16.04.2007 KÖLN Arena

BUDAPEST  ◙  LEIPZIG

 
Es hat sich mehr als gelohnt.

von Pete Zahlten

Wir sind aus Köln zurück und mussten feststellen das schon aussagkräftige Berichte auf Deiner Homepage vorhanden sind. Der Bericht von Hans-Jürgen Müller gefällt uns (Frank und mir) besonders gut. Schön geschrieben und wunderbar wiedergegeben. Diesem ist nicht wirklich viel hinzuzufügen, jedoch ein paar "Anekdoten" unsererseits:

 
1. Wir gehörten zu den 10 verrückten "Autogrammjägern" die sich vor dem "HYATT" Hotel aufhielten. Dies hat sich auch entsprechend gelohnt, haben wir doch zum ersten Male überhaupt JON CARIN getroffen der uns somit verhalf z.B. das Tourprogramm von ROGER WATERS - USA 1999 zu vervollständigen (er war der einzige der Band der uns immer "entwischte")...! ;-)
 
2. Zum Thema DAVE KILMINSTER können wir bestätigen, dass er sich (sowohl als auch die anderen Bandmitglieder) gegenüber 2006 gesteigert haben. Allein bei "COMFORTABLY NUMB" war er viel besser und nach unserer Meinung wäre es besser gewesen Dave hätte das SOLO des Songs alleine gespielt. SNOWY WHITE glänzte bei anderen Songs wie z.B. denen von "FINAL CUT", jedoch nicht bei Comfortably Numb - das wechselnde Spiel der Gitarren zwischen den Beiden "zerstörte" das Feeling des Solos und machte es somit nicht wirklich zum Genuss! Es war ein Gefühl, als ob man einen Film guckt und zwischendurch Werbung kommt...., schade!

3. Die Show war insgesamt viel besser abgestimmt. Dies lag hauptsächlich an den Filmen. Alleine die Tatsache das die Idee mit dem Radio (siehe Bericht von Hans-Jürgen Müller) ausgeweitet wurde. Vor der Show wurden - wie gesagt - erst Songs von SYD gespielt, dann drehte er am Radio und es kamen Songs von VERY LYNN und ROCK`N`ROLL. Erneut drehte er am Radio und es kam eine Kriegsberichterstattung. Währendessen kam die Band auf die Bühne und der Übergang zu "IN THE FLESH!" begann. Auch während der Show im ersten Teil wurde dieses immer wieder zu Übergängen genutzt, was das ganze als Konzept erscheinen ließ - GENIAL! Während des Songs "MOTHER" und später "COMFORTABLY NUMB" wurde das Zimmer gezeigt in dem der ständig rauchende, Whisky-trinkende "PINK" vor seinem Radio saß, etc.!

 
4. Auch die LICHTSHOW - diesmal von MARC BRICKMAN konzipiert, war viel besser und nicht so aufdringlich und zum Teil kitschig wie noch 2006. Ähnlich wie bei den GILMOUR-Konzerten 2006 waren auch hier die Scheinwerfer an den Seiten auf der Bühne ausgerichtet. Das gesamte Bühnenbild und die Band waren viel besser ins "rechte Licht" gerückt!
 
Zusammengefasst können wir nur sagen: Es hat sich wieder mehr als gelohnt die Kilometer nach Köln auf uns zu nehmen! Weiter geht es am Donnerstag in HAMBURG und im Mai in LONDON - wir freuen uns und sind schon sehr gespannt!

Links:

Hans-Jürgen Müller

Michael Weickenmeier

Pete Zahlten 

Süddeutsche Zeitung

 

 

Pete mit Jon Carin und Dave Kilminster

Mein Freund Dave Kilminster.

von Hans-Jürgen Müller

Ich bin am frühen Nachmittag nach Köln gekommen und habe mir nach einem kurzen Besuch meines Hotels einen Spaziergang am Rhein entlang gegönnt. Bei herrlichem Sonnenschein bin ich am Hyatt Hotel vorbei gekommen, das direkt am Rhein liegt, mit Blick auf den Dom auf der anderen Flussseite. Am Hotel waren schon ca. 10 Autogrammjäger auszumachen. Sie erzählten mir, dass sich Dave Kilminster gerade auf der Promenade sonnte und sie schon von diversen Bandmitgliedern  Autogramme bekommen hatten. Einige warteten bereits über 5 Stunden vor Ort. Roger war nur einmal kurz zu sehen, als er völlig verschwitzt von einem Tennismatch kam.

Nach einer ausgiebigen Stärkung ging ich dann Richtung KölnArena, was nur ein kleiner Fußmarsch von ca. 5 Minuten bedeutete. Es herrschte großer Andrang an den relativ kleinen Einlasstoren. Direkt hinter der Eingangstür waren schon die Nebenschwaden des Trockeneises in der Luft und die Halle selbst war schon entsprechend eingenebelt. Überraschenderweise liefen gerade Songs von Syd Barrett - nette Geste! Links und rechts der riesigen Bühne waren 2 Leinwände und hinter der Bühne eine große rechteckige Leinwand. Auf dieser waren ein altes Radio, eine Whiskeyflasche, ein Glas, ein voller Aschenbecher und Postkarten an der Wand hinter dem Radio zu sehen. Nach einige Zeit liefen dann alte Rock'n'Roll-Nummern und dazwischen "We'll Meet Again" von Vera Lynn (die im Rahmen der späteren Zugabe ja nochmals eine Rolle spielte).

Plötzlich änderte sich das Hintergrundbild mit dem Radio fast unmerklich: es stieg Zigarrettenrauch auf! Somit war aus dem Bild ein Film geworden und wenn man so will, eigentlich schon der Beginn des Konzerts. Hin und wieder sah man dann auch eine Hand im Bild, die die Whiskeyflasche nahm und das Glas auffüllte, die Sender am Radio einstellte und schließlich mit der Zigarette.

Doch dann wurde es vor fast ausverkauftem Haus endlich wirklich ernst, wenn auch mit einer für Waters unüblichen Verzögerung von über 20 Minuten. Über die Setlist brauche ich keine Worte zu verlieren, die war identisch zu den vorherigen Shows und sie war vor allen Dingen identisch mit der Setlist von letztem Jahr in Berlin. Es ist schon seltsam die gleiche Show fast ein Jahr später nochmals zu sehen und trotzdem mehr als 50% Preiszuschlag in Kauf nehmen zu müssen! Die gleiche Show? Nun, das dache ich zumindest, da ja die Setlist gleich war. Aber es sollte sich herausstellen, dass ich mich da gehörig geirrt hatte. Dies waren 2 völlig unterschiedliche Shows!

Dies hatte mehrere Gründe: Zuerst einmal "mein Freund" Dave Kilminster! Wir werden wohl kaum mehr Freunde fürs Leben werden und ich hatte ihn in meinem Review von Berlin letztes Jahr doch deutlich kritisiert (Anmerkung hierzu: Meine damalige Kritik rief einige vermeintliche Waters Fans auf den Plan, die meine "Majestätsbeleidigungen" in Internetforen massiv angingen und mich in übelster Weise beschimpften. Nun, außer meinem Amusement über solch kindisches Gehabe bleibt für mich aber das Erstaunen, dass ausgerechnet für Fans von Roger Waters die Worte Toleranz und das Recht, seine freie Meinung zu äußern, Fremdworte sind. Das stimmt mich allerdings schon etwas traurig, wird aber meine damalige Aussage in keinster Weise auch nur annähernd ändern!). Dieses Jahr in Köln habe ich einen veränderten Dave Kilminster erlebt. Ich muss zugeben, dass er sich nunmehr viel besser ins Bandgefüge eingelebt hat und sein exaltiertes Verhalten deutlich eingeschränkt hat. Insofern kann man dies sogar als kleines Lob auslegen! Aber er ist noch ausbaufähig ...

Ein weiterer Unterschied zu der letztjährigen Show war natürlich auch der äußere Rahmen. Letztes Jahr ein Open Air Konzert in einem Amphitheater und dieses Jahr Indoor in der KölnArena. Ich bin kein großer Freund von Open Air Veranstaltungen und sehe mir lieber Shows in Hallen an, wo problemlos die optimalen Voraussetzungen geschaffen werden können. In Berlin waren in der ersten Hälfte praktisch keine Rückprojektionen und Lichteffekte zu sehen, da es noch viel zu hell war. Solche Probleme gibt es in der Halle nicht!

Und letztlich war auch die Show selbst unterschiedlich! Vor allen Dingen im ersten Teil waren völlig neue Filme zu sehen. Wirklich sehenswert und zum Teil sehr bewegend! Trotz der enormen Lautstärke (in einigen Teilen fast schon etwas zu laut) war der Sound insgesamt sehr gut. Die Videoleinwände an den Seiten der Bühne verwirrten mich anfangs doch sehr. Da ich in der 11. Reihe in Höhe der 3 Backgroundsängerinnen saß, hatte ich einen perfekten Blick auf die Bühne, so dass mich diese Leinwände mehr irritierten als halfen (im Gegensatz zu den Zuschauern weiter hinten). Ich habe mich dann nur noch auf die Bühne konzentriert.

Waters zeigte sich (mal wieder) sehr kommunikativ mit dem Publikum und erntete bei seinen Ausflügen zu den Bühnenrändern immer seinen Sonderapplaus. Die ganze Band spielte den Set routiniert, aber mit großer Power, der die Zuschauer begeisterte. Und Waters hatte mal wieder seinen Spaß ...

Insgesamt also eine deutliche Änderung und somit auch Steigerung zu Berlin. Ich war sehr positiv überrascht, wie sich diese Show über diese Zeit weiterentwickelt hat und welcher zusätzliche
Aufwand betrieben wurde.

Hier noch ein paar interessante Details: In der Pause (die wirklich nur 15 Minuten lang war und es viele Fans nicht mehr rechtzeitig zu ihren Plätzen schafften) lief das legendäre alte Pink Floyd Konzert-Intro mit dem Vogelgezwitscher und den Geräuschen aus Mutter Natur. Der riesige Astronaut kam auch bei dieser Show zum Einsatz, ebenso wie das bemalte und beschriftete Schwein, das quer durch die Halle flog. Am Ende des Dark Side Teils leuchtete über unseren Köpfen eine riesige Pyramide, deren Seiten aus Lasern bestand. Bei den Explosionen auf der Bühne wurde solche Hitze frei, dass ich dies in der 11. Reihe noch spüren konnte. Und da war noch das Papiergewitter bei "Sheep", bei dem Millionen kleiner grüner Papierschnitzel 10 Minuten lang von der Hallendecke auf uns niederregneten und uns zu unzähligen grünen Shreks machte.

Musikalische Highlights waren "Shine On You Crazy Diamond" mit den Bildern von Syd Barrett (es wäre mal interessant zu wissen, wie viele von den Zuschauern ihn [er]kannten), die bewegenden
"Southampton Dock" und "The Flechter Memorial Home" und natürlich die beiden Teile von "Perfect Sense", die die Halle zum Kochen brachten. Der Dark Side Teil war wenig überraschend, aber doch sehr gut. Leider konnte auch dieses Mal "Comfortably Numb" nicht 100%ig überzeugen. Schade, denn dies ist als Abschluss jeder Show normalerweise einfach unschlagbar.

Nach insgesamt 140 Minuten (wenn man das Radio-Intro mitzählt, dann sogar 150 Minuten) war dann mit einem abschließenden Feuerwerk die Show beendet, Waters gab 1 (!) Autogramm und alle verließen die Bühne. Zurück bleib ein überglückliches Publikum, das sich auf den Heimweg machte. Mit ein paar Kölsch habe ich dann auch diesen tollen Abend langsam ausklingen lassen ...

Foto Tobias Wollgarten

 

Köln war toll.

von Michael Weickenmeier

Mit etwas Verspätung begann das Konzert in der ausverkauften Kölnarena. An der Setliste gab es keine Veränderungen. Ich war in der Woche zuvor auch in Zürich gewesen, und die Konzerte unterschieden sich leicht. Waters zeigte sich in Zürich gerührt vom Willkommen zum Europaauftakt. In Köln war er ebenfalls bestens gelaunt und sprach sogar einige Worte Deutsch. Das Publikum feierte ihn und die Band frenetisch.

Bei "Dark Side of the Moon" hat man schon den Eindruck, dass die Band das Album nicht einfach nur spielt, sondern regelrecht zelebriert. Und Waters scheint letztendlich doch sein Gefallen am Kommunizieren mit den Massen gefunden zu haben; immer wieder geht er auf die Laufstege links und rechts neben der Bühne, animiert das Publikum und singt begeistert mit. In solchen Momenten wird der Unterschied zu Gilmour deutlich: der würde so etwas NIE machen.

Sound, Licht, Pyrotechnik und Projektionen waren gewohnt perfekt; das Schwein landete diesmal nicht wie in Zürich ständig auf Zuschauerköpfen, sondern kreiste elegant propellergetrieben durch das Rund der Arena. Der Laser am Ende von "Dark Side" ist schließlich der Höhepunkt, der wohl auch dem letzten den Gänsehautschauer bringt; das rotierende Prisma ist einfach genial.

Als Musiker würde mich wohl ärgern, dass nach der sehr kurzen Pause die Zuschauer noch während des gesamten "Breathe" zu ihren Plätzen zurückströmen. Ein Pausengong wäre sicher angebracht ("Time"-Glocken???).

Nachtrag: Im Gegensatz zu Zürich waren in Köln auch die freundlichen inoffiziellen T-Shirt Verkäufer wieder von der Partie, die die lila Prisma T-Shirts zu einem Drittel des Merchandising Preises anboten...

KÖLN © Michael Weickenmeier

 

Roger Waters-Konzert: Willkommen beim eleganten Durchdrehen

von Alexander Gorkow

Der frühere Pink-Floyd-Vordenker Roger Waters spielt in Köln alte Schizo-Schocker und klingt dabei brillant. Zum überirdisch erfolgreichen Häppchen-Management, mit dem die britische Rockgruppe Pink Floyd über und in die Jahre kam, gehörte es, lange auf neue Platten warten zu lassen, auf Konzertbühnen für Stunden im Trockeneis oder hinter Mauern zu verschwinden oder sich eben als Gruppe aufzulösen und gegenseitig ein Vierteljahrhundert lang mit den teuersten Anwälten zu bekriegen. Seit der überaus überraschenden Wiedervereinigung im Sommer 2005 für vier Lieder auf dem Londoner Live-8-Konzert hofften nun seltsamerweise nicht nur die zahlreichen Fans dieser Gruppe auf eine gemeinsame Tournee, sondern auch der Keyboarder Richard Wright, der Schlagzeuger Nick Mason, sogar der ehemalige Kopf der Band, Roger Waters - nur leider diesmal nicht der Gitarrist und zweite Sänger David Gilmour. Gilmour erschien die Aussicht, mit seinem ehemaligen Intimfeind Waters wieder auf eine ausgedehnte Konzertreise zu gehen, nur weil man sich einmal vier Lieder lang nicht in die Haare gekriegt hatte, als grotesk. Die Garantiesummen, die Konzertvermarkter für das Orginalquartett boten, waren von neuer astronomischer Qualität, aber wenn Pink Floyd von einer Sache sozusagen nichts mehr hören wollen, dann von: noch mehr Geld.

Man kann nicht alles haben, weshalb also der Plan des schlaksigen Frontmanns Waters, gemeinsam mit dem lasziven Gilmour und den anderen beiden Musikern das 1973 erschienene Großwerk "Dark Side Of The Moon" noch mal in voller Länge auf die großen Bühnen zu wuchten, scheiterte. Seit rund einem Jahr führt Waters nun mit großer Band das viertbestverkaufte Album aller Zeiten ohne Pink Floyd auf. Soeben kam er aus Südamerika zurück, wo man in Fußballstadien für teils sicherheitsgefährdende Ekstase sorgte.

Das erste Konzert in Deutschland, vorgestern in der ausverkauften KölnArena, war nicht gefährlich, sondern einfach nur schön. Vielleicht kann man das in einem etwas schiefen Bild am besten so erklären: Wenn man auf einem Parkplatz mit lauter Autos steht, die aussehen, als habe man sie aus einem Stück Schaumstoff geschnitzt und ihnen dann vorne und hinten etwas abgefahren, so also wie die meisten Autos heute nun mal aussehen, was denkt man dann, wenn mit einem mal ein weinroter Jaguar E-Type um die Ecke biegt? Eben. Waters hat eine erlesene Band dabei, es sind versierte Musiker, wie der katapultöse Schlagzeuger Graham Broad, der scharf Funken schlagende Gitarrist Andy Fairweather Low, der fein akzentuierende und sehr jazzig punktierende Keyboarder John Carin. Möglich, dass das hier nun klingt wie aus dem Manufactum-Katalog, auch möglich aber, dass einem das im Konzert eher willkommen als egal erscheint. Denn es gibt ja genug enttäuschende Konzerte von Gruppen, die angeblich virtuos sind. (Dies für alle, die zum Beispiel noch nicht auf einem Konzert der Red Hot Chili Peppers waren.)

Jedenfalls wirkte Waters' Band hier von der ersten bis zur letzten Sekunde dieses mehr als dreistündigen Abends immer dann präzisierend und abfedernd, wenn der Sänger früher noch Gefahr lief, seinen politischen oder psychopathologischen Zorn aus ganz großen Kanonen auf die Leute zu feuern. Was bei Pink Floyd stets übrig blieb, wenn man das Pathos überwand, war in der Tat große Eleganz, und von dieser Eleganz gab es an diesem Abend viel: Vor der Pause in der beruhigenderweise auch noch bestuhlten Arena stachen hier etwa Syd Barretts hypnotischer Feuerzauber "Set The Control For The Heart Of The Sun" hervor oder auch das wundersam pulsierende Rockpsychogramm "Sheep" von der großartigen, meist etwas unterschätzten "Animals"-Platte.

Sollte man hingegen das Konzeptalbum "The Dark Side Of The Moon" lange nicht mehr gehört haben, wurde man nach der Pause womöglich erst froh und dann depressiv. Dies hatte sehr wesentlich damit zu tun, dass einem dieser konstant zwischen Himmel und Erde schwebende Schizoschocker, den Waters mit sage und schreibe Mitte Zwanzig und vor 35 Jahren zu Papier brachte, sich als vollkommen zeitlos erweist, was toll ist für Waters, aber doch ein ziemlich deprimierendes Bild auf den aktuellen Musikmarkt wirft. Das ganze Album geht auf diesen blue-note-artigen, von Richard Wright damals frech bei Miles Davis abgeguckten Wegen wie auf Ballettschuhen daher. Aufgeladen wurde das freilich durch die ziemlich überwältigende Psychokomponente: Herzschläge, Irrengelächter, Selbstentfremdung, Donnerschlag - wann hat man sich zuletzt beim Durchdrehen so zu Hause gefühlt!

Roger Waters brachte an diesem Abend so auch eher sich selbst auf die Bühne als Pink Floyd. Die Auszüge, die sich maßgeblich aus den großen Waters-Epen "Dark Side", "Final Cut" und "The Wall" speisen, verloren allerdings nie die Contenance - anders als in früheren Phasen seiner Solo-Karriere. Die Lichtregie war sparsam, aber effektvoll, der Klangist brillant. Waters selbst, der Lulatsch, stramm über 60 und bei guten Lichtverhältnissen ein wenig an Richard Gere erinnernd, hatte zudem auch noch erschreckend gute Laune und bedankte sich ständig von einem Bühnenrand zum anderen. Vielleicht war er doch froh, dass David Gilmour nicht dabei war.

Und überhaupt: Gilmour! Hat man ihn denn vermisst? Diese prätentiöse Bratgitarre am Ende von "Comfortably Numb"? Diese bekiffte Stimme bei "Breathe" und "Us And Them"? Dieser stets arrogante Blick? Um ehrlich zu sein: Ja.

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