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Wouldn't You Miss Me? The Best Of Syd Barrett
One More Laugh From Syd! von Werner Haider 1.5.2001: Ganz ehrlich, es muss sicher an die 2 Jahre her sein, dass ich mir zum letzten Mal ein Syd Barrett Solo Album bewusst angehört habe! Warum eigentlich? Nun ich bin einer dieser Floydfans, die von einer ganz anderen Ecke aus zu dieser Band kamen. Als ich auf Pink Floyd stieß, war die Syd Barrett Ära längst vergangen. Es dauerte einige Zeit, bis ich auf den Namen Barrett stieß und mir sein enormer Einfluss auf Pink Floyd bewusst wurde. Als ich die „Wouldn´t You Miss Me?“ Cd dieser Tage bekam und abspielte, überkam mich ein angenehmes Gefühl. Die Songs, die ich vor langer Zeit hastig gehört habe, erklangen in einem ganz anderen Bild. Vielleicht liegt es einfach an meiner momentanen Stimmung oder aber an meinem veränderten „Hören“, beides wahrscheinlich. Nach den vielen bombastischen Soundkollagen der letzten Jahrzehnte, gefällt mir die minimalistische Kunst Syd Barretts ganz außerordentlich. Das wenige will gehört werden. Dazu diese verschrobenen auf eine gewisse Art und Weise beinahe kindlichen Texte. Mehr als je zuvor gefällt mir dieser Stil. Erst ein paar Tage zuvor bin ich auf einen wahren Syd Barrett Fan gestoßen, Peter Dellemann. Sein Wissen und seine Begeisterung für Syd Barrett haben mich beeindruckt und vielleicht auch wieder offener und neugieriger gegenüber Syd`s Werk werden lassen. Er hat in mir die Neugier erweckt, als er die vielen Songtitel aufzählte, und ich immer wieder zugeben musste, nein, den Titel habe ich jetzt nicht im Ohr. Also nahm ich mir bewusst Zeit, saß mich hin, und hörte was da Syd Barrett sang. Klingt etwas eigenartig, was ich da schreibe, oder? Möglicherweise bin ich gerade auf einem nostalgischen Gefühlstrip. Egal, was ich zum Ausdruck bringen wollte: wem es ähnlich wie mir geht, dem empfehle ich, hör dir wieder mal Syd Barrett an.
Syd Barrett London Earls Court Road, Foto von Mick Rock
EMI Pressetext: Zu einer Zeit, in der wieder verstärkt leise Töne angeschlagen werden und eine ganze Garde junger, vornehmlich britischer Bands - von Coldplay und Travis bis Starsailor und Turin Brakes - sich auf sanfte, folkhafte und mild psychedelische Songs besinnt, ist die Veröffentlichung der Kompilation "Wouldn't You Miss Me?" - The Best Of SYD BARRETT (VÖ: 20.04.2001) umso empfehlenswerter. Schließlich ist der legendäre Sänger, der die Frühphase von Pink Floyd entscheidend prägte, und später als Solokünstler mit einem kleinen, aber feinen Gesamtwerk zum avantgardistischen Grenzgänger zwischen Pop und Folk avancierte, einer der Gründerväter des Psychedelic Rock und eines der Idole all dieser Bands. Unter den 22 Tracks dürften wahre Sydmaniacs besonders versessen auf den bis dato unveröffentlichten "Bob Dylan Blues" sein. Für Einsteiger bietet es die Essenz eines Genies, das in jungen Jahren aus der realen Welt flüchtete, dem Schizophrenie diagnostiziert wurde und heute inkognito und zurückgezogen leben soll.
Wouldn´t You Miss Me? von Mark Paytress "Bob Dylan's Blues" könnte möglicherweise ein uncharakteristischer Songtitel sein von einem Mann, der besser bekannt ist für seine Songs über Gnome, Octopus und aufbrausende Elefanten. Barrett, der Star der britischen Psychedelia Szene, lenkte Pink Floyd's frühen Erfolg bevor an er einer Kombination von Nervenzusammenbrüchen und seiner Tendenz sich auf potente Stimulantien einzulassen, zerbrach. Im Frühjahr 1968 verließ er Pink Floyd. Barretts hoher Drogenkonsum definierte sich sichtbar bei seinen fahrigen Bühnenauftritten, aufgrund seiner unwirklichen Charakterzüge erhielt er den Beinamen "Acid Casualty". Nach den zwei Soloalben, The Madcap Laughs und Barrett, die beide eindeutig das Werk eines wild verwirrten Mannes waren, verschwand er einfach. Sein neuer Wohnsitz war im Keller seiner Familie in Cambridge. Es kehrte dem Rock & Roll den Rücken zu, er begann wieder zu malen. Abgesehen von einer katastrophalen Studio Session 1974, blieb er bei seinem seltsam anmutenden und intensiven Schweigen. Seit dem Tod seiner Mutter Anfang der 90er Jahre, lebt Syd Barrett alleine in Cambridge. Er leidet an Diabetes, er steht in engem Kontakt zu seiner Schwester.
Foto von Mick Rock
Songs: alle Digitally Remastered
Octopus
Die Barrett Legende wird auch von Pink Floyd selbst beibehalten. Am meisten von Roger Waters, dessen "Shine On You Crazy Diamond" und The Wall von den geistigen Gesundheitsproblemen seines Exkollegen inspiriert wurden. Jetzt ist es Gitarrist Dave Gilmour, Barrett's Ersatz bei Pink Floyd und Produzent seiner beiden Soloalben, welcher das Sahnehäubchen beisteuert. "Bob Dylan's Blues," ein bemerkenswerter Song, der sich doch einigermaßen von Barretts anderen Songs unterscheidet. Der Song wurde aus Gilmour's privater Kollektion herausgepflückt und wird auf dem neuen Best Of Album mit der Zustimmung von Barretts Familie veröffentlicht.
"Wir wussten, dass der Song existiert, als wir gemeinsam 1993 die Crazy Diamond Box zusammenstellten.", sagt Projekt Koordinator Tim Chacksfield, "Wir hatten genügend anderes Material. Also gab es keinen Druck für uns den Song zu finden." Die neue Kompilation war nun die ideale Gelegenheit sich David Gilmour zu nähern und um Erlaubnis den Song zu verwenden anzusuchen. Warum der Gitarrist das Masterband nach der Aufnahme der Demo Session am 27. Februar 1970 zu sich nach Hause holt, bleibt weiterhin ein Geheimnis. David Parker, Autor des demnächst erscheinenden Buches Random Precision - Recording The Music Of Syd Barrett 1965-1974, nimmt an, dass Gilmour den Song sehr hoch schätzte. Chacksfield neigt dem zuzustimmen: "Die Tatsache, dass Dave glücklich darüber war es herauszugeben, sagt sehr viel."
Obwohl R&B improvisierte Musik und Kinderzimmer reimartige Folksongs Barrett eindeutig beeinflussten, ist die Dylan Verbindung eine weitaus unklarere. Syd Barrett und David Gilmour, die zu der Zeit Teenager in Cambridge waren, trafen den auf Konzertbesuch sich befindenden Amerikaner bei seinem Konzert in London 1963. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der "Bob Dylan's Blues" in den darauffolgenden Monaten geschrieben wurde. Peter Barnes, Pink Floyds Musik Verleger: „Es ist einer von Syd's ersten Liedern überhaupt. Geschrieben lange bevor er eine Plattenvertrag hatte."
Die Aufnahme von 1970, bei der Barrett sich mit der Akustik Gitarre begleitet, ist eine nette Andeutung an Dylan's früheren Bluesstil. Barrett verspottet auf eine sanfte Art und Weise Dylan's damaligen Aktivismus und spielt auf seine anrüchige Lässigkeit an:
Got The Bob Dylan Blues And The Bob Dylan Shoes And My Clothes And My Hair's In A Mess But You Know I Just Couldn't Care Less
The Chorus Is Equally Even-Handed Cos I'm A Poet Doncha Know It And The Wind, You Can Blow It Cos I'm Mr. Dylan, The King And I'm Free As A Bird On The Wing.
Obwohl er später Dylan's ungekämmten lockigen Haarstils übernahm, ist dieses Lied der erste hörbare Beleg für Syd Barrett's früheren Enthusiasmus für Bob Dylan und bietet abgesehen von seinen doch eher gehirnreizenden Material einen amüsanten Beitrag.
(Mark Paytress, der auch das Vorwort des Wouldn´t You Miss Me? Booklet schrieb. 14.2.2001 Rolling Stone) |
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