18.04.2007 LEIPZIG Arena

KÖLN  ◙  HAMBURG

 
Roger @ Arena Leipzig.

von Jens Burmeister

Es sollte nun das vierte Konzert von Roger sein, dass ich besuchte. Nach 2x In the Flesh und 1x Dark Side of the Moon im letzten Jahr. Leider muss ich sagen, dass es von den vieren auch das schlechteste war, was aber nicht heißt, dass es schlecht war. Es hatte Höhen und Tiefen. Vielleicht mag es auch an der Einstellung liegen - damals bei In the Flesh war es für mich das erste Konzert mit einem Pink Floyd Mitglied. Da ist der Hype sicherlich größer. Wenn man nun in Leipzig da steht und die identische Setlist wie letztes Jahr Berlin Wuhlheide vorfindet, ist man schon etwas enttäuscht, dass das nicht variiert wird. Naja, da kann man nichts machen. Sehr positiv zu verzeichnen ist die neue Lightshow von Mark Brickman. Das Laser-Prisma ist absolut klasse. Auch die Pyro-Effekte waren nicht zu verachten. Auch die Hintergrundsequenzen waren hübsch.

Die Songzusammenstellung im ersten Teil fand ich etwas lieblos. Mir fehlte da ein wenig das Konzept. Super waren die Stücke von Final Cut, Set the controls war gut, Sheep weltklasse (Animals ist mein Lieblingsalbum, hätte mir halt auch mal wieder Dogs gewünscht, wie bei In the Flesh). Schön auch Have a Cigar (Warum nicht mal in Kombination mit dem genialen Welcome to the machine?) Enttäuscht hat Shine on you crazy Diamond mit abgewürgtem Intro. Entweder man spielt es ganz oder gar nicht. Schlimm auch die lauten Passagen von Perfect Sense, wo der Ton für mich ganz schwach war (es kam mir völlig übersteuert vor, daher wundere ich mich, wenn ich die ganzen Rezensionen lese, das so viele vom perfekten Sound reden - perfekt war DAS jedenfalls nicht). Leaving Beirut war auch gut, vor allem weil man diesmal die Comics verfolgen konnte, die damals in Berlin wegen der Sonne kaum sichtbar waren.

Nunja der zweite Teil war halt Dark Side of the Moon. Nicht mein Lieblingsalbum aber so ganz nett. Schade finde ich nach wie vor, dass in der Dark-Side Tour bei Money das geniale "dreckige Solo" von Andy Fairweather-Low verschwunden ist. Auf der In-the-flesh DVD und auch in concert damals war es eines der besten Soli. Große Enttäuschung war dann Comfortably Numb mit dem für mich bis jetzt schlechtestem Solo. Das klang einfach nicht gut. Da leg ich lieber In the Flesh oder Pulse rein, das ist beides um Längen besser. Sorry, aber Dave Kilminster war für mich dort einfach nicht Form.

Etwas tolles hatte das Konzert aber, um den kurzen Bericht noch abzurunden: Ich war noch nie so nah an Roger dran ;) Wir standen am rechten Bühnenarm und wenn Roger seine Ausflüge machte, stand er manchmal keine zwei Meter von mir entfernt. War schon beeindruckend. Aber ich muss sagen, der Mann ist alt geworden und man muss jede Chance nutzen, ihn Live auf der Bühne zu erleben, so lange er noch Musik macht. Auch wenn die Konzerte nicht unbedingt besser geworden sind, wie gerad' erzählt, trotz allem ist es immer wieder ein bewegendes Erlebnis und ein Stückchen Rockgeschichte...

Links:

Jens Burmeister

H.-Joachim Lingelbach

Volkszeitung Waters Interview

Sächische Zeitung

 

 

 

Fotos © LVZ online

Musikspektakel vom allerfeinsten.

von H.-Joachim Lingelbach

Noch ganz unter dem Eindruck des Konzertes vom heutigen Abend einige erste Eindrücke aus Sachsen. Als jahrelangen Floyd-Fan überzeugten mich 2006 bereits Roger in Berlin und David in München mit ihren Open Air Konzerten. 

Das erste mit Spannung erwartete Konzert von Roger Waters in der Arena Leipzig war aus meiner Sicht einfach super. Nach einem eher kühlen Interview in der Leipziger Volkszeitung vom Montag lieferte der Mitbegründer von Pink Floyd ein Musikspektakel vom allerfeinsten ab.  

Wie nicht anders erwartet wurde der Zuhörer von lupenreinem Ton und einer genialen Lasershow verwöhnt. Was soll ich große Worte machen, es war einfach super und bin froh dabei gewesen zu sein! Bleibt dem treuen Fan nur weiterhin zu hoffen, dass die Floyd-Herren sich irgendwo auf dieser Welt vielleicht doch noch einmal gemeinsam auf  einer Bühne sehen!

Fotos von Heiko & H.-Joachim Lingelbach

Stilles Wasser auf der dunklen Seite des Mondes.

Von Björn Urbansky, Sächische Zeitung

Roger Waters’ Show in Leipzig wird Pink Floyd annähernd gerecht.

Stille Wasser sind tief: Davon kann Roger Waters ein Lied singen – oder gar mehrere Alben. Das ehemalige Mitglied von Pink Floyd ist im Vergleich zu wild gestikulierenden Publikumsanimateuren wie Mick Jagger eine ruhigere Nummer. Wo der Sänger der Rolling Stones die Fans mit Händen, Füßen und Mund antreibt, zupft der 63-jährige Waters elegant an seinem Bass und lässt nebenbei eine geniale Bühnenshow ablaufen. Das Dargebotene ist eher musikalisches Kino als Bewegungstherapie, wie das Konzert am Mittwoch in der Arena Leipzig beweist.

Kurz nach 20 Uhr erscheint ein Radio im 60er-Jahre-Stil auf der Leinwand. Davor eine Whiskyflasche, ein halb volles Glas und ein dampfender Aschenbecher. Es läuft Rockmusik. Zehn Minuten später schreckt plötzlich eine riesige Hand ins Bild und dreht am Regler. Der neue Sender gefällt den rund 7500 Besuchern, und sie begrüßen Roger Waters samt Band frenetisch.

Der Bassist schlendert im künstlichen Nebel auf die Bühne, legt dann aber sofort los. Es folgt eine straffe und eindrucksvolle Zeitreise durch die Geschichte von Pink Floyd und deren Alben. Waters wirkt souverän, für sein Alter durchaus vital und begeisterungsfähig. Nur reden mag er nicht. Die Überleitung zwischen den einzelnen Stücken übernehmen Filmsequenzen auf den insgesamt drei Leinwänden. Wortlos zieht er seine Show durch, erst kurz vor Ende des ersten Konzertteils kündigt er selbst das Lied „Leaving Beirut“ an:
ein starkes Werk über den Irakkrieg. Dann ist erst mal Schluss.

Nach 15 Minuten strahlt ein riesiger Mond die Besucher an. Ein Satellit fliegt von seiner dunklen Seite her in die Mitte des Bildes. Roger Waters schickt sich an, das komplette „Dark Side of the Moon“-Album zu spielen, dessen Texte alle aus seiner Feder stammen. Die nächsten 45 Minuten werden die faszinierendsten des Abends. Die Arena taucht in eine düstere Atmosphäre: Krankes Irrengelächter, plötzliche Explosionen, rasender Herzschlag, verzerrte Geräusche und aufratternde Maschinenpistolen. Die Show ist perfekt inszeniert. Jeder Einspieler sitzt, die Lichteffekte sind dezent, aber wirkungsvoll, und die Musik tut ihr Übriges.

Auch wenn Pink Floyd nur zu einem Viertel auf der Bühne steht, gefühlt ist es wesentlich mehr. Roger Waters gelingt es, die Stimmung der gigantomanischen Floyd-Shows ansatzweise in die Arena zu holen: Besprühte Schweine und Astronauten fliegen durch die Luft, die Klangeffekte und Filme auf der Leinwand erfüllen ihre Wirkung. Selbst die Akustik in der Konzerthalle ist super, kein Übersteuern zu spüren. Fast drei Stunden dauert die Show. Beeindruckend. Stille Wasser können sehr tief sein.

Info: Jens Burmeister

 

 

Fotos © LVZ online

 

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