|
Der Tintenfisch und der Wal. |
|
|
11.12.2006: Noah Baumbachs Komödie erzählt
heiter-melancholisch vom Erwachsenwerden in einer Welt, die keine Träume
zulässt. Den Film gibt's jetzt auch auf DVD. Das Porträt einer zerbrochenen Familie, aber kein rührendes Melodram wie "Kramer gegen Kramer", sondern eine realitätsnahe Geschichte aus Kinderperspektive und wie aus dem Leben gegriffen. Der 12-jährige Frank und sein 16-jähriger Bruder Walt fallen aus allen Wolken, als ihnen ihre Eltern die Trennung mitteilen. Zwischen dem erfolglosen Literaten Bernard und der erfolgreichen Romanautorin Joan kriselt es schon lange. In dem netten Häuschen in Brooklyn hing der Haussegen schief, nicht nur wegen beruflicher Eifersucht, sondern auch wegen privater – die Gattin hielt es mit der Treue nicht so genau. Originaltitel: The Squid and the Whale (Australien, 2004) Regie: Noah Baumbach Darsteller: Jeff Daniels, Laura Linney, Jesse Eisenberg, Owen Kline, Anna Paquin, William Baldwin Länge: 77 Min. Fein säuberlich wird die Zeit der Kinder aufgeteilt: bei Papa, der mangels finanzieller Masse in eine heruntergekommene Wohnung zieht, und Mama, die weiterhin im schicken Heim residiert. Krach ist vorprogrammiert. Die Kids sind zwischen den beiden hin- und hergerissen. Mal halten sie zum Loser-Vater, mal zur Power-Mutter. Während die Erwachsenen sich streiten wie die Kesselflicker, verkriecht sich der Jüngste immer mehr in sich selbst und greift schon mal zur Flasche, der Ältere macht seine ersten Gehversuche in Sachen Liebe und hält zum Daddy. Liebevoll inszeniert ist die Verlassenheit der Jungs, ihre Verzweiflung, aber auch die Kraft, sich vom dominanten Vater und der leichtlebigen Mutter zu lösen und einen eigenen, wenn auch schmerzvollen Weg zu finden. Denn von den Eltern haben sie wenig zu erwarten, Bernard versucht sich bei einer attraktiven Studentin als Mann zu beweisen und nimmt sie als Untermieterin auf, Joan stürzt sich in eine Affäre mit Franks Tennislehrer. Tragik und Komik halten sich die Waage, wenn man bei der Rechteaufteilung die Katze vergessen hat oder Walt völlig ungeniert "Hey You" von Pink Floyd bei einem Musikwettbewerb in der Schule als Eigenkomposition ausgibt und anschließend beim Therapeuten Farbe bekennen muss. Noah Baumbach, selbst in den 80er Jahren in Brooklyn als Sohn eines geschiedenen Literatenehepaares (Vater Romanautor, Mutter Filmkritikerin) aufgewachsen, verarbeitete einen Teil seiner eigenen Jugenderinnerungen und kehrt zu den Stätten seiner Kindheit zurück. Der Film sei aber keines falls nur autobiografisch, sondern vieles frei erfunden, behauptet er – auch wenn er den Hauptdarsteller die Kleidung seines Vaters tragen ließ, um sich "stärker und unmittelbarer" einzubringen. Das Tennisspiel als Einzelsport spielt eine große Rolle in der Handlung, Metapher für die Vereinzelung der Protagonisten. Und wie Bälle schießen auch die gnadenlos harten Dialoge übers Netz, treffen den anderen ins Mark. Jeff Daniels mimt den nicht gerade sympathischen Pater Familias verletzlich und traurig, Laura Linney die Frau und Mutter resolut und herzlich. Um das "authentische Feeling der 80er Jahr" zu erzeugen, drehte Baumbach auf Super-16 statt auf Digitalvideo. "Der Tintenfisch und der Wal" erzählt heiter-melancholisch vom Erwachsenwerden in einer Welt, die keine Träume zulässt. Keine heile Welt à la Disney & Co, sondern eine wirkliche, die Wunden schlägt und in kleinen Momenten Wunder zulässt. |
DVD seit 5.12. erhältlich
Soundtrack Album
Links:
|
|
Roger Waters bei Filmpremiere.
26.09.2005: Roger Waters war bei der Filmpremiere von "The Squid and the Whale" in New York. Wie bereits berichtet kommt im Soundtrack auch eine Coverversion von "Hey You" vor. Ab 5.10. läuft "The Squid and the Whale" in den US-Kinos. Unter den Schauspielern befinden sich auch die renommierten Darsteller Laura Linney und Jeff Daniels. Auf dem dazugehörigen Soundtrack Album befindet sich eine akustische "Hey You" Version, gespielt von Dean Wareham. Den Song kann man sich auf der offiziellen Homepage anhören: www.squidandthewhalemovie.com/ Info: A Fleeting Glimpse |
Regisseur Noah Baumbach und Roger Waters, Foto: Evan Agostini/Getty Images |