 6 und 9! Also noch längst nicht erwachsen.)

Hören Ihre Kinder denn David Gilmour?

DAVID GILMOUR: Doch, schon, sie sagen, ich sei nicht einmal so schlecht. Ihre Kritik ist genau genommen völlig respektlos, aber immer ehrlich.

Apropos Respekt. Ihnen wird zuweilen vorgeworfen, die englische Monarchie zu wenig zu respektieren. Aber im September 2003 verlieh Ihnen die Queen einen Ritterorden. Wie lässt sich das vereinbaren?

DAVID GILMOUR: Tatsächlich ist es ein schönes Gefühl, wenn Ihnen die Königin des Heimatlandes eine solche Ehrung offeriert. Da sagt man nicht nein. Ich denke schon, dass ich ein bisschen stolz auf den Orden bin, das macht mich jedoch nicht zum Monarchisten.

Können Sie denn mit der Politik Tony Blairs konform gehen?

DAVID GILMOUR: Nun, Mister Blair hat zwar, als Premierminister einige sehr ambitionierte Reformen für unser Land durchgesetzt, was ihm zu großer Popularität verholfen hat. Aber es gibt erschreckend viele Engländer, die die Vorkommnisse im Irak nicht beobachtet oder bereits vergessen haben. Dort wurde, ohne das Einvernehmen mit einer öffentlichen Körperschaft wie den Vereinten Nationen, aktive Aggression an den Tag gelegt, die für mich in keiner Weise vertretbar ist. Ich werde Ihm diese Beteiligung nie verzeihen und würde ihn auch nicht mehr wählen.

Sie nehmen häufig an politischen Veranstaltungen teil. Im vergangenen Jahr spielte Pink Floyd wiedervereinigt mit Roger Waters bei "Live 8". Der kurze Auftritt wurde umjubelt. Wird es noch einmal dazu kommen?

DAVID GILMOUR: Ich glaube nicht, dazu genieße ich mein derzeitiges Leben zu sehr. Dieser Abschnitt von Pink Floyd gehört der Vergangenheit an. Eine Wiedervereinigung käme einem Schritt zurück gleich, daran bin ich nicht interessiert. Mein Augenmerk gilt der Zukunft.

Ist es denn so viel einfacher, solo zu sein?

DAVID GILMOUR: Wenn man für so lange Zeit mit ein und denselben Leuten zusammenarbeitet, häufen sich Kompromisse an. Das ist doch wie in jeder Beziehung. Um sich selbst nicht zu verlieren, muss man manchmal einen Schlussstrich ziehen. Insofern ist das Alleinarbeiten entschieden umkomplizierter.

Info: Thomas Zeidler

 

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